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Aktienmärkte: Die Börsen nach Trump vor dem Jahresendspurt? (Teil1)

Die Aktienmärkte haben nach der Niederlage von Trump alles Positive schon eingepreist - kurzfristig mag das stimmen, aber nicht auf Sicht bis zum Jahresende!

Die Aktienmärkte haben alles Positive schon eingepreist – kurzfristig mag das stimmen, aber nicht auf Sicht bis zum Jahresende. Die US-Wahlen haben zu großen Spekulationen an den US-Terminmärkten geführt in punkto Folgen einer blauen Welle. Das Ergebnis war die beste Woche der Wall Street seit April, nach einer besonders schlechten Vorwoche, ausgelöst durch große Eindeckungsrallyes bei Optionen auf den Nasdaq aber auch auf den S&P 500, die sogar noch zu Anschlusskäufen geführt haben. Ein Negativszenario ist nicht eingetreten, das knappe Ergebnis dürfte die große Regulierung verhindern. Was bedeutet das aber für die nächste Zeit?

Aktienmärkte: Gewinnmitnahmen und Volatilität, aber..

Das erneute Scheitern der Demoskopie (ein letztes Mal der Begriff Politik als „Non-Validity Environment“) hat an der Börse zu gewaltigen Schieflagen geführt. Eben, weil man sich auch seitens der Großinvestoren auf die scheinbar so sicheren Wahlumfragen verlassen hatte, die bis zuletzt einen Riesenvorsprung von Joe Biden signalisierten. Da Aktienmärkte immer zu antizipieren versuchen, was bei externen Schocks und unvorhersehbaren menschlichen Reaktionen nicht besonders oder gar nicht klappt, kam es in der letzten Vorwahlwoche nicht zur statistisch sehr sicheren Wahlrally. Sondern zu Abverkäufen bei den großen Werten und einer historisch hohen Put-Absicherung an der Nasdaq, weil große Adressen nicht Riesenpakete auf dem Markt werfen können, ohne den Wert der restlichen eigenen Positionen zu zertrümmern. Am Tag vor der Wahl stiegen die ersten Verunsicherten bereits aus, die ersten Wahlstunden brachten die Gewissheit – keine Dominanz von Biden, keine Eskalation der Gefahren für FANGMAN und damit raus aus den Puts.

Das Ergebnis war die beste Woche bei S&P 500 seit April mit plus sieben Prozent, auch beim Dax. Was in den Jubelarien auf diese Woche mit allerlei Superlativen untergeht, ist die Tatsache, dass damit gerade das aufgeholt wurde, was die Indizes seit dem 12. Oktober verloren haben.

Jetzt bringt das Wahlergebnis jede Menge Konfliktpotenzial, initiiert durch den Amtsinhaber, so dass Gewinnmitnahmen und etwas Volatilität für die Aktienmärkte kurzfristig sehr wahrscheinlich sind. Doch wie geht es weiter?

Was könnte eine Jahresendrally verhindern?

Natürlich steht in den USA eine Zeit der Unsicherheit bevor, mit der Frage was in den nächsten Tagen auf den Straßen Amerikas passieren wird? Schließlich haben 71 Millionen US-Bürger Donald Trump gewählt, die jetzt sehr frustriert sind. Darunter dürften sich nicht wenige befinden, die bereit sind sich für die Wahlniederlage (die aus ihrer Sicht auf Wahlbetrug beruht) zu rächen. Was wird der US-Präsident machen, der offiziell noch bis Januar im Amt ist? Wie viele von den ersten Maßnahmen des „Neuen“ wird er per Dekret konterkarieren ? Die Hilfen für die vielen Arbeitslosen und die Corona-geschädigten Firmen, was unmittelbar Auswirkungen auf den US-Konsum haben muss?

Natürlich wird die Pandemie sofort wieder als Belastungsthema für die Aktienmärkte zurückkehren. Die USA haben gerade die 10-Millionen-Marke bei den Infektionen überschritten, mit dem neuen Tagesrekord von 125.000 neuen Fällen. Das wird die Konjunktur in Q4 belasten, mit weiteren kleinen, regionalen Lockdowns. Insgesamt ist man schon bei einer Infektionsrate von über drei Prozent der Bevölkerung angekommen, wenn man die Dunkelziffer mit einbezieht (Faktor 10 laut CDC – Centers for Disease Control and Prevention), so wären die USA gar nicht mehr so himmelweit von einer Herdenimmunisierung entfernt (was aktuell aber noch keine Rolle spielt).

Was die Wahlen betrifft, gibt es noch eine Konstellation, die die Aktienmärkte nicht lieben: Die Möglichkeit eines demokratischen Senats und damit doch noch einer blaue Welle.

Könnte Trump überhaupt Präsident bleiben?

Mittlerweile eine ziemlich hypothetische Frage, die Wahl ist trotz möglicher Nachzählungen mit einer großen Wahrscheinlichkeit entschieden.

Der amtierende Präsident hat durch sein Verhalten während des Wahlgangs Fakten geschaffen, die ihn für die Zukunft stark abqualifiziert haben. Seine Forderung an die eigenen Anhänger zweimal wählen zu gehen, was nichts anderes ist, als die Aufforderung zu einer Straftat, seine undemokratische Erklärung sich als Sieger auszurufen, obwohl die Stimmen noch gar nicht ausgezählt waren, seine unrechtmäßige Forderung nach Abbruch der Stimmauszählung.

24790 Tweets von Donald Trump hat es in seiner bisherigen Amtszeit gegeben, in den letzten Wochen bis zu 50 pro Tag. Es gibt so genannte Faktenchecker, die diese Mitteilungen überprüft und festgestellt haben, dass es darin dabei mehr als 22.000 falsche oder irreführenden Aussagen gegeben hat, alles dokumentiert im Trump-Twitter-Archiv.

Wie hatte der berühmte Vorgänger Im Amt, Abraham Lincoln, schon im Jahre 1886 festgestellt, ungeachtet aller Verdienste eines Präsidenten:

„Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.“

Was wären die Folgen der Fortsetzung der Regierungsarbeit? Eine Kündigungswelle ohnegleichen, bei all denen, die sich gegen sein Verhalten ausgesprochen haben. Hatte er nicht bereits in seiner ersten Amtszeit 80 Prozent derer „gefeuert“, die ihm widersprochen haben, mehr als je ein Präsident zuvor? Wie wäre die Zusammenarbeit mit der eigenen Partei, führende Republikaner haben den Präsidenten kritisiert und sich von ihm abgewandt?

Einem US-Präsidenten, den das Fernsehen (NBC, MSNBC, CBS, NPR) ausgeblendet hat, während eines Statements, soziale Medien, die seine Tweets blockiert haben, die zur Gewalt animieren oder Unwahrheiten beinhalten. Die Zusammenarbeit mit Politikern weltweit, die ihn öffentlich für unwürdig für eine Demokratie gehalten haben. Was für eine Ausgangsbasis!

Im Übrigen lauten gegenwärtig die Schlagzeilen: Donald Trump will gerichtlich gegen den Wahlausgang vorgehen – Fundraising für Gerichtsprozesse. Verzweifelt sucht er nach Spendern für finanzielle Hilfen für die Anwaltskosten bei seiner Kampagne. Ein Milliardär auf Betteltour? Die Anzeichen werden immer deutlicher, das Trump-Imperium steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten, es wurden angeblich schon Wahlkampfspenden für seine klammen Hotels umgeleitet. Jeden Tag Millionenverluste wegen Corona. Ist das nicht auch ein Grund für die aggressive Vorgehensweise der Söhne Trumps, die martialisch zum „totalen Krieg“ auffordern?

Zu den treibenden Faktoren für die Aktienmärkte gleich mehr in Teil 2..

Die Aktienmärkte mit einer Rally nach der Niederlage von Donald Trump



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