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Aktienmärkte im Absturz dank Renditen – Schauer-Blick auf Freitag

Die Aktienmärkte fallen weiter. Sie sind massiv unter Druck wegen der steigenden Anleiherenditen. Jetzt gilt der Blick dem US-Arbeitsmarkt.

Aktienmärkte fallen in negativer Korrelation zu Anleiherenditen

Die Aktienmärkte sind weiterhin im Absturz. Selbst der Nasdaq, der sich mehrere Tage lang dem Trend am Gesamtmarkt entziehen konnte, ist gestern kräftig gefallen. Der Dax verliert seit Wochenanfang gut 350 Punkte, in den letzten zehn Tagen sind es 650 Punkte Verlust. In diesem TradingView-Chart sehen wir seit dem 11. September, wie die zehnjährige US-Anleiherendite immer weiter ansteigt, zuletzt sogar immer steiler. Von 4,29 % auf 4,86 % in wenigen Tagen, das ist ein enormer Renditesprung! Erwartungen an eine robuste US-Konjunktur und eine noch zu hohe Inflation (und dazu hohe Zinsen) lassen die Renditen steigen. In negativer Korrelation dazu sehen wir im Chart S&P 500 und Dax fallen.

Aktienmärkte im Absturz – Blick auf US-Arbeitsmarktdaten

Verstärkt wird das aktuelle Dilemma der Aktienmärkte durch das Chaos im US-Kongress, wo die Republikaner ihren eigenen Anführer gestürzt haben. Nun kann es im Restverlauf dieser Woche richtig spannend werden. Die gestrigen JOLTS-Daten zu offenen Stellen am US-Arbeitsmarkt waren robust. Heute um 14:15 Uhr werden die privat ermittelten ADP-Arbeitsmarktdaten aus den USA vermeldet. Und schließlich am Freitag um 14:30 Uhr werden die staatlichen Arbeitsmarktdaten für September aus den USA gemeldet. Fallen die robust aus, kann sich der aktuelle Trend der Aktienmärkte Richtung Süden nochmal verschärfen.

Analystenkommentar

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst bei der Swissquote Bank, bespricht die aktuelle Gemengelage wie folgt: Schon der Hinweis auf eine Verbesserung des US-Arbeitsmarktes jagt den Anlegern einen Schauer über den Rücken. Aus diesem Grund lösten die unerwartet guten Arbeitsmarktdaten aus den USA (JOLTS) gestern auf den globalen Finanzmärkten Panik aus. Obwohl die Zahl der Einstellungen und Entlassungen stabil blieb, war die Finanzwelt unglücklich darüber, dass den Amerikanern so viele Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten wurden, da die Daten darauf hindeuteten, dass sich der US-Arbeitsmarkt wieder anspannen und nicht entspannen könnte. Und das bedeutet, dass die Amerikaner ihre Arbeitsplätze behalten, neue finden, bessere Löhne verlangen und weiter Geld ausgeben werden. Diese Ausgaben werden das US-Wachstum überdurchschnittlich hoch halten und die Inflation weiter in die Höhe treiben, und die Federal Reserve (Fed) wird die Zinsen nicht nur länger hoch halten, sondern schließlich gezwungen sein, sie weiter anzuheben. Leider ein katastrophales Szenario für die globalen Finanzmärkte (Aktienmärkte, Gold etc), wo die steigenden US-Renditen überall Werte zu vernichten drohen. Die JOLTS-Daten sind volatil, und ein einziger Datenpunkt reicht nicht aus, um auf eine Trendwende hinzuweisen. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt weiter entspannen wird.

Doch die Marktreaktion auf die gestrigen JOLTS-Daten war scharf und eindeutig. Die 2-jährige US-Rendite kletterte nach den unerwartet guten JOLTS-Daten auf über 5,15 %, die 10-jährige Rendite schoss durch die Decke und erreichte die 4,85 %-Marke. Die Nachricht, dass der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, McCarthy, nach der Einigung der letzten Woche, die US-Regierung offen zu halten, seinen Posten verloren hat, trug sicherlich nicht dazu bei, dass die Anleger in den Bereich der US-Staatsanleihen strömten. Die Renditen der US-Staatsanleihen hingegen sind auf den höchsten Stand seit 2009 gestiegen, und der Anstieg der Realrenditen rechtfertigt kaum den Kauf von Aktien, wenn die Gewinnerwartungen schwach bleiben. Der S&P500 steuert nun auf seinen 200-DMA zu, der sich in der Nähe der Marke von 4200 befindet. Der zinssensitivere Nasdaq hat noch einen weiten Weg vor sich, bevor er seinen eigenen 200-DMA und kritische Fibonacci-Niveaus erreicht, aber der Ausverkauf könnte bei Technologiewerten härter werden, wenn die Dinge hässlicher werden.



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