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Überzogene Wetten Aktienmärkte: Vorzeitige Zinssenkungen der Fed sind ein Risiko

Aktienmärkte: Vorzeitige Zinssenkungen der Fed sind ein Risiko
New York Stock Exchang. Foto: Bloomberg

Angetrieben von der Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der Fed setzt sich die seit Ende Oktober laufende Rally an den Aktienmärkten auch im neuen Jahr fort. Am Freitag war es endlich so weit, der US-Leitindex S&P 500 hat nach 107 Wochen ein neues Allzeithoch erzielt. Damit folgt er seinen Pendants Dow Jones und Nasdaq, die bereits im Dezember neue Rekordstände markiert hatten. Doch geht es nach den Teilnehmern einer Bloomberg-Umfrage, dann sind die Aktienmärkte „töricht“, wenn sie so massiv auf frühe Zinssenkungen der Fed wetten.

Die Umfrage ist eine Warnung für Investoren, die durchweg dovishe geldpolitische Wetten abschließen: Zwei Drittel der Befragten des Bloomberg Markets Live Pulse gaben an, dass Wetten auf eine frühzeitige Lockerung der Geldpolitik durch die Federal Reserve die „törichteste“ unter den beliebten Trades auf dem Weg ins Jahr 2024 sind.

Auch wenn der S&P 500 am Freitag auf einem Allzeithoch schloss, sind Geldmanager und Analysten mit Daten konfrontiert, die auf eine robuste US-Wirtschaft hindeuten, und mit Fed-Mitgliedern, die sich gegen eine zu frühe Zinssenkung ausgesprochen haben. Das Ausmaß der Wetten auf sinkende Zinsen dürfte daher überzogen sein.

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Aktienmärkte: Wachsende Besorgnis

Die Ergebnisse sind ein Anzeichen für die wachsende Besorgnis an der Wall Street, dass die Bullen – die durch die Spekulationen über eine dovishe Haltung der Fed ermutigt wurden – zu weit gehen. Händler, die zum Jahresende 2023 mit einer optimistischen Prognose von sechs Zinssenkungen für dieses Jahr gerechnet hatten, haben diese Wette bereits auf fünf reduziert. Sie sind sich auch nicht mehr so sicher, dass die Währungshüter ihren geldpolitischen Lockerungszyklus im März einleiten werden, wie es während der frenetischen Rally seit Ende Oktober 2023 fast eingepreist war. Wie das FedWatch-Tool zeigt, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung der Fed im März inzwischen bei unter 50 % – vor weniger als zwei Wochen waren es noch rund 70 %.

Für Janet Mui, Leiterin der Marktanalyse bei RBC Brewin Dolphin, stellen die erneute Beschleunigung der Inflation in einigen großen Volkswirtschaften und die robusten US-Arbeitsmarktdaten eine große Herausforderung für die Zinserwartungen des Marktes dar. „Der frühe Beginn und die Anzahl der eingepreisten Zinserhöhungen sind nicht mit der Aussicht auf eine weiche Landung vereinbar“, sagte sie.

Die Präsidentin der Fed von San Francisco, Mary Daly, sagte am Freitag, es sei „verfrüht“ zu glauben, dass Zinssenkungen vor der Tür stünden. Sie wies darauf hin, dass sie mehr Beweise dafür sehen müsse, dass sich die Inflation auf einem konsistenten Weg zurück zu 2 % befinde, bevor sie die Politik lockere.

Aktienmarktrally in 2023 als schlechtes Omen?

Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer an der MLIV Pulse-Umfrage gaben an, dass die großen Kursgewinne an den globalen Aktienmärkten Ende letzten Jahres nun als schlechtes Omen zu werten seien – und als Beweis dafür, dass die Marktteilnehmer zu schnell zu optimistisch wurden. Die Positionierung und die Stimmung änderten sich Ende 2023 rapide von „Risk-off“ zu „Risk-on“, als die Anleger in der Hoffnung auf Zinssenkungen alles von Small-Cap-Aktien bis hin zu Junk-Bonds aufkauften.

Nach einem durchwachsenen Start in das Jahr 2024 sind sie nun gezwungen, sich zu entscheiden, ob sie die guten Zeiten genießen oder ihren Optimismus zügeln wollen, bevor sie sich verbrennen. Ein Zeichen für dieses Dilemma: Die Anleger, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind weniger optimistisch, was Aktien angeht, als sie es im November waren, auch wenn sie diese immer noch gegenüber Anleihen bevorzugen.

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Januar-Effekt spielt keine Rolle

Eine Mehrheit der Befragten stimmte zu, dass der Januar ein schlechter Indikator für den Rest des Jahres ist. Weniger als ein Zehntel der Befragten setzt im Dezember oder Januar auf Risikotransaktionen, und etwa ein Drittel hält solche Transaktionen für unsinnig.

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Ein Vermögenswert, der derzeit nicht viel Schwung zu haben scheint: Bitcoin. Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie ihr Engagement in den nächsten 12 Monaten unverändert lassen wollen, selbst nachdem die ersten börsengehandelten Bitcoin-ETFs, die direkt in die größte digitale Währung investieren, diesen Monat endlich an den Start gingen.

Nach einer zweistelligen Rally an den Aktienmärkten, die im Jahr 2023 von Megacaps (Big Tech) angeführt wurde, suchen die Anleger nach günstigeren Alternativen. 44 % der Marktteilnehmer bevorzugen Value-Aktien gegenüber ihren wachstumsorientierten Pendants.

„Die Aktienmärkte werden es viel schwerer haben, das heutige hohe Bewertungsniveau zu halten“, so Matt Maley, Chefmarktstratege bei Miller Tabak + Co. „Zu viele Anleger haben das Ende der Zinserhöhungen und den Beginn der Zinssenkungen mit einer Rückkehr zur Ära des günstigen Geldes gleichgesetzt.“

FMW/Bloomberg



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