Folgen Sie uns

Indizes

Aktienmärkte: Wie gehen Anleger in die Woche der Wahrheit?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte erlebten in der Vorwoche den größten Verlust seit dem Corona-Crash im März. Nun blickt die Welt an diesem Dienstag nach Washington: selten wurde eine US-Wahl mit einer solchen Spannung erwartet. Dabei ist es nicht einmal so sehr der Ausgang der Wahl, sondern eher die Furcht vor einem knappen Ergebnis, einer möglich wochenlangen Hängepartie, die die Anleger vorsichtig werden lässt. Die Folge für die Aktienmärkte war bereits eine Woche fallender Kurse und eine Strategie, die zwei Richtungsentscheidungen erwarten lässt.

Aktienmärkte: Die unübliche Vorwahlwoche

Verluste allerorten: Der Dow Jones beendete die Woche mit einem Rückgang von 6,5 Prozent, S&P 500 und Nasdaq gaben je 5,5 Prozent ab. Auch der Monat Oktober brachte bei allen drei Indizes rückläufige Notierungen – beim Dow Jones ein Minus von 4,6 Prozent, beim S&P 500 von 2,8 und bei der Nasdaq von 2,3 Prozent.

Normalerweise ist die Woche vor einer US-Wahl sehr positiv für die Aktienmärkte, mit regelmäßigen Gewinnen. Außer im Coronajahr 2020, einem besonderen Jahr, welches in keine Schablone passt.

Auch unser Dax ist diese Woche allein um über 1000 Punkte abgerutscht, ein Wochenminus von 8,6 Prozent. Es sind die größten Verluste im Leitindex seit dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle Mitte März.

Von besonderem Interesse sind die Kurverluste bei den großen Tech-Werten (Ausnahme Alphabet), eine Korrektur der exponentiellen Chartformationen scheint sich abzuzeichnen (siehe hierzu den Artikel „Nasdaq: Ist eine Korrektur der Tech-Werte unausweichlich?“).

Die Marke mit dem Apfel-Logo, die schon die unglaublichen Marktkapitalisierung von über zwei Billionen Dollar erreicht hat, ist bei der laufenden Korrektur bereits in einen Bärenmarkt gelaufen (über 20 Prozent Kursverlust vom Hoch).

Keine Reaktion auf die guten Q3-Zahlen der Staaten

Angesichts des Anstiegs der Corona-Infektionen in vielen Ländern und der bereits verhängten Lockdown-Maßnahmen war die Reaktion auf die guten Zahlen zum dritten Quartal in den Bruttoinlandsprodukten überaus verständlich. Was zählt da ein zurückliegender Anstieg des BIP in der Eurozone um 12,7 Prozent, in Deutschland um 8,2 Prozent oder in den USA von 7,4 Prozent? Beim US-typischen Jahresvergleich war es ein Plus von 33,1 Prozent, nach einem Minus von 31,4 Prozent in Q2, was Präsident Trump bereits zu Jubelausbrüchen veranlasste. Für einen Ausgleich hätte man aber 45,7 Prozent plus gebraucht.

Aber fürs „Gehabte gibts nichts“ – was für die Aktienmärkte zählt, ist die Zukunft und die hat sich gerade durch Covid-19 und die staatlichen Präventionsmaßnahmen eingetrübt. Viele Investoren gingen angesichts der Lage auf Nummer sicher, nahmen Gewinne mit, sicherten sich ab, um nicht am Wahltag auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Aus der Vorsicht der Anleger entstehen auf der anderen Seite sofort Chancen für die Optimisten – gesetzt den Fall das Negativszenario tritt nicht ein.

Das war der Rückblick auf die letzte Woche des Monats Oktober. Womit wird uns erst die nächste Woche überraschen?

Trump gegen Biden und die Volatilität

Wie eingangs erwähnt, hält der Ausgang der US-Wahlen die Welt in Atem. Zumal sich noch mit der zweiten Corona-Welle ein extrem wirtschaftsrelevantes Gewitter zusammengebraut hat. Donald Trump kann von Glück reden, dass die Wahlen nicht vier oder fünf Tage später stattfinden, denn dann dürften die USA die Infektionsmarke von 10 Millionen Amerikanern erreicht haben. Eine sehr symbolträchtige Ziffer und nicht gut für einen Macher, der sich selbst als großer Krisenbewältiger sieht. Der Ausgang der Wahlen ist dabei nicht mehr das große Thema, wenn es einen klaren Sieger gibt. Was von jedem Analysehaus betont wird, sind die Gefahren aus einem knappen oder auch noch nicht vorliegenden Wahlergebnis am 3. November. Mit all den möglichen Implikationen, wie gerichtlichen Anfechtungen, was aber noch eines der milden möglichen Szenarios wäre. Was die Bank of America schon zu der Prognose brachte, ein solcher Ausgang könnte für die amerikanischen Aktienmärkte einen Einbruch von 20 Prozent nach sich ziehen. Wie haben die großen Investoren auf das unsichere Umfeld reagiert? Nicht nur mit Sicherheitsverkäufen, sondern auch mit Absicherungsgeschäften.

Dies ist ablesbar am Volatilitätsindex VIX, der die Optionswetten auf den US-Leitindex, den S&P 500, abbildet. Jeder Marktanalyst betrachtet das Put-Call-Verhältnis, zur Feststellung der spekulativen Stimmung an den Märkten oder auch zur Bewertung der Absicherungsneigung.

Zum Wochenschluss notierte der VIX etwa bei 37 Punkten, in den letzten fünf Tagen ist er damit um mehr als 30 Prozent gestiegen. Ein großes Absicherungsbedürfnis – aber bei weitem nicht in der Region wie beim Corona-Crash, wo der Index am 16. März sagenhafte 82,69 Punkte erreicht hatte. Womit haben damals die Investoren für die nächsten 30 Tage eigentlich gerechnet?

Die VIX iat eine Art Angstbarometer der Aktienmärkte

Interessanterweise befinden sich die VIX-Futures zudem seit längerer Zeit in einer so genannten Backwardation. Dies bedeutet, dass die Kontrakte mit einer kurzen Restlaufzeit höher bepreist sind, als Kontrakte, die weiter in der Zukunft fällig werden. Der Normalfall ist das nicht, denn die Zukunft wird für gewöhnlich unsicherer eingeschätzt, als die Gegenwart.

Covid-19, die US-Präsidentschaftswahl sowie das Ausbleiben des notwendigen Stimulusprogramms für Millionen von Arbeitslosen treiben die kurzfristige Volatilität in die Höhe, während man langfristig mit einer Entspannung rechnet. Eine Backwardation tritt beim VIX nicht so häufig auf. Aber es gibt noch weitere Indizien dafür, dass große Anlegerkreise nicht unvorsichtig in die nahe Börsenzukunft marschieren.

Der Fear&Greed-Index, der sich aus sieben Einzelindizes zusammensetzt, ist auf „ängstliche“ 29 Punkte gefallen. Neben dem Volatilitätsindex VIX notieren auch das Market Momentum, Stock Price Strength (Aktienkurs-Stärke) im Bereich der Angst, Stock Price Breadth (Aktienkurs-Breite) und Safe Heaven Demand (Nachfrage nach sicheren Häfen) sogar auf extremer Angst.

Auch die „Insider Transaction Ratio“, das Verhältnis von Verkäufen zu Käufen, berechnet von Thomson Reuters ist auf unter 10 gefallen, einem Verhältnis, welches als bullish gewertet wird. Zur Verdeutlichung: Insider verkaufen immer mehr Aktien als sie kaufen. Das liegt daran, dass sie vertraglich Aktienoptionen und Bonusaktien erhalten, die sie im Laufe der Zeit verwerten.

Was werden die Anleger am heutigen Montag machen, dem letzten Tag vor dem Ereignis? Absicherungen weiter hochfahren?

Die möglichen Folgen nach dem Wahltag

Ein US-Wahltag bringt regelmäßig gewaltige Kursreaktionen der Aktienmärkte mit sich. Wer erinnert sich nicht an den 8. November 2016, der unerwarteten Wahlniederlage von Hillary Clinton und die gewaltige Kursreaktionen am Folgetag, vorbörslich? Man befürchtete das Schlimmste, aber dann erholten sich die Kurse im Präsenzhandel und schlossen nahezu unverändert. Anschließend gab es die beste Woche im Dow Jones seit fünf Jahren. Und 2020? Sollte sich das Negativszenario bestätigen, dürfte es zunächst zu weiteren Abschlägen kommen. Aber dann – laufen die Optionen nicht schon in kurzer Zeit aus? Wenn das „Unheil“ für die Aktienmärkte nicht eintritt, könnte es sogar unmittelbar zu einer Short Squeeze kommen, einer Eindeckungsrally, in der die Auflösung der Absicherungsgeschäfte zu Käufen auf der Gegenseite (dem so genannten Underlying) führen?

Fazit

Die Entwicklung in der abgelaufenen Woche mit den großen Kursverlusten der Aktienmärkte und den starken Absicherungsgeschäften deuten nicht nur auf große Vorsicht der Investoren hin, sondern auch auf eine mögliche und allgemein unverständliche Reaktion der Aktienmärkte.

Gewiss kann es durch ein unsicheres Wahlergebnis am 3. November, gepaart mit der Furcht vor einem Pandemie-bedingten Wirtschaftseinbruch im vierten Quartal, zu weiteren Kursverlusten der Aktienmärkte kommen. Dagegen versucht man sich abzusichern.

Aber was ist, wenn die Wahlen doch ein deutliches Ergebnis bringen? Werden dann die Put-Optionen bei manch großer Fondsgesellschaft nicht hinfällig, weil mit einem fallenden VIX stark verlustträchtig? Kann man bei der Auflösung der Kontrakte große Gewinne einstreichen oder muss man ein weiteres Mal so genannte Pain Trades durchführen und in den Markt einsteigen? Zur Erinnerung: Die aktive Fondsbranche läuft im Jahr 2020 weit hinter der Benchmark, zum Beispiel dem S&P 500 hinterher, so stark, wie seit mehreren Jahren nicht mehr.

Die Aktienmärkte vor der US-Wahl

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Aktienmärkte: Bringt der dreifache Hexensabbat eine Wende?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Das Geschäft mit Optionen wird für die Aktienmärkte immer bedeutsamer, speziell in den USA, wo in der jetzigen Euphoriephase die Umsätze bei Call-Optionen geradezu explodieren. Ungeachtet dessen blickt man stets gespannt auf den viermal in einem Jahr, jeweils am dritten Freitag im Montag stattfindenden großen Hexensabbat entgegen. Der Verfall von Terminkontrakte, wie Futures und Optionen sorgt oft im Vorfeld für große Kursschwankungen, weil Marktteilnehmer die Kurse durch Käufe und Verkäufe von Assets so zu bewegen versuchen, dass die Termimkontrakte Gewinne abwerfen. Was wird im Vorfeld zum 18. Dezember an den Märkten geschehen, zu Zeiten größter Call-Euphorie bei gleichzeitig geringen Depotabsicherungen?

Aktienmärkte: Die große Call-Spekulation

Der November des Jahres 2020 hatte es in sich. Der Ausgang der US-Wahlen, der nicht zu einem befürchteten Chaos geführt hat und die Impfstoffentwicklung, beginnend mit der BioNTech/Pfizer-Meldung am 9. November und dem darauffolgenden Wettlauf um den Termin einer Notzulassung.

Das alles führte zu einem Game Changer für die Aktienmärkte mit zahlreichen Konsequenzen: Verkaufoptionen und Leerverkäufe auf Corona-geschädigte Titel wurden in Windeseile eingedeckt (Stichwort Short Squeeze), Nebenwerte und Value-Titel hingegen in großem Umfang gekauft. Obwohl sich die Käufe nach der Monatsmitte wieder beruhigten (bis auf einige Titel wie Tesla oder Impfstofffirmen) schnellte eines gewaltig in die Höhe – der Optimismus der Anleger (FMW berichtete laufend über die heißgelaufenen Indikationen).

Ob ein Angstbarometer wie der Fear&Greed-Index, das ständig im Bereich extremer Gier um die 90 Punkte notiert, US-Aktienindizes weit oberhalb ihrer Aufwärtstrends, oder ein Dow Jones oberhalb der psychologischen Marke von 30.000 Punkten. Die Hausse nährt die Hausse, wieder einmal, und die Gier sorgt im Optionshandel für außergewöhnliche Konstellationen.

Wie Markus Fugmann in einem seiner letzten Videos festgestellt hat, wurden in der letzten Woche in den USA viermal so viele Calloptionen gekauft, wie es im Durchschnitt der Fall ist. 40 Prozent der Umsätze an der New York Stock Exchange waren Optionen. Hierunter aber kaum Put-Optionen, also sichert man sich nicht ab – im Bewusstsein von Rettungsschirmen durch die Notenbanken (Sitzungen am 10. und 16. November vor dem Hexensabbat) und den Stakkato-artig eintrudelnden Meldungen von der Impfstofffront: Wirksamkeitsstudien, Zulassungsanträge und Hinweise auf den Start der Impfungen. Eine selten positive Konstellation von „Good News“ – und dies in der guten saisonale Phase der Aktienmärkte zu Jahresende. Aber was passiert mit den vielen Call-Optionen (35 Millionen allein vor Thanksgiving) in den nächsten Tagen?

Die ungewöhnliche Anzahl an Calls hat die Market Maker gezwungen, über ihr Delta Hedging immer mehr die zugrunde liegenden Titel zu kaufen. Manchmal öffneten die Märkte mit einem Gap, so dass man ständig gezwungen war, Aktien am Markt nachzukaufen. Desto stärker die Hebelwirkung (größeres Delta) bei den Calls, desto größer das Hedging der Gegenseite.

Was passiert aber, wenn die Kurse einen Rücksetzer machen, oder viele Kontrakte am Verfallstag auslaufen? Die Market Maker werden die Werte verkaufen, die sie zum Zwecke der Absicherung gekauft haben und den Abwärtstrend verstärken. Ein Thema, welches noch bedeutsam werden könnte, denn Put-Optionen gibt es kaum, die beim Schließen der Position zum kursstabilisierenden Kauf des Basiswertes führen würden, der bekannten Short Squeeze.

Was werden die Inhaber der Call-Optionen in der letzten Woche vor dem großen Verfall tun? Die Kontrakte verlängern über das Jahresende und die sehr häufig positive Aktienphase hinaus, hinein in einen Monat Januar, der sehr häufig mit Rückschlägen endete?

Übersicht: Keiner hat bald mehr Puts

Dire Aktienmärkte euphorisch, kaum Put-Absicherungen

Grafik: northmantrader.com

Fazit

Der Optimismus der Aktienmärkte ist übergroß und schreit nach einer Korrektur. Eine riesige Herde an Zockern, die mit Kaufoptionen schnell reich werden wollen und die Gegenseite, die Stillhalter, die in die Basiswerte getrieben werden.

Das wird zu Reaktionen führen müssen, Optionen haben ein Verfallsdatum und reagieren auf die implizite Volatilität.

Was mir aber nicht einleuchtet ist, dass die jetzige Situation immer wieder mit historischen Zyklen verglichen wird. Corona hat eine absolute Sondersituation geschaffen und ein Impfstoff in großer Verfügbarkeit ändert vieles in dem für die Aktienmärkte relevanten Zeitraum. Wie sagte der Chef einer französischen Großbank? Wir haben eine Gesundheitskrise, keine Wirtschaftskrise – sehr optimistisch, aber da ist etwas dran. Für die Aktienmärkte zählen nicht die nächsten vier Wochen oder das neue Quartal. Das Kommende wird immer dann interessant, wenn Fakten präsentiert werden, die die lange Sicht ändern – das Delta zwischen eingepreister und veränderter Erwartung.

Tourismus und Luftfahrt liegen stärker im Minus als in Kriegssituationen, die Maschinen, Hotels und Einrichtungen sind aber nicht zerstört und wenn es in einem halben Jahr eine Impfung der Bevölkerung geben hat, so werden manche Industrien wie Phoenix aus der Asche auftauchen. Die Messung eines aktuellen KGVs ist nicht so bedeutsam, wenn die Aktienmärkte mindestens sechs bis neun Monate in die Zukunft blicken.

Der zweite Fakt ist der monetäre: Wieso sieht man nicht die 35 Billionen Dollar an Anleihen, die real negativ verzinst sind oder die Durchschnittsrendite der 7 bis 10-jährigen Staasanleihen, die noch vor ein paar Wochen 0,18 Prozent Rendite abwarf? Das Dilemma für die Finanzbranche schlechthin. Wieso soll es angesichts weiterer zugesicherter Notenbankkäufe größere Umschichtungen von Aktien in Anleihen geben, auch bei leichten Zinsanstiegen?

Und wieso vergleicht man das KGV der Aktienmärkte von 2020 mit dem KGV von 2000, bei der Dotcom-Bubble? Damals lagen die Zinsen bei über 6 Prozent, das KGV der lang laufenden Anleihen bei 15 – und heute? Jeder spricht über die Euphorie infolge der Impfstoffentwicklung, die eine Pandemie in Monaten beenden kann, mit all den Folgewirkungen. Klar, die Call-Positionierung ist zu hoch und wird abgebaut werden. Wieso aber immer die Geschichte von den überteuren Aktienmärkten? Anleihen sind superteuer dagegen.

Natürlich kann sich die Konstellation Anleihen – Aktien ändern und sie wird sich auch, wenn das billionenschwere Stimulusprogramm der Demokraten in die Tat umgesetzt würde. Aber in der jetzigen Situation? In der „Endphase“ von Corona mit einem nochmaligen Anschwellen der Infektionszahlen und mit den großen Notenbankentscheidungen.

Ein Anspringen der Wirtschaft, ein Anstieg der Inflation und neue Schuldenpakete, das wäre der Stoff für eine Neubewertung der Aktienmärkte.

Bringt der Hexensabbat eine Wnede für die Aktienmärkte?

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: 1929, 1999, heute – Geschichte reimt sich! Videoausblick

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich – und so erinnert die derzeitige Euphorie der Aktienmärkte an die Stimmung von 1929 (Boom kurz vor der Weltwirtschaftskrise) und 1999 (Dotcom-Blase). Die Erwartungen an die Wirtschaft nach der Coronakrise sind immens, eine perfekte Welt ist eingepreist. Gestern aber kurz vor US-Handelsschluß dann ein deutlicherer Rücksetzer, nachdem Pfizer bekannt gab, nur die Hälfte des Impfstoff-Volumens im Dezember liefern zu können. Eigentlich ist das ziemlich unbedeutend – zeigt aber, wie empfindlich die Aktienmärkte reagieren, wenn die Impfstoff-macht-alles-wieder-gut-Euphorie hinterfragt wird. Unterdessen verschärft sich die Coronakrise in den USA weiter mit neuen Rekorden, es drohen immer breitflächigere Lockdowns..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Indizes

DAX daily: Die Wall Street hat ihren Auftritt während der Dax nur zuschaut

Stefan Jäger

Veröffentlicht

am

Im Theater der großen Wall Street bleibt dem Dax derzeit nur ein Zuschauerplatz. Während die US-Börsen von Allzeithoch zu Allzeithoch jagen, steht der deutsche Leitindex auf der Stelle und schaut zu. Am gestrigen Handelstag hat sowohl der S&P500, als auch der Nasdaq ein erneutes Rekordhoch erklommen. Währenddessen leidet der Dax unter dem weiter anziehenden Eurokurs, dieser nähert sich allmählich wieder der 1,22 US-Dollar Marke an. Zudem drücken Konjunktursorgen auf die Stimmung der Anleger. Die Wirtschaft muss aufgrund der neuerlichen Lockdown-Maßnahmen in vielen Länder ihren Tribut zahlen. Anders kann man die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes nicht deuten. Diese liegen europaweit deutlich unter einem Wert von 50, was eine schwache Geschäftsentwicklung signalisiert.

Was passiert erst im Dax, wenn die US-Börsen in eine Konsolidierung übergehen? Der Leitindex schafft es ja nicht einmal mehr über die 13.300 anzusteigen, obwohl die Wall Street im Rally-Modus ist. Im gestrigen Handel verlor der Dax 60 Punkte (-0,45%) und schloss schließlich bei 13.252 Zählern. Damit ist das Hoch vom Montag bei 13.445 wieder etwas in die Ferne gerückt. Der Leitindex zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen, zudem ist die nächste Handelswoche aus Sicht der Saisonalität auch keine gute Woche. Es riecht zwar schon nach Korrektur, aber noch ist nichts verloren. Zumindest so lange, wie die Wall Street ihr überschwängliches Schauspiel noch fortsetzt.

News und fundamentale Daten

Am gestrigen Abend hat die Nachricht über die Halbierung des Auslieferungsziels für den Impfstoff von Biontech/Pfizer die Märkte belastet. Probleme in der Lieferkette ermöglichen es nur die Hälfte der angedachten 100 Millionen Impfdosen auszuliefern. Die Aktienkurse von Pfizer (-1,8%) und Biontech (-2,5%) geben daraufhin nach.

Das heutige Highlight sind auf jeden Fall die US-Arbeitsmarktdaten. Um 14:30 Uhr werden die Anleger gespannt auf die Daten der Non Farm Payrolls schauen. Man geht zwar bereits von weniger neu geschaffenen Jobs aus, aber auch die Prognose von 469 Tsd. Stellen könnte unterboten werden. Zeitgleich erscheinen zudem noch die US-Handelsbilanz, die Daten der Exporte und Importe sowie die Auftragseingänge. Den Termin kann man sich somit als Trading-Event in seinem Kalender notieren. Die Volatilität dürfte ansteigen und folglich die US-Börsen und den Dax in Bewegung bringen.

Zuvor sehen wir heute aber auch noch Daten aus Deutschland. Vor wenigen Minuten wurden bereits die Auftragseingänge der Industrie veröffentlicht. Diese sind mit 2,9% deutlich besser wie erwartet ausgefallen (Prognose 1,5%; Vormonat 1,1%). Um 9:30 Uhr erscheint dann noch der IHS Markit Einkaufsmanagerindex für das Bauwesen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Im Vergleich zu den starken US-Indizes ist es ein Trauerspiel, was der Dax diese Woche an Performance abgeliefert hat. Seit Montag geht es in kleinen Schritten abwärts. Von dem Hoch bei 13.445 sind wir heute Nacht im Tief bei 13.180 angekommen. Im frühen Handel notiert der Kurs wieder über der 13.200er Marke. Vielleicht gelingt es den US-Futures den Dax wieder mit hochzuziehen. Um nochmal die Oberseite anzugreifen, muss der Dax zunächst den Widerstand bei 13.270 überwinden. Dadurch würden sich weitere Ziele bei 13.325 und 13.370 ergeben.

Kann der Dax allerdings das gestrige Tagestief bei 13.232 nicht nachhaltig überwinden, dann sollte sich der Abwärtstrend fortsetzen. Zunächst dürfte er das Nachttief bei 13.180 anlaufen, bevor an der 13.140 ein Unterstützungsbereich wartet. Dort könnte der Dax vorerst wieder drehen. Ansonsten kann es noch eine Etage tiefer gehen, bei 13.050 und 13.020 befinden sich dann die nächsten Unterstützungen.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Tagesausblick 04.12. - H1-Chart - Wall Street stark, Dax schwach

Heutige Pivot Punkte (PP):

13.292 – Pivot Punkt R1

13.236 – Pivot Punkt

13.146 – Pivot Punk.t S1

13.090 – Pivot Punk.t S2

Dax Unterstützungen (US):

13.232 – Tagestief 03.12.

13.180 – Nachttief

13.137 – Schlusskurs 20.11.

13.054 – Tagestief 20.11.

13.004/020 – Doppelboden (Tief 13.11. / 12.11.)

Dax Widerstände (WS):

13.270 – ehemals US

13.325 – mehrfacher WS

13.370 – WS aus dem H1

13.434 – Tageshoch 01.12.

13.460 – September-Hoch

13.500 – offenes Gap vom 21.02.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage