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Europa

Aktuell: Medien melden steigende Industrieproduktion – von wegen, es geht abwärts!

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Die Industrieproduktion (laut Statistischem Bundesamt genauer gesagt die „Produktion im Produzierenden Gewerbe“) ist laut mehreren Medienberichten (hier ein Beispiel) erfreulicherweise im Februar gestiegen. Puhhh, also doch kein Konjunkturabschwung, doch keine Rezession? Wird doch noch alles gut? Im Februar sei die Produktion im Vergleich zu Januar um 0,7% gestiegen, wo sie vorher noch um 0,8% gesunken war.

Tja, diese Zahl stimmt zwar. Aber es ist ein Monatsvergleich. Aufgrund saisonaler Änderungen sind diese Monatsvergleiche (Frühjahresbelebung etc) fast völlig unbedeutend. Aber die Headline-Aussage der Statistiker sowie der Nachrichten-Ticker zeigen aktuell nur den Monatsvergleich an. Und der ist im Plus. In der offiziellen Meldung der Statistiker taucht der eigentlich entscheidende Jahresvergleich von Februar 2019 zu Februar 2018 zwar auch auf, aber eher als Randnotiz.

So melden die Medien, die aktuell von einer Erholung der Produktion in Deutschland sprechen, die Jahreszahl nur am Rande, beziehungsweise ganz am Ende ihrer Artikel. Dabei ist die Jahresveränderungsrate die entscheidende Zahl. Und dort sieht man kein Plus, sondern ein Minus von 0,4%, nach einem vorigen Minus im Jahresvergleich für Januar von bereits 3,3%. Es geht also weiter abwärts. Aber in den aktuellen Headlines wirkt es so, als ginge es „ja schon wieder“ bergauf. Albern, so möchten wir es sagen.

Die Infos dieser Medien sind zwar keine Falschmeldungen, aber es wird eben unterschlagen, dass die Monatsvergleiche fast keine Aussagekraft haben. Genau so wenig jubeln die Statistiker bei der Bundesagentur für Arbeit, wenn von März auf April die Arbeitslosenzahlen sinken. Denn sie wissen ganz genau, dass dies die Frühjahresbelebung am Arbeitsmarkt ist!

Also: aktuell ist die Produktion bereits rückläufig. Wie das Statistische Bundesamt gestern schon vermeldete, sind die aktuellen Auftragseingänge noch viel drastischer rückläufig. Also steht den Umsätzen (höchst wahrscheinlich) in einigen Monaten ebenfalls ein weiterer Rückgang bevor, im Jahresvergleich!

Dieser aktuelle Langfristchart für das Produktionsvolumen in Deutschland (zurück bis 2011) zeigt, dass die Baubranche (rote Linie) extrem stark boomt. Ohne sie wäre der Gesamtschnitt wohl noch viel schlimmer dran!

Industrieproduktion
Beispielfoto für Industrieproduktion in Deutschland: Arbeit an einer Turbine von Siemens. Foto: Siemens (CC BY-SA 3.0)

3 Kommentare

3 Comments

  1. Steven

    5. April 2019 10:12 at 10:12

    Der Bergiff Lügenpress wurde schon vor langer Zeit um die Spezifizierung Lückenpresse erweitert.

  2. sabine

    5. April 2019 11:29 at 11:29

    Das ist doch genau der Punkt.
    – Vielen Dank, daß Sie hier (bei FMW) keine Angst vor solchen Aussagen haben!
    – Die Massenmedien sind keine Qualitätsmedien, waren es noch nie (John Swinton Chefredakteur der NYT „Wir sind intellektuelle Prostituierte“.). Ich hab in der nahen Verwandschaft einen: genau so ist es! Große Klappe, künstliche moralische Werte, alles nur aufgeblasen, Silikon-Intelligenz! Ohne Wert, geschweige denn Kultur. Aber sich festbeißen an Beiträgen wie ein Bullterrier…
    – „Die Masse hat nicht recht, sonst wäre sie reich.“ Englisches Sprichwort.
    Wenn überrascht das heute noch, wo Mercedes E-Klasse 2008-9, der Pannenheld Deutschlands war. Der kostet mal locker über 40.000€!!!

  3. Arthur Müller

    5. April 2019 17:53 at 17:53

    Glaube keiner Statistik die du nicht selber gefälsch hast

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Europa

ZEW Index besser als befürchtet, aktuelle Lage aber schwächer

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Der ZEW Index (September; Konjunkturerwartungen) ist mit -22,5 weniger schlecht ausgefallen als befürchtet (Prognose war -38,0; Vormonat war -44,1, das war der schlechteste Wert seit Mai 2010!).

Dazu kommentiert ZEW: die Aussichten für die deutsche Wirtschaft bleiben negativ, die leichte Verbesserung bedeute keine Entwarnung..

Die Einschätzung der aktuelle Lage aber schwächer als erwartet, sie liegt bei -19,9 (Prognose war -37,4, Vormonat war -43,6, das war der schlechteste Wert seit Dezember 2011).

Einige Analysten hatten die schwächere Einschätzung der aktuellen Lage bereits antizipiert:

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Europa

EU-Handelsbilanz aktuell: Lieber Donald, bitte nicht weiter lesen…

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Die EU-Handelsbilanz für den Warenverkehr im Monat Juli wurde vor wenigen Minuten veröffentlicht. Bevor wir zu den Gesamtzahlen kommen, widmen wir uns den derzeit so extrem im Fokus stehenden Handelsbeziehungen mit den USA. Und da schauen wir uns mal den Gesamtsaldo der EU-Handelsbilanz für den Zeitraum Januar-Juli an im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr. Und siehe da. In 2018 lag der Überschuss der EU gegenüber den USA bei 80 Milliarden Euro. In 2019 ist es ein Überschuss von 90,9 Milliarden Euro – ein kräftiger Anstieg im Überschuss für die EU, und das Defizit der USA steigt deutlich. Diese Daten sollte Donald Trump besser nicht zu lesen bekommen. Sonst gibt es doch noch bald neue Autozölle gegen die EU? Im Gegenzug ist das Defizit in der EU-Handelsbilanz gegenüber China deutlich angestiegen, von -98,6 auf jetzt -109,2 Milliarden Euro. Man kann also deutlich simplifiziert sagen: Was die EU gegenüber den USA gewinnt, verliert sie wieder gegenüber China.

EU-Handelsbilanz Detaildaten

Aber nun zu den Gesamtzahlen. Die Eurozone erzielte im Juli einen großen Handelsbilanzüberschuss von 24,8 Milliarden Euro nach vormals 20,6 Milliarden Euro. Aber: Die Gesamt-EU liegt an der Nullschwelle. Sie erzielt ein Minus von 0,1 Milliarden Euro nach +0,2 Milliarden Euro im Juli 2018. Was für ein Unterschied. Aber man wird es sehen. Wenn Großbritannien (eines Tages?) aus der EU ausscheiden sollte, wird auch die Gesamt-EU plötzlich deutliche Überschüsse erzielen, weil die Briten ein deutlicher Netto-Importeur von Waren sind. Von Januar-Juli 2018 erzielten die Briten beim Export in Länder außerhalb der EU ein Defizit von 26,7 Milliarden Euro. In 2019 war es schon ein Defizit von 43,3 Milliarden Euro!

Hier die Eurozone (oben) im Vergleich zur Gesamt-EU:

EU-Handelsbilanz Relation zur Eurozone

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Europa

Aktuell: Großhandelspreise rauschen kräftig in die Deflation

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Soeben hat das Statistische Bundesamt die deutschen Großhandelspreise für den Monat August veröffentlicht. Im Vergleich zu August 2018 sinken sie um 1,1%. Im Juli waren es bereits -0,1%. Davor waren es im Jahresvergleich Veränderungen von +0,3%, 1,6%, 2,1% usw. Also: Binnen weniger Monate sind die Großhandelspreise schnell in die Deflation gerauscht. Im letzten Jahr lagen die Steigerungsraten oft sogar bei über +3% (Grafik). Aktuell ist das der schlechteste Wert seit drei Jahren! Die schwachen Großhandelspreise für Öl knallen voll rein in den Gesamtschnitt. Hier die Statistiker im Wortlaut:

Den größten Einfluss auf die Gesamtentwicklung im Vergleich zum Vorjahresmonat hatten im August 2019 die um 6,1 % niedrigeren Preise im Großhandel mit Mineralölerzeugnissen. Ebenfalls kräftige Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahr gab es im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen (-10,0 %), mit Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln (-9,0 %) sowie mit Datenverarbeitungsgeräten, peripheren Geräten und Software (-6,3 %). Dagegen waren insbesondere die Preise für lebende Tiere (+13,7 %) sowie für Fleisch und Fleischwaren (+5,4 %) auf Großhandelsebene höher als im August 2018.

Großhandelspreise Langfristchart

Großhandelspreise Tabelle

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