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Alles anders als in der Finanzkrise? Das 3,6 Billionen Dollar schwarze Rohstoff-Loch

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Diesmal ist alles anders! Das zumindest ist die Argumentation jener, die meinen, die Sache mit dem kollabierten Ölpreis und den Rohstoffpreisen insgesamt sei kein Problem, weil die Kreditsummen, um die es gehe, doch viel niedriger seien als etwa zum Zeitpunkt des Platzens der US-Immobilienblase. Das mag stimmen, wenn man die Kreditsummen auf den reinen Öl-Sektor verengt – es ist aber grundlegend falsch, wenn es um den Rohstoffsektor insgesamt geht.

Doch, diesmal ist es wirklich anders: kurz vor der Finanzkrise sorgten die stetig steigenden Öl- und Rohstoffpreise noch für Verunsicherung. Die Märkte fielen in der Regel, wenn Öl und Rohstoffe stiegen. All das schien kein Ende zu nehmen, peak oil-Thesen etc. waren en vogue. Nun aber ist es genau andersherum: die Märkte steigen, wenn die Öl- und Rohstoffpreise steigen. Und der entscheidenden Grund, warum das so ist, heißt: Kredit!

Fracking-in-Wyoming-USA-Öl-Fördermenge
Fracking in Wyoming, USA. Hier drohen massive Ausfälle von Krediten
Foto gemeinfrei.

Die 5000 größten, an den Börsen notierten Rohstofffirmen haben derzeit insgesamt eine Verschuldung von 3,6 Billionen Dollar. Das ist etwa doppelt so viel wie Ende des Jahres 2008, sprich die Verschuldung dieser Unternehmen hat sich in nur wenigen Jahren verdoppelt. Und das wird nun zum Problem angesichts der kollabierten Rohstoffpreise. Noch vor fünf Jahren, also im Zeitraum 2010/2011, hatten diese Firmen mehr operatives Einkommen als Schulden. Derzeit aber, und das zeigt die Dramatik der Lage, würden sie acht Jahre brauchen auf Basis der derzeitigen operativen Einkommens, um diese Schulden zu bezahlen – Zinsen und Steuern gar nicht mitgerechnet. Diese Firmen müßten also das komplette Einkommen in den nächsten acht Jahren, das sie haben, in die Rückzahlung von Schulden investieren, um Schulden-frei zu werden – vorausgesetzt, sie investieren keinen Cent in neue Projekte etc.

Und genau das macht jenen Bereich so gefährlich, den man als Junk-Bond-Markt bezeichnet. Auf der Suche nach Renditen haben Investoren solche Anleihen aus dem Energiesektor im Volumen von 2,1 Billionen Dollar gekauft. Die Ratingagentur S&P wiederum hat inzwischen für 47% dieses Anleihevolumens ein downgrade vorgenommen, insgesamt gab es ca. 400 Abstufungen innerhalb eines einzigen Jahres. Und dieser Reigen an Abstufungen wiederum erinnert sehr stark an die Abstufungen von Banken während der Finanzkrise.

Schätzungen gehen davon aus, dass Banken Schulden der Rohstoffunternehmen im Umfang von 1,5 Billionen Dollar halten – das entspräche ca. 1,5% aller Assets von börsengelisteten Banken weltweit. Das scheint nicht viel zu sein – aber Ende 2007, also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, machten die subprime mortgages der Banken nur 1% aller ihrer Assets aus. Es geht also diesmal sogar um mehr, als zu der Zeit, als die Welt kurz vor Ausbruch der Finanzkrise stand.

Eines allerdings ist besser: diese Schulden der Rohstoffunternehmen sind nicht verbrieft und weiterpackt worden wie einst vor 2008. Die Panik in der Finanzkrise war vor allem dadurch ausgelöst, dass aufgrund dieser undurchsichtigen Verbriefungen niemand wußte, wer welches Risiko hat. Das ist diesmal anders, klarer. Aber die Märkte haben dennoch allen Grund sich zu freuen, wenn die Ölpreise und andere Rohstoffpreise steigen, das zeigt schon das schiere Kredit-Volumen, um das es geht.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Alexander Gliese

    19. Februar 2016 11:15 at 11:15

    Immerhin ist der von Ihnen dargestellte Sachverhalt auch eine Erklärung für die deutliche Kursschwäche der Bankaktien.

  2. Avatar

    Schoeller

    19. Februar 2016 12:19 at 12:19

    Danke Markus Fugmann für die gut durchdachte und gut unterlegte Analyse !!

  3. Avatar

    Gerd

    19. Februar 2016 16:48 at 16:48

    Da ich immer nach einem letzten rettenden Strohhalm suche:

    Es werden nicht alle angesprochenen Frackingunternehmen auf einen Schlag pleite gehen. Erst nur ein paar wenige.
    Das ist zwar schade – auch für die kreditgebenden Banken, aber das gehört auch zu deren Geschäftsrisiken.
    Dann folgen im Zeitablauf leider noch ein weitere Insovenzen. O.k., da müssen jetzt die dafür bereits gebuchten Rückstellungen der Banken zum Großteil dran glauben. Die hatten den ausgewiesenen Gewinn aber bereits vorher gemindert.
    ABER mit jeder Pleite geht das Ölangebot zurück. Schließlich steigt der Öl-Preis deshalb sogar wieder, die meisten Unternehmen bleiben mehr schlecht als recht überlebend am Markt und zahlen anständig ihre Kreditraten weiter. Wäre doch schön, oder?

    Und wenn es schon so schön ist, übertrage ich das auch auf Rohstoffunternehmen außerhalb des Ölbereichs.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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