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Aus Kunden der Generali-Lebensversicherung wird eine Optimierungs-Verwertungsmasse

Wie gehen Lebensversicherungsgesellschaften um mit der Niedrigzinsphase? Allianz und Ergo haben ihre Lebensversicherungs-Kunden behalten. Der Gesetzgeber hilft ihnen bei der Profitabilität dieses Geschäfts, da seit Kurzem auch höchstrichterlich feststeht: Die Versicherer dürfen den Kunden zustehende Gewinne vorenthalten, und auf andere Kunden verteilen. Nicht zu beweisen, aber doch vermuten könnte man, dass über zig Umwege diese Gewinne auch bei den Aktionären landen. Wer ganz verschwörungstheoretisch unterwegs ist, könnte diese Vermutung auch bei der Allianz anstellen (wir berichteten).  Denn sie hatte diese Woche nur kurz nach dem Urteil verkündet für 1 Milliarden Euro eigene Aktien zurückkaufen zu wollen.

Andere Versicherungskonzerne gehen den einfachen und schnellen Weg, und trennen sich von ihren „Portfolios an Lebensversicherungen“. Damit fängt es schon an. Es geht nicht mehr um wertgeschätzte Kunden, die in Zukunft bei dem Versicherer auch andere Policen abschließen könnten. Es geht nur noch um eine große Masse an Verträgen mit einem großen Vertragsvolumen. Diese Masse betrachtet man quasi nur noch als ein großes „Portfolio“.

Die Generali als eine der drei großen Anbieter in Deutschland (neben Allianz und Ergo) hat sich heute dazu entschieden ihr Geschäft abzustoßen. Wie man den Infos von Generali entnehmen kann, wurde man bei dem Verkauf von Morgan Stanley beraten. Verkaufen tut man dieses „Paket“ an einen Verwerter/Verwalter namens „Viridium Gruppe“. Genau genommen verkauft man 89,9% der Sparte mit vier Millionen Verträgen. Die Transaktion bewerte das zu kaufende Tochterunternehmen mit bis zu 1 Milliarden Euro. Gesamte Einnahmen von bis zu 1,9 Milliarden Euro werden laut Generali erwartet.

Viridium ist kein normaler Lebensversicherer, sondern eine Art Verwerter und Verwalter. Man kauft „Bestände“ von normalen Versicherungen auf. Die Firma gehört dem britischen Finanzinvestor Cinven und dem deutschen Rückversicherer Hannover Rück. Laut Generali habe man mit Viridium ein Zitat „nachhaltiges Management der Bestände“ der Generali Leben vereinbart. Na, dann kann sich ein Kunde mit einer alten Generali-Lebensversicherung aber glücklich schätzen, dass er als technische Manövriermasse zukünftig nachhaltig gemanagt wird?

Natürlich gibt es im Versicherungswesen in Deutschland strikte Gesetze. Die BaFin muss dem Deal noch zustimmen, weil sichergestellt werden muss, dass der neue Eigentümer die Verträge bis zum Ablauf vertragsgetreu weiterführt. Aber was es bedeutet, wenn Finanzinvestoren sich Lebensversicherungsverträgen bemächtigen, dürfte doch klar sein. Genau wie beim Aktienrückkauf der Allianz diese Woche ist es auch beim Deal zwischen Generali und Viridium auffällig, dass er zeitlich gesehen extrem kurz nach dem höchstrichterlichen Urteil zu den Zusatzgewinnen der Versicherer verkündet wird.

Darf man (wenn man ein schlimmer Verschwörungstheoretiker ist) annehmen, dass Viridium die Zusatzgewinne in enormem Ausmaß nicht auszahlt, sondern intern umbuchen wird? Das soll eine Frage sein, und kein Vorwurf. Aber der zeitliche Zusammenhang ist mehr als auffällig. Die Generali-Kunden sind nun also einem Finanzinvestor ausgesetzt, der nicht mehr wie einst wie der „liebe Herr Kaiser“ an einer langfristigen Bindung mit den Kunden interessiert ist, um ihnen eventuell Folge-Verträge anzubieten. Jetzt wird nur noch mit maximaler Effizienz und Optimierung verwertet und verwaltet. Das Viridium genau so eine Art von Verwertungsfirma ist, wird in der Veröffentlichung von Generali ganz offen angesprochen.

Lebensversicherung Generali
Das Generali-Firmenlogo. Grafik: Christian from Generali / Wikipedia (CC BY-SA 4.0) – Ausschnitt aus Originalgrafik



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1 Kommentar

  1. Deshalb habe ich bis auf Haftpflicht keine einzige Versicherung. Kostet nur Geld und um die Leistung drückt man sich mit diversen Klauseln. Ohne Anwalt und jahrelangen Rechststreit zahlt eh keine Versicherung mehr was, wenn der Schadenfalls wirklich eintritt.
    Versicherungen sind wie hohe Gebühren bei Fonds. Eine Bereicherung für die Anbieter. Das einzige was man von Versicherungen kaufen kann, sind deren Aktien. Die zahlen dank der vielen monantlichen Prämienzahler immer schöne Dividenden.

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