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Wer in der Energiekrise absahnt BP und Glencore melden Rekordgewinne – gigantische Aktienrückkäufe

Wo bleiben die Gelder ab, die die Verbraucher mehr für Energie zahlen? Die Giganten BP und Glencore melden für das erste Halbjahr Rekordergebnisse, und kaufen für mehrere Milliarden US-Dollar eigene Aktien zurück.

Kohle-Bergbau in Indonesien

Die Rohstoff-Giganten erleben eine Ära sprudelnder Gewinne. Die Rohstoffmärkte sind seit Ausbruch des Ukraine-Krieges sehr volatil und bieten den großen Energie- und Rohstoffkonzernen viele Chancen, um fantastische Gewinne zu erzielen. Während die Energiekrise die Preise für Rohöl an den Terminmärkten immer wieder nach oben treibt, erlebt die gute alte Kohle eine Renaissance und spült dem größten Kohleproduzenten der Welt Glencore, gigantische Gewinne in die ohnehin schon zum Bersten gefüllte Unternehmenskasse. Die aktionärsfreundliche Politik beider Unternehmen erfreut die Investoren, die Konzerne schütten Milliarden US-Dollar über Dividenden und Sonderzahlungen an ihre Anteilseigener aus. Hier die Zahlen für das erste Halbjahr im Überblick.

Glencore erwirtschaftet 18,9 Milliarden US-Dollar Profit im ersten Halbjahr 2022

Der in Baar, Schweiz ansässige Konzern meldet für das erste Halbjahr 2022 einen bereinigten Gewinn von 18,9 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als doppelt soviel wie ein Jahr zuvor. Damit untermauert Glencore seinen Ruf, ein großer Profiteur des Ukraine-Krieges zu sein. Der Einmarsch russischer Truppen hatte bisher zu massiven Verwerfungen an den weltweiten Rohstoffmärkten geführt. Über die Hälfte der Gewinne flossen aus dem Geschäft mit der Kohle, ein Geschäftszweig, der immer wieder aufgrund der Folgen für die Umwelt in der Kritik steht. Der ausgewiesene Gewinn überstieg sogar den Konsens der Analystenschätzungen, der bei 18,4 Milliarden US-Dollar lag.

Glencore will die Gewinne an seine Aktionäre ausschütten. Eine Sonderdividende über 1,45 Milliarden US-Dollar und ein Aktienrückkauf-Programm über drei Milliarden US-Dollar erhöhen mit der Dividende zusammen die Ausschüttung an die Aktionäre auf 8,9 Milliarden US-Dollar. Während sich in der Vergangenheit immer mehr Rohstoff-Giganten aus dem Kohle-Geschäft zurückzogen, verfolgte man bei Glencore eine entgegengesetzte Strategie. Jedes am Markt verfügbare Kohlebergwerk wurde im Laufe der Jahre zusammengekauft, bis Glencore zum größten Kohleproduzent der Welt wurde.

Auf Finanzmarktwelt wurde immer wieder über diesen verschwiegenen und zugleich schillernden Konzern berichtet. Jetzt zahlt sich die Strategie aus. Alleine der Bereich Kohle generierte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 8,9 Milliarden US-Dollar. Das ist fast zehnmal so viel wie noch ein Jahr zuvor, als das Kohlegeschäft einen Profit von 900 Millionen US-Dollar generierte. Aber Glencore ist nicht nur Kohle. Glencore ist der größte Rohstoffproduzent der Welt und baut neben Kohle auch Kupfer, Gold, Silber, Kobalt, Nickel, Zink und weitere Industriemetalle ab, drunter die, die für den Wandel zur „Grünen Energie“ zwingend gebraucht werden. Auch im Agrarrohstoff-Handel spielt Glencore eine wichtige Rolle.

Der CEO von Glencore Gary Nagle äußerte sich zum Halbjahresbericht: „Höhere Zinssätze, die gestiegene Inflation und die Abkühlung der Weltwirtschaft werden wahrscheinlich das Ergebnis im nächsten Halbjahr belasten, aber der langfristige Ausblick für Rohstoffe bleibt positiv.“ Für das Gesamtjahr 2022 erwartet Glencore einen bereinigten Gewinn von mehr als 32 Milliarden US-Dollar. Der nächste Geldregen steht also schon bevor. Hier im Chart der Aktienkurs von Glencore seit Jahresbeginn im Vergleich zum FTSE100. Während der FTSE100 nahezu unverändert seit Jahresanfang da steht, gewinnt die Glencore-Aktie fast 20 Prozent hinzu.

Glencore im Vergleich zum FTSE100

Rohstoff-Gigant BP meldet Rekordquartal mit 8,45 Milliarden US-Dollar Gewinn

Der in London ansässige Rohstoff-Gigant BP meldet für das abgelaufene zweite Quartal einen bereinigten Gewinn von 8,45 Milliarden US-Dollar. Das ist das beste Ergebnis seit 2008, und es schlägt selbst die optimistischsten Analysten-Schätzungen. Verantwortlich für das außergewöhnlich gute Ergebnis sind nicht nur die gestiegenen Preise für Rohöl und Gas. Die Raffinerien und der Ölhandel erwirtschafteten ebenfalls fantastische Ergebnisse. Wie sehr BP von den aktuellen Verwerfungen an den Rohstoffmärkten profitiert, belegen eindrucksvoll die Zahlen aus dem Handel mit Öl. Der bereinigte Gewinn dieser Unternehmenssparte betrug 3,73 Milliarden US-Dollar, ein Jahr zuvor waren es gerade einmal 301 Millionen US-Dollar gewesen. Das Geschäft mit LNG erwirtschaftete nur durchschnittliche Erträge, da das Freeport LNG-Export-Terminal in Texas durch einen Brand bis September ausfällt und somit den Export nach Europa stark einschränkt.

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Aktionärsfreundliche Politik von BP – Milliarden Ausschüttungen

BP will eigene Aktien im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar in den nächsten drei Monaten zurückkaufen. Im ersten Halbjahr wurden bereits eigene Aktien im Wert von 3,8 Milliarden US-Dollar erworben. Die Dividende wird um 6 US-Cents pro Aktie angehoben. Die Netto-Schulden des Konzern sinken von 32,7Milliarden US-Dollar im Jahr zuvor auf 22,82 Milliarden US-Dollar. Hier die BP-Aktie seit Jahresanfang im Vergleich zum FTSE100.

BP im Vergleich zum FTSE100

„Big-Five“ der Ölbranche verdienen im zweiten Quartal zusammen 60 Milliarden US-Dollar

Die Profiteure der aktuellen Krise sind die Öl- und Rohstoff-Giganten. Alleine die fünf größten Öl-Konzerne, also BP, Exxon, Chevron, Total Energies und Shell, weisen für das zweite Quartal 2022 einen bereinigten Gewinn von 60 Milliarden US-Dollar aus. Ein Großteil der Gewinne wird an die Aktionäre ausgeschüttet und fließt in Aktienrückkauf-Programme. Inwieweit politischer Druck auf die Konzerne wirkt, wenn sie als Profiteure der Krise benannt werden, ist schwer einzuschätzen. Aber solange die Welt dermaßen abhängig von Energie und Rohstoffen ist, wird zwar eine Rezession und Inflation die Gewinne der Rohstoff-Giganten schmälern, aber nicht zum Versiegen bringen.

Kursdaten aus https://de.tradingview.com

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2 Kommentare

  1. Die Deutsche Lufthansa AG beabsichtigt bei BP alternativen Kraftstoff einzukaufen. Dies erweckt den Eindruck, daß BP seine Gewinne, die er der Ölindustrie zu verdanken hat, in eine Wasserstoffstrategie investiert, und somit die Ölindustrie denunziert. Wasserstoff eignet sich auch zur Veredelung von fossilem Erdöl/Ölprodukte.

    1. Shell, nicht BP. Fehler vom Amt.

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