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CFD- und Forex-Broker mit doppeltem Problem

CFD- und Forex-Broker habe es aktuell nicht leicht. Vor zwei Wochen warnte zum Beispiel der Branchenriese im Privatkundengeschäft IG Markets vor einem Einbruch bei den Umsätzen durch die neuen ESMA-Regeln, die jüngst erst verlängert wurden. Sie beschränken den Trading-Hebel für die Kunden, wodurch die Brutto-Umsätze der Kunden und damit auch die Verdienstmöglichkeiten für die Forex-Broker kleiner werden. Der Kurs von IG kollabierte deswegen in den letzten beiden Wochen von 865 auf jetzt 649 Pence.

Dem zweiten großen CFD- und Forex-Broker in der Londoner City CMC Markets erging es da nicht besser. Vor einer Woche folgte man mit einer Umsatzwarnung. Auch hier lag es an den neuen ESMA-Regeln, was sich natürlich auch auf die Gewinne auswirken dürfte. Die Umsätze sollen dieses Jahr 20% geringer ausfallen im Jahresvergleich, statt bisher erwartet nur -15%. Auch die CMC-Aktie krachte darauf hin in den Keller, in den letzten beiden Wochen von 166 auf 137 Pence.

Ein zusätzliches Problem, vor allem für Forex-Broker

Nun steht die Branche vor einem weiteren Problem, das vor allem die Retail-Broker trifft, die ihren Schwerpunkt auf den Devisenhandel gelegt haben. Und das sind nun mal die allermeisten. Die Forex-Broker kämpfen seit einiger Zeit mit spürbar rückläufigen Handelsvolumen. Jetzt könnte man denken, dass dies automatisch die Folge der ESMA-Regeln ist, wodurch die Volumina der Kunden beschränkt werden. Dann wäre das aber keine logische Erklärung dafür, dass das Volumen der Future-Kontrakte für Devisen an der weltgrößten Terminbörse CME rückläufig ist. Denn Future-Kontrakte haben mit den ESMA-Regeln rein gar nichts  zu tun.

Im 3. Quartal wurden 944.000 Forex-Kontrakte an der CME gehandelt, was einem Rückgang von 3% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Monat September lag der Rückgang bei 1,1 Millionen Kontrakten sogar bei -10% gegenüber September 2017. Die CME erwähnt, dass Kontrakte im Handel mit dem Euro und britischem Pfund zulegen konnten, ebenso wie in der indischen Rupie, dem Rubel, der türkischen Lira etc. Schwellenländer laufen also bei der starken Schwankung, die aktuell vorherrscht. Daher werden folgerichtig viele Hauptwährungspaare jenseits von Euro und Pfund beim Umsatzvolumen schwächeln.

Saxo und GAIN

Diesen Trend bekommen die Forex-Broker derzeit mit voller Wucht zu spüren. So meldete der Branchenriese Saxo Bank aus Kopenhagen gerade erst einen nun vier Monate in Folge rückläufigen Forex-Umsatz für September. Mit 172,8 Milliarden Dollar Volumen war es ein Rückgang binnen eines Monats von 12%. Man hat somit aktuell das geringste Umsatzvolumen seit drei Jahren erreicht. Auch beim großen US-Konkurrenten im Devisenhandel GAIN Capital sieht es aktuell nicht glänzend aus, hinter dem die Marken forex.com und City Index stehen. Die Devisenumsätze sind hier zum ersten Mal seit fünf Jahren mit 149,6 Milliarden Dollar unter die 150 Milliarden-Schwelle gefallen.

Das ist ein Problem, gegen das die Broker nur schwer etwas tun können. Handeln die Kunden weniger, weil sie weniger handeln wollen, hat man als Forex-Broker nun mal ein Problem. Aus Branchenkreisen hören wir aber von einem kleinen Hoffnungsschimmer für die Zahlen der Broker. Wie unschwer zu vermuten ist, handeln aktuell deutlich mehr Privatkunden in der türkischen Lira, dem argentinischen Peso, dem Rubel usw. Dort sind aufgrund größerer Abstände zwischen Geld- und Briefkurs (in Relation zu Euro, Dollar, Pfund, Franken etc) die Gewinnmargen für die Broker besser. Vielleicht kann das die bevorstehenden schlechten Zahlen für 2018 etwas aufhellen? Auf jeden Fall sollten Anleger in den nächsten Monaten nicht all zu berauschende Finanzdaten der Broker-Industrie erwarten.

Forex-Broker - Saxo Bank-Handelsplattform
Beispielbild für eine Forex-Broker-Handelsplattform. Foto: Jensejnerjep CC BY-SA 4.0 – Ausschnitt aus Originalfoto



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