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China bringt den Westen in die Defensive

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

China hat heute seine Währung so stark abgewertet wie noch nie – 1,5% mit einem einzigen Schritt. Aber das ist fast nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass Peking faktisch den Yuan vom Dollar gelöst hat: es ist nun nicht mehr die Zentralbank, die den (Referenz-)Kurs setzt, sondern der Markt. Referenz ist ab heute der Schlusskurs vom Vortag, von dem der Kurs weiter 2% nach oben oder nach unten abweichen kann.

Das klingt zunächst einmal wenig spektakulär, ist aber faktisch eine Revolution. Denn was passiert, wenn der Yuan täglich 2% verliert – an zehn Handelstagen wäre das eine Abwertung von 20%. In der Praxis bedeutet das: möchte etwa Apple oder ein anderes westliches Unternehmen seine Produkte ins Reich der Mitte exportieren, werden für die Chinesen diese Produkte um 20% teurer – oder das westliche Unternehmen senkt seine Gewinnmarge und bietet günstiger an. Wie immer man es dreht und wendet: für die westliche Exportindustrie ist das ein herber Schlag, der in seiner Dimension noch gar nicht zu ermessen ist. Betroffen ist vor allem das Export-orientierte Deutschland, für das China ein extrem wichtiger Markt ist. Daher hätte der Dax am meisten Grund, diese grundlegende Veränderung negativ einzupreisen. Mal sehen, wie lange es dauert, bis das seinen Weg in die Gehirne der Dax-Anleger findet.

China aber schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: es kommt der westlichen Kritik entgegen, dass seine Währung nicht frei handelbar sei. Das war zuletzt der Grund, warum der IWF die Aufnahme des Yuan in den Währungskorb (der Sonderziehungsrechte) verschoben hat. Und zweitens bekommt Peking das, was es jetzt braucht: die Abwertung seiner Währung, die durch die faktische Koppelung an den Dollar viel zu stark war für eine Wirtschaft im Abschwung. Insofern ähnelt der Schritt der Chinesen dem, was die Schweizer im Januar gemacht haben: man beendet eine Währungs-Koppelung, die on the long run ohenhin keine Perspektive hat. Während aber im Falle der Schweiz die eigene Währung, also der Franken aufwertete, ist in China das Gegenteil der Fall. der Yuan wird stark abwerten. Damit ist das für China positiv, während der Schritt für die Schweiz negativ war (und ist).

Peking reagiert damit auf die zuletzt immer schwächer werdenden Konjunkturdaten: Einbruch der Exporte und Importe, Einbruch der Produzentenpreise. Es sind vor allem die stark rückläufigen Exporte, die China nun zu diesem Schritt bewogen haben. Faktisch aber ght die Abwertung des Yuan auf Kosten anderer Länder, vor allem der asiatischen Nachbarn, deren Währungen folgerichtig zum Dollar abgewertet haben heute Nacht – meist auf Mehrjahrestiefs.

Denn eines ist klar: der Markt (davon kann man nun wirklich sprechen) wird den Yuan weiter nach unten bringen. 2% Abweichung vo Vortagesschlusskurs ist eine gewaltige Range – verliert etwa der Euro 2% zum Dollar, ist das intraday ein Erdbeben. In Zukunft wird morgens die erste Frage für Trader lauten: „wo steht der Yuan?“

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Sundance

    11. August 2015 11:04 at 11:04

    Du kannst nicht rechnen! Minus 2% vom jeweils niedrigerem letzten Kurs sind keine 20%. Pi mal Daumen so etwa 16%.
    Aber okey nicht so wichtig.

    Du sagst:hat schon….Einbruch der Exporte und Importe, Einbruch der Produzentenpreise.“—

    Aus der Sicht macht die Abwertung auch keinen Sinn.
    Was China durch die Abwertung macht, es stärkt seine Binnenkaufkraft für heimische Produkte und zwingt Auslandkonzerne in China produzieren zu lassen, was die Exporte steigen läßt und Importe weiter reduziert.

    Die Wirtschaft der Exportweltmeister wird darunter leiden, das ist richtig.
    Come to China or go to Hell!

  2. Avatar

    T2015

    11. August 2015 11:05 at 11:05

    „möchte etwa Apple oder ein anderes westliches Unternehmen seine Produkte ins Reich der Mitte exportieren, werden für die Chinesen diese Produkte um 20% teurer“

    Nein – weil diese zufällig komplett in China produziert werden. Somit Preisneutral.

  3. Avatar

    rote_pille

    11. August 2015 13:48 at 13:48

    Ich kapiere das nicht. China exportiert doch mehr in den Westen als umgekehrt, müsste die Währung nicht eher aufwerten? Oder ist die Kapitalflucht so stark dass sie das alles ausgleichen kann?

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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