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Reisewelle zu Neujahresfest verschlimmert Lage China: Corona-Infektionsrate deutlich höher als in Europa

China Corona Infektionsraten

Die Corona Infektionsrate durch Omikron bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist in China offenbar deutlich höher als in Europa. Darauf weisen die Schätzungen der National Health Commission (NHC) hin. Unterdessen rollt die Reisewelle zum Frühlingsfest an.

Corona-Infektionsraten in China teilweise deutlich über 80% der Gesamtbevölkerung

In den letzten Tagen wurden aus verschiedenen Provinzen bzw. Städten Zahlen zu den Corona-Infektionsraten bekannt. In der zentralchinesischen Provinz Henan, bekannt im Westen hauptsächlich durch die Foxconn-Fabrik in der Provinzhauptstadt Zhengzhou, sind nach einer Schätzung von Kan Quan Cheng, dem Direktor der NHC von Henan, 89% der Bevölkerung mit Corona infiziert.

Zuvor war bekannt geworden, dass nach einer Befragung der Sichuan Provincial Center for Disease Control and Prevention mit Stichtag 26. Dezember 63.52% der Bevölkerung infiziert seien. Inoffizielle Schätzungen gehen aber von etwa 75% aus. Nach einem Post der Global Times wurden durch Befragungen auch ähnlich hohe Werte für die Provinzen Hainan und Zhejiang ermittelt. Allerdings haben diese Provinzen den Höhepunkt der Infektionswelle noch nicht erreicht.

Der ehemalige NHC Chefepidemiologe, Zeng Guang, geht davon aus, dass in Peking mittlerweile rund 80% der Einwohner mit Corona infiziert sind. In Shanghai sollen mittlerweile 70% infiziert sein. In ähnlicher Größenordnung liegt offenbar auch die Durchseuchung in Guangdong.

In den übrigen Provinzen liegt die Infektionsrate derzeit bei ca. 50%, wobei in all diesen Provinzen der Peak noch nicht erreicht ist. Die Reisewelle zum Frühlingsfest wird in den eher ländlich geprägten Provinzen auch eine neue Infektionswelle hervorrufen.

In Europa liegt die Infektionsrate bei geschätzt 60-80%. In Deutschland geht der der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen von ca. 50 Millionen und damit ca. 60% Infizierten aus, was in etwa auch der Modellrechnung der RKI-Forscher um Dirk Brockmann entspricht.

Aus einem Bericht von Xinhua, der am Wochenende veröffentlicht wurde, gehen auch Einzelheiten über die Schwere der Erkrankungen hervor. So sollen in Urumqi 91,3% der in Krankenhäusern behandelten Corona-Patienten asymptomatisch oder milde Verläufe gewesen sein, während 1,5% „schwer und kritisch“ gewesen seien. In Hohhot waren sogar 98.6% asymptomatisch und nur 0,36% „schwer und kritisch“. Derselbe Bericht deutet an, dass es zumindest in Peking zur Triage in den Hospitälern gekommen sei.

China: Reisewelle rollt an und bring die Infektionen aufs Land

Am Samstag begann die 40-tägige Reisewelle um das chinesische Neujahrsfest. Nach Angaben des Staatsrates reisten 34.74 Millionen Menschen, was zwar eine 38.9% Steigerung zum vergangenen Jahr war, aber immer noch 48.6% unter dem Niveau von 2019 lag. 2019 wurden innerhalb der Periode um das Frühlingsfest 400 Millionen Passagiere registriert. Die diesjährige Reisewelle dürfte auch das Virus in die ländlichen Provinzen bringen und dort trifft es auf eine ältere, weniger geimpfte und weniger mit medizinischer Versorgung ausgestattete Bevölkerung.

Hong Kong: 45,000 Besucher am Sonntag – BioNTech statt Gucci

Am Sonntag öffneten sich endlich auch die Grenzen zwischen Hong Kong und Mainland China. Dem Abkommen nach dürfen pro Tag 60,000 Menschen die Grenze in die jeweilige andere Richtung überqueren. Am ersten Tag der Öffnung nutzten aber nur insgesamt 45,558 Menschen die Möglichkeit des kleinen Grenzverkehrs. Die beliebten Gruppenfahrten aus ferneren Provinzen sind noch nicht zugelassen. Ebenso werden die ersten Schnellzüge erst ab Mitte Januar Hong Kong mit anderen Städten verbinden. 2019 besuchten bis zu 200,000 Menschen täglich von Shenzhen aus Hong Kong.

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Viele Tagestouristen stürmten aber nicht wie üblich die Shops von Gucci, Louis Vuitton oder Apple, sondern versuchten, sich mit BioNTech gegen Corona impfen zu lassen. Anders als auf dem Festland sind mRNA-Impfstoffe in Hong Kong und Macao zugänglich und auch auswärtige Gäste können sich damit impfen lassen.

Reisewelle aus China ins Ausland zunächst eher unwahrscheinlich

Auch wenn Chinesen nun prinzipiell ins Ausland reisen können, ist eine Reisewelle erst einmal eher unwahrscheinlich, denn es fehlt an den notwendigen Voraussetzungen. Noch gibt es wenige Slots für Fluglinien, die ins Ausland fliegen. Nach Deutschland sind es derzeit weniger als ein Dutzend Flüge pro Woche. Seit Sonntag können Fluglinien neue Slots beantragen. Um die neuen Slots auch zu nutzen, fehlen den Fluglinien aber sowohl Flugzeuge als auch trainierte Crews. Bis beides zur Verfügung steht, werden noch einige Monate vergehen. Die chinesische Luftaufsichtsbehörde geht davon aus, dass im Laufe des Sommers 75% des internationalen Flugaufkommens von und nach China in Bezug auf den Vor-Pandemie-Level erreicht werden wird.

Vorher müssen die Chinesen aber ein Visum beantragen. Die meisten ausländischen Botschaften und Konsulate haben ihr Personal jedoch im Laufe der Pandemie stark abgebaut. Und derzeit sind auch große Teile der Beschäftigten an Corona erkrankt. Neue Pässe können seit Sonntag beantragt werden. 3,500 Schalter wurden dafür in ganz China geöffnet.

Trotz allem rechnet Thailand mit bis zu 10 Millionen Touristen aus China. Thailand ist eines der wenigen Länder, wo Chinesen ein Visum problemlos bei Ankunft bekommen. Das erste Flugzeug mit Touristen kam schon am Montag in Bangkok an.

China erregt sich über Testpflicht

Japan und Südkorea haben demgegenüber schon angekündigt, die Slots für Fluglinien aus China erst einmal zu begrenzen und – wie viele andere Länder auch – Nachweise über Covid-Tests zu verlangen.

Am heutigen Dienstag kam die Retourkutsche aus Peking: Die chinesischen Botschaften in Japan und Südkorea vergeben ab sofort keine Visa mehr.
China hatte sich schon über die Testpflicht in anderen Ländern, wie in Deutschland, beschwert. Dabei vergisst China aber geflissentlich, dass die Einreise nach China ebenso nach wie vor nur mit einem negativen Test möglich ist. Und bis Sonntag benötigten Reisende sogar zwei Tests, die aber nur von den chinesischen Botschaften zertifizierte Testlabore ausgefertigt werden durften und mehrere hundert Euro kosteten.

Gewaltsame Proteste in Chongqing, Hangzhou und Henan

In zwei Fabriken für Corona-Test Kits in Chongqing und Hangzhou kam es am Wochenende zu gewaltsamen Protesten. Da mit dem Ende der „Zero-Covid“-Politik die Nachfrage nach den Tests einbrach, wurden Arbeiter entlassen. Die Auseinandersetzungen entzündeten sich an der Frage der Entlohnung. Nach unterschiedlichen Aussagen wurden entweder gar keine oder nur zu geringe Auszahlungen vorgenommen. Die Polizei brauchte Stunden, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Auch aus dem Kreis Luyi in Henan werden gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerung und der Polizei gemeldet. Hier protestierten die Anwohner gegen ein Verbot, zum Neujahrsfest Feuerwerke abzubrennen. In Zhengzhou fordern ehemalige Mitarbeiter im Gesundheitswesen angeblich nicht geforderten Lohn ein.



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