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Wie der Ukraine-Krieg Pekings Taiwan-Pläne beeinflußt China und Taiwan-Invasion: Lehren aus dem Ukraine-Krieg

China hat ein Problem: es hat keine echten Freunde, nur Zweck-Verbündete

China Taiwan Ukraine Invasion

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sprach der Direktor des Amtes für Auswärtige Angelegenheiten der KPCh und bisherige chinesische Außenminister Wang Yi wieder einmal davon, dass Taiwan ein integraler Bestandteil der Volksrepublik China sei: China hat den Ukraine-Krieg und seine Konsequenzen für eine mögliche Invasion Taiwans analysiert und daraus einige Schlüsse gezogen!

China: Lehre aus Ukraine-Krieg – Verbündete sind von unschätzbarem Wert

Für diese Erkenntnis braucht es noch nicht einmal den Blick in die Ukraine. Peking hat gerade seine eigene Lektion in diesem Kapitel erteilt bekommen. Als Australien China aufforderte, die Ursache der Covid-19-Epidemie genauer zu untersuchen, reagierte China verschnupft und stellte die Handelsbeziehungen mehr oder weniger ein. Für Australien, das hauptsächlich Rohstoffe wie Kohle nach China exportiert, war dies ein schwerer Schlag. Aber Australien fand dank seiner guten Beziehungen zu anderen Ländern andere Absatzmärkte. China hingegen musste einsehen, dass es von der Lieferung australischer Kohle doch abhängiger war, als es annahm. Anfang dieses Jahres kaufte China wieder Kohle von Australien. China hat diesen Machtkampf verloren – und die Welt hat eine wichtige Lektion gelernt: Trotz großer Abhängigkeit von China ist eine Welt ohne China denkbar.

Diese Lehre gilt auch andersherum: Staaten mit einem erheblichen Handelsdefizit mit China können ihre Versorgungsketten umstellen. Sie haben es beim russischen Gas geschafft und werden es auch bei anderen Gütern schaffen. Es wird schmerzen, es wird Geld kosten, aber es ist möglich.

China selbst ist umgeben von einem Geflecht von miteinander verwobenen Koalitionen. Würde ein Konflikt um Taiwan entstehen, ist nicht mehr abzusehen, wer alles in eine militärische Auseinandersetzung hineingezogen würde. Damit ist es für China schwer abzuschätzen, ob eine Invasion Taiwans erfolgreich abgeschlossen werden könnte.

Chinas fehlende Koalitionen

Die große Stärke des Westens sind die vielfältigen Koalitionen, die sich gegenseitig überschneiden, aber den einzelnen Verbündeten genug Luft für ihre eigenen Interessen lassen. China irritiert es immer wieder, dass Europa eine Ansammlung vieler kleiner Staaten ist und die EU wie ein unkoordinierter Riese erscheint, der mit lallender Zunge spricht. Doch bei einer Bedrohung, wie es die russische Invasion der Ukraine darstellt, finden sie sich doch zusammen und entfalten eine Stärke, die China wohl nicht vermutet hätte.

Auf der anderen Seite fehlt es China an kraftvollen Koalitionen. Sowohl die BRICS-Staaten als auch die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sind eher ein lockerer Verbund als eine wirkliche Koalition.

Chinas Verbündete: keine kulturelle Verbundenheit

Bei den chinesischen Verbündeten fällt auf, dass sie keine kulturelle Verbundenheit besitzen. Auch ihre Werte und Normen sind recht unterschiedlich. Dies ist ein großer Nachteil im Vergleich zu den Partnern in der EU und der NATO. Bis auf den NATO-Partner Türkei stehen alle in der abendländischen Tradition. Aber selbst die Türkei hat ein römisch-hellenistisches Erbe, das weit bis ins Mittelalter hineinreicht.

Die „grenzenlose Freundschaft“ zu Russland

Der größte Verbündete Russland hat klare Grenzen in seiner angeblichen „grenzenlosen Freundschaft“ mit China, nämlich da, wo es China selbst schaden würde. Historisch gesehen war die chinesisch-russische Beziehung eine Hassliebe, da Mao gezwungenermaßen den Führungsanspruch der Sowjetunion in der Beziehung zu China anerkannte, jedoch keine bedingungslose Freundschaft bestand.

Das Kräfteverhältnis hat sich inzwischen deutlich Richtung Peking verschoben, was bei gemeinsamen russisch-chinesischen Manövern sichtbar wird. Die „grenzenlose Freundschaft“ äußert sich hauptsächlich in symbolischen Akten wie der Unterstützung von folgenlosen Resolutionen in der UN. China testet jedoch die Grenzen aus, die der Westen noch zu akzeptieren bereit ist, während es alles unterlässt, was es selbst in Gefahr bringen würde, von Sanktionen betroffen zu werden.

Neue Triple-Allianz: Russland-China-Iran?

Letzte Woche besuchte Irans Präsident Ebrahim Raisi für drei Tage Peking, was von der internationalen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Er wurde mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt und sprach von den „Feinden Irans und Chinas“. Er hätte hinzufügen können: den „Feinden Irans, Chinas und Russlands“. Denn es ist klar, dass die USA gemeint sind. Alle drei Staaten sind durch ihre Ablehnung der amerikanischen Hegemonie miteinander verbunden und haben den gemeinsamen Nenner, die USA zu schwächen. Russland führt gegen einen US-Proxi einen Krieg, den Iran unterstützt durch Waffenlieferungen und China durch die Bereitstellung militärischer Güter. Angeblich ging es bei den Gesprächen um die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Iran und China, aber es dürfte sicherlich auch um weitere Unterstützung Russlands gegangen sein, einschließlich möglicher Waffenlieferungen aus China.

Die janusköpfige Charmeoffensive

Die derzeitige Charmeoffensive Chinas in Europa, auf die im ersten Teil bereits Bezug genommen wurde, hat nicht nur das Ziel, die Beziehungen zu Europa zu verbessern, sondern ist auch ein Versuch, einen Keil in die transatlantischen Beziehungen zu treiben und damit möglichst mehr Optionen zu erarbeiten. Allerdings scheinen selbst die Versuche, in Osteuropa ein positives Klima zu schaffen, mittlerweile nicht mehr auf fruchtbaren Boden zu fallen.

Die Festung China

Eine weitere Lehre aus dem Ukraine-Konflikt sind Maßnahmen, um China gegen mögliche Sanktionen widerstandsfähiger zu machen. Wie Russland versucht auch China, seine Dollar-Reserven zu reduzieren, von 79% im Jahr 1995 auf 59% im Jahr 2016 (danach hat Peking dazu keine Zahlen mehr veröffentlicht). Allerdings stellt sich die Frage: Was hilft die Flucht in Gold und andere Währungen, wenn China nicht mehr in der Lage ist, auf das Geld bzw. Gold zuzugreifen, weil sie eingefroren sind und die Zentralbank vom restlichen Finanzverkehr abgeschnitten ist?

Russland hat die Ausgrenzung seiner Banken vom SWIFT-System empfindlich getroffen. Im Gegensatz dazu verfügt China mit dem Cross-Border Interbank Payment System (CIPS) zumindest über einen Ansatz eines Ersatzes zum SWIFT-System. Allerdings nehmen nur 1300 Institutionen am CIPS teil, was etwa 10% der Teilnehmer des SWIFT-Systems entspricht. Wenn man also China vom Rest der Bankenwelt abschneiden möchte, müssten nicht nur chinesische Banken vom SWIFT abgekoppelt werden, sondern auch Sanktionen gegen die Teilnehmer des CIPS außerhalb Chinas verhängt werden.

Eine weitere Besonderheit macht China widerstandsfähiger: Mit Hongkong und Macao verfügt China über zwei Sonderverwaltungszonen, über die Finanztransaktionen für chinesische Unternehmen weiter abgewickelt werden könnten.

Nicht zu groß für Sanktionen

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde kein so großes Land wie Russland mit so weitreichenden Sanktionen belegt. Zum Zeitpunkt des Kriegsbeginns stellte es das Land mit dem zehntgrößten Bruttoinlandsprodukt dar. Chinas Wirtschaft ist sogar noch einmal zehnmal größer. China und Russland sind beide Mitglieder im UN-Sicherheitsrat und beide sind Atommächte. Allerdings ist Taiwan aus strategischer Sicht weitaus wichtiger als die Ukraine, da es 60% der weltweiten Halbleiter produziert.  Eine Invasion Taiwans würde auch wichtige Handelswege blockieren, was insbesondere Japan und Korea betreffen würde.

China kann sich nicht sicher sein, dass es nicht von massiven Sanktionen betroffen sein wird. Die Gasembargos haben gezeigt, dass selbst wichtige Versorgungswege innerhalb kurzer Zeit verlagert werden können. Die Märkte sind bereits dabei, Alternativen zu suchen. Einerseits versuchen Industrienationen wieder, kritische Produkte selbst herstellen zu können. Andererseits werden Produktionen verlagert.

China gilt als der größte Produzent für Seltene Erden, die für die Batterieproduktion unentbehrlich sind. Allerdings kann sich die Abhängigkeit durch neue Batterietechnologien, Recycling und die Erschließung neuer Abbaugebiete in anderen Teilen der Erde verringern.  Hongkong hat seine Bedeutung als Asiens Finanzzentrum schon mehr oder weniger an Singapur abgegeben. Shanghai, das China als Ersatz für Hongkong vorgesehen hatte, kann diese Rolle nicht ausfüllen.

Angriff auf Taiwan: Will China sich ins selbst aufgestellte Messer stürzen?

Selbst die eigene chinesische Analyse der Lehren aus der russischen Invasion der Ukraine legt nahe, dass ein Angriff auf Taiwan ein Sturz in ein Messer ist, das China sich selbst hingestellt hat. Allerdings hat China zahlreiche Probleme durch die demographische Entwicklung, verschlafene Reformen und ein grundlegendes Ungleichgewicht zwischen Außen- und Binnenwirtschaft, zu lösen. Populistische Führer neigen dazu, statt schmerzhafte, aber notwendige Lösungen anzubieten, durch einen aussenpolitischen Fein abzulenken.

Russland zeigt gerade, wie interne Probleme durch eine künstlich erzeugte außenpolitische Krise bewältigt werden sollen. Es bleibt zu hoffen, dass China diesen Weg nicht gehen und nicht den Selbstmord aus Angst vor dem Tod wählen wird.



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7 Kommentare

  1. Zumindest hat China die UN hinter sich, denn laut Un- Beschluß, gibt es nur ein China.
    Und wenn die USA die Chipproduktion ins Land geholt haben, dann haben sie an Taiwan kein Interesse mehr, außer Waffenlieferungen. Japan wird nun aufgerüstet, und kann dann China „beschäftigen“.
    China wird wohl auch keine Freunde haben, die China eine Hauptversorgungsleitung wegsprengen, dann lieber keine solchen Freunde.
    Zusammenfassen:
    China hat leichtes Spiel, wenn die USA keinen wirtschaftlichen Vorteil mehr durch Taiwan haben.
    Aber, Russland wird zu China stehen, und ein Zweckverbund ist doch auch nicht schlecht.
    Besser als solche Freunde wie Deutschland an den USA hat.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Hallo Helmut
      Was soll der ganze künstliche Krampf
      Chiang Kai-shek, militärischer Füher der Kuomintang, auch Präsident, Favorit der USA, verlor aber im Bürgerkrieg gegen Mao und floh auf die chinesiche Insel Formosa jetzt genannt Taiwan.
      Das China diese Insel mit der regierung nicht als souveränen Staat anerkennt ist nachvollziehbar. Genauso wie der Donbass der sich als von der Ukraine souverän proklamiert hat als eigenständiger Staat anerkannt wird und sogar beschossen wurde.
      Was wäre wenn China jetzt Taiwan beschießt ? Was und wen unterstützen die USA ? ein im Grunde abtrünniges Land, auf dem sich eine Militärdiktatur, und das war es, nach 1949 niedergelassen hatte. Die sogar mit Unterstützung der USA Anspruch auf ganz China erhob. Gleiches macht China mit Taiwan : erhebt Anspruch.
      Frage : was mischen sich die USA ständig in andere Angelegenheiten ein ? das war eine intern chinesische Sache. Was popeln die Amis darin rum ? Immer auf der Suche nach Festigung ihrer Hegemonie, ihrer Festigung der Beherrschung anderer Völker und als Ziel der ganzen Welt.
      Und jetzt gefältt vielen Nationen auf der Welt diese Anmaßung – im Grunde auch eine Eroberung – nicht mehr und sie wollen sich davon lösen. Sie wollen sich nicht mehr von den USA beeinflussen und ausbeuten lassen.
      Und gegen Europa richtet sich die Antiphatie auch.
      Unseren Kindern hinterlassen wir kein gutes Erbe. Aber die Links-Grünen wollen aufs Klima ablenken.

  2. @cuibono
    Nach Ihrer Logik ist es also ok, Fake-Wahlen im Donbass anzuerkennen, aber den erklaerten Willen der Taiwanesen nicht zu akzeptieren?
    Russland und China duerfen also einen Angriffskrieg fuehren, aber die Angegriffenen duerfen sich nicht verteidigen, noch duerfen andere Laender duerfen ihnen helfen.

    Wenn also jemand in ihr Haus einbricht und sie kraeftig vermoebelt und Sie aus Ihrem Haus rausschmeisst, duerfen Sie sich weder wehren, noch duerfen Ihnen Dritte zur Hilfe kommen!

    Interessante Logik.

    Im uebrigen: Ein Staat wird nicht ein Staat, weil er von der UN anerkannt wird. Ein Staat is ein gemeinsames, durch in der Regel ausgeübte Gebietshoheit abgegrenztes Staatsgebiet, ein dazugehöriges Staatsvolk und die Machtausübung über dieses umfasst,

    1. Ich verstehe deinen Post nicht ganz (auch inhaltlich nicht). Aber es ehrt mich natürlich, wenn ich mittlerweile schon in deinen Träumen erscheine. Viele Grüße

      1. Genau, Ihre Gedanken sind so wirr, dass Sie sich darin verirren.

  3. Was hilft die Flucht ins Gold?

    Diese im Artikel gestellte Frage scheint mir eine zentrale Bedeutung zu haben.

    Gold war schon zu Zeiten des alten Ägyptens die Leitwährung der damaligen Zivilisationen. Nach dem Untergang Roms blieben Silber und Gold durch das dunkle Zeitalter hinweg Geld. Gold etablierte sich schließlich als internationale Weltleitwährung. Das Britische Pfund war nur der international verbreitetste Stellvertreter von Gold. Diese Rolle gab das Pfund 1944 an den Dollar ab und der Dollar verwandelte sich 1971 auch offiziell in Papiergeld ohne inneren Wert. Kissinger sorgte dafür, dass Öl nur in Dollar gehandelt würde, und sorgte so für den Erhalt der Nachfrage nach Dollar. Um diesen Status Quo zu erhalten, wird seit dem sehr viel getan, worüber man nicht spricht.

    Wenn sich eine Koalition aus dem Süden und dem Osten der Welt, darauf einigen würde, im Außenhandel wieder Gold als Leitwährung zu verwenden, müßte der Westen seinen Import entweder durch Export ausgleichen, oder mit Gold bezahlen.

    Die USA wären schlagartig in einer Krise, da sie ein massives strukturelles Handelsbilanzdefizit haben. Sie exportieren viel zu wenig. Offiziell haben Sie 8000 Tonnen Gold mit denen sie eine Zeit einkaufen könnten. Aber haben die USA die wirklich noch? Es gibt begründete Zweifel.
    Europa hat erst kürzlich im Zuge der Sanktionen seinen Handelsüberschuss eingebüßt, und könnte diesen Weg ebenfalls nicht lange weiter gehen.
    Die Wohlstandsverluste im Westen wären unvorstellbar groß.

    Würde z.B. Taiwan wie bisher Chips gegen Dollar liefern, wenn es Rohstoff und Energie nicht für Dollar einkaufen könnte? Und die Gewinne in Dollar nicht wie bisher einsetzen könnte?
    Wahrscheinlich unmöglich und sehr unwahrscheinlich – niemand liefert gegen Papiergeld, wenn dieses nicht wenigstens konvertibel ist.

    Könnten wir uns z.B. noch selbst ernähren? Nicht ohne die Landwirtschaftspolitik massiv zu deregulieren und die erforderlichen Rohstoffe rücksichtslos im eigenen Land auszubeuten und gegen Gold zuzukaufen.

    Den Dollar und das SWIFT – System zur Waffe zu machen war die „nukleare Option“. In der Finanzwelt haben alle gehofft, dass dies nicht passieren würde. Jamie Dimon hat der US-Regierung dringend abgeraten.

    Jetzt ist es eine Frage der Zeit. Niemand nimmt eine solche Situation hin (mögliche Erpressung durch das Geldsystem), wenn er eine Alternative hat. Gold wäre eine.

    1. Der Dollar soll abgeschafft werden. Digitales Geld soll erschaffen werden, daran wird gearbeitet. Und die Brics Staaten arbeiten auch an einer neuen Leitwährung bzw. einem Ersatz für den Dollar, wahrscheinlich mit Golddeckung.
      Schon Mark Carney sprach 2019, damals noch Chef der Bank of England, auf dem Bankenkongress in Wyoming von einem neuen Geldsystem das erneuerbar ist. Zu welchem konnte er noch keine Aussagen machen. Aber jedenfalls plädierte er öffentlich für die Abschaffung des Dollars als Leitwährung.

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