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Chinas Drohgebärden – Zeichen der Schwäche einer tickenden Zeitbombe

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Chinas Propaganda-Maschine läuft auf Hochtouren. Während noch im letzten Jahr staatliche Medien wie Xinhua zum Einstieg in die Aktienmärkte bliesen und Artikel nach Artikel lancierten, ist derzeit eine auffällige Häufung von Drohgebärden gegen vermeintliche Spekulanten zu beobachten. Warum?

Die Kampagne hat zwei Stoßrichtungen: eine nach innen, also an die Chinesen gerichtet, die andere nach außen, an potentielle Agressoren gerichtet – worunter Peking alle Ausländer versteht, die sich skeptisch für Chinas Wirtschaft und den Yuan zeigen. Ihnen wird direkt gedroht, so etwa George Soros, der in Davos von einer „unvermeidbaren harten Landung“ der chinesischen Wirtschaft gesprochen hatte. Und Soros ist als Leitwolf der Spekulanten, wie ihn die Machthaber in China sehen, zu wichtig, als dass man ihn ignorieren könnte. Also läuft die nach außen gerichtete Kampagne gegen ihn als Gesicht der bösen ausländischen Zweifler.

In einem gestern veröffentlichten Artikel in der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua heißt es, China könne angesichts der Spekulanten „zuversichtlich“ bleiben. Man erklärt, wie toll es der chinesischen Wirtschaft doch gehe durch die weise Führung der KP, wieviel Chinas Touristen und Investoren zum Weltwachstum beitragen, wie stark die Konjunkturdaten seien – ohne jedoch ein Wort über den klar erkennbaren Abwärtstrend der Daten zu verlieren. Diese Botschaften wiederum sind nach innen gerichtet, an die Sparer Chinas, die sich Sorgen vor einer weiteren Abwertung ihrer Währung machen. Sie sollen den Glauben nicht verlieren, dass die weisen Machthaber die Kontrolle verloren hätten, auch wenn sie den Yuan abgewertet haben.

Die nach außen gerichtete Botschaft lautet: die bösen Spekulanten und Zweifler haben entweder ihre Hausaufgaben nicht gemacht, oder sie sind von einer bösartigen Gier getrieben und versuchen daher Panik zu verbreiten:

„So why do speculators make claims that run counter to reality? Analysts said it is because either the short-sellers haven’t done their homework or that they are intentionally trying to create panic to snap profits.“

Dabei schreckt man auch nicht vor Diffamierungen zurück: so heißt es etwa über Soros, seine Einschätzung sei Folge einer „partiellen Blindheit“. Die „partiell Blinden“ aber haben einen entscheidenden Vorteil: die Fakten sprechen klar für sie. Daher sagt ein Analyst, der von einer weiteren Yuan-Abwertung ausgeht: sie können noch so viele Drohungen ausstoßen, sie werden damit keinen Erfolg haben, weil die Fakten „zum Himmel schreien“. Peking sei gezwungen, angesichts der starken Abkühlung mit weiteren Maßnahmen (Zinssenkungen) zu reagieren, was den Yuan automatisch unter Druck bringe.

Sie entlarven die Propaganda faktisch als das, was sie ist: eine Drohgebärde mit begrenztem Haltbarkeitsdatum. Natürlich wird China nun den Yuan erst einmal stabil halten – sonst riskierte man einen nicht wieder gut zu machenden Gesichtsverlust. Aber der Druck auf den Yuan wird von Tag zu Tag größer – und ökonomische Gesetzmäßgkeiten gelten auch für Diktaturen. Dass Peking sich nur noch mit Drohgebärden zu helfen weiß, spricht Bände. Wer stark und souverän ist, muß nicht drohen, weil er sich seines Sieges ohnehin sicher ist!

Was den Yuan abstürzen lassen wird, ist der Zusammenbruch der Kreditblase. Diese entstand, als Peking auf die Finanzkrise mit massiven Stimulusmaßnahmen reagierte – und dann auch noch das billige Geld durch die QE-Politik der Fed nach China strömte. Wir haben diesen Zusammenhang mehrfach beleuchtet und empfehlen daher zur Vertiefung nachdrücklich diese beiden Artikel:

1. „Chinas Verschuldung: eine tickende Zeitbombe in Zahlen“

2. „Warum China explodieren wird!“

Explosion
Foto: Wikipedia, Gemeinfrei

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Boncas

    27. Januar 2016 10:50 at 10:50

    Das ist sicherlich alles richtig gesehen, aber erstaunlicherweise noch nicht Teil des Mainstreams an den Finanzmärkten. Umso größer dürfte der (negative!) Überraschungseffekt werden.

  2. Avatar

    Argonautiker

    27. Januar 2016 12:39 at 12:39

    Geld ist nur der Mechanismus, um die Realwirtschaft zu bewegen. Fällt die Bewegung weg, dann reduziert sich die gesamte Wirtschaft, auf den Anteil der Realwirtschaft, die nicht der großen Bewegung bedarf. Also je lokaler sie basiert ist, desto weniger ist sie auf das Bewegen durch Geld angewiesen.

    Im Gegenteil zu der vollautomatisierten Wirtschaft des Westens, die ohne mechanisierte Bewegung gar nicht kann, ist Chinas Wirtschaft noch so viel auf das bewegt Werden durch die Menschen geprägt, daß es dem Westen bei einem Währungszusammenbruch weit überlegen wäre, denn China ist eben im eigenen Land noch so ausbaufähig, daß es nicht unbedingt die Anderen Märkte bräuchte. Die Westlichen Märkte sind hingegen kaum expansiv, weil sie schon ausgebaut sind, sie brauchen die Anderen Märkte viel mehr.

    Soros irrt also. Seine Überlegungen stimmen für den vollautomatisierten Westen, aber nicht für den Osten. Das Gegenteil wäre der Fall, denn wenn Chinas Währung wirklich kollabierte, wäre das ein Eigentor für den Westen, an dem der Westen mehr zu knabbern hätte als der Osten.

    Soros überschätzt als Hochfinanz Spekulant die Bedeutung des Geldes. Geld bewegt Güter nur, es erschafft keine. Und China ist nicht dumm, es weiß darum. Wenn Chinas Währung kollabiert, wird der Westen durch die darauf folgende Kettenreaktion wesentlich mehr davon betroffen sein.

    Soros ist krank im Kopf. Und er muß diese Krankheit als gesund verkaufen, denn wenn die Menschen begreifen, daß dieses Geld eben nur Illusion ist, dann hätte es sich für Soros und Konsorten zu Ende spekuliert. Totalverlust. Ehemals aufgeblasene leere Hüllen blieben zurück.

    • Avatar

      Boncas

      27. Januar 2016 13:50 at 13:50

      Na, das sind aber sehr gewagte Theorien. Zum einen: Die moderne Realwirtschaft bedarf des Geldes zumindest als Verrechnungsinstrument und Wertmaßstab. Zum anderen: China ist in den letzten Jahrzehnten nur deshalb so stark gewachsen, weil es vom Warenaustausch mit anderen Wirtschaftsregionen profitiert hat; dabei haben natürlich die früher sehr geringen Lohnkosten geholfen. China ist ein typischer Globalisierungsgewinner. Chinas Währungsreserven und Infrastrukturinvestitionen sind in hohem Maße aus den Exporterlösen entstanden bzw. finanziert worden. Müsste China auf die Exporterlöse verzichten, wären die Währungsreserven schnell aufgebraucht. China ist bei seiner derzeitigen Wirtschaftsstruktur eben mitnichten in der Lage, seinen Wohlstand nur im Rahmen seiner Binnenwirtschaft weiter zu vermehren. Zusammen mit der Kapitalflucht und seiner immensen Verschuldung (teilweise auch in US-Dollar) macht das China zu einem Problem für die Weltwirtschaft – erst recht weil die „Weisheit“ und die Kontrollmöglichkeiten der Zentral- und korrupten Regionalregierungen Chinas immer noch überschätzt werden.

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        Argonautiker

        27. Januar 2016 15:38 at 15:38

        Vielleicht haben Sie recht, und ich liege falsch. Es sind beides Spekulationen in ein Marktgeschehen. Die kommende Wirklichkeit wird es dann zeigen.

        Wenn sie Markt nur als Möglichkeit der Gewinnerweiterungen ansehen, würde ich ihnen zustimmen, wenn man Markt als Lebenserhaltung ansieht, dann nicht.

        Was denken Sie, was passieren würde, wenn der Renminbi kollabiert? Daß dann nur der Renminbi kollabiert, oder ist Chinas Währung so groß, daß es die restlichen Währungen auch mitziehen würde?

        Wer kann dann bei einem Weltweiten Währungskollaps noch am besten das Leben erhalten? Hochtechnisierte Länder, oder bäuerliche, der notfalls mit Tauschhandel weiter funktionieren und den Wertmaßstab eben noch nicht ans Geld gebunden haben?

        Bei einem Währungskollaps passiert real nämlich einfach daß, das sich die Güter nicht mehr bewegen. Fragen sie mal die Alten, die haben es ja noch erlebt. Jeder sitzt auf seinem Erzeugnis und wird es nicht los. Da sind eindeutig die besser dran, deren Handel noch nahe am Tauschhandel sind.

        Und deshalb würde ich sagen wäre China besser dran sein. Klar würde der ausschließlich Gewinnorientierte Markt vollkommen wegbrechen, aber an dem sind in China eh nur sehr wenige beteiligt. Mittelschicht gibt es kaum im Verhältnis zum Westen wohlgemerkt.

        Im Falle eines Währungskollapses würden die einfach in die Bäuerlichen Strukturen zurückfallen, die es da eben noch gibt. Im Westen sind diese selbst auf dem Land nahezu zerstört.

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Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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