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Chinas Drohgebärden – Zeichen der Schwäche einer tickenden Zeitbombe

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Chinas Propaganda-Maschine läuft auf Hochtouren. Während noch im letzten Jahr staatliche Medien wie Xinhua zum Einstieg in die Aktienmärkte bliesen und Artikel nach Artikel lancierten, ist derzeit eine auffällige Häufung von Drohgebärden gegen vermeintliche Spekulanten zu beobachten. Warum?

Die Kampagne hat zwei Stoßrichtungen: eine nach innen, also an die Chinesen gerichtet, die andere nach außen, an potentielle Agressoren gerichtet – worunter Peking alle Ausländer versteht, die sich skeptisch für Chinas Wirtschaft und den Yuan zeigen. Ihnen wird direkt gedroht, so etwa George Soros, der in Davos von einer „unvermeidbaren harten Landung“ der chinesischen Wirtschaft gesprochen hatte. Und Soros ist als Leitwolf der Spekulanten, wie ihn die Machthaber in China sehen, zu wichtig, als dass man ihn ignorieren könnte. Also läuft die nach außen gerichtete Kampagne gegen ihn als Gesicht der bösen ausländischen Zweifler.

In einem gestern veröffentlichten Artikel in der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua heißt es, China könne angesichts der Spekulanten „zuversichtlich“ bleiben. Man erklärt, wie toll es der chinesischen Wirtschaft doch gehe durch die weise Führung der KP, wieviel Chinas Touristen und Investoren zum Weltwachstum beitragen, wie stark die Konjunkturdaten seien – ohne jedoch ein Wort über den klar erkennbaren Abwärtstrend der Daten zu verlieren. Diese Botschaften wiederum sind nach innen gerichtet, an die Sparer Chinas, die sich Sorgen vor einer weiteren Abwertung ihrer Währung machen. Sie sollen den Glauben nicht verlieren, dass die weisen Machthaber die Kontrolle verloren hätten, auch wenn sie den Yuan abgewertet haben.

Die nach außen gerichtete Botschaft lautet: die bösen Spekulanten und Zweifler haben entweder ihre Hausaufgaben nicht gemacht, oder sie sind von einer bösartigen Gier getrieben und versuchen daher Panik zu verbreiten:

„So why do speculators make claims that run counter to reality? Analysts said it is because either the short-sellers haven’t done their homework or that they are intentionally trying to create panic to snap profits.“

Dabei schreckt man auch nicht vor Diffamierungen zurück: so heißt es etwa über Soros, seine Einschätzung sei Folge einer „partiellen Blindheit“. Die „partiell Blinden“ aber haben einen entscheidenden Vorteil: die Fakten sprechen klar für sie. Daher sagt ein Analyst, der von einer weiteren Yuan-Abwertung ausgeht: sie können noch so viele Drohungen ausstoßen, sie werden damit keinen Erfolg haben, weil die Fakten „zum Himmel schreien“. Peking sei gezwungen, angesichts der starken Abkühlung mit weiteren Maßnahmen (Zinssenkungen) zu reagieren, was den Yuan automatisch unter Druck bringe.

Sie entlarven die Propaganda faktisch als das, was sie ist: eine Drohgebärde mit begrenztem Haltbarkeitsdatum. Natürlich wird China nun den Yuan erst einmal stabil halten – sonst riskierte man einen nicht wieder gut zu machenden Gesichtsverlust. Aber der Druck auf den Yuan wird von Tag zu Tag größer – und ökonomische Gesetzmäßgkeiten gelten auch für Diktaturen. Dass Peking sich nur noch mit Drohgebärden zu helfen weiß, spricht Bände. Wer stark und souverän ist, muß nicht drohen, weil er sich seines Sieges ohnehin sicher ist!

Was den Yuan abstürzen lassen wird, ist der Zusammenbruch der Kreditblase. Diese entstand, als Peking auf die Finanzkrise mit massiven Stimulusmaßnahmen reagierte – und dann auch noch das billige Geld durch die QE-Politik der Fed nach China strömte. Wir haben diesen Zusammenhang mehrfach beleuchtet und empfehlen daher zur Vertiefung nachdrücklich diese beiden Artikel:

1. „Chinas Verschuldung: eine tickende Zeitbombe in Zahlen“

2. „Warum China explodieren wird!“

Explosion
Foto: Wikipedia, Gemeinfrei

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Boncas

    27. Januar 2016 10:50 at 10:50

    Das ist sicherlich alles richtig gesehen, aber erstaunlicherweise noch nicht Teil des Mainstreams an den Finanzmärkten. Umso größer dürfte der (negative!) Überraschungseffekt werden.

  2. Avatar

    Argonautiker

    27. Januar 2016 12:39 at 12:39

    Geld ist nur der Mechanismus, um die Realwirtschaft zu bewegen. Fällt die Bewegung weg, dann reduziert sich die gesamte Wirtschaft, auf den Anteil der Realwirtschaft, die nicht der großen Bewegung bedarf. Also je lokaler sie basiert ist, desto weniger ist sie auf das Bewegen durch Geld angewiesen.

    Im Gegenteil zu der vollautomatisierten Wirtschaft des Westens, die ohne mechanisierte Bewegung gar nicht kann, ist Chinas Wirtschaft noch so viel auf das bewegt Werden durch die Menschen geprägt, daß es dem Westen bei einem Währungszusammenbruch weit überlegen wäre, denn China ist eben im eigenen Land noch so ausbaufähig, daß es nicht unbedingt die Anderen Märkte bräuchte. Die Westlichen Märkte sind hingegen kaum expansiv, weil sie schon ausgebaut sind, sie brauchen die Anderen Märkte viel mehr.

    Soros irrt also. Seine Überlegungen stimmen für den vollautomatisierten Westen, aber nicht für den Osten. Das Gegenteil wäre der Fall, denn wenn Chinas Währung wirklich kollabierte, wäre das ein Eigentor für den Westen, an dem der Westen mehr zu knabbern hätte als der Osten.

    Soros überschätzt als Hochfinanz Spekulant die Bedeutung des Geldes. Geld bewegt Güter nur, es erschafft keine. Und China ist nicht dumm, es weiß darum. Wenn Chinas Währung kollabiert, wird der Westen durch die darauf folgende Kettenreaktion wesentlich mehr davon betroffen sein.

    Soros ist krank im Kopf. Und er muß diese Krankheit als gesund verkaufen, denn wenn die Menschen begreifen, daß dieses Geld eben nur Illusion ist, dann hätte es sich für Soros und Konsorten zu Ende spekuliert. Totalverlust. Ehemals aufgeblasene leere Hüllen blieben zurück.

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      Boncas

      27. Januar 2016 13:50 at 13:50

      Na, das sind aber sehr gewagte Theorien. Zum einen: Die moderne Realwirtschaft bedarf des Geldes zumindest als Verrechnungsinstrument und Wertmaßstab. Zum anderen: China ist in den letzten Jahrzehnten nur deshalb so stark gewachsen, weil es vom Warenaustausch mit anderen Wirtschaftsregionen profitiert hat; dabei haben natürlich die früher sehr geringen Lohnkosten geholfen. China ist ein typischer Globalisierungsgewinner. Chinas Währungsreserven und Infrastrukturinvestitionen sind in hohem Maße aus den Exporterlösen entstanden bzw. finanziert worden. Müsste China auf die Exporterlöse verzichten, wären die Währungsreserven schnell aufgebraucht. China ist bei seiner derzeitigen Wirtschaftsstruktur eben mitnichten in der Lage, seinen Wohlstand nur im Rahmen seiner Binnenwirtschaft weiter zu vermehren. Zusammen mit der Kapitalflucht und seiner immensen Verschuldung (teilweise auch in US-Dollar) macht das China zu einem Problem für die Weltwirtschaft – erst recht weil die „Weisheit“ und die Kontrollmöglichkeiten der Zentral- und korrupten Regionalregierungen Chinas immer noch überschätzt werden.

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        Argonautiker

        27. Januar 2016 15:38 at 15:38

        Vielleicht haben Sie recht, und ich liege falsch. Es sind beides Spekulationen in ein Marktgeschehen. Die kommende Wirklichkeit wird es dann zeigen.

        Wenn sie Markt nur als Möglichkeit der Gewinnerweiterungen ansehen, würde ich ihnen zustimmen, wenn man Markt als Lebenserhaltung ansieht, dann nicht.

        Was denken Sie, was passieren würde, wenn der Renminbi kollabiert? Daß dann nur der Renminbi kollabiert, oder ist Chinas Währung so groß, daß es die restlichen Währungen auch mitziehen würde?

        Wer kann dann bei einem Weltweiten Währungskollaps noch am besten das Leben erhalten? Hochtechnisierte Länder, oder bäuerliche, der notfalls mit Tauschhandel weiter funktionieren und den Wertmaßstab eben noch nicht ans Geld gebunden haben?

        Bei einem Währungskollaps passiert real nämlich einfach daß, das sich die Güter nicht mehr bewegen. Fragen sie mal die Alten, die haben es ja noch erlebt. Jeder sitzt auf seinem Erzeugnis und wird es nicht los. Da sind eindeutig die besser dran, deren Handel noch nahe am Tauschhandel sind.

        Und deshalb würde ich sagen wäre China besser dran sein. Klar würde der ausschließlich Gewinnorientierte Markt vollkommen wegbrechen, aber an dem sind in China eh nur sehr wenige beteiligt. Mittelschicht gibt es kaum im Verhältnis zum Westen wohlgemerkt.

        Im Falle eines Währungskollapses würden die einfach in die Bäuerlichen Strukturen zurückfallen, die es da eben noch gibt. Im Westen sind diese selbst auf dem Land nahezu zerstört.

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Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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am

Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

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Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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