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Christian Rieck über das angeblich ungerechte und veraltete US-Wahlrecht

Donald Trump als Uncle Sam

Schon bei der ersten Trump-Wahl und früher auch bei der Wahl von George Bush Junior zum US-Präsidenten fiel die Ungerechtigkeit auf, dass der Verlierer der Wahl mehr Stimmen erhalten hatte. Dennoch konnte derjenige die Wahl für sich entscheiden, der in wichtigen Bundesstaaten mit großer Bevölkerung (und dementsprechend vielen Wahlmännern) eine knappte Mehrheit gewann. Denn egal wie knapp man den Bundesstaat gewinnt, alle Wahlmänner-Stimmen (hier mehr zu dem Begriff) in diesem Bundesstaat fallen an den Gewinner für die letztliche Präsidentenwahl. Was für eine Ungerechtigkeit im US-Wahlrecht. Denn eigentlich sollte doch derjenige Präsident werden, der die Mehrheit der Stimmen erhält?

Ist das US-Wahlrecht besser als sein Ruf?

Prof. Dr. Christian Rieck präsentiert auf YouTube immer wieder hochinteressante Videos zur Spieltheorie. Aktuell hat er ein kurzes, aber hochinteressantes Video veröffentlicht, welches zum Nachdenken anregt. Ist das US-Wahlrecht vielleicht doch nicht so schlecht wie sein Ruf? Wie gesagt, die Sache mit den tatsächlichen Stimmen, wo man trotz Mehrheit nicht Präsident wird, die wirkt einfach so derart ungerecht, dass man sich darüber maßlos aufregen kann – zu Recht! Aber Christian Rieck erwähnt zwei andere Aspekte im US-Wahlrecht, die es in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen.

Christian Rieck über die Vorteile einer klaren politischen Abgrenzung

Durch das Wahlmänner-System werde ein Kompromiss gefunden, der die Interessen von kleinen bevölkerungsarmen Bundesstaaten und bevölkerungsstarken Staaten ausgleiche. Und, das ist gerade für Europa und Deutschland sehr interessant: Laut Christian Riek zwinge das US-Wahlrecht (The Winner takes it all) die beiden großen Parteien dazu, sich klar gegeneinander zu positionieren, sich von einander abzugrenzen, und eine klare Wahlalternative für die Wähler zu schaffen. Das Wahlrecht hierzulande ermögliche große Koalitionen, bei denen die Alternativen und klaren inhaltlichen Abgrenzungen für die Wähler verschwinden, was für die Demokratie sehr schädlich sei, so seine Meinung.

In den USA sei dies nicht möglich, und es gäbe immer eine starke Opposition, die sich klar gegen die Regierung positioniere. Aber, so darf man es auch anmerken: Durch das US-Wahlrecht wird verhindert, dass eine dritte oder vierte politische Kraft im Kongress auftritt, die neue Ideen einbringt, und für politische Vielfalt sorgt, wodurch interessante Koalitionen gebildet werden können. Die US-Wähler haben immer nur die Wahl zwischen A und B. Das ist auf Dauer nicht doch etwas eintönig?



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2 Kommentare

  1. Na ja, die Wahlrecht in UK und Frankreich sind dem US-amerikanischen nahezu identisch. Le Pen hatte in Relation zu den gewonnen Stimmen, nicht gewonnen. Labor und den Liberalen in UK ging es ähnlich. Aber das stört in „D“ niemand….Warum wohl????

  2. Und morgen wird „überraschenderweise“ jeder in Deutschland lesen können das Trump haushoch gewonnen hat.
    Ich habe das ja bereits vor Monaten gesagt, morgen wird das dann endlich jeder wissen. Diese Wahl ist einfach nur unglaublich langweilig, da der Sieger offensichtlich schon lange fest steht.

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