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Dax mit Doppeltief: Warum die jüngste Erholung keine neue Hausse ist

Dax mit Doppeltief: Warum die jüngste Erholung keine neue Hausse ist

Der Dax versucht sich derzeit an einer Stabilisierung nach dem Rutsch auf ein neues Jahrestief bei 12.390 Punkten. Die Erholung könnte sich durchaus noch ein Stück fortsetzen, der Abwärtstrend ist aber weiterhin aktiv. Nachdem der deutsche Aktienmarkt bereits am Mittwoch kräftig zugelegt hatte, geht es auch am Donnerstag schwungvoll los. Angesichts des jüngst markierten Doppeltiefs fassen Anleger neuen Mut und hoffen dabei auf eine ausgeprägte Erholungsrally.

Ein möglicher Doppelboden bei rund 12.430 Punkten wiegt die Anleger vermeintlich in Sicherheit. Ja, aus technischer Perspektive kann es ein Doppelboden werden oder sogar der Boden einer neuen Hausse. An der Börse geht es bekanntlich nicht immer rational zu, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist doch sehr gering. Das makroökonomische Umfeld spricht derzeit gegen eine neue Hausse. Die zahlreichen Belastungsfaktoren wie zum Beispiel hohe Inflation, Energiekrise, Krieg in Europa, Lieferkettenengpässe und eine mögliche Rezession wiegen zu schwer. Jede Kurserholung im Dax stellt im aktiven Abwärtstrend eher eine Verkaufschance dar.

Es fehlt die fundamentale Basis für eine Hausse

Was sollte denn für eine neue Hausse sprechen? Aus fundamentaler Sicht ergeben sich derzeit kaum positive Signale. Wenn man etwas Positives hervorheben möchte, dann sind es die jüngst gefallenen Ölpreise und die Lockdown-Lockerungen in China. Die großen Belastungsfaktoren schweben aber weiterhin über den Aktienmärkten. Dies sind einerseits die hohe Inflation und die restriktive Geldpolitik sowie der Konjunkturabschwung und eine mögliche Rezession andererseits. Zudem bahnt sich in Deutschland aufgrund des eingeschlagenen Kurses der Politik eine ernstzunehmende Energiekrise an, die sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen treffen kann bzw. bereits trifft, in Form von explodierenden Energiekosten. Eine bevorstehende Gaskrise hatte zuletzt auch die Kurse im Dax auf Talfahrt geschickt.

Durch die steigenden Energiepreise dürfte sich der Preisdruck weiter erhöhen, was wiederum die Europäische Zentralbank unter Druck bringt endlich auf die hohe Inflation zu reagieren. Die Inflation bleibt hoch, aktuell liegt sie bei 8,6 Prozent im Euroraum. Sie könnte allerdings in den kommenden Monaten auch zweistellige Raten erreichen, da die EZB derzeit nicht gewillt ist bzw. ihr die Hände gebunden sind, auf die rekordhohe Teuerung zu reagieren.

Anstatt sich auf das Mandat der Preisstabilität zu fokussieren, liegen die Prioritäten derzeit auf den Spreads der Staatsanleihen sowie dem Kampf gegen den Klimawandel. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat zwar vor wenigen Tagen gesagt, dass die „Klimapolitik nicht dazu führen darf, das wichtige Ziel der Bekämpfung der hohen Inflation zu verhindern“, dabei handelt es sich jedoch nur um warme Worte – die EZB hat im Gegensatz zur Fed bisher noch keine Taten sprechen zu lassen. Solange die Inflation in der Eurozone nicht nachhaltig eingedämmt wird, bleibt die Nervosität an den deutschen Aktienmärkten hoch. Es kann zwar jederzeit zu einer technischen Erholung im Dax kommen, der Abwärtstrend dürfte aber aktiv bleiben, solange die Probleme nicht gelöst sind.

Dax: Charttechnische Lage im deutschen Leitindex

Der deutsche Leitindex hat mit dem Unterschreiten des März-Tiefs seine chart- und markttechnischen Schwächesignale bestätigt. Die Tatsache, dass das März-Tief am Dienstag jedoch nur kurzzeitig unterschritten wurde, gibt zumindest Hoffnung auf eine Gegenbewegung. So kam es dann auch – Dax-Anleger haben angesichts des Doppeltiefs neuen Mut gefasst. Ausgehend von dem neuen Jahrestief bei 12.390 Punkten ging es für den deutschen Leitindex wieder aufwärts. Am heutigen Vormittag kletterte der Dax zeitweise über die Marke von 12.800 Punkten und hat damit einen ersten Befreiungsschlag getätigt.

Der Doji am Mittwoch im Tageschart zeigt an, dass der Markt nach dem steilen Ausverkauf unentschlossen ist. Die deutliche Divergenz beim Relative-Stärke-Index (RSI) im H4-Chart verrät uns zudem, dass die Verkaufsdynamik an Schwung verloren hat. Bisher konnte der Dax bis an den Widerstand bei 12.830 Punkten ansteigen. Kurzfristig wäre sogar noch weiteres Erholungspotenzial vorhanden. Die Widerstandsbarriere bei 12.919 bis 13.030 Punkte wäre ein mögliches Ziel, dürfte aber heute nicht mehr durchbrochen werden. Saisonal befindet sich der Deutsche Aktienindex bis Mitte Juli jedenfalls in einer sehr positiven Phase.

Dax Tageschart: Doppelboden - Stabilisierung?

Allerdings ist die Gefahr, dass der Dax nach einer Zwischenerholung das Tief nachhaltig nach unten bricht weiterhin hoch. Die nächste markante Unterstützung liegt dann erst wieder an dem Tief bei rund 11.500 Punkten. Es kann also nicht schaden, wenn man als Händler in den kommenden Wochen vorsichtig bleibt. Noch hat der Markt keine konkreten Signale für eine ausgeprägte Erholung gesendet. Dafür bedarf es einen Anstieg mindestens über die lokalen Hochs bei 13.378/443 Punkten. Dann nehmen die bullischen Ambitionen im Dax deutlich zu.

Scheitert der Index wie so viele Male zuvor an einer Fortsetzung der Erholung, könnten wir auch noch weitere Jahrestiefs sehen. Unterhalb von 12.400 sollten Anleger Rücksetzer bis 12.340 und 12.200 einplanen. Das nächste große Ziel bei 11.500 Zählern wäre dann auch nicht mehr weit entfernt.

Dax: Erholung ausgehend vom Doppeltief

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