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Deal zwischen Trump und China? Chinas Notenbank lockert Kapitalkontrollen

FMW-Redaktion

In der Welt der Politik und auch in der Finanzpolitik passiert selten etwas, ohne dass es einen größeren Zusammenhang geben würde. Ist es Zufall, dass Donald Trump kürzlich sagte, dass China doch kein Währungsmanipulator sei? Oder ist das vielmehr eine Reaktion auf die mögliche Bereitschaft Chinas, eine härtere Gangart gegenüber Nordkorea einzuschlagen? Oder hat Trump schlicht ausnahmsweise einmal die Fakten zur Kenntnis genommen statt nur „alternative Fakten“?

Wir wissen es nicht, aber was wir wissen ist, dass Chinas Notenbank PBOC heute zimelich still und heimlich die Kapitalkontrollen gelockert hat. So müssen (offizielle) Geschäftsbanken in China ab letzter Woche nicht mehr sicher stellen, dass Kapital, das ins Ausland fließt, durch neues Kapital, das auf ihre Konten geht, ersetzt wird. Das ist ein kleiner, aber nicht ganz unbedeutender Schritt. Peking hat zur Kenntnis genommen, dass die Kapitalkontrollen in der bisherigen Form auch dazu beigetragen haben, eigentlich erwünschte Auslandsinvestitionen zu reduzieren. So fielen die Auslandsinvestionen Chinas im ersten Quartal 2017 um sage und schreibe 49% zum Vorjahresquartal. Manch eine eigentlich durchaus von Peking gern gesehene Übernahme im Ausland kam daher nicht zustande.

Peking hattte die Kapitalkontrollen Ende 2016 verschärft, nachdem der Yuan im Vorjahr 6,5% zum US-Dollar verloren hatte. Seit Anfang 2017 aber hat der Yuan zum US-Dollar 1% zugelegt, zuletzt zeigte sich die chinesische Währung sehr stabil zum Dollar:


(Dollar-offshore Yuan)

Der Druck auf den Yuan hat also deutlich nachgelassen, gleichzeitig sind die Währungsreserven des Landes zuletzt wieder leicht angestiegen und pendeln um die Marke von drei Billionen Dollar, nachdem die Reserven im Vorjahr noch kontinuierlich abgeschmolzen waren. Premier Li Keqiang hatte gestern wohl nicht zufällig gesagt, dass das Vertrauen in den Yuan sich wieder gefestigt habe. Dazu waren die neuesten Daten zum BIP, den Einzelhandelsumsätzen etc. sehr robust. Die guten Daten dürften zum Teil auch darauf zurück zu führen sein, dass weniger Kapital ins Ausland floß und stattdessen wieder vermehrt im Reich der Mitte investiert worden war.


Chinas Premier Li Keqiang
Foto: World Economic Forum – Sebastian Derungs, cc-by-sa-2.0

Die Anzeichen einer wieder anziehenden Wirtschaft zeigt sich auch in den Wetten auf einen steigenden (offshore) Yuan: sie sind so hoch wie seit Juli 2015 nicht mehr. Man geht also überwiegend nicht mehr von einer Abwertung der chinesischen Währung aus, Peking muss den Yuan derzeit nicht stützen – was auch erklärt, dass die PBOC zuletzt auffallend häufig auf Kapitalinjektionen in den Bankensektor verzichten konnte. Zu wenig Liquidität – das große Thema des Jahres 2016 – scheint für Chinas Banken also derzeit nicht mehr ein großes Problem zu sein.

Aufgrund dieser Ausgangsbedingungen also konnte Peking nun diesen ersten Lockerungsschritt veranlassen. Die Frage aber bleibt, ob hierbei auch das kürzliche Treffen zwischen Trump und Xi Xinping in Florida einen Beitrag geleistet hat: mit diesem Lockerungs-Schritt wird China jedenfalls wieder ein Stück weit mehr ein Mitspieler, statt ein ängstlicher Blockierer, der versucht, das Kapital im Land zu halten.



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