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Die Bilanz von Donald Trump: Das Außenhandelsdefizit steigt deutlich

Claudio Kummerfeld

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Containerschiffe in der San Francisco Bay

Seit dem 20. Januar 2017 ist Donald Trump US-Präsident. Neben der Mexiko-Mauer war sein Hauptversprechen: Er würde den Amerikanern ihre (ehemals gut bezahlten) Industriejobs zurückholen, die man unter den Vorgänger-Präsidenten laut Trump leichtfertig nach China abwandern lies. Nun, diese Jobs sind nicht zurückgekehrt. Und genau so wie die Jobs sollte die Handelsbilanz der USA endlich wieder in Ordnung gebracht werden unter Donald Trump. Durch den Handelskrieg wollte er mit Zöllen dafür sorgen, dass für US-Importeure Einkäufe aus dem Ausland unattraktiv werden. Produkte sollten vermehrt in den USA hergestellt werden. Dadurch wäre das Außenhandelsdefizit der USA spürbar geschrumpft. Wenn es denn so einfach funktionieren würde.

Donald Trump hat mit seinem Handelskrieg keine Wende herbeigeführt

In der Realität verteuerten sich zum Beispiel in den USA hergestellte Waren, weil auf billige Vorprodukte aus Asien höhere Importzölle verhängt wurden. Diese Vorprodukte lassen sich aber oft nicht kostendeckend in den USA herstellen, und so müssen sie weiter importiert werden. So könnte man die Ereigniskette fortsetzen. Das schnelle und einfache Rezept der höheren Zölle und der steigenden Produktion im Inland funktioniert in der global vernetzten Welt nicht so einfach, wie Donald Trump sich das gewünscht hat.


source: tradingeconomics.com

Im Chart sehen wir das US-Außenhandelsdefizit im Verlauf der letzten zehn Jahre. Man sieht, dass die Defizite (pro Monat) vorher immer grob gesagt um die -40 Milliarden Dollar pendelten. Mit dem Amtsantritt von Donald Trump ging es abwärts auf bis zu -57 Milliarden Dollar. Dann gab es durch die Coronakrise Verschiebungen bei Im- und Exporten, daher gab es 2020 zunächst das Schrumpfen des Defizits. Aber bis jetzt hat sich das Bild wieder „normalisiert“. Das Außenhandelsdefizit der USA lag jüngst im Oktober bei -63 Milliarden Dollar. Das ist genau das Gegenteil von dem, was Donald Trump eigentlich erreichen wollte. Der Geldfluss geht also immer stärker raus aus den USA, wodurch sich die US-Volkswirtschaft noch stärker als ohnehin schon verschulden muss, um den bisherigen Lebensstil mit Waren aus dem Ausland bezahlen zu können.

DIW-Papier zum gestiegenen Außenhandelsdefizit der USA

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat zu dem Thema gestern ein Papier veröffentlicht. Hier werden jene Mechanismen beschrieben, die dazu führten, dass die Handelspolitik von Donald Trump nicht funktionierte, sondern sogar das Gegenteil des Gewünschten verursachte – nämlich ein deutlich steigendes Außenhandelsdefizit. Laut DIW haben weder die Kündigung und Neuverhandlung von diversen Handelsabkommen noch die zahlreichen Importzölle bislang Arbeitsplätze in den USA geschaffen oder Handelsdefizite erheblich gesenkt.

Lediglich das Handelsdefizit mit China ist laut DIW im vergangenen Jahr etwas geschrumpft, aber schon in diesem Jahr wieder gestiegen. Im Handel mit Europa und den anderen nordamerikanischen Staaten Kanada und Mexiko haben die Maßnahmen von Donald Trump laut DIW so gut wie gar nicht gewirkt. Insbesondere Stahl-, Computer- und Elektronikimporte aus China seien mit der Einführung der Zölle spürbar zurückgegangen. In anderen Sektoren, die besonders auf ausländische Güter angewiesen sind, wie beispielsweise bei Haushaltsgeräten und elektronischen Komponenten, kam es zwar auch zu einem Rückgang. Dort haben die Zölle aber vor allem die Importe für amerikanische Unternehmen und Haushalte verteuert. Darin liegt laut DIW die Crux der Trumpschen Handelspolitik. Er habe US-Produkte durch die Zölle attraktiver machen wollen. Stattdessen habe seine Politik die Produkte verteuert.

Insbesondere das verarbeitende Gewerbe, das auf Importe aus China als Vorleistungen angewiesen ist, habe dadurch mit höheren Produktionskosten zu kämpfen. Dies betreffe vor allem die sogenannten Rust-Belt-Staaten sowie Mississippi und Alabama – und damit Bundesstaaten, in denen die Unterstützung für Trump in der Wahl im Jahr 2016 besonders groß war. Geschätzt 75.000 Arbeitsplätze seien durch diese Politik von Donald Trump verloren gegangen.

Wie sich die Handelspolitik unter dem neuen Präsidenten Joe Biden entwickeln wird, lasse sich zu diesem Zeitpunkt nur annähernd abschätzen. Sein Ton wird sicherlich verbindlicher sein, seine Strategie berechenbarer. An seinen Wahlkampfreden lässt sich aber laut DIW ablesen, dass auch er kein ausgewiesener Verfechter des Freihandels ist und den harten Kurs gegenüber China beibehalten wird. Habe Trump dabei auf Alleingänge gesetzt, so werde sich Joe Biden dafür verlässliche Partner suchen. Für die EU bedeute das, dass sie diese Chance rechtzeitig nutzen sollte, um sich als Handelspartner zu positionieren.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    pigeon

    11. Dezember 2020 11:31 at 11:31

    Die Handelsbilanz der USA ist ein fürchterlich komplexes Ding. Die hat nicht nur mit dem komparativen Vorteil anderer Länder im Handel zu tun. Ganz wesentlich, um sie zu verstehen, ist das Eurodollar System, d.h. vor allem die Tatsache, dass sehr viel im internationalen Handel in USD abgewickelt wird, auch zwischen Staaten außerhalb der USA. Der USD hat hier das absolut dominante Gewicht. Das ist im Prinzip ein Relikt aus der Zeit, als die USA 40% des globalen BIP stellten. Gleichzeitig wurde die Verwendung des USD im Ölhandel von den USA durchaus auch mit Waffengewalt durchgesetzt.
    Nun ist aber der Anteil der USA am Welt BIP deutlich geschrumpft und der USD immer noch dominante Währung im Eurodollar Raum. Das bedeutet, dass die USA zwangsläufig ein hohes Handelsdefizit haben müssen, um die Versorgung des Eurodollar Raumes mit USD zu ermöglichen. Denn in der Welt sind genau durch diese Dominanz des USD im Handel auch viele Unternehmen (und Staaten) in USD verschuldet und wickeln ihre Geschäfte in USD ab. Das erzeugt einen gewaltigen Aufwertungsdruck auf den USD, der dann dazu führt, dass die USA im internationalen Handel kaum konkurrenzfähig sind.
    Dass das Defizit sich strukturell ausweitet ist m.E. auf das starke Wachstum der Weltwirtschaft insbesondere in den Schwellenländern in den letzten Jahren zurückzuführen. Wenn man so will, spiegelt die Geldmenge des USD Anteils im Eurodollar Raum (und mithin das Handelsdefizit der USA) einfach dieses Wachstum wider.
    Der Ansatz für die USA, ihr Handelsdefizit zu verringern müsste also über einen profunden Systemwechsel weg vom bisherigen Eurodollar System laufen. Das ist aber nicht so einfach, denn der Euro taugt wegen seiner Fehlkonstruktion nur bedingt als Reservewährung und der RMB ist noch nicht komplett konvertibel. CHF und GBP können auch nur einen kleinen Teil der Reservewährung stellen.

  2. Avatar

    Zimmermann

    11. Dezember 2020 14:59 at 14:59

    Wenn die USA den USD nicht als Weltleitwährung ihr eigen nennen könnten, dann würde es düster ausschauen.

    Nimm dann noch die weiteren Teile Militärmacht mit der dazugehörigen Militär- und Waffenindustrie, dominierenden Internethandel und dessen Dienste, Ölexporteur, könnten die ihren Laden dicht machen.

    Dann hätten heute nicht nur 18% der Bevölkerung ein Problem ihren täglichen Bedarf, wie Essen, Wohnen, Krankenversicherung zu decken, sondern wahrscheinlich mindestens 50% und können dann mit den Drittweltländern konkurrieren.

    Darum muss mit aller Macht und jedem Preis, die von mir oben genannten Geschäftsmodelbereiche (Weltleitwährung, Militär- und Waffenindustrie, dominierend im Umfeld des Internets, Ölexproteur, gehalten werden.

  3. Avatar

    Lausi

    11. Dezember 2020 18:11 at 18:11

    @Pigeon – die Amis sind also aufgrund ihrer Weltleitwährung zum Schmarotzertum verdammt? Eine interessante These.

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Andre Stagge

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

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