Allgemein

Die große Katastrophe am US-Häusermarkt – vom Kapitalmarkt ignoriert

Düstere Zeiten am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt spielt sich eine beispiellose Katastrophe ab, und den Kapitalmarkt scheint es nicht zu interessieren. Gut, ganz aktuell erkennt man beim zweiten Hinschauen, dass jüngst die Mehrheit der Aktien in den USA fällt, aber die Indizes dennoch steigen. Dies liegt an wenigen großen Schwergewichten, die die Indizes mit ihrer Gewichtung hoch pushen (siehe dazu hier der aktuelle Kommentar von Markus Fugmann). Das ändert aber nichts daran, dass der Kapitalmarkt in der Gesamtbetrachtung nicht im Crash-Modus ist wie in der großen Finanzkrise ab dem Jahr 2008.

Zahlungsausfälle am US-Häusermarkt steigen in Rekordgeschwindigkeit

Nein, der Gesamtmarkt wird von der Fed, der US-Regierung und den Banken geflutet mit Geld. Die Bürger erhalten Geld um weiter zu konsumieren. Dennoch kann mit noch so viel Geld die Katastrophe am US-Häusermarkt nicht zugedeckt werden. Jüngste Daten der „Mortgage Bankers Association“ MBA (Vereinigung der US-Hypothekenbanker) zeigen, dass die Quote der Zahlungsausfälle bei Hypotheken in den USA (Non Performing Loans oder auch Schrottkredite) vom Ende des ersten Quartals zum Ende des zweiten Quartals um 3,86 Prozentpunkte auf 8,22 Prozent gestiegen ist. Das ist der größte jemals gemessene Anstieg, seit die Messung im Jahr 1979 begonnen wurde. Und 8,22 Prozent Ausfallquote ist der höchste Stand seit neun Jahren.

Der Grund ist klar. Die Coronakrise trieb die Arbeitslosigkeit in den USA in die Höhe. Aber man darf auch anmerken: Die US-Regierung hat die Bürger massiv mit Geld überflutet. 25 Millionen Menschen erhielten monatelang 600 Dollar pro Woche! Und trotzdem explodiert diese Rate der Zahlungsausfälle am US-Häusermarkt derart stark. Paradox dabei ist, dass der selbe Verband (MBA) seit Wochen schon eine Meldung nach der anderen veröffentlicht, dass die Zahl neuer Hypothekenanträge deutlich höher liegt als vor einem Jahr. Womöglich noch solvente Käufer schnappen jetzt zu, weil die Zinsen für Hauskäufe in den USA derzeit immer weiter in den Keller fallen.

Der große Knall kommt noch?

Aber zurück zu den Zahlungsausfällen am US-Häusermarkt. Laut der MBA gebe es nun mal keine Möglichkeit, einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in den USA um 32,9 Prozent im zweiten Quartal zu beschönigen. Bestimmte Hausbesitzer würden weiterhin von dieser Krise betroffen sein, und die Zahlungsrückstände würden wahrscheinlich auf absehbare Zeit auf einem hohen Niveau bleiben. Glücklicherweise gebe es mehrere mildernde Faktoren, die diesen aktuellen Anstieg der Hypothekenrückstände von der Großen Rezession unterscheiden würden. Zu diesen Faktoren gehören Anstiege bei den Häuserpreisen oder auch die Optionen für die Stundung und Änderung von Darlehen, die für notleidende Hausbesitzer Alternativen zur Zwangsvollstreckung darstellen würden.

Man bedenke: Die Zahlungsausfallquote von 8,22 Prozent bezieht sich auf Daten zu Ende Juni! Wie die Lage jetzt im August aussieht, ist schwer abzuschätzen. Wir von FMW meinen: Auf der einen Seite ist die Arbeitslosigkeit etwas gesunken auf zuletzt 10,9 Prozent (immer noch sehr hoch). Auf der anderen Seite ist das extrem großzügige Programm der US-Regierung Ende Juli ausgelaufen, mit der man dem Heer der Arbeitslosen in den USA 600 Dollar pro Woche zahlte. Dieses Geld fehlt derzeit Millionen von Amerikanern um Essen zu kaufen oder Hypothekenraten zu zahlen. Derzeit wird im US-Kongress um eine Folgelösung gestritten. Die US-Banken hatten zuletzt bereits große Geldsummen in ihren Quartalsberichten auf die hohe Kante gelegt für anstehende Zahlungsausfälle. Ob das ausreichen wird? Immer noch befinden wir uns (auch in Deutschland) in einer Phase vor dem großem Sturm. Man hört ihn ankommen, aber wann er kommt und wie schlimm es wird, ist unklar.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Der Sturm wird brutal werden.

  2. Pingback: Aktuelles vom 21. August 2020 – Teil 2 | das-bewegt-die-welt.de

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage