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Die Lage von CFD-Brokern vor einem Wochenende mit anschließendem Gap-Risiko

Warum mit ESMA das Risiko für Broker deutlich gestiegen – für Trader aber deutlich gesunken ist! Eine wilde Verschwörungstheorie vor dem G20-Gipfel

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Seit Eintreten der ESMA-Regularien können bekanntlich CFD-Konten nicht mehr ins Negative laufen – das ist durchaus eine verbraucherfreundliche Vorschrift der Aufsichtsbehörden, die an den Finanzmärkten ansonsten deutlich genauer hinsehen als etwa bei Glücksspiel-Anbietern!

Was aber bedeutet das für Broker? Einfach gesagt: ihr Risiko steigt. Denn nehmen wir einmal an, jemand käme auf die Idee, heute kurz vor Börsenschluß eine Position aufzubauen, die seine Marge fast komplett ausreizt – etwa in der Spekulation darauf, dass der G20-Gipfel am Wochenende ein Erfolg wird (in diesem Fall etwa mit vielen Dax-Long-Kontrakten) oder eben ein krachender Mißerfolg (in diesem Fall mit vielen Dax-Short-Kontrakten). Dabei beläßt der Broker-Kunde nur einen relativ schmalen Betrag auf dem Konto – da das Konto nicht negativ werden kann, ist genau dieser Betrag der maximal mögliche Verlust, eine Art unsichtbarer stop loss.

Nun ist mit den ESMA-Regularien für die allermeisten CFD-Trader der Hebel verringert worden (also die Margin-Anforderung für den jeweiligen Kontrakt erhöht worden) – ausgenommen sind nur die sogennanten Profi-Trader, also jene Menschen, die schon länger mit größeren Konten handeln oder eine Tätigkeit in der Finanzbranche nachweisen konnten.

So oder so: wer vor diesem Wochenende mit dem G-20-Gipfel sozusagen „all in“ geht (also die Marge komplett auslastet), hat ein begrenztes Verlustrisiko bei gleichzeitig potentiell unbegrenzter Gewinnchance, wenn die Märkte am Montag mit einem Gap eröffnen sollten und dann vielleicht die eingeschlagene Richtung sich noch weiter ausdehnt.

Nun ist uns heute aufgefallen, dass Jochen Stanzl von CMC Markets, den wir für gleichermaßen kompetent und integer halten, in seinem heutigen Ausblick auf die Märkte und das G20-Wochenende mit anschließendem Gap-Risiko auffallend stark die Verwendung von garantierten Stops empfiehlt, die CMC wie viele andere Broker (kostenpflichtig) anbietet. Diese garantierten Stops sind natürlich grundsätzlich sinnvoll, haben jedoch durch die ESMA-Regularien einen entscheidenden Vorteil verloren: sie begrenzten einst ein unbegrenztes Verlustrisiko, während sie mit Einführung der ESMA-Reguarien jetzt nur noch ein ohnehin begrenztes Risiko weiter begrenzen!

Und da bei CFD-Brokern der Broker-Kunde in den allermeisten Fällen faktisch gegen den Broker wettet (siehe dazu: „Was läuft bei einem Broker ab? Anworten auf Fragen, die Sie nie gestellt haben..“), wandert das Risiko gewissermaßen vom Kunden zum Broker. Und genau deswegen – so unsere maßlose Verschwörungstheorie – empfiehlt Jochen Stanzl auffallend häufig die garantierten Stops:

15 Kommentare

15 Comments

  1. Bernd Schneider

    30. November 2018 11:27 at 11:27

    IG hat die garantierten Stopps jetzt abgeschafft.

    • Simply

      30. November 2018 11:45 at 11:45

      IG Markets? Hab gerade nachgeschaut, könnte ohne Probleme einen garantierten Stop setzen.
      Die normalen Konten haben immer einen garantierten Stop, daher gar keine Auswahlmöglichkeit.

  2. Kenguru

    30. November 2018 12:37 at 12:37

    Den Schutz vor Negativsalden gab es doch bereits vor der ESMA Enthebelungsorgie, somit hätte der risikofreudige All-IN-Anleger das 5 bis 10-fache der jetzt möglichen Positionsgrössen aufbauen können. Das Risiko für den CFD Broker ist also geringer, auch weil Negativsalden so kaum noch möglich sind.

    • Markus Fugmann

      30. November 2018 12:51 at 12:51

      @Kenguru, vor ESMA gab es in Europa keinen flächendeckenden Schutz vor Negativsalden! Ich selbst habe es während meiner Tätigkeit bei einem Broker erlebt, dass ein Kunde einen massiven Negativsaldo hatte, weil er eine amerikanische Biotech-Aktie auf CFD-Basis in großem Volumen gekauft hatte, das Biotech-Unternehmen dann vor Börseneröffnung keine Lizeenz für ein zentrales Produkt bekommen hatte und dann massiv einbrach!

      Anderes Beispiel ist das Chaos nach Aufhebung des Mindestkurses bei Euro-Franken im Jahr 2015 – da sind massenhaft Konten ins Negative gelaufen – auch wenn die Broker dann große Schwierigeiten hatten, einen Ausgleich für das negative Saldo von den betroffenen Kunden zu bekommen..

      Die Bafin hat dann im August 2017 ein Verbot von Negativsalden erlassen für deutsche CFD-Konten erlassen..
      https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Pressemitteilung/2017/pm_170508_cfd.html

      • Kenguru

        30. November 2018 13:40 at 13:40

        Was die gesetzliche Regelung betrifft ist dies natürlich korrekt. In der Praxis aber haben viele CFD Anbieter, gerade nach dem Euro/Franken Zwischenfall, von sich aus einen Schutz vor Negativsalden angeboten, vielleicht auch deshalb, weil sie mit dem Eintreiben der Aussenstände überfordert waren.

  3. Marko

    30. November 2018 14:47 at 14:47

    Cfds: das sind prinzipiell Futures-Konrakte, bei welchem das Risiko, auch wenn sie „Mini-Futures“ sind, unbegrenzt ist !

    Das ist und bleibt der Unterschied zum Zertifikat (Helbelprodukte) oder dem Optionsschein (hierbei ist ein „Negativ-Saldo“ unmöglich), diese „Dinger“ sind geeignet für „Menschen ohne Ahnung“, so hart ist das nun mal.

    Wobei ich der Meinung bin und bleibe : Optionsscheine, das ist noch eine Liga über den CFDs… das liegt daran, dass man bei Optionsscheinen die Volatilität einberechnen muss ! Das gilt sowohl für den Käufer als auch den Verkäufer !

    Und da kann ich Euch sagen… 😉

    Natürlich kann man auch Optionen „schreiben“, jeder so, wie er mag.

  4. Marko

    30. November 2018 15:05 at 15:05

    Und bei einem Zertikat ist mir „ein garantierter Stop“ egal : einfach eben deshalb, weil ich wohl nicht „marktnah“ bin, aber ich weiss : ich kann nur das verlieren , was ich eingesetzt habe. Punkt!
    Das ist der Unterschied zu den „Mini-Futures“. Und natürlich wandert das Risiko zum Broker hin, so sind nun mal die Regeln.
    So ein „harter Brexit“ hätte insofern schon was, die Briten müssten sich nicht (!) nach den Regeln der Europäer halten ? Nur, der Preis… So sad… 😀

  5. Marko

    30. November 2018 15:26 at 15:26

    Und das hier sagt doch alles zum Thema, die EZB ist ein Fall für den Abfalleimer :

    https://www.onvista.de/news/fed-zinserhoehung-im-dezember-doch-noch-keine-beschlossene-sache-157921869

    Und das da, kommt grantiert nicht von den der FED, der mächtigsten Notenbank der usw… 😀

    Wer das glaubt,…

    Die Amis müssen aufpassen, dass der Zinsabstand nicht zu hoch wird, weil unser „Bundesbankladen“ „pennt“.. 😀

    Um es ganz klar zu sagen, es geht hier darum, dass beide Notenbanken diesen „Lehman-Schrott“ beenden, und dies gleichzeitig ! Na ja, so ungefähr…

  6. Maximal

    30. November 2018 16:35 at 16:35

    Hallo, bin Neuling im CFD Handel. Die gesetzliche Regelung müsste mich doch schützen, dass ich im Extremfall nur meinen Einsatz verlieren kann.
    Verstehe ich da was falsch?
    Habe ein Testkonto bei Flatex. Hat jemand bei Flatex CFD Handel Erfahrungen?

    Bei OS und Zertif. habe ich oft den Eindruck, dass da die Emittenten Stoppkurse willkürlich abfischen.

  7. Kenguru

    30. November 2018 17:18 at 17:18

    @Maximal: Es iat richtig, dass Sie als Privatkunde im CFD Handel lediglich Ihren Einsatz verlieren können, anders schaut es bei professionellen Anlegern aus. Ihr Eindruck hinsichtlich OS und Zertifikaten stimmt ebenfalls. Zu Flatex sage ich vorsichtshalber lieber gar nichts. Viel Erfolg

  8. Kritisch

    30. November 2018 17:21 at 17:21

    Hallo Leute!
    Also ich persönlich sehe das ganze Thema ESMA, massive Reduktiion der Hebelung, garantierte Stopps, etc. ganz gelassen, da ich seit Anbeginn meiner CFD-Handelstätigkeit (schon vor Jahren) grundsätzlich ein max. Risiko von 3% meines Kontos je Trade eingesetzt habe und immer einen garantierten Stopp setze. Somit war und sind mir sowohl die Reduktion der Hebelungen als auch GAP-Risken egal. Die Gebühren bei Ausführung des garantierten Stopps sind doch im Verhältnis zum Risiko völlig irrelevant und vernachlässigbar. In der Regel setze ich Trades auch mit Limitorders, sodass ich hier auch das ohnehin geringe Slippage-Risiko praktisch ausschließe. Ich finde die ESMA-Regelung als sehr, sehr gut obgleich ich durch meine Handelsstrategie davon eigentlich niemals betroffen war.
    Schönes, aufregendes G-20 Wochenende!

  9. Marko

    30. November 2018 19:56 at 19:56

    Und beim Ölpreis sieht die Lage kritisch aus, ich schließe Kurse um bzw. über 40 USD nicht aus, ca 50 USD iregdwas drunter oder drüber. Bei ca 45 USD wird der „Laden“ drehen.

    Warum ? Das mit dem „Ölabsturz“ habe ich Euch vorher gesagt, wenn der „Laden“ fällt, dann fällt er.

    Beim vorherigen „Absturz“, also von 120 USD auf ca. 38 USD, war das schon a bisserl „heftig“ 😀 , das stimmt, bei ca. 45 USD würden wir den „Drehpunkt“ sehen.

    • Juri

      1. Dezember 2018 11:40 at 11:40

      Hallo Marko, was ist für dich ein Drehpunkt? Ist es ein Minimum an den sich der Kurs dreht?

    • Gixxer

      1. Dezember 2018 13:16 at 13:16

      Warum meinen Sie gerade bei 45$?
      Wie kommen Sie da drauf, wenn ich fragen darf?

  10. Beobachter

    1. Dezember 2018 17:04 at 17:04

    @ Gixxer, auf dailyfx.com Stichwort „Rohölpreise“ gibt es eine Analyse von Michael Boutros vom 28.11
    Er sieht die ca.46 Dollar als 61,8 Fibo- Stütze, als mögliche Untergrenze bei einem Washout.Obwohl Viele Nichts von solchen Marken halten, treffen sie oft zu weil eben viele Analisten danach handeln.
    Diese Marken können natürlich auch durch Tweets von“ grossen „Staatspräsidenten ausser Betrieb gesetzt werden, wenn es für das Land u.das Interesse des Präsidenten wichtig erscheint!

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Aktien

Der größte Vermögensverwalter der Welt mit 6 Billionen Dollar – sehenswerte Doku!

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Blackrock ist als Unternehmen in Deutschland nur Menschen ein Begriff, die sich mit der Börse beschäftigen. Goldman Sachs, den Namen hat jeder schon mal gehört, aber Blackrock? Mit 6 Billionen Dollar verwaltet niemand so viel Geld wie dieses Unternehmen. Damit keine Missverständnisse aufkommen. 6 Billionen Dollar ist nicht die Summe, die Blackrock besitzt, oder die auf Konten von Blackrock lagert. Das Unternehmen ist auch keine Bank. Man verwaltet das Geld von Dritten, vor allem von großen Institutionen wie Versicherungen, Pensionskassen etc. Auch wird ein großer Block von Kleinanleger-Geldern über börsengehandelte Fonds (ETF) verwaltet. Die allermeisten Kleinsparer und Rentenbeitragszahler sind in der Regel Kunde bei Blackrock, ohne es zu merken. Denn woher sollen Sie schon wissen, dass ihre Betriebspensionskasse die verwalteten Gelder auch bei Blackrock arbeiten lässt? Aber was macht die Firma genau? Wie arbeitet sie? Und wo könnten die Gefahren liegen, wenn ein einziger Verwalter so groß ist? Die folgende ausführliche Doku ist sehenswert! Der als Vorlage für „Gordon Gekko“ geltende extrem aggressive Investor Carl Icahn bezog gegen Blackrock-Chef Larry Fink schon mal ganz offen Stellung, als er sagte das Unternehmen sei gefährlich. Warum? Schauen Sie die Doku!

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Indizes

Attacke auf Saudi-Arabien – wer steckt dahinter?

Für die USA ist nun klar, wer für die Attacken auf die saudischen Raffinerien verantwortlich ist – militärischer Schlag gegen den Iran nur Frage der Zeit

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Die Attacken auf die saudischen Öl-Raffinierien sind fraglos das große Thema der Finanzmärkte – bekanntlich schoss der Ölpreis draufhin um 10% in die Höhe, die Wiederherstellung der Produktion könnte laut einem Experten eher Monate als Wochen dauern. Zwar haben sich die Huthi-Rebellen zu dem Anschlag bekannt und heute erneut betont, dass die saudischen Raffinerien jederzeit wieder Ziel eines solchen Anschlags werden könnten, doch bezweifeln die meisten Beobachter, dass die Huthi dazu technologisch in der Lage wären.

Wer auch immer es nun gewesen ist – entscheidender sind wohl die geopolitischen Folgewirkungen des Anschlags, sprich: wem wird der Angriff zugeschrieben, und welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Zuschreibung. Für US-Aussenminister Pompeo war schnell klar, wer der wirklich Schuldige sein müsse:

Nun hat der irakische Geheimdienst vor wenigen Minuten ebenfalls behauptet, dass der Angriff durch iranische Drohnen ausgeführt worden sei, und zwar von irakischem Staatsgebiet ausgehend:

Kurz nach diesem Statament des irakischen Geheimdienst dann die nächste klare Zuschreibung, diesmal in Gestalt des amerikanischen Energieministers Rick Perry bei einer Rede in Wien vor wenigen Minuten: demnach habe der Iran die Anschläge ausgeführt und werde dafür bestraft werden müssen – es sei nicht weniger als ein Anschlag auf die Energieversorgung der Welt.

Also: die Schuld-Zuschreibung scheint nun klar, die Frage ist, welche Konsequqnzen daraus erfolgen. Angesichts des impulsiven Temeraments von Donald Trumop und des saudischen starken Mannes Mohamad bin Salman dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis es zu militärischen Schlägen gegen den Iran kommen wird.

Vielleicht bereut ja Trump inzwischen die Entlassung von Sicherheitsberater John Bolton – der hatte stets zu einem Angriff auf de Iran geraten  und könnte nun bald vom US-Präsidenten wieder zu Rate gezogen werden..

 

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Indizes

Aktienmärkte – Start der unerwarteten Jahresendrally?

Kurseinbrüche der Aktienmärkte kommen vor der Rezession – und nicht umgekehrt..

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Was soll man von dieser Entwicklung der Aktienmärkte halten? Der Dow Jones ist acht Tage in Folge gestiegen, die Indizes in den USA stehen knapp unter ihren Höchstständen, selbst der Dax ist in den vergangenen vier Wochen um 1200 Punkte geklettert. Obwohl das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und das Ifo-Institut unser Land bereits in einer technischen Rezession wähnen, einer Schrumpfung der deutschen Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Selbst in den USA lässt das Wachstum des für die Gesamtwirtschaft so essenziellen Konsums nach. Was also steckt hinter den „wundersamen“ Kursanstiegen? Eine Suche nach Ursachen

 

Anzeichen der Stabilisierung – kaum beachtete Frühindikatoren

Ich denke, dass selbst die größten Optimisten nicht davon ausgehen, dass die Weltwirtschaft am Beginn eines neuen Konjunkturzyklus steht, wie nach 2009, in einer Welt voller Schulden. Die Fühindikatoren der OECD fallen in vielen Nationen schon seit 2018, in China bereits seit 2017. Deshalb haben die Notenbanken dieser Welt beschlossen, sich gegen die Rezession zu stemmen – fast 70 Zinssenkungen weltweit in 2019 geben davon Zeugnis und die wichtigste steht vermutlich am Donnerstag in den USA bevor.

Die Märkte rechnen eher mit einem kleinen Strohfeuer, einem aus der Not geborenen Zwischenaufschwung, der sich aus dem absoluten Anlagenotstand ergibt. Die große Rezession wird kommen, aber der Marktkonsensus geht von frühestens Ende 2020 – oder in den Jahren danach aus, wenn die Notenbanken ihr Pulver endgültig verschossen haben.

Aktienmärkte preisen in der Regel die Wirtschaftsentwicklung in sechs bis neun Monaten ein (wenngleich auch immer wieder mit Fehlsignalen), damit sehen sie Tendenzen, die sich aus aktuellen Wirtschaftsdaten nicht entnehmen lassen. Wenn es einen treffsicheren Frühindikator gäbe, der die Entwicklung mit hoher Sicherheit vorhersagen kann, wäre dessen Aussage ruckzuck eingepreist und einprogrammiert, seine Wirkung für die Zukunft verschlissen. Dennoch gibt es einige Anzeichen, die auf eine Stablisierung der Weltwirtschaft hindeuten. Hinweise auf einen kleinen Aufschwung, die manche Akteure sogar in die Aktienmärkte  zurückzwingen und eine kleine Jahresendrally entfachen könnten.

Hier die Aufstellung:

  • Der weltweite Einkaufsmanagerindex PMI global hat sich im August, trotz des zu dieser Zeit eskalierenden Zollkrieges von 53,2 auf 53,5 Punkte verbessert.
  • Der Economic Surprise Index der Citigroup für die USA ist in kurzer Zeit von minus 60 Punkte in den positiven Punktebereich mit knapp 20 Punkten gesprungen. Hatte nicht erst kürzlich auch hat ein Indikator der Bank of America Merrill Lynch zum ersten Mal seit Januar ein Kaufsignal für Aktien generiert?
  • Der OECD Leading Indicator für China hat sich seit einiger Zeit gewaltig nach oben geschraubt. Auch die Einkaufsmanagerindizes Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistung befinden sich beide über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Das Schrumpfen des Wachstums Chinas war die große Sorge für viele Staaten (speziell auch für die Exportnation Deutschland), denn das globale Wirtschaftswachstum im letzten Jahrzehnt war bekanntermaßen stark auf Chinas (schuldenfinanzierter) Expansion zurückzuführen. Steht nochmal ein Schub bevor?
  • Wurde nicht selbst für Deutschland erst kürzlich ein Anstieg der Exportzahlen für den Monat Juli gemeldet, als Einzelmonat vielleicht nicht aussagekräftig genug, aber in der Abfolge kein Vergleich zu den Entwicklungen von 2009.
  • Rechnen nicht selbst die pessimistischen Wirtschaftsinstitute (IMK und Ifo) mit einer Stabilisierung der deutschen Wirtschaft für Q4 für 2019 und Q1 von 2020?
  • Was bedeutet eigentlich der starke Anstieg der Renditen an den Rentenmärkten in den USA bei den 10-jährigen Anleihen von 1,43 auf 1,91 Prozent in wenigen Tagen? Klar, einen großen Verlust für die letzten Einsteiger, aber ist es nicht auch ein Zeichen, dass der Rentenmarkt zumindest kurzfristig nicht mehr mit einem Absturz der Wirtschaft rechnet?

Auf eines muss man immer wieder hinweisen, in der jetzigen Zeit ist es wahrscheinlich noch bedeutsamer geworden: Kurseinbrüche der Aktienmärkte kommen vor der Rezession – und nicht umgekehrt. Diese wird durch den Crash geradezu befeuert – man denke nur an die riesige Vermögensillusion an den US-Märkten.

Auch sollte man derzeit ein Zweites nicht außer Acht lassen: noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg gab es ein so niedriges Zinsniveau, eine Konstellation, in der fast die Hälfte aller Staatsanleihen außerhalb der USA im negativen Bereich notieren. Welche Not muss es da in den Finanzabteilungen von Pensionsfonds, Versicherungen, ja sogar Stiftungen geben, die auf Kapitalzuflüsse angewiesen sind, um ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen?

Genau in diese Kerbe schlug am Samstag, der Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, in seiner heftigen Kritik an Mario Draghi: „Er sei zu weit gegangen und bringe die Altersvorsorge in richtige Schwierigkeiten, es gäbe keine Rendite mehr, ohne das Risiko deutlich zu erhöhen.“ Ich weiß, dass viele das Akronym mit den vier Buchstaben nicht mehr lesen und hören können („TINA„), aber warum sollen Anleger aus Dividendenfonds aussteigen, die weltweit eine Dividende von 2 Prozent abwerfen, wenn keine Rezession droht? In einem solchen Fall wäre die Ausschüttung natürlich Makulatur und die Kurse brächen ein. Aber bei einem globalen Einkaufsmanagerindex von 53,5 Punkten?

Aktienmärkte und die eindeutige Positionierung der Großen

Erstaunlich ist die derzeitige Vermögensaufstellung (Asset Allocation) der aktiven US-Investmentfonds sowie der US-Hedgefonds. Die Investmentfonds hatten in der letzten Woche eine Aktienquote von 56 Prozent, was weit unter der Quote von 80 Prozent in optimistischen Zeiten liegt. Die US-Hedgefonds hatten im August die niedrigste Aktieninvestitionsquote seit 2008, also gäbe es noch jede Menge Kapital zum Einstieg, wenn die Fonds einsteigen müssen. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie so schief liegen mit ihrer Einschätzung der Aktienmärkte – dafür gibt es seit Oktober 2018 schon mehrere Beispiele.

Sollten die US-Indizes –  aus welchen Gründen auch immer, zum Beispiel durch die Bekanntgabe eines Deals mit China –  ihr Allzeithoch überwinden, wären die Fonds gezwungen in den Markt einzusteigen, also auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Das Erreichen neuer Allzeithochs ist bekanntlich eines der stärksten Kaufsignale, so seltsam es in der jetzigen Konjunkturlage auch klingen mag.

 

Aktienmärkte – das Sentiment

Die Kursanstiege der letzten Tage haben die Anleger optimistischer werden lassen, wie zum Beispiel am Fear & Greed-Index abzulesen ist. Mit 68 Punkten ist er doch deutlich in Richtung Gier gerückt. Deshalb ist aus sentimenttechnischer Sicht auch zunächst mit einem Rücksetzer zu rechnen. Acht Tage Kursanstieg im Dow rufen einfach nach Gewinnmitnahmen. Das mehrfach getestete Allzeithoch dürfte auch nicht so einfach zu überwinden sein.

Für ein Überschreiten müssen aus meiner Sicht zwei Faktoren zusammenspielen: Mr. Powell muss am Mittwoch mit einem kleinen Zinsschritt liefern und Mr. President weitere Hoffnungen auf irgendeinen „Plastik-Deal“ schüren. Ansonsten könnte es zu einer deutlicheren Korrektur führen, wenn der Ansturm auf die 3020 Punkte im S&P 500 ein weiteres Mal gescheitert ist.

Die aktuelle Entwicklung am Ölmarkt, infolge des Angriffs der Huthis auf saudi-arabische Ölanlagen, könnte schon einmal zu so einer Korrektur führen. Als Anlassgeber für Gewinnmitnahmen nach der langen Gewinnstrecke.

 

Fazit

Die Finanzmärkte gehen derzeit von einer Kombination aus, die noch mal zu einem temporären „Sugar Rush“ der Aktienmärkte führen könnte: Einer weltweit koordinierten Stützungsaktion der Notenbanken, eine kurzzeitig wirkende Halbeinigung der USA und China im Handelsstreit – aus ökonomischer Not heraus, und eingedenk der Tatsache, dass Donald Trump alles daran setzen wird 2020 wiedergewählt zu werden – und einem baldigen Einstieg vieler Länder in fiskalische Stützungsmaßnahmen zur Abbremsung des ökonomischen Abschwungs.

All dies erscheint mir als die wahrscheinlichste Interpretation der derzeitigen Entwicklung der Aktienmärkte. Die ökonomische Schwerkraft wird sich dennoch nicht aufhalten lassen, höchstens abbremsen – die Rezession wird kommen, die Eine-Million-Dollarfrage ist nur die nach dem Zeitpunkt.

Wenn man sich einmal die Mühe macht, um im Archiv die Prognosen über das Ende des Aufschwungs nachzublättern, findet man bereits ab dem Jahr 2012 eine Vielzahl von sachlich begründeten Analysen.

 

Die Aktienmärkte vor einer Jahresendrally trotz Rezessionsgefahr?

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