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Die Quartalszahlen von Tesla und Twitter: „Verkehrte Welt“ im Börsenland

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Gestern haben die beiden viel beachteten Tech-Firmen Tesla und Twitter ihre Quartalszahlen gemeldet. Dazu gibt es einiges Erstaunliches zu erwähnen. Der eine macht Gewinne, übertrifft sogar die Erwartungen. Die harten Fakten sprechen für ihn, trotzdem wird er abgestraft. Der andere macht einen brutal hohen Quartalsverlust, wird aber von den Börsianern belohnt für seine blumigen Worte von einer besseren Zukunft. Wie kann das sein?

Tesla Chef Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk. Foto: Steve Jurvetson / Wikipedia (CC BY 2.0)

Twitter

Twitter hat ein Problem. Man hat anders als Tesla keinen Elon Musk als schillernden Popstar an der Spitze. Die Aura des genialen Machers und Erfinders fehlt an der Firmenspitze. Die Firma leidet unter dem Schicksal, dass man hinter Facebook der deutlich kleinere Social Media-Anbieter ist. Dabei war Twitter nie als wirkliche Konkurrenz zu Facebook gedacht, sondern war und ist ein Kurznachrichtendienst, der jetzt versucht etwas mehr in Richtung klassisches Social Network zu gehen. Man hat seine Werbeumsätze in rasanter Geschwindigkeit erhöht und hat im gestern verkündeten Quartalsergebnis die Wende in die Gewinnzone geschafft. Statt 12 Cents Erwartung waren es sogar 16 Cents Gewinn pro Aktie. Für den Investor, der auf harte Fakten schaut, auf die Fähigkeit eines Unternehmens tatsächlich Gewinne erwirtschaften zu können, sind das tolle Nachrichten. Twitter kann es.

Nur muss die Firma wie gesagt mangels magischer Aura mit einem Problem leben, das alles überschattet. Das Wachstum ist im letzten Quartal endgültig zum Stillstand gekommen. 320 Mio aktive monatliche Nutzer waren es, genau so viel wie im 3. Quartal 2015. Das ist ein Debakel für die Börsianer, die gerade bei Tech-Firmen auf das Wachstum gucken. Und erst vor Kurzem hatte Facebook gezeigt, dass man sogar bei seiner bereits enormen Größe immer noch weiter wachsen kann. Da hat Twitter ein Problem. Der alte wie auch neue Chef Jack Dorsey hat seinen großspurigen Ankündigungen noch keine Taten folgen lassen.

Erst einmal ist Twitter gebrandmarkt als Social Media-Firma ohne Wachstum. Das ist schlecht. Positiv aber ist, dass man den Schwenk in die Gewinnzone geschafft hat. Die Werbeumsätze wachsen rasant, nur halt nicht die Zahl der Nutzer. Bis zum nächsten Quartalsbericht in 3 Monaten muss der Aktienkurs damit leben. Heute Nacht endete die Twitter-Aktie mit nur noch -3% – da sah es anfangs noch viel schlimmer aus. Hat da jemand nochmal hingesehen und den Gewinn bemerkt? Das Wall Street Journal sprang der Aktie heute Nacht als prominente Stimme zur Hilfe und sprach von positiven Schritten, die Jack Dorsey jetzt unternehmen werde. Es geht darum, dass Twitter das Layout und die Funktionalitäten so ändert, dass neue User angezogen werden. U.a. will man ähnlich wie Facebook einen Algorithmus einführen, der es möglich macht wichtige Tweets zuerst anzuzeigen, damit der User in der Flut an Tweets nicht ertrinkt. Wie man hört, soll der User beide Funktionen parallel und selbstbestimmt nutzen können. Entweder die bisherige Timeline, oder die software-gesteuerte moderierte Version.

Tesla

Bei Tesla hingegen verhält es sich genau andersrum. Die Aktie verbrennt immer nur Geld, obwohl man gestern verkündete im letzten Quartal habe man aus dem Kerngeschäft einen positiven Cash Flow von 179 Mio Dollar gezogen. Dennoch: Erwartet wurden ein paar Cents Gewinn im Q4. Heraus kam ein Verlust von sage und schreibe 87 Cents. Das ist eine Katastrophe! Normalerweise hätte die Aktie nur bei dieser Zahl nachbörslich 10 oder 20% einbrechen müssen – aber nein, sie stieg sogar noch. Es ist bei Tesla-Chef Elon Musk immer das selbe. Egal wie lausig die Zahlen sind, er verkündet immer wieder einen positiven Ausblick für das nächste Quartal. Einfach nur ein paar nette Worte. Der Absatz der Autos werde höher ausfallen als bisher erwartet, und zack, das reicht schon um die Börsianer glücklich zu stimmen. So auch gestern Abend nachbörslich. Erstaunlich, wirklich erstaunlich. So geht das Quartal für Quartal.

Auch bei den Analystenmeinungen nachbörslich gibt es außer Elon Musks warmen Worten über zukünftig höhere Autoabsätze keinen wirklichen Grund für den gestrigen nachbörslichen Anstieg, der letztlich mit +9,6% endete. Man will genauer gesagt im laufenden Geschäftsjahr 80.000-90.000 Autos verkaufen. Nicht pro Woche, sondern im ganzen Jahr. Man muss sich das immer wieder in Erinnerung rufen – ja, dass sind Tesla´s gesamte Absatzzahlen. Kann so eine Firma 19 Milliarden Dollar wert sein, wenn sie nur Verluste macht und der Chef jeden Autokäufer fast per Handschlag begrüßen kann? Aber gut, mit dieser Erwartung von 80-90.000 Stück übertrifft man die bisherigen Analystenschätzungen, die um und bei 75.000 lagen. Für das aktuell laufende Quartal will man 16.000 Autos verkaufen, sensationelle 1.000 Autos mehr als bisher geschätzt. Wenn das den Börsianern reicht für einen Anstieg der Aktie um gut 10%, bei den gleichzeitigen desaströsen Verlusten, dann kann man nur gratulieren.

Wir hatten auf finanzmarktwelt.de die Tesla-Story schon öfters kritisch beleuchtet. Das Konzept von Tesla, hochmoderne Elektroautos, dazu noch ein tolles Design, all das ist an sich eine super Sache, aber die Firma hat keine finanzstarke Mutter im Hintergrund. Elon Musk mag noch so nett sein, der Firma läuft die Zeit davon. BMW, Daimer, Toyota, GM, Google… um Tesla herum arbeiten finanzstarke Konzerne an Alternativen, und diese Konzerne haben die Manpower, die finanziellen Mittel, die Ausdauer – all das was Tesla nicht hat. Irgendwann ist es zu spät, und die Konzerne überholen Tesla mit marktreifen Modellen.

Es ist erstaunlich, wieso reale Gewinne bestraft und simple Worte über mögliche positive Zukunftsaussichten belohnt werden. Es ist wohl wie man sagt: Die Börse lebt von der Zukunft. Twitter ohne Wachstum, Tesla mit angeblich tollen Zuwächsen. Das reicht den Börsianern um die eine Aktie auf Talfahrt zu schicken, und die andere hochzujubeln. Nachvollziehbar, aber auch bedenklich, denn neben der bloßen Zukunftsaussicht, die nicht greifbar ist, sollten auch die harten Fakten im „Hier und jetzt“ nicht vergessen werden.


2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Tengri Lethos

    11. Februar 2016 11:42 at 11:42

    Ganz so erstaunlich ist die Entwicklung nicht in meinen Augen. An der Börse wird die Zukunft gehandelt (die Gegenwart wurde bereits in der Vergangenheit gehandelt). Dabei wird meines Erachtens bei finanzmarktwelt.de übersehen, dass Tesla bald mehr ist als nur ein Autobauer mit bescheidenen Absatzzahlen. Wenn die Gigafactory 2016/2017 ihren Betrieb aufnimmt, werden nicht nur Lithium-Ionen-Akkus für den Eigenbedarf gefertigt, sondern auch für E-Autos anderer Autobauer, für Eigenheimbesitzer und Institutionen zur Speicherung von Solarenergie und einige weitere Anwendungen. Da ist viel Fantasie für Wachstum drin !

  2. Avatar

    Günther

    11. Februar 2016 14:49 at 14:49

    Ich möchte einmal ganz anthropologisch an die Sache herangehen:

    Elon Musk ist der Hochstapler des Jahrhunderst, doch die letzte Bastion des American Dream. Das hat etwas mit der gesamten amerikanischen Gesellschaft zu tun, denn wenn Elon Musk auffliegt, dann ist auch das Vertrauen in die Self-Made-Milliardäre dahin. Jeder, der eine halbwegs gesunde Menschenkenntnis hat, weiß dass Menschen die sich gerne selbst inszenieren nicht wirklich viel auf dem Kasten haben. Spätestens seit der idiotischen Idee des Perpetuum mobile namens Hyperloop müsste man doch den Braten gerochen haben, aber es ist schon verwunderlich wie wenig Kritik auch an seinen misslungenen SpaceX Landungen laut wird. Das liegt ganz einfach daran, dass sobald Kritik aufkommt, er aggressiv oder mit neuen Heilsversprechungen antwortet. Auch die große Masse steht hinter ihm, da er ja eigentlich für alles was Amerika auszeichnet steht, nur ist das (leider) eine von der Populärkultur gepushte Lüge. Im Grunde (über-)lebt er ja nur noch durch staatliche Subventionen, also ironischer Weise genau das, was eigentlich das Gegenteil des American Dream ist. Dennoch schafft er durch sein Marketing das gut zu überspielen. Meiner Meinung nach wäre das Phänomen Musk in anderen (rationaleren, die nicht so konditioniert sind) Gesellschaften nicht möglich. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass Elons ehemalige Firmen (wohl eher Ideen) auch unter der Rubrik Dotcom-Blase eingeordnet werden können.

    Einer der wenigen Musk-kritischen Artikel (die kann man wirklich mit der Lupe suchen):
    http://www.dssk.press/elon-musk-is-an-obvious-fraud/

    (Aber das ist nur meine Meinung, ich will hier niemandem sein Weltbild nehmen.)

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Impfstoff-Montag 3.0

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Den dritten Montag in Folge veröffentlicht ein Pharmahersteller einen konkrete Impfstoff-Meldung.

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SAP nach Kurssturz antizyklisch kaufen? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war nicht das Gelbe vom Ei, liebe SAP! Während die US-Konkurrenz in den Coronazeiten mit Cloud und anderen digitalen Anwendungen punktet, tritt die europäische Branchengröße auf der Stelle. Unter dem Strich sank der Umsatz um 4 %, während der operative Gewinn sogar um 12 % schrumpfte.

Offensichtlich sind die schwachen Quartalszahlen keine Eintagsfliege. So hat man die Umsatz- und Gewinnprognosen auch für die Jahre 2021 und 2022 gleich nach unten korrigiert. In der Folge erlebte die Aktie einen mächtigen Ausverkauf und verlor zeitweise über 20 % ihres ursprünglichen Wertes. Das kommt einem mittelprächtigen Erdbeben gleich.

Wo hakt es bei der SAP, warum kann das Unternehmen aus Walldorf zunächst nicht an die starken Wachstumsraten der vergangenen Jahre anknüpfen? Ich sehe drei Faktoren:

1)
Negative Währungseffekte: Die Dollarschwäche bzw. Eurostärke hat die Gewinnentwicklung spürbar belastet. Die US-Konkurrenz hingegen profitiert vom weichen Dollar.

2)
Das Covid-Virus: Die Software-Palette des Unternehmens ist nur eingeschränkt Corona-fest. Ein Beispiel: Mit der SAP-Software Concur planen die Unternehmenskunden der SAP Dienst- und Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter. Es bedarf keiner besonderen Erklärung: Diese Anwendung war in diesem Jahr kein Verkaufsknüller, sondern schlichtweg überflüssig.

3)
Schwächen in der Cloud: Aus der Branche hört man, dass SAP derzeit Defizite im Cloud-Geschäft hat. Die Kunden streben in die Cloud, allein SAP konnte nicht immer liefern. Hier gilt also: US-Konkurrenten wie Oracle und Salesforce haben hier die Nase vorne. Deshalb schwächelt das Neugeschäft der SAP.

Gleichwohl haben die Investoren – wie so oft – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Der Kursrücksetzer war zwar notwendig, aber in seiner Dimension stark übertrieben. SAP verfügt über eine treue Kundenbasis. Rund 74 % des Umsatzes beruhen auf langfristigen Software-Verträgen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen wird auch künftig gut verdienen und verfügt über die Mittel, um den technologischen Rückstand im Cloud-Geschäft wettzumachen.

Trotzdem: Kurzfristig ist die SAP-Aktie sicherlich noch kein Kauf. Wie gesagt es wurde schon Porzellan zerschlagen und Vertrauen verloren. Das deutsche Software-Unternehmen muss sich also nun…..

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Achtung Trader: Deutsche Börse führt „Xetra Trade-at-Close“ ein

Claudio Kummerfeld

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Achtung Trader! Ab 24. November bietet die Deutsche Börse für Trades über Xetra eine neue Handelsmöglichkeit an, die „Xetra Trade-at-Close“ Order. Sie bietet laut aktueller Aussage der Deutschen Börse eine zusätzliche Möglichkeit für Handelsteilnehmer zum offiziellen Schlusskurs zu handeln. Der Service steht dann für alle Wertpapiere im Xetra-Handel zur Verfügung. Hier die Details zu dem neuen Angebot im Wortlaut von der Deutschen Börse:

„Schlussauktionen gelten als Säule der Marktstabilität und des Anlegerschutzes. Sie bündeln die Liquidität pro Wertpapier zu einem Zeitpunkt und gewährleisten eine effiziente Preisbildung unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen. Xetra Trade-at-Close adressiert die wachsende Nachfrage nach Orderausführungen am Ende des Handelstages“, sagt Michael Krogmann, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse.

Der neue Service bietet verschiedene Vorteile: Mit Xetra Trade-at-Close können Marktteilnehmer Aufträge auch nach Ende der Schlussauktion auf Xetra eingeben. Sie profitieren davon, zu einem festen Preis zu handeln, ohne an der Preisbildung in der Schlussauktion teilzunehmen. Außerdem erhalten sie eine zusätzliche Möglichkeit, Positionen vor Ende des Handelstages zu schließen und dabei mit zusätzlicher Liquidität im börslichen Handel zu interagieren.

Wird die Option Trade-at-Close für eine Order ausgewählt, werden Aufträge, die in der Schlussauktion nicht ausgeführt wurden, automatisch in die Trade-at-Close-Phase übertragen. Während der Trade-at-Close-Phase können auch neue Orders eingegeben werden. Der Schlusskurs wird vor allem von Buy-side-Kunden wie Pensionskassen oder Investmentfonds zur Berechnung von Portfoliorenditen, zur Bewertung von Investmentfonds und als Grundlage für viele Derivategeschäfte verwendet.

Xetra-Bildschirme der Deutschen Börse
Xetra-Bildschirme. Foto: Deutsche Börse AG

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