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Diesel und Benzin: Die Verknappungsgefahr, die schwer erkennbar ist?

Gibt es bei Diesel und Benzin eine schwer erkennbare Verknappungsgefahr? Es lohnt ein Blick auf die zu geringe Kapazität bei Raffinerien.

Diesel und Benzin tanken an der Zapfsäule

Letzte Woche berichteten wir bereits von „eindringlichen Warnungen“ der Internationalen Energie-Agentur vor Engpässen bei raffinierten Erdölerzeugnissen wie Diesel oder Benzin. Aktuell kann man einmal mehr auf dieses Thema hinweisen. Der Terminmarktpreis für Benzin in den USA ist aktuell auf einen Rekord von über 4 Dollar pro Gallone gestiegen (erster Chart) Nun achtet man am Ölmarkt zu aller erst auf den Preis für Rohöl, der jüngst auch wieder ansteigt – wegen der steigenden Wahrscheinlichkeit, dass die EU ein Ölembargo gegen Russland verhängt. Die europäischen Abnehmer müssten sich dann andernorts auf dem Weltmarkt Ersatz beschaffen, was jetzt bereits die Preise anheizt.

Zu wenig Raffinerie-Kapazitäten werden zum Problem?

Offenbar schwelt unter der Oberfläche ein Problem, das nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Der Experte Javier Blas wies darauf hin: Saudi-Arabiens Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman sprach jüngst über den spektakulären Anstieg der Gewinnspannen von Raffinerien, der die Preise für Diesel und Benzin in die Höhe treibt. Ihre Gewinnmargen seien jetzt 650 Prozent höher als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre und als noch im März (siehe Video). Dies liegt seiner Aussage nach an einer sehr hohen aktuellen Nachfrage nach den Endprodukten, und an der Erwartung einer noch anstehenden sehr hohen Nachfrage. Aber es gebe dem gegenüber eine zu geringe Kapazität bei den Raffinerien. Dementsprechend also steigen die Gewinnmargen an diesem Punkt des Veredelungsprozesses, und die Endprodukte steigen im Preis deutlich stärker an als das Rohprodukt? Dazu schaue man bitte auf den letzten Chart in diesem Artikel.

Wie stark die Raffinerien zulangen, zeigen Berichte von letzter Woche. Die weltweiten Vorräte an raffinierten Erdölerzeugnissen sind auf einen kritischen Tiefstand gesunken, da die Raffinerien nicht in der Lage sind mit der steigenden Nachfrage, insbesondere nach Diesel, Schritt zu halten. Das Ergebnis sei ein sprunghafter Anstieg der Preise, die die Raffinerien für den Verkauf von Kraftstoffen erhalten, im Vergleich zu den Preisen, die sie für den Kauf von Rohöl und anderen Rohstoffen zahlen. In den USA erhalten die Raffinerien demnach derzeit im Durchschnitt mehr als 150 Dollar pro Barrel aus dem Verkauf von Benzin und Diesel zu Großhandelspreisen, während sie für den Einkauf von Rohöl nur etwa 100 Dollar bezahlen.

Preis für Benzin steigt deutlich stärker als für Rohöl

In den letzten drei Monaten ist der Preis für amerikanisches Rohöl (orange Linie im zweiten Chart) um 26 Prozent angestiegen. Der Terminmarktpreis für Benzin (blaue Linie) stieg im selben Zeitraum aber um 53 Prozent! Hier kann man also diese Verknappung im Veredelungsprozess bei Öl annehmen. Wo etwas knapp wird, steigt der Preis. Während Rohöl also knapp ist, könnte dank zu geringen Kapazitäten bei Raffinerien das Endprodukt wie Diesel oder Benzin noch knapper werden. Und da der Ölmarkt ein globaler Markt ist, kann man hieraus auch Rückschlüsse ziehen für die weiteren Preisentwicklungen in Europa?

Verlauf im Benzin-Futurepreis in den USA seit Juli 2021 TradingView Chart zeigt Benzin-Future in den USA seit Juli 2021.

Prozentuale Anstiege bei Benzin und Rohöl in den USA TradingView Chart zeigt im Verlauf der letzten 3 Monate prozentuale Entwicklung beim Preis für Benzin und Rohöl.



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1 Kommentar

  1. Auf dem Ölmarkt gibt es zum einen ein Angebot an Rohöl, und zum anderen ein Angebot an veredelten Ölprodukten.

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