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Ölpreis mit starkem Anstieg – doppelte Hilfe für die Bullen

Zwei Hauptargumente helfen derzeit dem Ölpreis anzusteigen. Neben dem möglichen Ölembargo gegen Russland tut sich was in Shanghai in Sachen Lockdown.

Öl-Bohrturm

Als Öl-Trader konnte man die letzten Tage fast wahnsinnig werden. In Abständen von wenigen Tagen ändert sich die Stimmung. Mal hat man Angst vor dem anstehenden Ölembargo der EU gegen Russland, und der Ölpreis steigt. Dann blickt man auf die Corona-Lockdowns in China, fürchtet eine Nachfrageschwäche bei Öl, und der Ölpreis fällt. Und kurz darauf wird wieder das Ölembargo Thema Nummer 1. Und jetzt? Blicken wir auf die aktuelle Lage. WTI-Öl (Juni-Kontrakt) steigt seit gestern Mittag um 5 Dollar auf über 114 Dollar.

Ölpreis steigt – Hoffnung auf Kehrtwende in Shanghai

Seit Wochen ist der massive Corona-Lockdown in Shanghai ein stark belastendes Thema für Öl. Denn wenn ein so strikter Lockdown wie in dieser so wichtigen Stadt in China lange Zeit durchgezogen wird, dann wirkt das deutlich negativ auf die wirtschaftliche Aktivität und damit auch die Öl-Nachfrage in China. Dies zeigten eindrucksvoll gestern veröffentlichte Daten aus China – die Einzelhandelsumsätze sind spürbar rückläufig, auch die Industrieproduktion. Jetzt aber könnte sich die Stimmung rund um den Shanghai-Lockdown ins Positive umkehren, und damit auch die Argumentationslage für den Ölpreis. Es gibt erste Anzeichen für eine schrittweise Lockerung der Maßnahmen, und damit ein Wiedererwachen der wirtschaftlichen Aktivität in Shanghai.

Analystenkommentar

Carsten Fritsch von der Commerzbank erwähnt heute, dass der Anstieg im Ölpreis auf Optimismus zurückzuführen ist, dass der Corona-Lockdown in Shanghai gelockert werden könnte. Laut dem stellvertretenden Bürgermeister der 25-Millionen-Einwohner-Metropole könnten die Einschränkungen bis zum 1. Juni aufgehoben werden und das normale Leben zurückkehren. Voraussetzung ist, dass bis zum 21. Mai kein neuer Anstieg der Infektionen auftritt. Der inländische Flugverkehr und der Bahnverkehr sollen schrittweise wieder hochgefahren werden. Der seit Ende März währende Lockdown in Shanghai war laut Carsten Fritsch ein spürbarer Belastungsfaktor für die Ölnachfrage. So fiel die Rohölverarbeitung in China im April auf 12,6 Mio. Barrel pro Tag, was dem niedrigsten Niveau seit März 2020, also dem ersten Corona-Lockdown, entsprach.

Ölembargo gegen Russland voraus?

Und noch immer schwebt das mögliche Ölembargo der EU gegen Russland über dem Ölmarkt. Die anderen EU-Mitglieder lassen nicht locker. Man versucht gerade in dieser Woche wohl alles was nur möglich ist, um Ungarn dazu zu bewegen, dem Embargo zuzustimmen. Es geht wohl vor allem darum, wie man Ungarn , dass bei Öl-Lieferungen von russischen Pipelines abhängig ist, Lieferungen über andere Wege garantieren kann. Laut jüngsten Berichten ist Außenministerin Analena Baerbock aber zuversichtlich Ungarn überzeugen zu können. Wenn sich die EU noch einigt, könnte der Ölpreis einen Ruck nach oben machen.

Kurz-Fazit

Spekuliert der Ölmarkt derzeit auf ein Lockdown-Ende in Shanghai und damit mehr Öl-Nachfrage, und gleichzeitig auf ein Ölembargo der EU gegen Russland? Dies würde diesen aktuellen Anstieg im Ölpreis erklären. Kommt es zu dem Ölembargo, kann es am Ölmarkt turbulent werden. Und nicht nur am Ölmarkt. Verkündet die EU geschlossen und öffentlich, dass man russisches Öl boykottiert, wird Russland dann zum Beispiel Europa den Gashahn abdrehen? Das ist alles rein spekulativ, aber möglich ist es. Und der Terminmarkt für Öl preist das Problem ja bereits ein wenig ein – verweigert man auf breiter Front den Einkauf von Öl in Russland, muss man sich bei der OPEC, in den USA und sonst wo auf dem Planeten nach zusätzlichen Mengen an Öl umsehen, und die Verkäufer reiben sich die Hände. Sie wären dann in einer guten Verhandlungsposition, was im Ölpreis schon vorweggenommen wird.

Chart zeigt Verlauf im Juni WTI-Ölpreis seit Anfang Mai. TradingView Chart zeigt Verlauf im Juni WTI-Ölpreis seit Anfang Mai.



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1 Kommentar

  1. Daß der Ölpreis zum einen wegen den sich abzeichnenden besseren Zukunftsaussichten der Industrie in Shanghai ansteigt, ist ein ganz normaler marktwirtschaftlicher Vorgang. Leider steigt er zusätzlich wegen möglicher Unwuchten auf dem Ölmarkt, im Zusammenhang mit einem möglichen russischen Öl-Embargo. Die Befürworter eines russischen Öl-Embargos nehmen einen steigenden Ölpreis hierbei, zu Lasten von Industrie und Verbraucher, einfach so in Kauf. Indien, Serbien usw. sind diesbezüglich kompetenter, und lehnen ein russisches Öl-Embargo generell ab.

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