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Heute 14:15 Uhr Entscheidung EZB dürfte Zinsen halten – Lagarde schlägt Wetten auf Zinssenkung zurück

Die Zinsen bleiben bei der EZB heute wohl unverändert. Und Christine Lagarde wird Hoffnungen der Märkte auf baldige Zinssenkungen ausbremsen.

EZB-Chefin Christine Lagarde
EZB-Chefin Christine Lagarde. Foto: Alex Kraus/Bloomberg

Die Europäische Zentralbank wird die Zinsen am heutigen Donnerstag wohl ein drittes Mal in Folge unverändert beibehalten, dabei aber versuchen, die Geldmärkte von der Hoffnung auf baldige Zinssenkungen abzubringen. Der Einlagensatz wird nach Ansicht aller von Bloomberg befragten Ökonomen bei 4 % bleiben (Grafik zeigt Einlagensatz und Leitzins im Verlauf seit dem Jahr 2003). Wie lange er dort bleibt, ist jedoch ein immer heißer diskutiertes Thema, bei dem sich Präsidentin Christine Lagarde unlängst vielen ihrer Ratskollegen anschloss und signalisierte, dass eine Senkung im Sommer “wahrscheinlich” sei.

Grafik zeigt Entwicklung der EZB-Zinsen seit dem Jahr 2003

EZB-Chefin Lagarde wird Hoffnungen auf frühe Senkung der Zinsen bremsen

Die Währungshüter fassen überwiegend den Juni als frühesten Zeitpunkt für den Beginn der geldpolitischen Lockerung ins Auge und hoffen in der Zwischenzeit Gewissheit zu erlangen, dass die Inflation wieder auf 2 % zusteuert. Das widerspricht den Erwartungen der Märkte, die auf einen ersten Schritt zur Senkung der Zinsen im April setzen — eine Wette, der die EZB-Chefin mit ziemlicher Sicherheit erneut widersprechen wird.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat darauf hingewiesen, dass “wichtige” Daten zu den Lohnabschlüssen erst auf der Juni-Sitzung zur Verfügung stehen werden und dass eine zu schnelle Anpassung der Zinssätze “kontraproduktiv” sein kann. Der österreichische Gouverneur und Erzfalke Robert Holzmann warnte unter Hinweis auf den Nahostkonflikt, dass eine Senkung der Zinsen in diesem Jahr überhaupt nicht als selbstverständlich angesehen werden können. Lagarde gibt heute um 14:45 Uhr im Frankfurter EZB-Turm ihre Pressekonferenz nach der Ratssitzung. Eine halbe Stunde vorher werden die geldpolitischen Beschlüsse der EZB bekanntgegeben.

Zinsen senken erst im Juni

Volkswirte erwarten im Juni die erste von vier Zinssenkungen des Jahres um jeweils 25 Basispunkte geben, wodurch der Einlagensatz auf 3% sinken wird, so zeigt es eine Bloomberg-Umfrage. Allerdings gehen die Prognosen weit auseinander, was die Unsicherheit unterstreicht. Während die Märkte ihre Erwartungen etwas zurückgeschraubt haben, rechnen sie immer noch mit einer deutlich höheren Senkung der Zinsen um insgesamt 133 Basispunkte. Das hat einige Ratsmitglieder auf der Dezembersitzung der EZB zu der Befürchtung veranlasst, dass die optimistische Preisgestaltung der Anleger “zu einer übermäßigen Lockerung der finanziellen Bedingungen zu führen droht, was den Desinflationsprozess aus der Spur bringen könnte”, wie es im Protokoll heißt.

Wirtschaftlicher Hintergrund

Die jüngsten Daten waren gemischt. Umfragen unter Einkaufsmanagern im Januar signalisierten, dass sich eine mögliche Rezession in der Eurozone durchaus bis ins erste Quartal dieses Jahres erstrecken könnte. Der Arbeitsmarkt bleibt jedoch stark. Die Arbeitslosenquote ging im November unerwartet auf 6,4% zurück und erreichte damit das Rekordtief vom Juni, was jedoch die Sorgen über Zweitrundeneffekte nicht zerstreuen konnte.

Grafik zeigt Risiken bezüglich der EZB-Projektionen aus Dezember

Die Inflation in der Eurozone stieg im Dezember von 2,4% auf 2,9%. Der Anstieg dürfte jedoch vorübergehend sein. Insgesamt erwartet die EZB für 2024 eine weitere Abschwächung, wenn auch weniger stark als 2023. Sie geht weiterhin davon aus, dass das 2%-Ziel im Jahr 2025 wieder erreicht wird.

Bloomberg Economics-Einschätzung

Was Bloomberg Economics dazu sagt: „Nach der nächsten EZB-Sitzung wird der Fokus auf den Worten von Präsidentin Christine Lagarde in der Pressekonferenz zu den Zinssenkungen liegen. Bloomberg Economics geht davon aus, dass sie ihre jüngsten Bemühungen verstärken wird, die Preisbildung an den Finanzmärkten, die auf eine Senkung der Zinsen bis April hindeutet, zurückzudrängen.“
-David Powell, leitender Wirtschaftswissenschaftler für den Euroraum

FMW/Bloomberg



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