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EZB-Schnabel spricht über die Normalisierung der Geldpolitik

„Da es immer wahrscheinlicher wird, dass sich die Inflation in der Eurozone mittelfristig bei 2 Prozent stabilisieren wird, sollten wir über eine allmähliche Normalisierung unserer Politik nachdenken. Wir müssen das richtige Gleichgewicht zwischen zu frühem und zu spätem Handeln finden“… das ist die per Twitter verkündete Headline-Aussage von EZB-Direktorin Isabel Schnabel bezüglich eines heute veröffentlichten Interviews. Und hier stellt sie in Aussicht, dass man bei der EZB verstärkt zu Zinsanhebungen tendiert.

Hebt die EZB die Zinsen im Herbst an?

Isabel Schnabel sagt – angesprochen auf den Zeitpunkt von anstehenden Zinsanhebungen durch die EZB noch in diesem Jahr – dass bereits vor der Februar-Sitzung der EZB mit einer Anhebung der Zinsen im Sommer dieses Jahres gerechnet wurde. Dies müsse vor dem Hintergrund der geänderten Inflationsaussichten und des starken Arbeitsmarktes gesehen werden. Man sollte die Marktpreise für den Zeitpunkt der Aufhebung nicht wörtlich nehmen, denn sie enthalten laut Isabel Schnabel auch Risikoprämien, die die große Unsicherheit widerspiegeln, mit der man derzeit konfrontiert sei. Der tatsächlich erwartete Termin für die Aufhebung der Geldpolitik, den man aus den Daten ableiten könne, werde also wahrscheinlich etwas später liegen, so Isabel Schnabel. FMW: Also im Herbst, September bis Oktober?

Aber wie sie und auch EZB-Chefin Lagarde auf der letzten Pressekonferenz betont hätten, handele die EZB datenabhängig. Man habe sehr klare Vorgaben für die Zukunft, in denen die Bedingungen für einen Aufschwung festgelegt seien. Und sie denke, die Märkte seien sich dessen sehr wohl bewusst. Jetzt müsse man die eingehenden Daten bewerten und sehen, ob sie die Bedingungen erfüllen. „Ich möchte Sie auch daran erinnern, dass wir die Abfolge unserer verschiedenen geldpolitischen Maßnahmen bestätigt haben. Die Forward Guidance bezieht sich auf die Zinssätze, und wir haben gesagt, dass die Nettokäufe von Vermögenswerten auslaufen werden, bevor wir unsere Leitzinsen anheben werden“, so die Worte von Isabel Schnabel. Wenn die EZB das Tempo der Ankäufe von Vermögenswerten diskutiert und neu bewertet, müsse sie vorausschauend handeln und sich fragen, wann man erwarte, dass die Bedingungen der Forward Guidance erfüllt werden. Anhand der jüngsten Daten sei das Risiko, dass die EZB zu spät handelt, aber gestiegen. Daher müsse man die Inflationsaussichten sorgfältig neu bewerten.

Isabel Schnabel sagt heute auch, dass die Inflation weitaus hartnäckiger sei als zuvor angenommen. Und die Arbeitslosigkeit in der Eurozone befinde sich auf einem historisch niedrigen Niveau – daher könne sich das bisher moderate Lohnwachstum beschleunigen. Bezugnehmend auf die Energiepreise, die ein starker Antreiber für die Inflation sind, sagt Isabel Schnabel, dass die EZB darauf zwar keinen Einfluss habe – aber dass man verhindern müsse, dass sich diese Preissteigerung verselbstständigt.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel
Isabel Schnabel. Foto: EZB (CC BY-NC-ND 2.0)



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2 Kommentare

  1. Die EZB muss also erst bis zum Herbst Statistiken und Papier produzieren, bevor man etwas unternehmen kann.

  2. Typisch EZB… man äussert sich so als ob man ausschliesslich sachbezogen handle, hat aber in Tat und Wahrheit keine wirkliche Ahnung, wie einer EZB-Direktoren im Interview mit Prof. Sinn zugegeben hat.

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