Märkte

Fortgesetzter finanzieller Suizidversuch am Ölmarkt

Von Claudio Kummerfeld

Der Ölpreis fällt und fällt. Sollte man da nicht vorsichtiger werden? Aufhören auf steigende Kurse zu setzen, oder seine Positionen reduzieren? Es gibt eine Gruppe Spekulanten am Ölmarkt, bei denen man derzeit einen fortgesetzten finanziellen Suizidversuch unterstellen kann.

Ölpreis netto long

Ist es marktwirtschaftlich logisch immer weiter auf ein Produkt zu setzen, das einem als Unternehmer nur Verluste einbringt? So scheint es derzeit aber die Hedgefonds-Industrie zu tun. Es wird sich wohl kaum jemand finden, der den Herrschaften eine Träne nachweinen wird, wenn ein Fonds nach dem anderen sich selbst zerlegt, aber verstehen möchte man diese Haltung schon gerne.

Der Ölpreis fällt und fällt, und die offiziellen Daten belegen, dass gerade die Hedgefonds-Branche ihre Wetten auf einen steigenden Ölpreis weiter ausbaut. Die US-Aufsichtsbehörde für Futures CFTC zeigt regelmäßig die Positionen einzelner Segmente von Marktteilnehmern. Hier kann man u.a. sehen, dass die reinen Spekulanten wie Hedgefonds unter Strich mehr Long-Kontrakte in Öl-Futures offen haben als Short-Kontrakte, also einen Überschuss (Netto Long-Position). Sie wetten also auf einen steigenden Ölpreis. Stand 4. August waren die reinen Zocker mit netto 247.093 Öl-Kontrakte long (1 Kontrakt beinhaltet 1.000 barrel/Fässer). Das sind 3.674 mehr als noch vor einer Woche. Eine gigantische Spekulation auf einen steigenden Ölpreis. Da Hedgefonds i.d.R. kräftig kreditfinanziert spekulieren, können sie nicht ewig lange dem fallenden Ölpreis zugucken oder die auslaufenden Monate in die nächsten rollen. Es müssen steigende Preise her, sonst ist man platt.

Die Daten der CFTC zeigen auch, dass die Unternehmen, die zur Ölindustrie gehören (Produzenten/Verwerter), ihre Netto Short-Positionen auf einem weiter hohen Niveau halten (242.288 Kontrakte), um sich gegen weiter fallende Ölpreise abzusichern. Die Damen und Herren scheinen die düsteren Wolken am Himmeln zu sehen. Man versucht seine Verluste bei den realen Verkäufen durch Gewinne mit den Short-Positionen auszugleichen.

Durchbricht der Ölpreis (US-Öl WTI) die Schwelle von 42 Dollar nach unten (noch knapp 2 Dollar entfernt), dürften massive Stop Loss-Orders der Bullen einsetzen, um weitere Verluste zu begrenzen, denn dort ist das März Tief, nach dem nur noch das Tief aus 2009 bei 32 Dollar folgt.



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