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G20-Hofffnung als Illusion verpufft, jetzt schon warten auf den 10. März

FMW-Redaktion

Stimulus, Stimulus, bitte mehr Cash in die Märkte pumpen, mehr, mehr, mehr! So haben wohl letzte Woche viele Finanzminister, Notenbanker, Volkswirte und sonstige Funktionäre vor sich hin geträumt – das hätte das Resultat des G20-Gipfels in Shanghai werden sollen. Die Hoffnung war groß, dass sich die G20 in Shanghai am Wochenende auf weltweit koordinierte Stimulus-Maßnahmen einigt um die vielerorts deflationären Tendenzen zu bekämpfen. Aber nichts passierte.

„Unser“ Onkel Wolfgang torpedierte dieses Vorhaben an allererster Stelle – kein Stimulus der auf Schulden basiert! Eigentlich hätte den Märkten wohl kurzfristig ein Placebo gereicht. Stimulus großspurig ankündigen, aber gar nichts Konkretes beschließen – dann hätten wir erstmal zwei drei Tage Schönwetter gehabt in Dax und Dow. Aber so richtet sich schon jetzt der Blick auf den 10. März in Frankfurt. Dann wird die EZB aller Voraussicht nach die quantitative Lockerung für die Eurozone kräftig aufstocken, also Einlagenzinsen weiter senken (-0,4 oder -0,5%?) und das Anleihekaufprogramm (QE) ausweiten. Dass die Aufstockung wirklich kräftig ausfällt, darf man jetzt mehr denn je annehmen. Die Märkte gaben schon letzte Woche klare Signale, dass Herr Draghi gefälligst liefern muss.

Und abgesehen davon hagelte es Freitag rückläufige Verbraucherpreise aus Deutschland, und heute dann für die ganze Eurozone. Deflation, eine Katastrophe für Mario Draghi und seine Kollegen. Denn sie hatten in den letzten Monaten gebetsmühlenartig wiederholt, dass ihr Anleihekaufprogramm funktioniere und man mit der Ausweitung der Maßnahmen lediglich funktionierende Maßnahmen verstärken wolle.

Deflation 1
Die Energiepreise ziehen alles runter, das zeigt diese Grafik eindeutig. Als Resultat (in rot) sind wir im Februar in der Eurozone auf Jahresbasis in die Deflation gerutscht mit -0,2%. Grafik: Eurostat

Seit März 2015 hat die EZB über ihr aktuelles Anleihekaufprogramm für 582 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft, so der aktuellste Stand laut EZB. Und die Inflation ist jetzt auf dem tiefsten Stand seit Januar 2015. Innerhalb eines Jahres rutscht die Eurozone jetzt zum dritten Mal in den Bereich negativer Verbraucherpreise, was davor zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 der Fall war. Die Deflation ist erst mal real vorhanden, und die EZB wird wohl alles tun um sie anzuschieben – zumindest glaubt sie, dass ihre Maßnahmen dafür geeignet sind. Die -0,2% Deflation ist natürlich schlecht für die Wirtschaft, aber die dadurch steigende Hoffnung auf mehr Notenbank-Lockerung suggeriert den Kapitalmärkten, dass noch mehr billiges Geld auf den Markt schwemmen wird. Somit könnten die Aktien wieder steigen. Der Stimulus für März heißt EZB.

Denn der andere große Rettungsanker will nicht so richtig seine Funktion wahrnehmen. Der Ölpreis will sich einfach nicht von dem 30 Dollar-Level entfernen – er vegetiert jetzt um die 33 Dollar herum und es sieht nicht so aus als würde er kräftig nach oben laufen. Beim G20-Treffen hatten einige Teilnehmer irgendwas von „strukturellen Reformen“ gesagt, aber das ging wie alles andere auch sofort unter. Verpufft, inhaltsleer, da glaubt eh keiner dran. Also, alles wie gehabt, die armen Notenbanker müssen es wieder richten. Die sind in der Tat arm dran. Diverse Male wiesen die EZB-Banker schon darauf hin, dass sie keine Wirtschaftspolitik, sondern nur Geldpolitik machen könnten. Die Politik müsse strukturelle Reformen einleiten um die Wirtschaft in der Eurozone nachhaltig zum Laufen zu bekommen. Aber die europäische Politik hat sich daran gewöhnt die Ankurbelung der Wirtschaft der EZB zu überlassen. Am 10. März kann Mario Draghi mal wieder zeigen was er drauf hat. Seit der Verkündung der Verbraucherpreise durch Eurostat ist der Dax gerade mal gute 50 Punkte gestiegen – also heute ein ziemlich lauer Handel!



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3 Kommentare

  1. Also wenn ich +1% ,+0,8% und +0,4% mit minus 7,8% verrechne…immer ich nicht auf minus 0,2%.

    Dabei ist doch Strom , Gas und Benzin ein beträchtlicher Faktor in meiner Monatsabrechnung .

    Naja ..Statistik ….

  2. Bin mal gespannt was Draghi liefern wird.
    Meiner Meinung nach muss es, damit die Märkte nicht zu sehr enttäuscht sind, eine deutliche Zinssenkung UND eine monatliche Erhöhung des QE geben.
    Eine Verlängerung des QE würde meiner Meinung nach sicher nicht reichen, denn davon wird notfalls ohnehin ausgegangen, dass es nach Ablauf und immer noch zu wenig Inflation einfach weiter läuft.

  3. Ich würde mal „die Märkte“als Prostituierte bezeichnen&Mario Draghi als der ihresverfallenen Lovers.Die Story gabs doch schon häufig.Professionelle will aussteigen&verliebt sich daher unsterblich in ihren Freier of last resort!Denkt der zumindest!Fazit,fast immer:Liebe weg,Geld weg!So auch diesmal!

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