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Geldanlage muss durch Coronavirus radikal neu gedacht werden

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Geldanlage neu denken - was tun?

Die Weltwirtschaft und mit ihr die Kapitalmärkte befinden sich in einem historischen Wandel. Dieser wird zusätzlich beschleunigt durch unvorhersehbare Schocks und daraus resultierende Kettenreaktionen – die private Geldanlage muss sich diesem Umfeld schnell anpassen.

Geldanlage muss in Zeiten hoher Unsicherheit breit aufgestellt sein

Die klassische Geldanlage liquider Mittel fokussiert sich auf Standardaktien, Staatsanleihen und REITs. In erweiterter Form werden sogenannte „alternative“ Anlageklassen, wie z. B. Rohstoffe beigemischt, zu denen per Definition auch Gold zählt. Wobei Gold, ebenso wie Silber, in physischer Form sich historisch bedingt auch als Geld definieren lassen (Gold ist offizielle Reservewährung der Notenbanken). Dieser Anlagemix stammt aus der Zeit der Marktwirtschaft, in der wir uns jedoch nicht mehr befindet. Das Spiel von Angebot und Nachfrage wurde ersetzt durch einen alles dominierenden Notenbankeninterventionismus. Keine Branche, kein Unternehmen, kein Staat, keine Organisation würde ohne die Daueralimentierung durch künstlich niedrige Zinsen und die Finanzierung via Notenpresse in seiner jetzigen Form noch existieren.

Um diesem systemischen Paradigmenwechsel gerecht zu werden, muss sich auch die Geldanlage dem neuen Umfeld anpassen, getreu der Darwin’schen Evolutionstheorie „Survival oft he Fittest“ (nur die am besten Angepassten überleben). Da jedoch nie zuvor ein solches ökonomisches Experiment auf globaler Ebene stattgefunden hat, fehlen Erfahrungswerte aus der Geschichte. Umso größer die Prognoseunsicherheit sich darstellt, umso breiter muss das eigene Vermögen aufgestellt sein. Hinweise, wie man Vermögen durch turbulente und möglicherweise sogar revolutionäre Phasen der Gesellschaft einigermaßen sicher durchbringt, gibt es dennoch in der Geschichte, an denen man sich zumindest grob orientieren kann – zum Beispiel an der katholischen Kirche (Buch: Drei-Speichen-Regel: Das 1600 Jahre alte Geheimnis der ertragreichen und sicheren Geldanlage). Ansonsten gilt heute mehr denn je, sich keinem denkbaren Szenario bei der Geldanlage zu verschließen. Meinungen sind irrelevant. Was jetzt dem Erhalt des eigenen materiellen Wohlstands dient, ist ausschließlich gesunder Menschenverstand, gepaart mit Pragmatismus.

Niemand weiß, wie die Weltwirtschaft nach der Pandemie aussieht

Der Grund für die Dringlichkeit der Anpassung der eigenen Vermögenssicherung resultiert aus dem bereits sehr fortgeschrittenen Stadium der Degeneration unseres Wirtschaftssystems, auch wenn dies an der Oberfläche und im Alltag kaum sichtbar ist. Doch spätestens bei der Geldanlage wird klar, dass wir es mit einem neuen Paradigma zu tun haben: Kredite und Staatsanleihen mit Zinsen unterhalb der Inflationsrate, Sparkonten mit Strafzinsen versehen und Kapitallebensversicherungsverträge, die einseitig vom Anbieter gekündigt werden, sind Indizien für den Ernst der Lage. Weitere Anzeichen dieser ökonomischen Degeneration sind die globale Schuldenkrise, der Notenbankeninterventionismus sowie die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in wichtigen Zukunftsfragen. In Europa ist gar die Existenz unseres Währungs- und Bankensystems in ihrer Gesamtheit abhängig von permanenten Stützungs- und Rettungsmaßnahmen durch die Europäische Zentralbank.

Darüber hinaus erleben wir gerade die beschleunigte Destabilisierung der Weltwirtschaft durch gleich mehrere exogene Schocks, wie die Coronavirus-Pandemie oder den Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien, Russland und der US-Schieferölindustrie. Wie die Welt aussieht, nachdem sich der Nebel gelichtet hat, weiß heute noch niemand. Doch man sollte sich darauf vorbereiten, dass die bereits vor den genannten außerordentlichen Schocks sehr fragile Weltwirtschaft nur noch durch noch radikalere Maßnahmen der Geld- und Fiskalpolitik am Leben erhalten werden kann. Da im heutigen weltweit ungedeckten Fiat-Money-System Geld theoretisch keine Rolle spielt, sollte man sich bei der Geldanlage auch auf ein Szenario der zunächst schleichenden und sich dann immer mehr beschleunigenden Kaufkraftminderung des Geldes einstellen.

Die Klassifizierung von Vermögenswerten kann sich schnell verändern

Gelten momentan Staatsanleihen noch als „Sicherer Hafen“ und relativ ausfallsicher, so kann sich dieser Status sehr schnell ändern. Was nützt darüber hinaus die vermeintliche Sicherheit, wenn der Gegenwert später in einer wertlosen Währung ausbezahlt wird. Eine der populärsten Altersvorsorgeformen, die Immobilie, wurde bereits des Öfteren in der Vergangenheit zur Finanzierung bankrotter Staaten in Form von Lastenausgleichszahlungen herangezogen oder gar komplett enteignet (siehe DDR). Bei Aktieninvestments sieht es nicht anders aus: Der Anstieg der Indizes über die Jahrzehnte täuscht darüber hinweg, dass die Zusammensetzung der Kursbarometer regelmäßig verändert wird. Dass bedeutet, dass die im DAX oder Dow Jones oder S&P 500 enthaltenden Wert nur noch mit wenigen Ausnahmen denen von vor 30 Jahren entsprechen. Über die Absteiger und Bankrotteure hört man nichts mehr. Oder erinnern Sie sich noch an die Pan American World Airways (kurz „Pan Am“) – die einst größte Fluglinie der Welt?

Gerade in Zeiten ökonomischer Umbrüche sind auch Anteile an Unternehmen nicht zwingend sicher. Hier kommt es vor allem auf die Zukunftsfähigkeit der angebotenen Produkte und Dienstleistungen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an. Ohne eine strake Bilanz ist eine Aktie kein Sachwert mehr. Hoch verschuldete Unternehmen haben eher Anleihencharakter. Gold dient seit über sechstausend Jahren als inoffizielle Weltwährung und sichere Geldanlage. Doch genauso wichtig, wie dessen Besitz ist die Anonymität. Andernfalls drohen auch bei dieser Krisenwährung Risiken durch Wegnahme, Besteuerung oder Handelsverbote. Dennoch gehört das gelbe Edelmetall unbedingt in den modernen Vermögensmix. Wie sagte bereits US-Präsident Herbert Hoover im Jahr 1933: „Wir haben Gold, weil wir den Regierungen nicht trauen können“. Wenn schon ein Politiker so argumentiert, dann sollten wir Bürger dies sehr ernst nehmen.

Die Geldanlage auf möglichst viele Risiken vorbereiten

Um die eigene Geldanlage möglichst krisenfest aufzustellen, sollten in Anbetracht der Risiken alle Sachwerte mit den Vermögensmix einbezogen werden. Festverzinsliche Wertpapiere machen für Privatanleger zu mittelfristigen Anlagezwecken keinen Sinn mehr, da sie entweder bereits negativ rentieren oder sich ihr Wert weit über Pari befindet (Kurswert über Nennwert und damit dem Tilgungswert). Da das Kernszenario der Zukunft eine beschleunigte Geldmengeninflation, einhergehend mit Güter- und Dienstleistungsteuerung ist, sollte die Geldanlage dementsprechend aus realen Vermögenswerten mit möglichst gleichmäßiger Verteilung im Portfolio bestehen. In der Endphase eines ungedeckten Geldsystems kam es in der Vergangenheit regelmäßig zu einem sogenannten Crack-up-Boom, bei dem die Preise für Sachanlagen als Hort der Sicherheit vor Geldentwertung stark nachgefragt wurden und unabhängig von der Konjunktur stark aufwerteten.

Im besten Falle können auch in einem Krisenszenario sich manifestierende Risiken bei bestimmten Vermögensbestandteilen durch höhere Wertzuwächse bei anderen Anlagen kompensiert werden. Neben der Diversifikation der Vermögenswerte ist auch eine geografische Diversifikation ratsam. In der Geschichte der Menschheit gab es immer Horte der Sicherheit auf dieser Welt – für Menschen und für Vermögen. Undifferenziert könnte man sagen, dass dort, wo sich der Wohlstand konzentriert, das Vermögen am sichersten ist. Dies gilt vor allem für souveräne Staaten, deren Geschäftsmodelle im Wesentlichen auf dem Wohlstand ihrer Bürger basieren und die auch in der Lage sind, sich und ihre Bürger zu schützen.

Fazit und Ausblick

Die Umstände, die in Sachen Geldanlage zum Umdenken und Handeln zwingen, sind keine erfreulichen. Gleichwohl entspricht es der menschlichen Natur und seiner Effizienz, nur dann aktiv zu werden, wenn die Notwendigkeit dafür vorhanden ist. Im Falle der Geldanlage geht es um den Erhalt von materiellen Gütern, zur Sicherstellung von relativem Wohlstand oder schlicht des finanziellen Überlebens. Die Motivation zu handeln, ist also sehr hoch. Um den Erhalt des eigenen Vermögens sicherzustellen, kann man sich an Beispielen aus der Geschichte orientieren und darüber hinaus neue, an das aktuelle Weltwirtschaftsexperiment angepasste Strategien umsetzen. Am besten eignet sich dazu eine Geldanlage, deren Fokus auf die Vermeidung unnötiger Risiken und die Wahrung außerordentlicher, systembedingter Chancen gerichtet ist (Crack-up-Boom).

6 Kommentare

6 Comments

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    Herbert Müller

    12. März 2020 11:18 at 11:18

    Toller Artikel!!
    Leider -wie so oft- ein Fazit ohne konkrete Anlageidee! Z.B. Vermögensaufteilung in 60% vermietete Immobilien; 40% physische Aktien, 5% Gold, 5% Silber beide physisch und 5% Barreserven für Notfälle…Mal bitte eine klare Idee kommunizieren-DANKE

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      Columbo

      12. März 2020 11:43 at 11:43

      @Herbert Müller

      5% Gold! Warum so wenig??? Und 60% Immos? Warum so viel?

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      Nico

      12. März 2020 11:50 at 11:50

      @ Herbert Müller. Natürlich steckt da eine Anlageidee dahinter. Es ist Werbung für das Cantillon-Depot. Sonst würde ein Vermögensverwalter und Gold-Bug hier keine so langen und aufwendigen Artikel schreiben. Ist auch nichts Anrüchiges.

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      bernd

      13. März 2020 09:05 at 09:05

      genau das habe ich mir schon gedacht, weil 100erte dieser artikel keine lösung bieten. nur das geseier 100erter sog. experten, die sich gegenseitig wiederholen und “abschreiben”!!!! ;-)))

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      Jan

      13. März 2020 10:46 at 10:46

      Macht in der Summe 115% Vermögen. Ist das jetzt gehebelt oder sind die überschüssigen 15% auf Pump?

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    Aktien-Uwe

    19. März 2020 11:54 at 11:54

    Kurzfassung des Artikels:
    Diversifikation schützt gegen Ungewissheiten (ein alter Hut).
    Klassische Aufteilung: Anleihen, Aktien, Gold, Immobilien
    Die revolutionäre neue Anlageform: 1/3 Aktien, 1/3 Gold, 1/3 Immobilien
    Mit einem Wort: Schmeißt die Anleihen aus eurem Portfolio (und Lebensversicherungen usw., alles was mit FIAT zu tun hat).
    Den Kernpunkt hätte man auch in einem Satz sagen können, wie z. B. Ray Dalio neulich in Davos:

    “Cash is Trash”.

    Solange die Sachwerte noch im Wert fallen, ist Cash noch King, aber vor dem inlfationären Crack-up-Boom
    sollte man den Großteil seines FIAT-Gelds besser investieren. Immobilien scheinen übrigens weiter zu steigen.

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Interessant: Statistisches Bundesamt bietet Vergleiche zur Finanzkrise 2008

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Das Statistische Bundesamt hat einen sogenannten “Krisenmonitor” geschaffen mit dem Titel “Vergleich Corona- und Finanzmarktkrise”. Die Coronakrise ist aus statistischer Sicht ja noch ganz frisch, von daher kann man keine wirklich guten Vergleiche ziehen. Aber dieses Tool der staatlichen Statistiker wird nun fortlaufende aktualisiert. Aussagekräftiger wird es wohl sein, wenn für das zweite Quartal 2020 Statistikdaten zum Beispiel für die Wirtschaftsleistung oder Industrieproduktion vorliegen. Aber eines wird klar: Die Statistiker erwähnen es, und die Charts zeigen es auch, dass der Absturz während der Finanzkrise 2008 langsam startete und sich über mehrere Quartale hinzog. Der Absturz wurde dann später größer.

In der Coronakrise kam der Absturz sehr schnell und kräftig. Gut möglich, dass von nun an eine langsame aber stetige Erholung einsetzt? Das wäre ein Unterscheidungsmerkmal zur Finanzkrise. Sie betraf weniger die Realwirtschaft, sondern eben die Finanzwirtschaft. Hier und heute sind Industrie, Gastronomie und Handel mit voller Wucht getroffen worden. Während der Finanzkrise 2008 bekam ein gewisser Teil der Bevölkerung diese Krise monetär und arbeitsplatztechnisch gar nicht mit. Der Beginn der jeweiligen Krise wird von den Statistikern in ihren Vergleichen anhand des ersten Rezessionsquartals bestimmt. Der Startpunkt der Corona-Krise im 1. Quartal 2020 wird dem 2. Quartal 2008 gegenübergestellt. Die Zahlen für das Jahr 2020 werden fortlaufend aktualisiert. Weiter merken die Statistiker an, Zitat:

Der Vergleich der Entwicklung des preis- und saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) zeigt beispielsweise den abrupten wirtschaftlichen Einbruch im 1. Quartal 2020 um 2,2 % gegenüber dem Vorquartal. Die Finanz- und Wirtschaftskrise setzte dagegen eher schleichend ein: Ab dem 2. Quartal 2008 begann der wirtschaftliche Abschwung mit einem Rückgang des BIP um 0,3 %, der sich in den nachfolgenden Quartalen weiter verstärkte. Der Tiefpunkt der damaligen Finanz- und Wirtschaftskrise in Deutschland war erst ein knappes Jahr später erreicht, mit einem Rückgang des BIP um 4,7 % im 1. Quartal 2009.

Hier sehen wir den Vergleich beim Bruttoinlandsprodukt:

Bruttoinlandsprodukt Vergleich zur Finanzkrise

Hier der Vergleich bei der Industrieproduktion:

Industrieproduktion

Einzelhandel:

Einzelhandel Daten Vergleich zur Finanzkrise

Exporte:

Exporte

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Hongkong: Erfahrungsbericht eines Anhängers der Demokratiebewegung

Hongkong ist ein Polizeistaat geworden. Aus der vormals friedlichen Stadt hat sich eine Gefahrenzone für die Bevölkerung Hongkongs entwickelt. Innenansichten aus einer verzweifelten Stadt

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Das Nationale Sicherheitsgesetzt für Hongkong wurde in einer Vorabstimmung mit einer Mehrheit von 2039:1 Stimmen verabschiedet. Die eine Gegenstimme soll zeigen, dass China eine Demokratie ist und fair abgestimmt hat. Die “Wahl” wird in der Nacht zum Donnerstag (deutscher Zeit) stattfinden.

Erfahrungsbericht aus Hongkong aus der Woche der Entscheidung

Was ist seit den Protesten im letzten Jahr passiert?
Nicht erst seit dem Versuch im letzten Jahr das Auslieferungsgesetz in Hongkong einzuführen, herrscht ein großes Misstrauen gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas. Niemand traut dem chinesischen Rechtssystem. Gleichzeitig befürchten wir, dass die Hongkonger Regierung das Auslieferungsgesetz nutzt, um Hongkonger nach China auszuliefern. Das ist der Grund, warum wir lautstark protestieren. Die Situation hat sich dieses Jahr weiter dramatisch verschlechtert. Vor knapp zwei Wochen wurde im Hongkonger Parlament ein Teil der pro-demokratischen Regierungsmitglieder durch pro-chinesische ausgetauscht. Es ist mittlerweile deutlich, dass die Regierung von Hongkong zu 100 % von Chinesen kontrolliert wird.

Die Stadt ist ein Polizeistaat geworden: Aus der vormals friedlichen Stadt hat sich eine Gefahrenzone für die Bevölkerung Hongkongs entwickelt. Die Kommunistische Partei hat der Hongkonger Polizei einen Freifahrtsschein erteilt, mit Gewalt und Waffen gegen die eigene Bevölkerung und allen Journalisten vorzugehen. Über 10.000 wurden verhaftet, mehr als tausend Hongkonger sind während den Demonstrationen im letzten Jahr verschwunden – und mehr als 2500 Menschen sind angeblich an “Selbstmord” umgekommen. Die Zahl hat sich innerhalb eines Jahres im zweistelligen Prozentbereich erhöht.

Worum geht es im Gesetz über die nationale Sicherheit?

Jetzt setzt die Kommunistische Partei Chinas in Hongkong das Nationale Sicherheitsgesetz durch und umgeht damit den Legislativrat. Das Gesetz zur nationalen Sicherheit beinhaltet:
1. Die KPCh wird ihre Sicherheitsbehörde in der Stadt einrichten.
2. Die KPCh sendet ihre eigene Geheimpolizei nach Hongkong
3. Ein Verbot an die Hongkonger-Zivilgesellschaft, internationale Kampagnen durchzuführen. Jeder Versuch die USA, Großbritannien und andere Länder um Unterstützung zu bitten, wird strafrechtlich verfolgt
4. Bestrafung von Akten der Sezession, der Subversion, des organisierten Terrorismus und der ausländischen Intervention
5. Nationale Sicherheitserziehung einführen: Das bedeutet, dass Kinder ab dem Kindergarten dazu erzogen werden, treu als kommunistische Anhänger zu dienen.

Was geschah, als die Kommunistische Partei Chinas ankündigte, dieses Gesetz in unserer Stadt auf den Weg zu bringen?
Der Hang Seng Index fiel am ersten Handelstag nach der Ankündigung um 1350 Punkte. Laut Forbes Statistik, hat der Hongkonger Milliardär Richard Li Ka-Shing an einem Tag 108 Millionen USD verloren. Das hiesige Immigrationsamt hat erklärt, dass die Anträge der Hongkonger auszuwandern sich mittlerweile verzehnfacht hätten. Heute hat die taiwanesische Präsidentin in einem Interview mitgeteilt, dass Sie bereit ist, allen Hongkonger-Flüchtlingen ein Aufenthaltsrecht zu gewähren. Die britische Regierung denkt über eine ähnliche Lösung nach.

Auf der anderen Seite gehen wir immer noch auf die Straße, um zu protestieren. Viele von uns denken, dass es wahrscheinlich die letzte Chance ist, für Freiheit zu kämpfen. Ehrlich gesagt wissen wir nicht, was uns in der Zukunft bevorsteht. Wir haben nichts mehr zu verlieren, also werden wir nicht aufhören für Freiheit und Demokratie einzustehen. Die Demonstranten haben ihren Schlachtruf, der sich auf der ganzen Welt ausgebreitet hat: „Fight for Freedom – Stand with Hongkong!

 

Was wird geschehen, wenn das Gesetz in Hongkong in Kraft tritt?

Das Sicherheitsgesetzt kann umfangreiche Auswirkungen (hier beschrieben) auf unser eigenes Leben – aber auch über dessen Grenzen hinaus – haben. Erstens ist Hongkong eine internationale Stadt und eines der Finanzzentren der Welt. Mehr als tausend ausländische Unternehmen haben hier eine Zweigstelle. Wie Trump gestern schon gesagt hat, ist Hongkong kein sicherer Ort mehr, um ein Finanzzentrum zu sein. Viele Unternehmen könnten ihren Standort in ein anderes asiatisches Land verlagern (z.B.: Singapur, Tokio…). Die USA werden den Handelsüberschuss gegenüber der Stadt abbauen und auch die Bindung des Hongkong-Dollar aufheben. Die KPCh wird wiederrum dieses Gesetz nutzen, um viele pro-demokratische Politiker und Sympathisanten zu verhaften. Die Zeit der freien Meinungsäußerung ist damit vorbei. Der Kampf für Demokratie und Freiheit könnte zu einem Ende kommen.

Bericht von der Demonstration am 27.05.2020 gegen das Nationalhymnengesetz

Heute fand im Hongkonger Parlament die zweite Lesung zur Debatte über das Nationalhymnengesetz statt. Das Gesetz soll dazu dienen, diejenigen zu bestrafen, die während der chinesischen Nationalhymne negative Äußerungen von sich geben. Die Chinesische Nationalhymne gilt auch für Hongkong, wurde hier aber bisher nicht verbreitet, da sich die Hongkonger unabhängig von China fühlen. Während den Protesten im letzten Jahr wurde eine inoffizielle Hymne für die Stadt geschrieben, diese ist aber mittlerweile auch verboten. Um die Verabschiedung des Gesetzes heute zu stoppen, wollten sich große Menschenmassen, insbesondere im Regierungsviertel, versammeln. Die Demonstration kam zum Erliegen, da die Hongkonger Polizei überall Straßensperren errichtet hat. Während der Mittagspause, in der auch unbeteiligte in den Straßen unterwegs waren, wurde willkürlich auf alles und jeden mit Tränengas geschossen. Dabei kam es zu vielen Festnahmen (circa 700), die meisten von ihnen waren Teenager. Mal wieder ist ein Tag mit Leid im Kampf um Freiheit zu Ende gegangen…

Bilder von der heutigen Demonstration in Hongkong

Die Demonstranten in Hongkong (27.05.2020)

Hinweis der Redaktion: der Autor des Textes lebt in Hongkong und fürchtet um seine Sicherheit. Wir haben den Text daher unter “Redaktion” veröffentlicht

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Details zum 750 Milliarden Euro Wunschtraum von Ursula von der Leyen

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will laut heutiger Veröffentlichung 750 Milliarden Euro Schulden machen, und dann mal kräftig von Brüssel aus verteilen! Offiziell bezeichnen kann man dies als “Corona-Wiederaufbauplan”. Aber so einfach geht das nicht. Denn was so großspurig verkündet wird, ist nur ein “Vorschlag” der EU-Kommission. Die Mitgliedsstaaten müssen hier zustimmen, und danach sieht es derzeit überhaupt noch nicht aus! Denn von den 750 Milliarden Euro sollen 500 Milliarden Euro als nicht zurückzuzahlende Zuwendungen ausgegeben werden, und 250 Milliarden Euro als rückzahlbare Kredite an Mitgliedsstaaten, die von der Coronakrise besonders betroffen sind. Letztlich sollen diese neuen Schulden auf EU-Ebene aus den Haushalten der EU-Kommission bis zum Jahr 2058 abbezahlt werden – also durch mehr Beiträge der Mitgliedsstaaten Richtung Brüssel, oder durch Budgetkürzungen der EU-Kommission. So oder so, am Ende zahlen immer die Steuerzahler in den einzelnen Ländern – da kann man die Konstrukte noch so nett zurecht basteln wie man will!

Der Plan von Ursula von der Leyen sieht vor, dass Deutschland von den 750 Milliarden Euro gerade mal insgesamt 28 Milliarden Euro erhalten soll! Häähhhhh? Erkennen Sie hier das Missverhältnis? Aber ja, der Fonds soll den Wiederaufbau fördern in den Ländern, die am Härtesten getroffen wurden durch den Corona-Schock. Von daher ist nachvollziehbar, dass Italien 81 Milliarden Euro als Zuschuss und 90 Milliarden Euro als Kredit erhalten. Spanien könnte sich (wie gesagt, es ist nur ein Vorschlag aus Brüssel) über 77 + 63 Milliarden Euro freuen. Alleine diese beiden Ländern würden also mit 311 Milliarden Euro 41,5 Prozent der Fonds-Gelder kassieren. Am 18. Juni werden die Regierungschef der EU-Mitgliedsstaaten über diesen Traum von Ursula von der Leyen eventuell entscheiden, oder das Thema vertagen. Die Probleme und Unwägbarkeiten sind groß. Letztlich bedeutet der Plan, dass man zukünftige Budgets der EU-Kommission abzweigt, und jetzt schon mal ausgibt. Hier einige wichtige Aussagen der EU-Kommission im Wortlaut:

Mit dem Instrument „NextGenerationEU“ werden Mittel mobilisiert, indem die Eigenmittelobergrenze vorübergehend auf 2 Prozent des Bruttonationaleinkommens der EU angehoben wird, sodass die Kommission dank ihres guten Kreditratings auf den Finanzmärkten 750 Mrd. Euro aufnehmen kann. Diese zusätzlichen finanziellen Mittel werden im Wege von EU-Programmen verteilt und über einen langen Zeitraum aus künftigen EU-Haushalten zurückgezahlt – frühestens 2028 und spätestens 2058.

Der Aufbauplan „NextGenerationEU“ mit 750 Mrd. Euro und gezielte Verstärkungen des langfristigen EU-Haushalts 2021-2027 erhöhen die finanzielle Schlagkraft des EU-Haushalts auf insgesamt 1,85 Billionen Euro.

Präsidentin von der Leyen erklärte vor den Abgeordneten im Europäischen Parlament: „Mit dem Aufbauplan verwandeln wir die immense Herausforderung in eine Chance, weil wir nicht nur den Binnenmarkt stärken, sondern auch in unsere Zukunft investieren: Der europäische Grüne Deal und die Digitalisierung werden Beschäftigung und Wachstum ankurbeln und die Resilienz unserer Gesellschaften und die Gesundheit unserer Umwelt fördern. Dies ist die Stunde Europas. Unsere Bereitschaft zu handeln muss den Herausforderungen, vor denen wir stehen, entsprechen. Mit dem Instrument „NextGenerationEU“ geben wir eine ehrgeizige Antwort.”

Von den weiteren Ausführungen der EU-Kommission wollen wir an dieser Stelle nur einige Headlines auszugsweise zitieren:

Die für „NextGenerationEU“ mobilisierten Mittel werden auf drei Säulen verteilt:

1. Mitgliedstaaten bei Investitionen und Reformen unterstützen
2. Die Wirtschaft in der EU durch Anreize für private Investitionen ankurbeln
3. Die Lehren aus der Krise umsetzen

Wenn bis Juli auf der Ebene des Europäischen Rates eine rasche politische Einigung über das Instrument „NextGenerationEU“ und den Gesamthaushalt der EU für 2021-2027 auf der Ebene erzielt wird, erhielte der Aufbau neue Impulse und die EU ein schlagkräftiges Instrument, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln und zukunftsfähig zu machen.

Das politische Fundament des Aufbaus

den europäischen Grünen Deal als Aufbaustrategie der EU
die Stärkung des Binnenmarkts und seine Anpassung an das digitale Zeitalter
einen fairen und inklusiven Aufbau für alle

Sinnvoll klingen folgenden Aussagen aus dem aktuellen Papier aus Brüssel. Zitat:

Europa muss seine strategische Autonomie in bestimmten Bereichen stärken, einschließlich in strategischen Wertschöpfungsketten und einer verstärkten Überprüfung ausländischer Direktinvestitionen. Um die Krisenvorsorge und das Krisenmanagement zu verbessern, wird die Kommission die Europäische Arzneimittelagentur stärken und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mehr Befugnisse übertragen, damit sie in Krisenzeiten medizinische Maßnahmen koordinieren können.

Ursula von der Leyen im EU-Parlament
Ursula von der Leyen. Foto: European Parliament from EU – EU budget debate ahead of crucial summit CC BY 2.0

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