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Gelddrucken der Notenbanken: Ewig steigende Börsen, ewig fallende Zinsen?

Das Thema Notenbanken und immer steigende Kurse ist in den Kommentaren bei FMW ein stets heißes Thema: viele sagen, die Notenbanken würden nicht zulassen, dass die Aktienmärkte fallen – andere meinen, dass die Notenbanken selbst eine gigantische Blase verursacht und letztlich langfristig keine Chance hätten, das Platzen eben dieser Blase durch deren stete Vergrößerung zu verhindern! Fakten und Perspektiven über das zentrale Thema der Märkte..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Das Thema Notenbanken und immer steigende Kurse ist in den Kommentaren bei FMW ein stets heißes Thema: viele sagen, die Notenbanken würden nicht zulassen, dass die Aktienmärkte fallen – andere meinen, dass die Notenbanken selbst eine gigantische Blase verursacht und letztlich langfristig keine Chance hätten, das Platzen eben dieser Blase durch deren stete Vergrößerung zu verhindern!

Folgende Grafik zeigt den engen Zusammenhang zwischen der aufgeblähten Bilanz der Notenbanken und den Aktienkursen – während sich gleichzeitig die Erwartung an das globale BIP kaum verändert hat:

Seit Anfang 2016, dem Verlaufstief an den Aktienmärkten, haben die Notenbanken drei Billionen Dollar gedruckt, damit den Aktenmärkten zu einem Anstieg von 30% verholfen – damit aber offensichtlich gleichzeitig nicht so furchtbar viel erreicht was die Wirkung auf die Realwirtschaft betrifft! Was passiert, wenn die Notenbanken ihre Bilanz verknappen (wie die Fed) oder die Anleihekäufe absehbar einstellen werden (wie die EZB)?


Der EZB Tower
Foto: Epizentrum – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38317255

Florian Homm jedenfalls glaubt nicht, dass das Gelddrucken der Notenbanken auf Dauer funktionieren kann – er sieht Mega-Trends am Werk, gegen die auch die Zentralbanken nicht ankommen. Besonders bemerkenswert in dem Video Homms ist ein kurzer, aber heftiger Wut-Anfall des ehemaligen Hedgefonds-Managers (ab Minute 3 und 27 Sekunden):

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    Marko

    19. September 2017 14:09 at 14:09

    Das ist aber nur die halbe Wahrheit…
    Fakt ist, dass die Notenbanken den ANLEIHENMARKT aufgepumpt haben, wie einen Luftballon, durch die Käufe über den sogenannten „Sekündärmarkt“

    Sollte die EZB reagieren, wird der BUFU „in den Keller geschickt“, was wiederum bedeuten würde, dass die Aktienmärkte steigen.

    Aber da die EZB offenbar nicht gewillt ist, der FED zu folgen, pendelt der ganze Kram herum, mit einem VDAX von 12 (!)

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      19. September 2017 14:12 at 14:12

      @Marko, wenn die EZB „reagiert“, dann fallen Anleihe und Aktien! Mit dem QE sind beide die Kurse Anlageklassen gestiegen, endet das QE, werden bei beiden Kategorien die Kurse fallen!

      • Avatar

        PK

        19. September 2017 14:46 at 14:46

        vollkommen korrekt. Steigende Zinsen (ab einer bestimmten Schmerzgrenze, die liegt wohl irgendwo beim heutigen Satz +1%) würden die Aktienmärkte in den Keller schicken (und nicht nach oben wie Marko vermutet).
        Aber, was werden die Zentralbanken tun, wenn QE endet und die Kurse fallen ?
        Da kann es nach den Erfahrungen der letzten Jahre doch nur eine Antwort geben.

        Die Rückführung der aufgeblähten Notenbankbilanzen ist ein Märchen, es wird nie passieren (ausser ein paar zaghafte Versuche, die wir aktuell und in den nächsten Monaten erleben werden).

        • Avatar

          Marko

          19. September 2017 15:36 at 15:36

          Nein, steigende Zinsen dürften den BUFU (also die europäischen Anleihenmärkte) in den Keller schicken.
          Das ist auch logisch, die Notenbanken haben den Anleihenmarkt manipuliert, was wiederum Auswirkungen hätte auf den Aktienmarkt.

          Wir in EUR-Land hängen der „Konjunktur“ hinterher, die EZB hat bisher gar nichts gemacht und trotzdem steht der EUR/USD bei fast 1,20 !!

          Eine Zinserhöhung der EZB würde bedeuten, : fallende Anleihenmärkte, steigende Aktienmärkte.

          • Markus Fugmann

            Markus Fugmann

            19. September 2017 15:38 at 15:38

            @Marko, wir reden ja nicht einmal von steigenden Zinsen, sondern von dem, was im englischen als „financial conditions“ definiert wird. Faktisch ist das Ende von QE (von Zinsanhebungen sind wir noch sehr weit weg) ein massiver Entzug von bisher gespendeter Liquidität, und wenn Aktienmärkte eines brauchen, dann Liquidität!!

          • Avatar

            Gerd

            19. September 2017 15:47 at 15:47

            „Eine Zinserhöhung der EZB würde bedeuten, : fallende Anleihenmärkte, steigende Aktienmärkte.“
            Marko, Sie drehen sich schwindelerregend im Kreis: Es ist so, weil es so ist!
            Vielleicht würden Sie mal freundlicherweise Ihre Annahme auch begründen. Vielleicht fällt es Ihnen bei der Gelegenheit dann ja selbst wie Schuppen von den Augen.

    • Avatar

      Gerd

      19. September 2017 14:39 at 14:39

      Diese, Ihre Meinung, schreiben Sie ja öfters.
      Könnten Sie mal erläutern, wie Sie darauf kommen.
      Andere befürchten, dass die Aktien fallen und Sie rechnen dann mit steigenden Aktienkursen?

      Ich persönlich glaube nicht, dass Aktien deswegen nachhaltig fallen werden – aber dass sie bei einer Zinserhöhung ausgerechnet steigen sollen?
      Aber dafür erwarten Sie ja im Gegenzug auch bei steigenden Zinsen, dass die Mieten sinken werden. Was ich wiederum anders sehe.

  2. Avatar

    Marko

    19. September 2017 14:29 at 14:29

    Auf alle nicht ! warum, Markus.

    Die EZB/FED hat den Anleihenmarkt manipuliert, aber nicht den Aktienmarkt. Wir stehen beim Dax bei 12500, diesen Stand sahen wir im Jahr 2015 ! Wo stünde der BUFU ohne QE, bei 160 ?!? Auf alle Fälle nicht !!!

    Deutschland freut sich doch, super billige Zinsen, die Immobillien-Käufer ebenso, die EZB wird wohl im Oktober „etwas loslassen“, d.h. irgendwas müssen die machen, es ist höchste Zeit, Lehman vergessen zu lassen.

  3. Avatar

    Feldmaen

    19. September 2017 14:53 at 14:53

    Ich glaube da wurde Herr Homm von seinem Haustier gestört, könnte eine Begründung für seinen Wutanfall sein.

  4. Avatar

    leser

    19. September 2017 15:11 at 15:11

    Hier https://www.godmode-trader.de/artikel/zinsen-steigen-aktien-steigen-wie-geht-das,5038441 wurde versucht, eine Korrelation zu belegen. Ich habe allerdings Schwierigkeiten, die Grafik so zu deuten, wie es der Verfasser macht. Außen vor bleibt die Frage, welchen Einfluss die massive Beeinflussung der Preise durch die Notenbanken hat. Möglicherweise reicht schon ein zartes Signal Richtung Beendigung der Anleihkäufe, um den Markt auf die Reise nach der „richtigen“ Bewertung zu schicken. Und die richtige Bewertung für 10jährige Italien-Anleihen ist mit Sicherheit nicht 2%.

  5. Avatar

    Wolfgang M.

    19. September 2017 15:12 at 15:12

    Der Wutanfall passte irgendwie nicht zu einer Wandlung vom Saulus zum Paulus und Christen. Hätte ich rausgeschnitten.

    • Avatar

      Gixxer

      19. September 2017 21:46 at 21:46

      Wenn ich den Wutanfall mit dem gesagten in dem Moment verbinde, hat wohl der Praktikant Scheisse gebaut.
      Aber ich muss ihnen Recht geben zu seiner Wandlung passt der Wutanfall überhaupt nicht, egal durch was er ausgelöst wurde.

  6. Avatar

    ex-Bänker

    19. September 2017 15:49 at 15:49

    Die FED hat die Märkte geflutet mit dem Ziel durch höhere Aktienkurse die Wirtschaft zu stimulieren, da der Grossteil der Gelder direkt in die Finanzindustrie geflossen ist u.das Ziel verfehlt hat , glaube ich nicht dass die FED-ÄRZTE den gleichen Fehler durch noch mehr falsche Medizin wiederholen werden.In der Tat sind jetzt die Nebenwirkungen für die Vorsorge u.s.w. gravierend u.hat eine riesige Umverteilung von oben nach unten gebracht.Wenn schon müssten sie jetzt der Unterschicht Geld verteilen um die Wirtschaft zu animieren.Leider wissen wir ja das durch falsche Teuerunsangaben u.stagnierende Nettolöhne genau das Gegenteil passiert.Folgerung: Das Ziel der Notenbanken sind.nicht in erster Linie hohe Aktienkurse.,während jetzt zu hohe Anleihenkurse= tiefe Zinsen immer mehr zu Problem werden.

    • Avatar

      Gerd

      19. September 2017 16:20 at 16:20

      Ihr erster Satz:
      „Die FED hat die Märkte geflutet mit dem Ziel durch höhere Aktienkurse die Wirtschaft zu stimulieren, …“
      Ihr letzter Satz (erste Hälfte):
      „Das Ziel der Notenbanken sind.nicht in erster Linie hohe Aktienkurse…..“
      Unentschieden,1:1.

      Ihr letzte Aussage hat für mich Richtigkeit, der erste Satz hingegen nicht.

  7. Avatar

    Marcus

    19. September 2017 17:50 at 17:50

    Natürlich sind die Notenbanken ganz allein für die Blase an den Anleihe-und Aktienmärkten verantwortlich! Die Aktienmärkte interessieren die Notenbanken wenig, entscheidender sind die Bondmärkte. Die Notenbanken können auch nicht einfach so Bonds verkaufen ohne Verwerfungen auszulösen, dazu sind deren Portfolios viel zu groß!
    Letztendlich wird da gar nichts vorzeitig verknappt, man hält die Bonds bis Endfälligkeit. Und selbst das ist wie die Fed beweisen wird, äußerst schwierig. Wer sich mal die Mühe macht das sog. „SOMA-Portfolio“ auf der Webseite der New York Fed anzuschauen, wird dabei feststellen das die FED vor allem in mittel- bis langen Laufzeiten hohe Volumina einzelner Anleihen hält.
    Allein 2018 werden glaube ich über 200 Mrd. US-Dollar an Bonds fällig, die man nicht einfach nicht wieder reinvestieren kann. Darum ja der Plan der Fed mit dem stufenweisen Abbau. Weil die Marktverwerfungen einfach zu groß wären.

  8. Avatar

    ex Bänker

    19. September 2017 18:34 at 18:34

    @Gerd, der erste Satz ist richtig, das konnte man in der Finanzpresse rund tausendmal lesen, nur haben eben die hohen Aktienkurse die Wirtschaft nicht genügend stimuliert weil vor allem die Reichen profitiert haben u. darum gehe ich davon aus dass jetzt das Pushen der Aktien nicht mehr Priorität hat, verstanden? Sonst fragen Sie Prof. Fugmann, der kann es Ihnen bestätigen.

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Coronakrise: Größter Schuldenanstieg – aber Zinsen rutschen in Euroland

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg der Geschichte. Gleichzeitig sinken die Zinssätze. Die Vergemeinschaftung von Schulden hat begonnen

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Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg in seiner Geschichte. Jegliche fiskalische Zurückhaltung weicht angesichts einer pandemischen Bedrohung der Volkswirtschaften. Gleichzeitig sinken die Zinssätze in den Mitgliedstaaten in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung der deutschen Bunds. Der letzte Auslöser war der große Wiederaufbaufonds, den die Gemeinschaft trotz des Widerstandes der sparsamen Fünf – Dänemark, Schweden, die Niederlande, Finnland und Österreich – beschlossen hat. Wittern die Märkte angesichts der Coronakrise eine Vergemeinschaftung der Schulden?

Coronakrise: Die Einführung des Euro und die Zinsen

Die Einführung der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999 brachte für einige der elf Teilnehmerstaaten zunächst eine gewaltige Erleichterung bei der Bewältigung der Staatsschulden. Im Jahr 2000 musste man für italienische Langläufer kaum mehr bezahlen, als für die deutschen „Bunds: in etwa 5,5 Prozent. Etwa sechs Jahre zuvor lag der Zinssatz für die 10-Jährigen bei fast 14 Prozent. Waren da nicht noch die so genannten Maastricht-Verträge mit den Konvergenzkriterien für eine Aufnahme, die eine Höhe der Staatsverschuldung von max. 60 Prozent und eine Neuverschuldung von höchstens drei Prozent erlaubten? Doch wenn selbst das Vorbild Deutschland diese über mehrere Jahre nicht erfüllen konnte, wie dann Disziplin einfordern von den anderen Staaten?

Kurzum: Die Zinserleichterungen wurden erfreut mitgenommen, die Schuldenstände jedoch nicht zurückgeführt. In der Staatsschuldenkrise nach 2011 weiteten sich die Spreads aus, Griechenland stand am Rande des Bankrotts, bis man sich mit Umschuldungsprogrammen und Schuldenerlass zur Rettung Griechenlands und damit auch der Eurozone durchrang. Denn auch die Zinsaufschläge von Italien, Spanien, Portugal und teilweise auch die von Frankreich waren in die Höhe gesprungen.

Bis die Europäische Zentralbank, in Gestalt ihres Chefs, Mario Draghi in Aktion trat, der die mittlerweile mehrfach kopierten und psychologisch entscheidenden Worte sprach: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” Die Folgen sind bekannt: Zinssenkungen auf null, massive Anleihekäufe bis zur erlaubten Obergrenze von 33 Prozent pro Staat und ein für nicht möglich gehaltener Verfall der Zinslandschaft, der in der Coronakrise gerade seinen Höhepunkt feiert.

Die Pandemie, PEPP und der Wiederaufbaufonds

Das Jahr 2020 wird nicht nur wegen des globalen Vormarschs eines Virus in die Geschichte eingehen als das Jahr der Coronakrise. In einer weltweiten Allianz einigten sich Staaten und Notenbanken zu bisher noch nie gesehenen und einmalig hohen Rettungsprogrammen. In Europa lautet der Name für das große Ankaufprogramm für Staatsanleihen und privater Schulden PEPP – Pandemic Emergency Purchase Programme – zunächst in Höhe von 750 Milliarden Euro, welches am 2. Juni nochmals um 600 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Da es ausgerechnet die hoch verschuldeten südlichen Länder durch die Pandemie besonders hart getroffen hat – Italiens und Spaniens Bruttoinlandsprodukt sanken im zweiten Quartal um 13 beziehungsweise 18,5 Prozent – musste man noch einmal nachlegen, um einen Zinsanstieg für diese Länder zu verhindern. Der von Frankreich initiierte und hart umkämpfte Wiederaufbaufonds war der nächste Schritt, ein spezielles Konstrukt gemeinsamer Anleihen in Höhe von zunächst 750 Milliarden Euro.

Die Zinsen in der Eurozone – Limes gegen null

Der viel umkämpfte Wiederaufbaufonds hat eindeutig das Ziel gerade den Staaten zu helfen, die einerseits hoch verschuldet aber andererseits besonders schwer betroffen von der Coronakrise in Not geraten sind. Durch die Emission gemeinsamer Anleihen werden Schulden finanziert, die die EU aufnimmt und für die alle Mitglieder gemeinsam geradestehen. Zweifellos ist das der Einstieg in eine Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum. Investoren jubelten, speziell auch aus dem Ausland, weil man sich jetzt sicher ist, dass man die Eurozone unter allen Umständen beisammen halten will, auch wenn man früher beschlossenen Festlegungenzuwider handelt. Die Folge ist ein Absturz der Zinsen in Tiefen, die nichts mehr mit der Bepreisung von Risiko zu tun haben.

Es wurde in letzter Zeit schon öfters berichtet, wie tief die Zinsen für länger laufende Anleihen im Süden gefallen sind, zum Beispiel in Italien mit 0,78 Prozent für die 10-Jährigen – die also inzwischen genauso hoch stehen, wie die bisher sicherste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury. Aber es geht noch extremer: Für griechische Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten werden schon Minuszinsen bezahlt, in Italien akzeptieren Sparer schon vier Jahre Laufzeit mit Zinsen nahe null, in Spanien und Portugal muss man für eine positive Rendite schon Langläufer mit acht Jahren Laufzeit wählen. Dabei stellt sich die Frage: Ist ganz Europa durch die Notenbankpolitik in der Coronakrise auf dem Weg zu Nullzinsen, also zur Schuldenaufnahme zum Nulltarif? Wenn man sich eine Übersicht betrachtet, die die Zinsdifferenz auflistet, die europäische Staaten zu den abnorm niedrigen deutschen 10-jährigen Bund (circa minus 0,60 Prozent) zahlen müssen, so kann man nur zu dieser Schlussfolgerung gelangen.

Zinsaufschläge zu deutschen Langläufern, in Prozent:

Niederlande plus 0,11
Österreich plus 0,17
Belgien plus 0,25
Slowakei plus 0,26
Frankreich plus 0,29
Irland plus 0,37
Portugal plus 0,78
Spanien plus 0,80
Zypern plus 1,00
Italien plus 1,34
Griechenland plus 1,45

Nochmal, die Vergleichsbasis ist nicht null, sondern deutlich darunter.

Fazit

Die Politik der Notenbanken in der Coronakrise hat eine Situation geschaffen, in die wohl niemand jemals geraten wollte. „Point of no return?“ Staatsfinanzierung durch die Notenbanken?

Ist diese Entwicklung nicht auch der Einstieg in eine gemeinsame europäische Schuldenunion? Vermutlich ja, denn die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, zugleich Ex-Finanzminsterin von Frankreich, hat gerade erst in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“ den Gedanken geäußert, man müsse über ein dauerhaftes konjunkturelles Stützungsinstrument nachdenken. Der Fonds in Höhe von 750 Milliarden Euro solle erhalten bleiben – damit er immer wieder verwendet werden kann, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten. Wer soll eigentlich die auslaufenden und zu ersetzenden Anleihen von Italien und Griechenland kaufen, Staaten, die demnächst mit 200 beziehungsweise 160 Prozent zum BIP verschuldet sind, deren Staatsanleihen aber bereits fast keine Rendite mehr abwerfen?

Wie wird man dieses Programm wohl abkürzen?

 

Die Coronakrise lässt die Schulden explodieren, aber die Zinsen fallen

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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Anleihen

Anleihen und Zinsen – eine weltweite Vernichtung der Anlegergelder

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Für viele Großanleger gibt es seit Jahrzehnten eigentlich nur zwei große Anlageklassen – Anleihen oder Aktien: Um das Anlagekapital langfristig zu vermehren, oder um regelmäßig Zinsen oder Dividenden einzunehmen, wie es zum Beispiel Pensionsfonds tun, um die Kunden im Alter zu versorgen. Und gerade dieser ehemals so sichere und zuverlässliche Renditebringer ist durch die Interventionen der Notenbanken geradezu marginalisiert worden. Dabei müssen viele Institutionelle wie Versicherungen sogar ihren Hauptanteil der Finanzanlagen in Anleihen positionieren. Dort geschieht derzeit weiterhin viel Absurdes mit weitreichenden Konsequenzen.

Anleihen: Lage an den Rentenmärkten wird immer skurriler

In Europa schütteln viele Ökonomen nur noch den Kopf über die Kapitalmarktzinsen, speziell im Bereich der Staatsanleihen.

Zinsen um die ein Prozent für Langläufer in hoch verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Italien, liegen auf Höhe mit den amerikanischen Pendants. Einem Land (USA), welches trotz der eminent hohen aktuellen Verschuldung in seiner 244-jährigen Geschichte noch nie einen Staatsbankrott erleben musste und welches noch einen absoluten Ausnahmestatus innehat, da der US-Dollar als Weltreservewährung einen Sonderbonus genießt.

Aber auch für die am längsten laufenden Anleihen der Staaten im Zentrum Europas – Österreich, Schweiz und Deutschland – müssen für die 30- oder 50-jährigen Staatsanleihen fast keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Die ultimative Begründung für die derzeitige Ausnahmestellung der Aktienmärkte

Diese wird von einer Erhebung durch die US-Großbank JPMorgan geliefert:

Weltweit gibt es für 17 Billionen Dollar an Anleihen keine oder sogar Minuszinsen
Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern
Woher sollen die vielen Kapitalsammelstellen, die auf Einnahmen angewiesen sind, eine Rendite erwirtschaften?

Fazit

Die Zinslandschaft in großen Teilen der Welt ist fast schon als brutal zu bezeichnen – für die Halter der Papiere.

Man kann täglich hundert Indikatoren heranziehen, um die Überbewertung der Aktienmärkte zu begründen. Vom Shiller-KGV, dem Buffett-Indikator, historischen Vergleichen zur Bewertung von Aktien zur Gesamtwirtschaft und vieles mehr. Aber wir haben auch eine historisch einmalige Situation. Wenn allein die drei großen Notenbanken (Fed, EZB, BoJ) in ihren Bilanzen schon über 20 Billionen Dollar stehen haben, die zum großen Teil von Käufen von Anleihen herrühren, kann es das Regulativ Anleihemarkt zu Aktienmarkt in alter Form nicht mehr geben.

Anders ausgedrückt: Was juckt ein KGV der Aktienmärkte von 20 bis 30, wenn selbst die großen Anleihemärkte ein mindestens dreistelliges aufweisen?

Und noch sieht es nicht nach einer Wende aus – weder bei den Käufen von Anleihen, noch bei den Kapitalmarktzinsen. Die Kapitalsammelstellen stehen täglich vor dem Problem, einerseits neue Gelder anlegen zu müssen, andererseits ihren Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dies ist für mich der Hauptgrund dafür, warum die Aktienmärkte einfach nicht größer korrigieren wollen. „There is no alternative!“ (TINA).

Zwar gab es den brutalen Einbruch wegen Corona im Februar/März, aber damals musste jeder Aktieninvestor mit dem Schlimmsten rechnen und seither hat die „Zerstörung“ der Zinsmärkte erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie könnte dieser Zustand sich zumindest etwas ändern? Schon öfters erwähnt: Ein substanzieller Anstieg der Inflation, der zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen führt – nicht zu einem Anstieg der Leitzinsen.

Werden neue Schuldenprogramne 2021 bei einer Erholung der Wirtschaft dazu führen? Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt? Wir werden es sehen, zunächst an den Zins-Charts.

Die absurde Entwicklung bei Anleihen - oder warum die Aktienmärkte so hoch stehen

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