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Gold als sicherer Hafen – Bitcoin dagegen eine „Tulpen-Blase“?

Ein Strukturvergleich!

Gold besser als Bitcoin?

Gestern konnte Gold zwischenzeitlich deutlich steigen und dabei den Widerstand von 1800 Dollar überwinden – bis dann Fed-Chef Jerome Powell das Tapering ankündigte. Die Märkte waren darüber nicht begeistert, weil Powell sein lang vorgetragenes Mantra einer angeblich nur „vorübergehenden“ Inflation offenkundig fallen gelassen hat.

Gold oder Bitcoin – sicherer Hafen gegen Tulpen-Blase?

Bitcoin dagegen hatte gestern  – nach dem Anstieg auf ein neues Allzeithoch im Gefolge der Einführung eines neuen Bitcoin-ETF (ProShares Bitcoin Strategy ETF; BITO), das mit immensem Volumen gehandelt wurde – am Freitag einen deutlichen Rücksetzer in Richtung 60.000 Dollar verkraften müssen. Während derzeit viele institutionelle Investoren sich in Bitcoin und andere Kryptowährungen investieren, sehen andere darin eine Wiederholung der Tulpen-Blase: so kürzlich etwa Nassim Taleb. Allerdings dauert die vermeintliche Blase bei Bitcoin schon deutlich länger als die Tulpen-Blase des 17.Jahrhunderts in Holland:

Gold als sicherer Hafen – und die strukturellen Parallelen zwischen Bitcoin und den Aktienmärkten

Dennoch: Gold wird von der Menschheit seit Jahrtausenden als Wertspeicher wahrgenommen, während Bitcoin noch ein sehr junges Asset ist.

Auffallend ist, dass Bitcoin sich strukturell ähnlich entwickelt wie der Aktienmarkt – sichtbar im Vergleich zum Leitindex S&P 500, allerdings bei Bitcoin gewissermaßen mit einem Turbo nach oben (und gelegentlich nach unten) versehen:

Bitcoin und S&P 500

Vergleicht man dagegen Gold mit dem S&P 500 (die Gold-S&P500-Ratio, sprich wieviel Unzen Gold man aufwenden muß, um den Indexstand zu kaufen), zeigt sich ein anderes Bild:

Gold zu S&P 500-Ratio

Chart: Macrotrends

Das bedeutet: Bitcoin zeigt in seiner Kursentwicklung eine strukturelle Ähnlichkeit zu den Aktienmärkten – es profitiert wie diese von der immensen Liquidität, die die Notenbanken in die Märkte gepumpt haben.

Der Kursverlauf bei Gold dagegen folgt einer anderen Logik. Aus unserer Sicht bedeutet das: sollten die Aktienmärkte stark fallen, dürfte das auch Bitcoin mit nach unten reißen – nicht zwingend aber auch Gold. Damit wird wahrscheinlich, dass Gold ein besserer sicherer Hafen ist, während Bitcoin als eine Art Inflations-Hedge gesehen wird, weil er eben nicht beliebig vermehrbar ist.

Das Paradoxe bei Bitcoin aber ist: er profitiert von der Liquidität der Notenbanken (ansonsten würde es neben Bitcoin nicht inzwischen tausende von Kryptowährungen geben), ist aber gleichzeitig ein Mißtrauensvotum gegen diese Notenbanken. Bitcoin ist ein Hedge gegen Inflation und unendliche Geldmengenausweitung – aber wenn die Notenbanken eines Tages wieder die Zinsen anheben sollten und damit die Liquidität verknappen, dürfte es auch für Bitcoin schwieriger als für Gold werden. Denn Gold ist eine Art Schutz gegen den kompletten System-Ausfall und wird daher immer einen gewissen Wert behalten (jenseits seiner Anwendung in Bereichen der Industrie)

Welche Perspektiven haben in den nächsten Jahren Gold und Bitcoin? Darüber diskutiert Marc Friedrich mit Mark Valek:



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5 Kommentare

  1. Andreas Meischberger

    Michio Kaku hat in seinem Buch „Physics of the Future“ geschrieben: Letztlich suchen die Menschen „High-Touch“ nicht „High-Tech“.
    So hat z.B. die unbegrenzte Verfügbar der Musik durch Spotify u. Co. zu Rekord-Besuchen bei Konzertveranstaltungen geführt.
    Bei der Werthaltigkeit wird – gerade wenn die Unsicherheit groß wird – sicher das gleiche gelten: Gold kann man sehen und anfassen, Bitcoin nicht.

  2. Es passt hier ganz gut ein Video von Prof. Rieck. Aktien versus bitcoin.
    Er erklärt anschaulich wie bitcoin gedanklich mehr als zockerei gesehen wird.

  3. Da der bitcoin in China schon verboten wurde, alle anderen Zentralbanken fieberhaft an Digitalen Währungen arbeiten, glaube ich dass es über kurz oder lang zu einer Digital Währung kommt da wo die Zentralbanken was mitzubestimmen haben. Alles andere wird VERBOTEN.
    Geht ja gar nicht die Banken aussen vorzulassen. Sind doch top Banker die super ausgebildet wurden und den Moral Test mit Bravour bestanden haben und nur unser bestes wollten. (IRONIE AUS)

  4. Wenn mir jemand ein funktionierendes, deflationäres Geldsystem (Bitcoin ist m.W. deflationär aufgebaut. Begrenzte Menge mit Mininghalbierungen = höhere Kosten für weniger Ertrag) aus der Geschichte zeigt, dann ziehe ich Bitcoin als Alternative in Betracht aber bis dahin ist es einfach nur ein Spekulationsobjekt. Für mich aber Fundamental nicht bewertbar und somit nichts, was ich kaufen werde.

  5. Wenn dann solltest du ein S&P-BTC-Ratio mit einem S&P-Gold-Ratio vergleichen.
    In USD ist auch Gold seit dem Corona-Crash gestiegen. Ok, in diesem Jahr nicht mehr.

    So ist der Vergleich nicht zu gebrauchen – vielleicht noch für einen Trader. Aber nicht für einen Langfrist-Investor.

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