Märkte

Greenspan: Überall Blasen – nur bei uns nicht!

Alan Greenspan ist der Meister aller Blasen. Die Größte hat er durch seine Nullzinspolitik selbst erzeugt – und ihr Platzen dann nicht kommen sehen.

Mit Greenspan begann eine neue Ära der Deregulierung der Finanzmärkte und damit das Zeitalter der unbegrenzten Verbreifungen in CDOs etc. Es gibt nur wenig echte Konstanten in seiner Auffassung von Wirtschaft – immer wieder wechselte er seine Meinung, aber vermutlich weniger aus Überzeugung, sondern weil es in der jeweiligen Situation politisch opportun erschien (siehe dazu das präzise Buch von Ravi Batra: Greenspans Betrug). Mit den von ihm maßgeblich initiierten Steuergeschenken für die Oberschicht sorgte er dafür, dass sich die Vermögensverhältnisse in den USA immer mehr zugunsten der Superreichen verschoben. Letztlich ist eine der wenigen wirklichen Überzeugungen Greenspans eine Art sozialdarwinistisches Recht des Stärkeren auch in der Wirtschaft.

Heute hat sich der Maestro wieder einmal geäußert – und wie immer ist es hochinteressant, welche Erkenntnisse der einstige Star der Finanzmärkte uns mitzuteilen hat. So sieht er in China „offensichtlich“ Blasen entstehen – eine wegweisende Erkenntnis. Aber China steht nicht alleine da: auch die Bitcoins seien eine Blase – eine inzwischen geplatzte Blase könnte man hinzufügen, nachdem der Kurs heute wieder drastisch unter 200 Dollar gefallen ist.

Immerhin: für die US-Anleihemärkte prognostiziert er signifikante Renditeanstiege – und damit indirekt ein Ende der ultralockeren Geldpolitik. Gleichzeitig aber vermag er bei den US-Aktienmärkten keine Blase zu erkennen – die Blasen sind eben immer bei den anderen.

Besonders erstaunlich aber ist seine Aussage, dass die zunehmende Einkommensschere in den USA gefährlich sei und dem politischen System der USA schaden könne. Seltsam nur, dass er selbst maßgeblich zu dieser Einkommensschere beigetragen hat, die er jetzt als „gefährlich“ einstuft. Hat der Maestro jetzt auch seine letzte Grundüberzeugung über Bord geworfen? Das wäre eine späte Erkenntnis – aber wer über 80 Jahre alt ist, hat natürlich das Recht, seine Meinung zu ändern..

 



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