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Gunnar Heinsohn: Kein Ausweg aus Nullzins und Staatsfinanzierung für die Notenbanken

Markus Fugmann

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Gunnar Heinsohn erklärt schlüssig, warum die Renditen für US-Staatsanleihen einfach nicht steigen wollen – und bringt damit das Dilemma der Notenbanken auf den Punkt. Der Artikel erschien im Malik Blog und ist im Original hier zu finden..

Die Preise von US-Treasuries sollen fallen, als die Fed am 18. Dezember 2013 ihre Ankäufe zurückfährt, ihre Deflation also in Kauf nimmt. Ein klein wenig funktioniert das auch. Seit über dreißig Jahren – also seit den Fall der Geburtenraten und dem Aufstieg der ostasiatischen Konkurrenz – steigen die Preise der amerikanischen (aber auch anderer) Staatstitel, bis für Zehnjahresläufer im Sommer 2012 gerade noch zwei Prozent Ertrag abfallen, die selbst bei Miniinflation fast wie eine reale Null daherkommen. Die Ankündigung, den Zins alsbald steigen zu lassen und die Ankäufe von Treasuries sofort zu verringern, schiebt den Ertrag von Zehnjährigen kurzfristig auf drei Prozent. Doch im April 2014 steht man nur noch bei 2,64 Prozent (FT, 12/13-04-2014, 20).

Anleger fliehen mithin ungebrochen in Staatspapiere, so dass ihre Preise selbst dann stabil bleiben, wenn die Fed weniger von ihnen kauft. Der erhoffte Umstieg vor allem von Versicherungen und Rentenkassen auf Aktien bleibt weitgehend aus. Was die Börsen an Preisanstieg noch schaffen, kommt partiell aus dem Aktienrückkauf. Der lohnt sich, weil Firmen das dafür nötige Geld so billig bekommen, dass sie teure Dividenden berechtigte schmerzfrei loswerden, also ohne irgendeine Verbesserung der Unternehmen Erträge steigern. Der übrige Zuwachs resultiert vorrangig daraus, dass Investmentbanken (oder ihre Akteure in Hedgefonds etc.) mit Nullzinsgeld die Preise von Aktien so lange steigern können, wie deren dabei fallende Erträge merkbar über dem Nullzins bleiben.

Wie das funktioniert, meldet Goldman Sachs am 10. April 2014: Die 45-prozentige Kurssteigerung im Standard&Poors-Aktienbarometer zwischen 2/2012 und 2/2014 wird von einer 33-prozentigen Zunahme des Preis-Gewinn-Verhältnisses begleitet (von 12 auf schon recht dünne 16). Rund drei Viertel der Gewinne stammen mithin aus bloßen Preissteigerungen. Nur ein Viertel rechtfertigt sich aus Einnahmezuwächsen in den Unternehmen.

Wenn die Fed Anleger aus Staatstiteln dadurch vergraulen will, dass sie über Nichtmehrankauf deren Preiszuwachs bremst, zugleich aber mit Nullzins dafür sorgt, dass 75 Prozent der Aktienpreiszuwächse aus Luft bestehen, die bei Zinssteigerungen und/oder Gewinnrückgängen verpuffen, wollen die zu Vergraulenden verständlicherweise nicht anbeißen. Nach einem schnellen und panischen Blick in dieses Vakuum geht es flugs zurück in die Staatspapiere, was deren Preise auch ohne Ankauf durch die Fed wieder hochschiebt. Demütig bescheidet man sich einmal mehr mit zwei Prozent für Zehnjährige. Denn einen Zauber haben diese kargen Staatstitel schon. Einen zu starken Absturz ihrer Preise dürfen die Zentralbanken nämlich niemals zulassen. Schließlich stecken sie im Eigenkapital, im Investment und im Kollateral fast aller Zentralbanken, Banken sowie ungezählter Unternehmen. Die würden bei zu starkem Herunterpreisen der Staatstitel ausgelöscht. Deshalb haben seit 2007/2008 fast alle Rettungsmaßnahmen der Regierungen und Zentralbanken in der Ersten Welt nur ein einziges Ziel: Die Deflation von Staatstiteln muss um jeden Preis verhindert werden. Keine Aufgabe ist für vergreisende und mit Dequalifizierung geschlagene Länder der reichen Welt vordringlicher. Das bedeutet für die Halter solcher Papiere, dass sie Im Notfall ohne große Verluste den Zentralbanken verkauft werden können. Wer aber in Aktien steckt, kann deren – durch Entlüftung – gestürzte Preise nicht durch Abladen bei den Zentralbanken wieder hochtreiben. Gegen die Realisierung der dann fälligen Verluste erweisen sich die bejammerten zwei Prozent am Ende doch noch als prächtige Marge. Für die Zentralbanken allerdings gibt es vorerst nur das besorgte Eingeständnis, dass sie einen schadlosen Abschied von Nullzins und Staatsfinanzierung bisher nicht kennen.

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Quartalszahlen und Inflation

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. IBM und Intel werden heute Abend ihre Quartalszahlen veröffentlichen – sie werden von ihm vorab besprochen. Auch das Thema Inflation ist auf der Tagesordnung.

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