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Immobilien: 2020 fallende Preise dank neuer Gesetze?

Das größte Risiko für Immobilien und Immobilien-Aktien könnte 2020 vom deutschen Gesetzgeber – und nicht dem Markt ausgehen

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Das größte Risiko für Immobilien und Immobilien-Aktien könnte 2020 vom deutschen Gesetzgeber – und nicht dem Markt ausgehen. Verglichen mit anderen europäischen, asiatischen oder nordamerikanischen Metropolen sind die Mieten in deutschen Städten noch immer vergleichsweise günstig. Doch eine zunehmend sozialistische Einstellung der Deutschen geht auch an der Politik nicht spurlos vorbei. Mit dem Mietendeckel in Berlin droht ein Gesetz, das den Boom bei Immobilien beenden könnte.

Es gibt wohl keinen ernstzunehmenden Wirtschaftswissenschaftler, der erklären könnte, wie staatlich gedeckelte Mieten ein unausgeglichenes Angebots-Nachfrage-Verhältnis auf dem Immobilienmarkt ausgleichen könnte. Und trotzdem ist Berlin drauf und dran, die Mieten in der Stadt zu deckeln. Und zwar auf einem so niedrigen Niveau, dass selbst günstig gebaute oder gekaufte Wohnungen aus den vergangenen Jahren kaum noch kostendeckend vermietet werden können.

Immobilien: Selbst CDU-Wähler befürworten mehrheitlich staatlich fixierte Mieten

Erschreckend ist, dass selbst unter CDU und FDP-Wählern 51% und 43% der Befragten der Meinung sind, die staatlich festgelegten Höchstmieten seien eine gute Idee. Woher der Glaube so vieler Deutscher kommt, sie hätten ein Recht darauf, zu Billigmieten in beliebten Lagen der Innenstädte zu wohnen, ist ein Rätsel. Fakt ist, dass selbst nach Jahren der Mietsteigerungen das Mieten in Deutschland noch vergleichsweise günstig ist. So geben etwa Londoner im Durchschnitt je nach Stadtteil zwischen 17% und 46% ihres Gehalts für die Miete aus. Für kleine Wohnungen steigt der Anteil auf bis zu 61%.

In Deutschland hingegen geben selbst Münchner nur 27% ihres Gehalts für Mite aus, die Berliner 21%. Es ist also keineswegs so, dass in Deutschland wirklich die Schmerzgrenze erreicht wäre.

Und dennoch: Politischer Widerstand wird die Berliner Pläne nicht kippen können, denn die Regierungsmehrheit ist für den Mietendeckel. Helfen könnte allenfalls noch das Verfassungsgericht, das in der Vergangenheit aber entgegen wissenschaftlicher Lehrmeinung entschied, dass Mietobergrenzen ein erlaubtes Mittel zur Lösung des Angebot-Nachfrage-Problems auf dem Immobilienmarkt wären.

In Berlin wird niemand mehr Wohnungen bauen und kaufen

Selbst wenn das geplante Gesetz in Berlin nach der Verabschiedung irgendwann von einem Gericht gekippt werden sollte, ist der Schaden schon angerichtet. Bis irgendwann ein Gericht entscheidet, können Jahre vergehen. Und in diesen Jahren dürfte der Berliner Immobilienmarkt praktisch tot sein. Wer soll noch bauen, wenn unklar ist, ob überhaupt langfristig kostendeckend vermietet werden kann? Wer soll noch eine Wohnung kaufen, wenn der Gesetzgeber jederzeit in die Verträge eingreifen, Mieten begrenzen und sogar Rückzahlungsansprüche für Mieter für „zuviel“ bezahlte Mieten festsetzen kann. Das nächste ist dann vielleicht ein Sanierungszwang? Freiwillig wird kein Vermieter mehr seien Immobilien sanieren, da die Miete nach der Sanierung kaum erhöht werden kann. Um DDR-Verhältnisse zu verhindern, muss es also einen Sanierungszwang geben. Vielleicht begründet mit Klimawandel und Umweltschutz.

Das interessante an Spekulationsblasen wie der Blase bei Immobilien ist, dass ein kleines Loch genügt, um die gesamte Blase platzen zu lassen. Es muss also nicht die gesamte Hülle der Blase zerstört werden, damit die Immobilienblase kollabiert. Der Berliner Mietendeckel könnte also die Nadel sein, die die Luft aus den stark gestiegenen Preisen für Immobilien ablässt. Denn wenn der Mietendeckel aus Sicht der Initiatoren in Berlin funktioniert und selbst FDP- und CDU-Wähler in beträchtlicher Anzahl begeistert vom Konzept sind, was sollte dann andere Städte und Landkreise davon abhalten, ähnliche Gesetze zu verabschieden?

Tipp für Anleger: Über Länder und Märkte diversifizieren

Um das Risiko als Anleger zu begrenzen, bieten sich Immobilien-Aktien mit möglichst breit diversifizierten Portfolio an. Aber auch Gewerbeimmobilien bieten einen gewissen Schutz gegen regulatorische Eingriffe des Gesetzgebers. Denn Gewerbemieter sieht der Gesetzgeber als kaum schutzwürdig an, so dass für Gewerbeflächen noch weitestgehend Vertragsfreiheit besteht.

Einen guten Mix aus Wohn- und Gewerbeimmobilien verwaltet die S Immo AG, die nicht nur über verschiedene Nutzungsarten hinweg diversifiziert, sondern auch in etlichen Ländern Europas aktiv ist. Die DIC Asset AG hingegen verwaltet ein reines Gewerbeimmobilien-Portfolio bestehend aus Büros und Einzelhandelsflächen.

Der Mietendeckel in Berlin könnte fatale Auswirkungen auf den Markt für Immobilien in Deutschland haben

4 Kommentare

4 Comments

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    Peter Menis

    14. Januar 2020 09:54 at 09:54

    Der Artikel beschreibt sehr gut, wieso der Wohnraummangel mit diesem Gesetz nicht beseitigt wird. Was hier jedoch sehr falsch dargestellt wird, ist wo der Mietendeckel tatsächlich helfen soll: und zwar zum Schutz der Mieter, ihre Wohnung wegen Spekulation zu verlieren, Planunssicherheit und Transparenz. Zudem wird auch die Inflation gehemmt.

    Hier wurden andere Hauptstädte als Beispiel dafür genommen, wie gut es uns eigentlich geht. Aber: geht es uns wahrhaftig gut, nur weil andere es schwerer haben?
    Zudem wurden hier die Durchschnittszahlen genommen, die von besonders gutverdienenden Haushalten völlig verfälscht werden. Ich rate jeden der sich mit diesem Thema befasst, stattdessen mit Medianen zu arbeiten. Hier wird einem schnell klar, das der Großteil der Bevölerung weitaus mehr als 21% ihres Einkommens für die Miete ausgeben müssen.

    Ich will den Mietendeckel nicht hochpreisen und auch nicht herabreden, man sollte ihn jedoch objektiv und mit repräsentativen Zahlen analysieren.

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      Johannes

      14. Januar 2020 13:02 at 13:02

      @Peter Menis, Sie sehen das völlig richtig. Berücksichtigt man das Medianeinkommen, landen wir in deutschen Großstädten bei etwa 30%. Der Autor des Artikels hat hier etwas Zahlenschummelei walten lassen, denn sieht man sich die Zahlen von London einmal genauer an, so erkennt man, dass in 25 Stadtteilen der Wert bei max. 31% liegt, während es nur 6 Stadtteile mit höheren Zahlen sind.
      https://i0.wp.com/metro.co.uk/wp-content/uploads/2018/11/sei_41221681-e992.jpg?quality=90&strip=all&zoom=1&resize=768%2C401&ssl=1

      Im Durchschnitt dürfte also in London die Mietbelastungsquote somit eher unter den deutschen Werten liegen. In Sachen Kaufpreisfaktor, Überbewertung, Blasengefahr kann keine Stadt München das Wasser reichen. Nicht Hongkong, nicht Tokyo und schon gar nicht New York. Und auch das muss sich früher oder später zusätzlich auf die Mietpreise niederschlagen.

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    Stephan Gasteyger

    14. Januar 2020 10:35 at 10:35

    Danke für den guten Artikel. Absolut einverstanden, dass der Mietendeckel der Berliner Wirtschaft, dem Wohnungsmarkt und dem Investitionsklima schaden wird.

    Es stimmt aber nicht ganz, dass am Berliner Wohnungsmarkt eine Immobilienblase besteht. Eine Blase ist dadurch gekennzeichnet, dass fast nur noch mehr aus Spekulationsgründen investiert wird. Dass also sehr bald das Angebot größer ist als die Nachfrage (wie der Immobilienmarkt in Florida 2007/2008). In Berlin besteht aber eine Wohnraumknappheit, und was gebaut wird, wird meistens auch bewohnt.

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      Peter Menis

      14. Januar 2020 17:09 at 17:09

      @Johannes, danke für die Antwort! Und ja es stimmt: die Käufer der Wohnungen müssen hohe Mieten verlangen, um den hohen Kapitaldienst, der durch den Spekulationspreis zustande kam, zu decken. Wenn aber die Möglichkeit der Spekulation durch eine im Vornherein vorgegebene Miethöhe genommen wird, entsteht erst gar keine Überbewertung. Die Verlierer der ganzen Geschichte werden diejenigen Kleinanleger sein, die in den vergangenen 6 Jahren ihr Eigenkapital zusammengekratzt haben, um es in Beton anzulegen und dabei völlig jenseits von gut und böse kalkuliert haben (oder wurden). Vorher waren es eben die Mieter, die von ihnen rausgeschmissen wurden oder jetzt horrende Mieten zahlen müssen. Ich sortiere das in die Kategorie „Karma“.

      Da bleibt dann nur noch das Problem mit der Menge des Wohnraums, welches nur durch Neubau gelöst werden kann. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Miete den Baukredit trägt. Beispiel: Für Neubau bis 2013 in guter Lage mit entsprechenden Ausstattungsmerkmalen kann man laut aktueller Mietentabelle 11,80 € / m² verlangen… Entspricht einer Jahresnettokaltmiete von 141,60 €. Das bedeutet, dass wenn man mit einem Faktor von beispielsweise 20 rechnet, was noch sehr gering ist, so dürften die Baukosten pro m² Wohnfläche nicht höher sein als 2.832 € sein… und das ist sehr viel! Wenn man den Faktor auf 30 anhebt, was in Berlin immernoch – gerade für Neubau – realistisch ist, so kann man schon 4.248 € pro m² Wohnraum ausgeben… Neubau nach 2013 ist dabei gar nicht geregelt, allerdings befürchten viele, dass das noch nachgebessert wird und begründen somit den Baustopp… Meiner Meinung nach alles Gehetze von gierigen Vermietern, die den Deckel mit allen Mitteln blockieren wollen!

      Auf jeden Fall bin ich gespannt wie es weiter verläuft… Am Ende wird die Sache vermutlich so zahnlos wie die Mietpreisbremse!

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BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

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Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

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Warum für Deutschland im Winter eine technische Rezession ansteht

Claudio Kummerfeld

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Leere Restaurants im zweiten Lockdown befeuern die Rezession

Die Industrie liefert wieder, und China als Abnehmer deutscher Waren hilft kräftig mit bei der Erholung der Konjunktur. Aber es ist klar. Die Dienstleistungen vermasseln derzeit der deutschen Wirtschaft die tiefgreifende Erholung. Die Rezession steht bevor oder startet wohl gerade wieder, und das Bruttoinlandsprodukt könnte schrumpfen. Und das nicht nur, weil die Dienstleistungen wie Gastronomie wegen dem aktuellen „kleinen“ Corona-Lockdown zu großen Teilen gar nicht stattfinden. Nein, da ist noch ein Faktor, der auf den ersten Blick übersehen werden kann.

Bevorstehende Rezession befeuert durch höhere Mehrwertsteuer

Eine aktuell womöglich schon gestartete technische Rezession für diesen Winter dürfte ab Anfang Januar verschärft werden. Denn ab 1. Januar wird die seit Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht. Dann dürften die Verbraucherpreise wieder steigen. Wer schon lange Zeit vor hatte einen neuen Fernseher, Küche, Auto oder sonstige hochpreisige Einrichtungsgegenstände anzuschaffen, hat dies wohl schon in den letzten Monaten getan, und dabei nette Mehrwertsteuerbeträge gespart. Umso kräftige dürfte der Konsumrückgang ab Januar ausfallen. Oder darf man mutmaßen, dass die Politik in Berlin dem noch schnell entgegenwirkt, und die Mehrwertsteuer bis zum Sommer 2021 auf reduziertem Niveau belässt? Die Kurzarbeiter-Regelung hat man ja schließlich auch gerade erst bis Ende 2021 verlängert.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bringt es in einer aktuellen Kurzanalyse auf den Punkt. Warum er sich gerade jetzt äußert? Heute um 10 Uhr wurde mit dem ifo-Index das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer veröffentlicht (hier die Details). Er fiel von 92,5 auf 90,7 Punkte. Die Zahlen waren zwar leicht besser als gedacht, aber eben doch schlechter als im Vormonat. Wie der Chart (geht bis 2016 zurück) zeigt, geht es aktuell wieder leicht bergab mit dem Geschäftsklima in Deutschland.


source: tradingeconomics.com

Experte spricht von bevorstehender technischen Rezession

Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart. Das kann durch die robuste Entwicklung in der Industrie kaum verhindert werden. Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen, so Jörg Krämer. Ein Monat Lockdown koste fast ein Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. Krämer erwartet eine technische Rezession im Winterhalbjahr, auch wenn sich das verarbeitende Gewerbe super halte. Im folgenden Chart der Commerzbank sehen wir, wie die Industrie in gelb weiter ansteigt, während die Dienstleistungen wieder abschmieren.

Chart zeigt Tendenz der Rezession dank schwachen Dienstleistungen

Laut Jörg Krämer ist ein Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen noch nicht erkennbar. Die Bundesländer dürften den Lockdown nach seiner Meinung bis mindestens Weihnachten verlängern und die Kontaktbeschränkungen verschärfen. Sehe man von möglichen Lockerungen rund um Weihnachten ab, dürfte der Lockdown mindestens bis Ende Dezember gelten. Weil die kalte Jahreszeit die Infektionen begünstigt, erwarte man, dass Restaurants, Kneipen, Hotels, Fitness-Center etc auch während des ersten Quartals überwiegend geschlossen bleiben.

Basierend auf dem Anteil der betroffenen Branchen an der gesamten Wertschöpfung drücke ein Monat Lockdown das quartalsweise Bruttoinlandsprodukt wie gesagt um fast 1 Prozent. Entsprechend dürfte laut Jörg Krämer das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2 Prozent schwächer ausfallen als ohne Lockdown – es werde vermutlich schrumpfen. Das dürfte die robuste Entwicklung in der Industrie nicht verhindern. Auch im ersten Quartal, das ohnehin durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar belastet wird, sei kaum mit einem Plus zu rechnen. Deutschland drohe eine technische Rezession. Die Wirtschaft gehe durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen.

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Keine Kreditgebühr, keine Zinsmarge – so kräftig erhöhen die Banken ihre Kontogebühren

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

Zu den normalen Kontogebühren kommen wir gleich noch. Aber womit verdienen Banken sonst noch ihr Geld? Im Jahr 2014 wurden Bearbeitungsgebühren für Kredite an Privatkunden für unzulässig erklärt (siehe hier die Details). Aber das war ja noch nicht mal das Schlimmste aus Sicht der Banken. Die EZB betreibt seit der Finanzkrise 2008 eine Art Dauer-Rettungsprogramm für die Konjunktur in der Eurozone. Neben Anleihekäufen in Billionenhöhe wurden die Zinsen immer weiter gesenkt, und letztlich wurden sie de facto abgeschafft – ob sie jemals wieder nennenswert steigen können, ist eine Frage für Philosophen. Klicken Sie dazu bitte hier für unseren gestrigen Artikel zu den aktuellsten Aussagen der EZB.

Jenseits des Atlantiks machen vor allem die Großbanken nicht mit Kontogebühren viel Geld, sonderm mit dem Kapitalmarktgeschäft, weil Unternehmen dort oft börsennotiert sind, Anleihen ausgeben statt Kredite aufnehmen, Kapitalerhöhungen durchführen uvm. Die Einnahmemöglichkeiten für die dortigen Banken sind also vielfältiger als in Europa. Denn hier bleibt in der Regel nur die Möglichkeit, Erträge aus dem klassischen Zwei Säulen-Modell zu generieren. Nämlich entweder Zinserträge erwirtschaften aus Krediten, oder Kontogebühren zu generieren. Als da wären zum Beispiel Kontoführungsgebühren, Gebühren für die Geldautomatennutzung, Kartengebühren, Schließfachgebühren uvm.

Kontogebühren bei Banken müssen zwangsläufig immer weiter steigen

Tja, und wenn die EZB den Banken die mit Abstand wichtigere Einnahmequelle (die Zinsen) immer mehr abwürgt, müssen die Banken zwangsläufig die andere Säule immer weiter hochschrauben. Es geht gar nicht anders. Wir alle erleben es die letzten Jahre. Auf immer abstrusere Weise führen Banken neue Kontogebühren ein. Sie werden getarnt als jährliche Kartennutzungsgebühr, oder Gebühr für die Nutzung von Automaten, oder sogar die Gebühr für Überweisungen im Onlinebanking. Wie stark die Kontogebühren ansteigen, hat heute das Statistische Bundesamt höchst offiziell präsentiert.

Die Statistiker erwähnen als Vergleichsmaßstab die Verbraucherpreise, die im Oktober im Jahresvergleich sogar deflationär waren mit -0,2 Prozent. Die Kontogebühren der Banken (für das private Girokonto) stiegen aber von Oktober 2019 bis Oktober 2020 um satte 6,4 Prozent. Bereits im Jahr 2019 stiegen die Kontogebühren der Banken deutlich mit +4,7 Prozent im Vergleicht zu 2018, während die Verbraucherpreise um 1,4 Prozent stiegen. Von 2015 bis 2019 stiegen die Kontogebühren um satte 25 Prozent. Die Statistiker weisen aber auch darauf hin, dass sie von 2010 bis 2014 vor allem aufgrund weggefallener Bearbeitungsgebühren für Privatkredite um 27,9 Prozent gefallen waren. Aber seit 2015 kennen die Kontogebühren nur noch den Weg nach oben.

Langfristig sogar sinkende Gebühren? Für den normalen Kontonutzer eine täuschende Statistik

Die Statistiker sprechen es auch klar an. Eine Ursache für diese massiven Preissteigerungen bei Kontogebühren seien vermutlich fehlende Einnahmen der Banken aus Einlagen, Geldanlageprodukten und Darlehen. Konnte man das Privatkundengeschäft in der Vergangenheit mit diesen Einkünften quersubventionieren, so müssen die Kosten für Filialnetz, Infrastruktur und Personal nun auch über Kontoführungsgebühren finanziert werden, so die Statistiker. Und ja, der Weg ist klar. Die alltäglichen Kontogebühren (oder wie immer sie optisch dargestellt werden) dürften weiter ansteigen.

Interessant ist der folgende Chart. Er zeigt seit dem Jahr 2010 die Entwicklung der Verbraucherpreise in blau, und die Entwicklung der Kontogebühren bei Banken in rot. Durch das Zusammenspiel der beiden Effekte (erst abgeschaffte Kreditgebühren und später steigende Kontogebühren) relativiere sich der Preisanstieg für Bank- oder Sparkassengebühren über einen längeren Zeitraum, so die Statistiker. Gegenüber 2010 sind die Preise im Jahr 2019 um 8,2 % gefallen, so ihre Aussage. Wir meinen: Auf lange Sicht hat hier nur der Kunde profitiert, der die letzten Jahre auch einen Kredit abgeschlossen und die Kreditbearbeitungsgebühr gespart hat. Der normale Girokontoinhaber ohne Kredit, der zahlt die Zeche!

Chart zeigt Entwicklung der Kontogebühren von Banken seit dem Jahr 2010

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