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Immobilienblase – die Ampel steht schon fast auf Rot

Hannes Zipfel

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Die Anzahl verkaufter Immobilien in Deutschland ist zuletzt auf einen absoluten Rekordwert angestiegen. Hypothekenzinsen ab einem halben Prozent, laxe Kreditvergabe und üppiges Baukindergeld tragen dazu bei, die Immobilienblase weiter zu vergrößern.

Immobilienblase – das DIW ist besorgt

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht die Gefahr einer sich bildenden Immobilienblase bis Jahresultimo bei mittlerweile 84 Prozent, das geht aus dem DIW-Wochenbericht aus der Kalenderwoche 32 hervor. Die Preisblasenampel der Berliner Forscher ist bereits in vielen Bereichen auf Rot gesprungen, so z. B. für den Realzins, das Bevölkerungswachstum sowie das Verhältnis von Kreditvergabe zu BIP. Auch die Ampel für das Wirtschaftswachstum ist mittlerweile in Anbetracht der nahenden Rezession von Grün auf Gelb umgesprungen. Im Zuge der ultralaxen Geldpolitik nach der Finanzkrise und der Euro-Dauerkrise wurden die Refinanzierungskosten für Immobilien nicht nur in Deutschland immer geringer (Nach dem Boom jetzt die Krise), was sich mehr und mehr in steigenden Preisen für Häuser und Wohnungen niederschlägt.

Immobilienblase Reale Hauspreise

Die jüngste Senkung des Einlagenzinses der EZB hat die Kosten für Baudarlehen nochmals gesenkt, sodass mittlerweile bei adäquater Bonität Hypothekenzinsen von unter 0,05 Prozent angeboten werden. Aber auch die Subventionen des Staates in Form des Baukindergeldes wirken entgegen der eigentlichen Intention der Gesetzgeber preistreibend auf den Immobilienmarkt. Und so wächst sie weiter, die Immobilienblase. Eigentlich sollte es v. a. Familien ermöglicht werden, in den Genuss von Immobilieneigentum zu gelangen, um so den Wohnungsmangel zu lindern.

Baukindergeld pumpt die Blase weiter auf

So hatte sich der Staat die Wirkung des Baukindergeldes wohl nicht vorgestellt, als er vor einem Jahr die Förderung einführte. Bisher haben rund 135.000 Familien davon Gebrauch gemacht und sind in den Genuss von Fördermitteln in Höhe von 2,8 Mrd. Euro gelangt. Doch es gibt zwei Probleme: Erstens wurden Dreiviertel des Geldes gar nicht zum Bauen verwendet, sondern trieben die Preise von Bestandsimmobilien nach oben. Nur für knapp 25 Prozent der bisherigen Fördersumme wurde tatsächlich neu gebaut. Das zweite und noch größere Problem wartet aber erst am Ende der Subventionszeit: Für die Gesamtlaufzeit des Programms bis Ende 2020 ist eine Gesamtfördersumme von 9,9 Mrd. Euro im Bundeshaushalt eingeplant. Diese Summe würde in den Folgejahren als Nachfrage wegfallen, sofern das Programm nicht über 2020 hinaus verlängert wird.

Bereits die Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtline im Jahr 2016 hatte das Hypothekengeschäft im ersten Halbjahr 2016 prozentual fast zweistellig belastet. Dabei wurde die 2014 in Kraft gesetzte EU-Verordnung erst im März 2016 in Deutschland Gesetz. Dennoch brachen bis Ende Juni des gleichen Jahres die Volumina an Wohnbaukrediten bei den Sparkassen bereits um 8,9 Prozent ein. Die Kreditrichtlinie sollte Schuldner schützen und sicherstellen, dass die Darlehen bis zum Ende des Erwerbslebens getilgt werden können. Nachdem das Gesetz die Kreditvergabe derart stark bremste, hagelte es massive Kritik vonseiten der Immobilienwirtschaft und der Hypothekenfinanzierer. Daher wurde das Gesetzes um einen Nachsatz in Form einer Ausnahmeregelung für bestimmte Kreditverwendungsarten ergänzt. Der Immobilienwert erhält damit in bestimmten Fällen deutlich mehr Gewicht. Die finanzielle Leistungsfähigkeit des Kreditnehmers ist nicht mehr allein ausschlaggebend für die Darlehensvergabe. Außerdem sieht die Gesetzesnovelle vor, dass eine Kreditwürdigkeitsprüfung bei einer Anschlussfinanzierung oder Umschuldung nur dann notwendig ist, wenn der Darlehensbetrag netto erhöht werden soll. Ohne diese erzwungene Gesetzesänderungen und das Baukindergeld hätte sich die Immobilienblase vermutlich weniger stark aufgepumpt.

Fazit

Mit der sich eintrübenden Konjunktur in Deutschland und der abnehmenden Leistbarkeit von Häusern und Wohnungen für Durchschnittsfamilien sinkt automatisch die Anzahl potenzieller neuer Immobilienkäufer, was die Gefahr einer Preisblase erhöht. Noch ist v. a. in deutschen Ballungszentren die Nachfrage sehr hoch, auch aus dem Ausland. Doch der Markt wird immer anfälliger für Rückschläge. Die Gesetzgeber haben sich derweil in eine Falle manövriert: Der Versuch, die Kreditanforderungen zu erhöhen ist bereits in Teilen gescheitert und das Auslaufen des üppigen Baukindergelds wäre wohl die Nadel für die Immobilienblase. Also muss diese Blase immer weiter aufgebaut werden, mit steigendem volkswirtschaftlichem Schadenspotenzial für die Zukunft.

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Leviathan

    17. September 2019 11:53 at 11:53

    Einfach ausgedrückt…Wir fördern sie in die Schuldknechtschaft.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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am

Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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