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Immobilienblase: Warum die Corona-Krise sie zum Platzen bringen kann

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Beispielbild für Einfamilienhaus

Steigende Arbeitslosigkeit, hohe Immobilienpreise und ein Verschuldungsgrad wie zu Zeiten der Weltfinanzkrise mahnen zur Vorsicht bei dem Erwerb von Wohneigentum. Die aus der Corona-Pandemie resultierenden Risiken sind noch nicht abschätzbar, was aktuell zu deutlicher Zurückhaltung bei Investitionen in deutsches Betongold führt.

Die Corona-Krise könnte zur Nadel für die Immobilienblase werden

Nicht nur die Gesamtwirtschaft leidet enorm unter den Eindämmungsmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie, sondern auch der bis vor kurzem noch boomenden Immobiliensektor in Deutschland. Vor allem in den bisherigen Wachstumsregionen und den großen Ballungszentren droht ein Käuferstreik. Wie stark allein die Baubranche in Mitleidenschaft gezogen wurde, zeigt die Unterkomponente „Bauhauptgewerbe“ im jüngsten ifo-Geschäftsklima für Deutschland vom 24. April: Mit -17,6 Punkten ist der Indexwert gegenüber dem Vormonat März um 22,6 Punkte förmlich kollabiert. Die Geschäftserwartungen brachen noch stärker auf -50 Punkte ein. Das ist der niedrigste jemals gemessene Wert und Ausdruck eines tiefen Pessimismus in der gesamten Branche. Was auch nachvollziehbar ist, wenn man bedenkt, dass gerade auf die Immobilienwirtschaft sehr große Herausforderungen zukommen und sich bereits vor der Corona-Krise die Anzeichen für eine Immobilienblase verdichtet hatten.

Käuferstreik, Mietausfälle und hohe Verschuldung

Durch den Shutdown kam es gleich zu einem ganzen Bündel an Hemmnissen für den Immobilienmarkt: die Stundung von Mietschulden, das Verbot von Zwangsräumungen, die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sowie die signifikanten Einkommenseinbußen. Diese Gemengelage ist Gift für den vor allem in Ballungsräumen bereits vor der Krise heiß gelaufenen Markt. Auch nach der Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen gegen das Virus bleibt der Markt durch aufgelaufene Mietschulden und eingetrübte Einkommensperspektiven belastet. Die Zahl der Zwangsverkäufe droht im Zuge nicht bezahlter Mieten deutlich anzusteigen, da viele Wohnungseigentümer die Miete fest zur Bedienung von Hypothekendarlehen eingeplant haben. Potenzielle Käufer halten sich außerdem zurück, da sich ihre Einkommensperspektiven deutlich eintrüben. Zudem verschärfen die Banken wegen der sich verschlechternden Konjunkturlage ihr eigenes Risikomanagement, was zu restriktiverer Vergabe von Hypothekendarlehen führt.

Schon vor der Corona-Keise stand die Ampel für die Immobilienblase auf Gelb

Gemäß dem Blasen-Index Q1/2020 der empirica-Preisdatenbank aus dem April dieses Jahres bewegen sich sowohl der Gesamtindex als auch der Index für die Wachstumsregionen in Deutschland deutlich über dem normalen Niveau im Bereich „Blasengefahr“. Das Rückschlagpotenzial für die Preise hat sich signifikant im Vergleich zu 2017 erhöht und beträgt in den Top 7-Regionen mittlerweile 42 Prozent.

Rückschlagpotenzial der Immobilienblase

Der Hauptgrund für die gestiegene Gefahr eines Platzens der Immobilienblase ist laut den Verfassern der Studie aber nicht ein Überangebot an Eigentumswohnungen (Wohnungsüberschuss), sondern der sich über die letzten Jahre aufgebaute Verschuldungsgrad. Besorgniserregend sei vor allem das Tempo der Neuverschuldung. So lagen die ausstehenden Baukredite zum Ende des ersten Quartals 2020 erstmals seit fünf Jahren wieder nachhaltig über 40 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Auch die vom Verband Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) erfassten Neukreditzusagen wuchsen seit etwa zwei Jahren mit deutlich erhöhtem Tempo. Sollte es wie von der Bundesregierung erwartet in diesem Jahr zu einem BIP-Rückgang in Höhe von 6,3 Prozent kommen, würde dies den Kreditbestand auf 42,7 Prozent erhöhen. Dies entspräche einem Wert, der seit der Finanzkrise nicht mehr erreicht wurde. Die Verfasser der empirica-Studie sagen dazu: „Normal waren solche und höhere Werte sonst nur im Rahmen des Aufbau-Ost, der allerdings nicht für alle Marktteilnehmer glimpflich ausging. Leipziger Eigentumswohnungen (ETWs) waren in den 1990-er Jahren so teuer wie in München.“

Bereits im Herbst letzten Jahres, also noch lange vor der Corona-Krise, warnte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor der Gefahr einer sich in Deutschland bildenden Immobilienblase. Bis zum Ende des Jahres 2019 sahen die Experten die Gefahr für eine Immobilienblase bis auf 84 Prozent ansteigen. Die Berliner Forscher hoben ebenfalls besonders das Verhältnis zwischen Kreditvergabe und BIP als größtem Risiko neben der ambitionierten Preisentwicklung hervor. Die Ampel für das Platzen der Immobilienblase setzten die Ökonomen im September 2019 auf Gelb. Sollte es in Deutschland jedoch zu einer Rezession kommen, dann würde die Ampel sehr schnell auf Rot springen – Et voilà!

Fazit und Ausblick

In den letzten 10 Jahren hat sich in Deutschland in den Ballungszentren die Gefahr einer Immobilienblase deutlich erhöht. Niedrige Zinsen, mangelnder Wohnraum, Spekulation und der zunehmende Wunsch nach Wohneigentum haben die Preisentwicklung aber eben auch die Verschuldung stark befeuert. Mit dem heftigsten Wirtschaftseinbruch seit dem Bestehen der Bundesrepublik könnte sich vor allem das hohe Verschuldungsniveau gemessen am BIP für den Markt nun rechnen. Sollten sich die vor allem fremdfinanzierten Käufe von Wohneigentum reduzieren, sind die aktuellen Preise nicht mehr aufrechtzuerhalten. Sehr schnell könnte es wie bei früheren Immobilienabschwüngen zu einem Dominoeffekt kommen, bei dem Zwangsverkäufe und abwartende Käufer die Preise immer weiter nach unten ziehen.

Noch sehen die Verfasser der empririca-Studie keinen Grund zur Besorgnis. Allerdings wird explizit darauf hingewiesen, dass die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung wegen der Corona-Krise schwer prognostizierbar ist. Sollte es zu einer sehr langsamen Konjunkturerholung oder gar einer zweiten Pandemie-Welle kommen, wird sich dies auch auf die Schuldentragfähigkeit von Eigenheimbesitzern auswirken. Ein rascher Wandel vom Verkäufermarkt zum Käufermarkt könnte die historisch hohen Bewertungen schnell abschmelzen lassen.

Hoffnung besteht lediglich in der ultralaxen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und ihrer Versorgung der Geschäftsbanken mit ausreichend billiger Liquidität. Dennoch ändern sich durch die Corona-Krise auch die Bedingungen am Immobilienmarkt spürbar. Potenzielle Käufer sollten dies berücksichtigen und preisbewusster kaufen, ohne blind auf weiter steigende Preise zu hoffen. Die Gefahr des Platzens der Immobilienblase in Deutschland ist durch die aktuelle Krise deutlich angestiegen.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Eric

    6. Mai 2020 11:03 at 11:03

    Ich bin mir da nicht sicher.
    Man muss unterscheiden.
    Wir hatten eine Preisblase.
    Keine Finanzierungsblase. Selbst diese irren Preise wurden mit durchschnittlich mehr Eigenkapital finanziert als irgendwo sonst außerhalb Mitteleuropas.
    Und das zu verdammt niedrigen Zinsen, oft zu extrem langen Laufzeiten. Billiger eine Ersatzwohnung anzumieten ist da oft kaum realistisch. Und Deutsche haben ein anderes Verhältnis zum Eigenheim als zB Amerikaner, die eiskalt das Haus an die Bank zurückgegeben haben wenn der Marktwert unter den Restkredit sank. Das ist in Deutschland so sehr unüblich und kaum denkbar.
    Ein Haus oder eine Wohnung kauft man einmal im Leben, fürs Leben, das ist der Regelfall.

    Also die Preise können stagnieren und etwas sinken. Im Neugeschäft. Klar. Wäre sogar seltsam wenn nicht, ist ja schließlich Rezession.
    Aber die bestehenden Finanzierungen werden stabil bleiben und davon ausgehend auch wenig Notverkäufe.

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    Zimmermann

    6. Mai 2020 14:23 at 14:23

    Was denn für eine Immobilienblase? Man muss hier immer wiederkehrend diese Falschanalyse lesen. “IN DEUTSCLAND EXISTIERT KEINE IMMOBILIENBLASE”. Es gibt sogar Berechnungen, nachdem die Immobilien im Vergleich zu anderen Ländern hier sehr günstig sind, auf dem Land teilweise sportbillig. In Deutschland sind in der Mehrzahl die Immobilen sehr konservativ für mindestens 10 Jahre finanziert. Das ist nicht so, wie Z.B. in den USA. Dort läuft dieser Markt grundlegend anders und ist sehr Konjunkursensitiv.

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    Wutbürger

    6. Mai 2020 15:39 at 15:39

    Man vergleiche nur mal den Hypothekenzins hier mit dem in den USA. Der Tiefpunkt dort lag für 10-jährige bei 4..5%, hier jedoch bei 0,5%! Also einem Zehntel! Ja was soll man da noch sagen? Das war der hinterhältigste Honigtopf der Gelddrucker seit Jahrtausenden. Bisher ist in der Finanzgeschichte noch jede, aber wirklich jede Blase geplatzt. Und nun ist die Stunde der Wahrheit da. Das Knirschen war im Oktober schon zu hören, und zwar am Repomarkt. Also lange vor Corona.

    Viel Glück allen, die sich in die Falle hineinlocken ließen. Ihr werdet es dringend brauchen.
    Corona ist also an gar nichts schuld. Sondern hat nur der Blase, die bereits durch das Eigengewicht am Platzen war, noch einen Tritt verpasst. Die Massen lernen es eben nie, dass man durch das Abholen von Falschgeld nicht wohlhabend werden kann. Sondern nur andere schädigt, die zufällig das gleiche Geld in der Tasche haben.

    • Avatar

      Lausi

      7. Mai 2020 00:10 at 00:10

      So sehe ich das auch: Das Coronavirus war die mikroskopisch kleine Stechmücke die in die gigantisch große Blase reingestochen hat und diese damit zum Platzen gebracht hat. Anschnallen ist jetzt angesagt!

  4. Pingback: das-bewegt-die-welt.de

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    Stephan G

    7. Mai 2020 10:10 at 10:10

    Ein Platzen der Immobilienblase ist durchaus vorstellbar, aber nur, falls die Wirtschaft innerhalb der nächsten Monate noch nicht zur Normalität zurückkehren kann (also z.B. im Falle einer zweiten Infektionswelle). Ansonsten kommt es schlimmstenfalls zu einer Verlangsamung der Markttätigkeit, bevor die niedrigen Zinsen und die Wohnraumknappheit den Immobilienmarkt wieder beleben.

  6. Avatar

    Immobillionär

    7. Mai 2020 11:20 at 11:20

    Da hat der geschätzte Herr Zipfel einen gewissen Widerspruch.Wenn er meint wie beim kürzlichen Artikel über den FED Put ,dass die Notenbanken immer u.Alles retten werden ,wird auch der Immobilienmarkt halten.Denn wenn der Immo-Markt crashen würde, würde automatisch der als uncrashbar gehaltene Aktienmarkt mitgerissen. ( Immokrise 2008 in USA lässt grüssen )
    Zudem ist der Immomarkt sehr träge u.wirklich mit realen Werten hinterlegt. Klar, Wertschwankungen sind möglich, aber was stört mich das, wenn ich sowieso nicht verkaufen will.Es gibt auf Immos auch keine Optionen u.Derivate u.somit auch keine schnellen u.übertriebene Wertschwankungen.
    Zudem wird auch in der grössten Krise gewohnt, auch wenn das Sozialamt bezahlt.Während wir gerade erleben,das gewisse Branchen wie Reisen u.s.w. total einbrechen können u.entsprechende Aktien viel riskanter sind. Zudem ist ja dank den Tiefstzinsen mieten teurer als kaufen.
    Der Immocrash in den USA ging gemächlich vonstatten u.hatte sich nach 4Jahren wieder erholt.
    Es wurde auch schon erwähnt, dass die Banken bei der Immofinanzierung genau wegen dieser Erfahrung sehr zurückhaltend waren ,während die riskanten Aktien sehr oft mit Krediten ( ghebelt) belehnt sind.
    Ich bewege mich seit 37 Jahren in diesem Markt ,habe Hypozinen bis10%erlebt u.bin froh ,dass ich nie etwas verkauft habe. Sehr oft gibt es selbsternannte Spezialisten die über Immobilien Sachen schreiben die weder Hand noch Fuss haben. Auffallend auch ,dass grosse Versicherungen u.Anleger erst in letzter Zeit bei hohen Preisen in diesen Markt einstiegen ( Tiefe Zinsen) während ich meine Baracken bei höheren Zinsen u.tieferen Preisen kaufte.

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Insolvenz-Welle ab Oktober? Politik plant Verschiebung auf Januar

Claudio Kummerfeld

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Das Thema Insolvenz könnte erstmal verschoben werden

Wird das Wort “Insolvenz” das große Thema im Herbst? Oder womöglich überhaupt nicht? Denn der deutsche Staat verschiebt die tatsächliche Wirtschaftskrise noch weiter in die Zukunft. Jüngst sank die Zahl der Insolvenzen sogar! Das hat einen Grund. Aber erstmal zur aktuellen großen Rettung der Volkswirtschaft. Dazu gehören abgesehen von den gigantischen Zuschüssen und Krediten zwei Maßnahmen, die von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Da wäre zum einem eine tolle Ausnahmeregel für die Banken. Kreditraten, die sie ihren Kunden wegen Corona derzeit stunden, müssen sie nicht als Kreditausfall in ihren Büchern vermerken.

Also keine Milliarden-Abschreibungen, und die Quartalszahlen der Banken sehen super aus. Normalerweise müssen Kredite bei Nicht-Zahlung der Raten aus Ausfall abgeschrieben werden, wodurch Verluste entstehen. Derzeit aber nicht. Und weil der Staat die finanzielle Staatsraison hoch hält (alles muss immer total in Ordnung aussehen in der Bankenbranche), wurde diese Ausnahmeregel für die Banken, die Ende Juni endete, bis Ende September verlängert. Aber man kann mutmaßen, dass sie im September erneut bis Ende Dezember verlängert wird?

Keine Anmeldung zur Insolvenz notwendig

Und die zweite essenziell wichtige Maßnahme der Bundesregierung, mit der man das Ausmaß der Wirtschaftskrise verdeckt, ist die Aussetzung der Verpflichtung für Unternehmen, Insolvenz anmelden zu müssen. Ist ein Betrieb pleite, sind Geschäftsführer normalerweise verpflichtet Insolvenz anzumelden, sonst machen sie sich der Insolvenzverschleppung strafbar. Aber diese aktuelle Ausnahme lässt derzeit zu, dass diese Unternehmen, die längst pleite sind, einfach weiter machen können, und dass die Geschäftsführer sich nicht strafbar machen. Bis Ende September gilt diese Insolvenz-Sonderregel.

Es ist natürlich verständlich, warum der Gesetzgeber das macht. Die Corona-Delle versucht man zu durchstehen, in der Hoffnung, dass die Masse der Unternehmen in den Folgemonaten wieder gut Geschäft macht, und dann mit mehr Cash in der Tasche doch weiter machen kann – obwohl man zwischendurch monatelang schon faktisch insolvent war. Wir bei FMW haben darauf schon oft hingewiesen, und oft auch Experten wie Markus Krall erwähnt. Die Zombie-Lawine wird immer größer, je länger der Staat kaputten Unternehmen die Chance gewährt, nicht in die Insolvenz gehen zu müssen. Die als solche bezeichneten Zombieunternehmen machen nicht mal genug Geld um Kreditkosten zahlen zu können. Aber dank quasi Nullzinsen für Kredite leben sie seit Jahren weiter. Und jetzt müssen sie dank der deutschen Sonderregel nicht mal offiziell die Insolvenz anmelden. Dadurch wird das Problem nur noch weiter aufsummiert, und am Ende wird der gesamtwirtschaftliche Absturz vermutlich nur noch größer werden.

Politik verschiebt die große Krise auf Ende Dezember?

Also, bislang gilt diese Sonderregel für das Thema Insolvenz bis Ende September. Was wir bei FMW aber schon vermutet hatten, scheint nun Realität zu werden. Berichte zeigen, dass vor allem aus Reihen der SPD Stimmen laut werden, dass diese Aussetzung der Insolvenzpflicht von Ende September bis Ende Dezember verlängert werden müsse. Denn Unternehmen, die sich bis hierhin durchgekämpft haben, sollen auch nach September noch Licht am Horizont sehen dürfen, so der rechtspolitische Sprecher der SPD, Johannes Fechner in einem Interview.

Und siehe da, auch die CDU/CSU-Fraktion zeige sich offen dafür die Aussetzung länger gelten zu lassen. Es gehe darum Unternehmen “nicht ohne Not in die Insolvenz zu treiben”. Das Bundesjustizministerium kommentierte dazu gegenüber dem “WirtschaftsKurier”, dass die Entscheidung noch in der Schwebe sei. Die Anhörung aller Beteiligten laufe noch. Aber mal ehrlich. Wer in der deutschen Politik kann (abgesehen von der Opposition) schon eine brutale Insolvenz-Welle ab Oktober gebrauchen? Und da die zweite Corona-Welle ja offenbar eh gerade startet, dürfte es der GroKo nicht all zu schwer fallen, diese Sonderregel bis Ende Dezember zu verlängern.

Was wäre die Alternative?

Diese anstehende Hinauszögerung der Insolvenz-Welle mag gut und nett gemeint sein. Aber der Berg an Problemen wird damit nur noch größer. Der Absturz danach wird dann um so schwerwiegender sein, so möchten wir es anmerken. Nun zügig ein intelligenteres Insolvenzrecht verabschieden und zahlreichen Unternehmern einen Neustart ermöglichen, das wäre doch wohl deutlich sinnvoller, als dass man vielen Unternehmen die Chance gewährt weiter in einem Status der Überschuldung und Starre zu verharren. Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle die jüngsten Aussagen von Markus Krall über die bald kippenden Zombieunternehmen. Wird ihm der deutsche Staat dieses Szenario kurzfristig “kaputt machen” durch eine weitere dreimonatige Verzögerung?

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Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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Coronavirus und die Aktienmärkte in Ost und West

Beschleunigt das Coronavirus den ökonomischen Aufstieg des Ostens? Die Börsenentwicklungen deuten schon darauf hin!

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Das Coronavirus wandert um die Welt: Ausgehend von China hat sich eine Pandemie entwickelt, die nahezu alle Länder der Welt betrifft, mit gesundheitlichen aber auch wirtschaftlichen Folgen. Einige Länder in Fernost haben die Eindämmung von des Coronavirus bisher gut gemeistert, ablesbar an Wirtschaftszahlen und Börseninidizes. Beschleunigt Corona den ökonomischen Aufstieg des Ostens?

Die Wirtschaftsdaten

Nachdem China den ersten ganz großen Lockdown in Wuhan schon ab 23. Januar vollzogen hat, war klar, dass dort auch die Konjunkturdaten im ersten Quartal so richtig in den Keller rauschen, während man im Westen die Sache noch als regionale Angelegenheit einstufte.

Chinas Wirtschaft war im ersten Quartal um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal eingebrochen, das Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 6,8 Prozent gesunken. Doch bereits in den folgenden drei Monaten betrug der Anstieg 11,5 Prozent, das gesamte Halbjahr war kaum mehr im negativen Terrain. China wird damit wahrscheinlich die einzige große Nation sein, die 2020 ein positives Wachstum erzielen kann. Aber auch in Südkorea oder in Taiwan lag man im zweiten Quartal nur wenig im Minus gegenüber den Vorjahreswerten.

Anders in den westlichen Nationen, wo die BIP-Daten für Q2 in der letzten Woche veröffentlicht wurden und die von minus 9,8 Prozent (USA) bis minus 18,5 Prozent (Spanien) richtige Horrorzahlen brachten. Hier wird es noch mindestens bis 2021 oder noch länger dauern bis der Einbruch ausgeglichen werden kann.

China hat „offiziell“ den Weg einer V-förmigen Erholung bisher erfolgreich bestritten, andere Länder aus der Region könnten folgen.

Das alles immer unter dem Vorbehalt staatlich administrierter Datenvorgaben.

Coronavirus: Die Zahlen

Obwohl die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in vielen Ländern, in der so genannten zweiten Welle, nach oben gehen, herrscht doch ein himmelweiter Unterschied zwischen Ost und West (ausgenommen Indien). Denn von den bisher registrierten 18,5 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus fallen mehr als die Hälfte auf drei Nationen: USA, Brasilien und Indien. Ebenso sieht das Verhältnis aus, wenn man die aktiven Fälle von gut sechs Millionen „active cases“ heranzieht, auch hier ähneln sich die offiziellen Zahlen in ihren Proportionen.

China, Japan, Südkorea, Singapur, Taiwan, Vietnam und weitere asiatische Volkswirtschaften findet man erst sehr viel weiter unten in der Tabelle der John-Hopkins-Universität.

Damit scheint in diesen Regionen die Eindämmung des Coronavirus schon sehr viel besser gelungen zu sein, vor allem im Vergleich zu Nord- und Südamerika. Die Wirtschaftsdaten geben auch ein Zeugnis darüber.

Die Entwicklung der Börsen

Beim ständigen Blick auf den US-Technologie-Index Nasdaq mit seinen BiG Five ist es etwas untergegangen: Der CSI 300 Index, der die Börsen von Shanghai und Shenzhen einschließt, liegt seit Jahresbeginn bereits 17 Prozent im Plus. Damit ist er der stärkste nationale Index.

Der US-Leitindex S&P 500 hat gerade die Pluszone erreicht, allerdings auch nur getrieben von seinen viel zitierten Highflyern. Dies gilt natürlich erst recht für Nasdaq oder Nasdaq 100.

Aber auch die Indizes in Taiwan und Südkorea sind schon im Positiven gelandet: Der TAIEX in Taipei mit 5,9 Prozent, der Kospi in Seoul noch mit 3,2 Prozent. Andere westliche Aktienmärkte sind noch deutlich im Minus, wie zum Beispiel der DAX (- 5 Prozent), der CAC 40 (-18 Prozent) oder der FTSE 100 (-20 Prozent). Wie erwähnt verdankt der amerikanische Leitindex seine positive Bilanz nur den IT- und Internettiteln, der große Rest läge noch weit im Minus.

Die Veränderung der Wirtschaft in China

Auch ohne das Coronavirus entwickelt sich das Reich der Mitte bei zukunftsträchtigen Branchen weiter. Früher die Werkbank der Welt bei der Herstellung von Massenartikeln, so geht es im Bereich der Hightech-Industrie oder auch in der Pharmaindustrie voran. Auch erkennbar am Wettlauf um den begehrten Impfstoff gegen Covid-19 oder an der Zahl an Patentanmeldungen, die stark an westliche Dimensionen herankommen.

Die große Dominanz der USA in den Weltindizes

Zwar ist Chinas Gewichtung im MSCI Emerging Markets bereits angehoben worden, aber dennoch ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (mit Abstand) nicht im Weltindex MSCI World vertreten. Daher erscheint der hohe Anteil der USA mit 63 Prozent trotz einer Wirtschaftsleistung von gut 15 Prozent am Weltsozialprodukt schon ziemlich merkwürdig. Klar ist dies der Marktkapitalisierung geschuldet, bei der die großen US-Brocken so richtig schwer ins Gewicht fallen. Aber gibt es in China nicht auch Schwergewichte wie Alibaba, Tencent oder Huawei? Und wieso befinden sich Wirtschaftsnationen wie China, Taiwan oder Südkorea überhaupt in einem Index für Schwellenländer? Sind das Länder, die die Chance haben, sich in den nächsten Jahren zu Industriestaaten zu entwickeln – Südkorea, mit seinen Weltfirmen?

Im globalen Aktienindex MSCI All Country World Index beträgt Chinas Anteil gerade einmal 4 Prozent aus, obwohl das Land laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds 28 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beitrug.

Aber die Entwicklung der Finanzmärkte schreitet voran. Nicht nur im MSCI Emerging Markets beträgt Chinas Anteil schon 40 Prozent, auch im Aktienindex MSCI Asien – ohne Japan – hat China schon ein Gewicht von 44 Prozent.

Investmentbanken wie J.P. Morgan erwarten deshalb in den nächsten Jahren eine deutliche Outperformance von China gegenüber den westlichen Aktienmärkten. Schon komisch: Haben nicht Umfragen der Bank of America, Aussagen von BlackRock oder Goldman Sachs in letzter Zeit für Aktienanlagen in Europa und die Emerging Markets geworben – die USA untergewichtet? Es scheint fast so, als dass US-Großanleger kein allzu großes Vertrauen in die allgemeine Aktienentwicklung der USA haben, GAFAM einmal ausgenommen.

Man muss auch immer wieder darauf hinweisen: Wo lagen Nasdaq und S&P 500 im Tief der Finanzkrise 2009?

Der Nasdaq bei 1265 Punkten – der S&P 500 bei 676 Punkten, und gestern hatte der Technologieindex bereits die 11.000-Punkte-Marke überschritten, der große Leitindex S&P 500 endete bei 3327 Zählern. Was kann da das laufende Jahrzehnt bringen?

Fazit: Das Coronavirus und die endende Dominanz der US-Aktienmärkte

Der Kampf um die wirtschaftliche, technologische und militärische Vorherrschaft war (und ist) das große Thema hinter dem Handelsstreit zwischen den USA und China, der Nummer eins gegen die Nummer zwei. Wahrscheinlich ist, dass die Pandemie durch das Coronavirus in ökonomischer Hinsicht sogar noch zu einem Beschleuniger heranreift. Die Börsenentwicklungen deuten schon etwas darauf hin und die USA haben in punkto Geldpolitik, Zinsangebot, Währungsstärke u.w. schon sehr viel Pulver verschossen. Natürlich werden sich die USA – unter welchem Präsidenten auch immer – dies nicht gefallen lassen. Disruptionen an den Kapitalmärkten sind damit vorprogrammiert. Die asiatischen Länder mit ihren weit über drei Milliarden Konsumenten, ihrer demographischen Struktur und ihren Wachstumsraten könnten durchaus dafür sorgen, dass der Anteil der USA im All Country World Index (ACWI) in der nächsten Dekade keine 60 Prozent mehr betragen wird.

Das Coronavirus und die Entwicklung der Weltbörsen

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