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Dax: Ohne Dividenden ist der deutsche Leitindex ein Rohrkrepierer

Eigentlich stünde in Kürze der Höhepunkt der Saison für Dividenden mit vielen Hauptversammlungen der großen Unternehmen aus dem Dax an. Wenn da nicht Covid-19 wäre, der derartige Massenveranstaltungen bis noch bis Ende August aus präventiven Gründen nicht zulassen wird. Und die Online-Termine stehen noch lange nicht fest. Eigentlich wollte man wieder um die 35 Milliarden Euro an Dividenden für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2019 ausschütten. Daraus wird wohl nichts, mit Folgen für unseren atypischen Performance-Index.

Dax: Kursindex und Performanceindex

Bei 10.729 Punkten stand unser Dax am gestrigen Nachmittag zum Xetra-Börsenschluss, der Index, der international unüblich die Dividenden mit einrechnet. Der Kurs-Dax (ohne Dividenden) dagegen stand bei ganzen 4746 Punkten und damit fast 25 Prozent tiefer als bei seinem historischen Hoch vom März 2000 mit 6266 Punkten. Dazu zum Vergleich die Stände des Weltleitindex S&P 500 (ohne Dividenden):

Hoch im Jahr 2000: 1527 Punkte

Aktuell: 2842 Punkte

Was für ein Unterschied zu der Entwicklung unseres Leitindex.

Also, wie bereits des Öfteren erwähnt, serviert man uns täglich beim Vergleich der Indizes einen zwischen Äpfel und Birnen.

Die Bedeutung der Dividenden

Aus den gerade genannten Überlegungen wird deutlich, dass ein Großteil der Zuwächse unseres (Performance-) Dax auf die Einberechnung der ausgeschütteten Dividenden beruht. Ohne Dividenden wäre mit dem Kurs-Dax kein Staat zu machen. Nach Berechnungen von Banken betrug der Rückgang der Dividendenausschüttungen in früheren Rezessionen in etwa 25 Prozent. So viel wird es im Jahr 2020 im Mindesten werden, denn MTU und Lufthansa haben die Dividenden bereits gestrichen und Daimler und BMW dieselbe radikal gekürzt. Auch Deutsche Bank und Commerzbank werden nicht ausschütten. Da es aber noch keine endgültigen Termine für manches DAX-Unternehmen für die Hauptversammlung gibt – eine übliche in großen Hallen ist in diesem Jahr nicht möglich – so könnte es in der Phase der Verschiebung noch weitere Kürzungen von Dividenden geben. Aber, wie bereits erwähnt, ist die Dividende das Salz in der Suppe des Dax – ohne die Ausschüttung macht es keinen Sinn auf den Index zu setzen.

Ein schönes Beispiel ist die deutsche Telekom. Obwohl dieser Tech-Wert relativ unbeschadet durch die Coronakrise kommt, notierte die Aktie gestern gerade bei 13 Euro. Der Emissionskurs im Jahre 1996 war 28,50 DM oder umgerechnet 14,57 Euro – ein Verlustgeschäft? Nicht wenn man die Dividendenausschüttungen mit einkalkuliert, denn dann hätte sich das eingesetzte Kapital verdoppelt.

Dax: Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe

Zugegeben: keine Firma konnte mit einem derartigen Shutdown der deutschen Wirtschaft infolge von Corona in wenigen Wochen rechnen. Deshalb waren sich einige Firmen zu Beginn des Jahres noch sicher, beides stemmen zu können: Aktienrückkäufe und Zahlungen von Dividenden. Seltsamerweise halten manche Firmen trotz Krise an den Rückkäufen fest. In den ersten vier Monaten wurden bereits eigene Aktien im Wert von vier Milliarden Euro vom Markt genommen. Große Rückkäufer sind hierbei die finanzstarken Allianz und Münchener Rück, aber auch eine Siemens die beides stemmen will, Dividendenausschüttung und Aktienrückkauf, obwohl der Konzern bereits Tausende seiner Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt hat.

Sinnvoller wäre es eigentlich zunächst die eigenen Eigentümer bei der Stange zu halten, als Kursstützungsmaßnahmen durch Aktienrückkäufe zu betreiben. Wenn man den Staat um Hilfe bitten muss, so ist es um beides geschehen.

Fazit

Kürzungen oder Streichungen der Dividenden für die großen Unternehmen unseres Landes werden besonders weh tun. Zum einen den Aktionären – aber auch manchem Kämmerer von Gemeinden, die auf diese Einnahmen angewiesen sind. Zum anderen natürlich für den Dax selbst, der in seiner Berechnung von den durchschnittlich drei Prozent jährlichen Wertzuwachs profitiert, normalerweise.

Die Unternehmen sollten sich genau überlegen, ob sie sich beides leisten können, Dividenden und die angelsächsische Methode des „Financial Engineerings“ in Form von „Buybacks“. Eine schmerzliche Erfahrung dürfte hierbei der Sportartikelhersteller Adidas gemacht haben, der angesichts seiner unglaublichen Geschäftsentwicklung in den letzten Jahren noch in der Corona-Phase bis März eigene Aktien zurückgekauft hat, um dann durch das Schließen seinen vielen Filialen sofort in Geldnot zu geraten. Mit der Folge, dass die Firma sogar die Mietzahlungen für ihre Läden einstellen wollte, aber nach heftigem Protest von diesem Vorhaben abließ. Um aber gleichzeitig von der staatlichen Förderbank KfW ein Darlehen von über zwei Milliarden Euro zu beantragen. Sinnvoller wäre es eigentlich zunächst die eigenen Eigentümer bei der Stange zu halten, als Kursstützungsmaßnahmen durch Aktienrückkäufe zu betreiben..

Der Dax ist ohne Dividenden unattraktiv



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3 Kommentare

  1. Was ist denn zudem noch das „Salz in der suppe“, der äußerst gerechtfertigst bewertete Anleihemarkt.
    Minuszinsen … ? – Kein Problem, AAA-Schuldner können sich für ein „Appel und ein Ei“ verschulden, interessiert doch keinen, denen wird im Gegenteil das Geld hinterher geworfen ?

    Schwellenländer, na und, selbst dran Schuld…

    Alles super beim Anleihemarkt (der natürlich in ganz anderen Sphären schwebt wie der „schnöde“ Aktienmarkt (Dividenden ? – Ha, was ist das denn, wir klauen uns eure Kohle sowieso ? ), wann müssen wir fürs „Giralgeld“ ca. 0,5 – 1 % „Strafzinsen bezahlen, hat das was mit der Realität zu tun ?

    Offenbar doch… ?

  2. so oder so,selbst wenn der deutsche Leitindex ein Rohrkrepierer sein sollte, da ist ein automatischer Puffer mit eingebaut.

    short gehen, alles klar..

  3. Sorry, aber ich kann das echt nicht nachvollziehen, wie ein Unternehmen staatliche Hilfe in Anspruch nehmen kann und gleichzeitig zB an Aktienrückkäufen denken kann bzw. bis vor kurzem gedacht hat.
    So was dürfte meiner Meinung nach echt nicht sein.

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