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Rekordeinbruch bei Baufinanzierungen Immobilienmarkt mit Absturz – hier die klaren Indizien

Der Immobilienmarkt befindet sich im Absturz. Abseits von Zinsen und Preisen: Aktuell gibt es einen Rekordeinbruch bei Baufinanzierungen.

Architekt vor Haus

Der deutsche Immobilienmarkt befindet sich derzeit im Absturz. Dies zeigen nicht nur die seit vier Monaten fallenden Immobilienpreise, was man gut im Europace Hauspreisindex ablesen kann, der seit Ende der Finanzkrise ab dem Jahr 2010 eine gut 12 Jahre andauernde Rally bei Immobilien aufzeigte. Und nicht nur, dass die Bauzinsen (10 Jahre Zinsbindung) seit Jahresanfang von 1 auf über 4 Prozent gestiegen sind (aktuell 3,84 % laut Interhyp). Aktuell zeigen Analysedaten, wie massiv das offensichtlichste Barometer für den Immobilienmarkt einstürzt, nämlich das Neugeschäft mit Baufinanzierungen.

Immobilienmarkt bricht ein – Rekordrückgang bei Baufinanzierungen

Laut aktuellen Daten der Barkow Consulting sinkt das abgeschlossene Neufinanzierungsvolumen bei Baufinanzierungen im September um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Rekordabsturz! Noch Mai 2022 lag das Neugeschäft 20 Prozent höher als im Vorjahr. Zu berücksichtigen ist laut Barkow hierbei, dass das von der EZB bzw Deutschen Bundesbank ausgewiesene Neugeschäft sowohl aus Verlängerungen/Neuverhandlungen bereits bestehender Finanzierungen als auch erstmals abgeschlossenen Krediten besteht. Letztere werden nicht separat als Neugheschäft ausgewiesen. Die seit Beginn des Jahres stark steigenden Bauzinsen schlagen sich laut Barkow immer stärker in der Nachfrage nach Baufinanzierungen nieder. Im Chart sehen wir den Rekordabsturz bei Baufinanzierungen – man sieht die Entwicklung seit 2005, dazu zuletzt den rasanten Absturz. Erst vor zwei Wochen sah man bereits, dass die Lage in einzelnen Regionen schon viel dramatischer ist. Die Zusagen für private Immobilienkredite brechen bei den Sparkassen in Baden-Württemberg um 56 % ein.

Entwicklung der Baufinanzierungen zeigt starken Einbruch am Immobilienmarkt

Weiter abwärts im Oktober

Die Barkow Consulting blickt auch auf Schufa-Daten, auf die das Statistische Bundesamt Bezug nimmt. Diese Daten seien weniger repräsentativ, aber sie reichen bereits in den Monat Oktober hinein – zeigen also den aktuelleren Stand der Entwicklung am Immobilienmarkt. Demnach sind die Baufinanzierungen in Deutschland ab Juni ins Minus gedreht. Und im Oktober war es im Jahresvergleich ein Rückgang von 29 Prozent – die blaue Linie im folgenden Chart steht für die Entwicklung im aktuellen Jahr. Barkow weist auch darauf hin, dass trotz des dramatischen Rückganges des Neugeschäftes der Bestand bei Baufinanzierungen auch im September noch 6,5 % höher war als im Vorjahr. FMW: Das ist wohl damit zu erklären, dass der Immobilienmarkt und damit auch der Bestand an Finanzierungen im ersten Halbjahr noch leicht gewachsen ist. Wird man in 2023 auf das Gesamtjahr 2022 zurück blicken, wird das Geschäftsvolumen dann insgesamt schon geschrumpft sein? Gut möglich.

Neue Baufinanzierungen mit Blick in die Schufa

Steigende Zinsen lösten regelrechten Refinanzierungsboom bei Immobilien im ersten Quartal aus

Im ersten Quartal wurde der Rekordwert von Baufinanzierungen in Höhe von 16 Milliarden Euro vorzeitig refinanziert, offensichtlich aus Furcht vor steigenden Zinsen, so die Barkow Consulting. Den Höhepunkt erreichte diese Refinanzierungswelle im März mit 6,2 Milliarden Euro, dem zweithöchstem Wert seit Beginn der Datenaufzeichnungen im Jahr 2015. Seit Juni hat sich Refinanzierungsvolumen aber schon wieder normalisiert und liegt unter dem monatlichen Durchschnittswert von 4 Milliarden Euro. FMW: Verständlich – wenn die Häuslebauer merken, dass die Bauzinsen regelrecht explodieren, macht man lieber noch zügig eine Refinanzierung, bevor die Zinsen ins Unermessliche steigen, und Monatsraten nicht mehr bezahlbar sind.

Refinanzierungen bei Immobilienkrediten seit dem Jahr 2015

Blick auf das Gesamtbild

Im folgenden Chart sehen wir quasi den großen Blick auf den Immobilienmarkt. Wir sehen seit dem Jahr 2006 in orange die steigenden Immobilienpreise (Europace Hauspreisindex), die nach der 12 Jahre laufenden Rally in diesem Sommer angefangen haben die Trendwende einzuleiten. Ausgelöst wurde dieses Ende der Rally durch die steigenden Bauzinsen, welche die Wende beim EZB-Leitzins bereits ab Jahresanfang vorweggenommen haben. Der EZB-Leitzins stieg seit Juni in drei Schritten von 0 auf 2,0 Prozent (blaue Linie). Und der Zins wird von der EZB noch weiter angehoben werden, das zeigen ihre Aussagen ganz eindeutig. Für den Immobilienmarkt bedeutet dies: Für potenzielle private Häuslebauer verursachen viel zu hohe Immobilienpreise, Baupreise und Zinsen nicht mehr tragbare monatliche Raten. Auch für gewerbliche Projektentwickler werden Immobilien als Renditeobjekte uninteressant. Die Nachfrage bricht ein, und die Immobilienpreise beginnen daher zu fallen. Aber noch sind sie immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Der aktuelle Einbruch bei Baufinanzierungen ist die zwangsläufige Auswirkung der schnell steigenden Zinsen.

Zinsen und Immobilienpreise als wichtige Faktoren für den Immobilienmarkt

FMW/BarkowConsulting/Letzter Chart von TradingView



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1 Kommentar

  1. Pingback: Immobilienkrise sichtbar in Dänemark und Schweden - finanzmarktwelt.de - Immo-journal

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