Immobilien

Aktuelle Daten von Interhyp Immobilienpreise fallen binnen 3 Monaten um 4,3 Prozent

Die Immobilienpreise fallen in Deutschland binnen 3 Monaten um 4,3 Prozent. Dies zeigen aktuelle Daten des Anbieters Interhyp.

Die Immobilienpreise in Deutschland sind das zweite Quartal in Folge gefallen, so berichtet es aktuell der Anbieter Interhyp. Andere Anbieter sprechen erst seit kurzem von fallenden Preisen. Der Europace Hauspreisindex zeigt bereits seit Juli fallende Preise. Aber alle Portale und Abwickler zeigen derzeit fallende Preise. Immowelt meldet heute zum Beispiel für einen Landkreis einen Preiseinbruch von sogar 17 % im Jahresvergleich.

Der Anbieter Interhyp ist laut eigener Aussage Deutschlands größter Vermittler für private Baufinanzierungen, und hatte im letzten Jahr ein Finanzierungsvolumen von 34,2 Milliarden Euro. Also haben auch diese Daten Gewicht. Die Rückgänge der Immobilienpreise bestätigen sich laut Interhyp. Bereits zum zweiten Mal in Folge sind die Kosten für den Kauf von Immobilien im Vergleich zum Vorquartal zurückgegangen, wie die Auswertung von mehr als 500.000 abgeschlossenen Finanzierungen aus den letzten zehn Jahren zeigt.

Zuletzt deutlicher Rückgang der Immobilienpreise

Der Preis für eine finanzierte Immobilie für den Bau oder Kauf inklusive Nebenkosten beträgt laut Interhyp im dritten Quartal 2022 durchschnittlich 512.000 Euro. Das entspricht einem Rückgang von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal, als der Durchschnittspreis noch 535.000 Euro betrug. Bereits im zweiten Quartal waren die Kosten um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen. Interhyp führt den Preisrückgang auf die schwierigere Leistbarkeit durch hohe Bauzinsen und die Inflation zurück.

Jörg Utecht, CEO der Interhyp Gruppe sagt dazu: „Momentan sehen wir eine abwartende Haltung: Käuferinnen und Käufer sind nicht mehr bereit jeden Preis zu zahlen. Gleichzeitig wollen Verkäuferinnen und Verkäufer ihre Immobilie häufig nicht unter dem gewünschten Preis verkaufen. Eine neue Balance zwischen Angebot und Nachfrage muss sich erst noch einspielen. Die aktuellen Rückgänge der Immobilienpreise bieten neue Chancen und Spielräume für die Preisverhandlung.“ Auch das volatile Zinsniveau sollten Interessenten ausnutzen, so Interhyp. Die Zinsen für zehnjährige Darlehen sind von über 4 Prozent zwischenzeitlich wieder unter diese Marke gesunken. Jörg Utecht: „Der Zinsvergleich lohnt sich jetzt besonders, weil die Kreditinstitute ihre Konditionen unterschiedlich schnell an die Marktlage anpassen.“

Neubauten besonders betroffen von Preisrückgängen

Besonders betroffen von den aktuell fallenden Preisen sind laut Interhyp Neubauten vom Bauträger mit einem Minus von 5,1 Prozent von durchschnittlich 608.000 Euro im zweiten Quartal auf 577.000 Euro inklusive Nebenkosten im dritten Quartal. Die Kosten für bestehende Immobilien sind nicht so stark gesunken – um 2,3 Prozent von 479.000 auf 468.000 Euro inklusive Nebenkosten. Die Kosten für eigene Bauvorhaben liegen mit im Durchschnitt 724.000 Euro inklusive Nebenkosten genauso hoch wie im zweiten Quartal. Anders als Immobilienportale, die Angebotspreise nennen, bezieht sich Interhyp auf abgeschlossene Finanzierungen für einen Bau oder Kauf. Jörg Utecht: „Unsere Zahlen zeigen, dass sich das zunehmende Angebot und die Rückgänge von Angebotspreisen auf den Portalen auch in realen Transaktionen widerspiegeln.“

Gigantische Steigerungen in den letzten zehn Jahren

In den zehn Jahren zuvor waren die Kosten für den Kauf von Immobilien laut Interhyp weitgehend kontinuierlich angestiegen – vom ersten Quartal 2012 bis zum ersten Quartal 2022 von 290.000 Euro auf 540.000 Euro inklusive Nebenkosten um 86 Prozent. Der aktuelle Rückgang spiegelt sich weitgehend auch in den Quadratmeterpreisen wider. Diese sind im Gesamtdurchschnitt von 4.120 Euro im zweiten Quartal auf 3.930 Euro im dritten Quartal zurückgegangen. Die Größe der durchschnittlich finanzierten Eigentumswohnung ist mit 80 Quadratmetern gleichgeblieben, das durchschnittlich finanzierte Haus ist im dritten Quartal 156 Quadratmeter groß im Vergleich zu 162 Quadratmetern im zweiten Quartal.

Weiter fallende Immobilienpreise erwartet

In den nächsten Wochen erwartet Interhyp weitere Rückgänge. Weil sich im ersten Quartal 2022 der Preisanstieg der Vorjahre mit einem Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal sogar noch beschleunigt hatte, wird sich am Ende des Jahres voraussichtlich dennoch ein Plus im Vergleich zum Vorjahr ergeben. Bisher liegt der Durchschnittspreis aus den drei Quartalen mit 531.000 Euro noch etwas mehr als 7 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt von 2021. In den beiden Vorjahren waren die Immobilienpreise gegenüber Vorjahr jeweils um rund 10 Prozent gestiegen. Jörg Utecht: „Wir gehen davon aus, dass der Anstieg gegenüber dem Vorjahr in den nächsten Wochen weiter abflachen wird.“

Dafür spricht auch, dass der Anteil von Kapitalanlegern an den Finanzierungen abgenommen hat: Im dritten Quartal finanzieren nur 21 Prozent ihre Immobilie zur Kapitalanlage, 73 Prozent erwerben sie zur Eigennutzung und 6 Prozent vermieten teilweise. Im ersten Quartal 2022 lag der Anteil von Kapitalanlegern noch bei 27 Prozent.

3 Metropolen im Fokus: Weitere Preiskorrekturen wahrscheinlich

Interhyp hat zudem die Metropolen Berlin, Hamburg und München genauer betrachtet. In München waren die Kosten im zweiten Quartal bereits um 1,1 Prozent gegenüber dem ersten Quartal zurückgegangen, im dritten Quartal betrug der Rückgang gegenüber dem Vorquartal 4,5 Prozent (von 894.000 Euro auf 854.000 Euro inklusive Nebenkosten). Die Rückgänge aus dem zweiten Quartal von 1,0 Prozent in Berlin und 0,4 Prozent in Hamburg führten sich im dritten Quartal nicht fort (Berlin: +2,4 Prozent gegenüber Vorquartal, von 579.000 Euro auf 593.000 Euro); Hamburg: +3,7 Prozent gegenüber Vorquartal, von 747.000 Euro auf 775.000 Euro). Dies könnte laut Interhyp aber nur kurzfristig sein. „Die Zahlen aus den ersten Wochen des vierten Quartals aus München, Hamburg und Berlin zeigen, dass weitere Korrekturen nach unten wahrscheinlich sind“, sagt Jörg Utecht.

Hohe Zinsen verändern Finanzierungen

Warum die Immobilienpreise fallen? Vor allem die wegbrechende Nachfrage ist das Problem. Ein wesentlicher Grund für die schwierigere Leistbarkeit der Kredite sind laut Interhyp die gestiegenen Bauzinsen. „Die Leitzinserhöhungen aufgrund der hohen Inflation und die Erwartungen an die weitere Geldpolitik haben die Bauzinsen vervierfacht – von einem Prozent wie im vergangenen Jahr oft möglich auf nun rund vier Prozent für zehnjährige Darlehen“, sagt Jörg Utecht. Die durchschnittliche monatliche Rate liegt im dritten Quartal 2022 bei über 1.500 Euro – im Vergleich zu 1.160 Euro im dritten Quartal 2021. Damit die Raten nicht noch höher ausfallen, wählen viele Menschen nun eine leicht niedrigere Tilgung. Sie beträgt im dritten Quartal 2,6 Prozent im Vergleich zu 3 Prozent im dritten Quartal 2021. Dieser Umstand führt aber nicht notwendigerweise zu längeren Laufzeiten.

Oft ist sogar laut Interhyp das Gegenteil der Fall, da bei hohen Zinsen der Tilgungsanteil an der monatlichen Rate schneller steigt, berichtet Interhyp. Eine weitere Folge der hohen Zinsen: Die Zinsbindung ist im dritten Quartal 2022 wieder leicht gesunken auf durchschnittlich 13,3 Jahre, nachdem sie im ersten und zweiten Quartal auf über 14 Jahre angestiegen war. Insgesamt achten die Menschen noch immer auf Sicherheit, so Interhyp. „Die Menschen richten ihre Finanzierung nach wie vor sicherheitsorientiert aus. Der Anteil der Beleihung am Kaufpreis wird immer niedriger. Das heißt, die Menschen bringen prozentual mehr Eigenkapital ein“, sagt Jörg Utecht. Der Beleihungsauslauf, der ausdrückt, wie hoch die Beleihung am Kaufpreis ist, liegt im dritten Quartal 2022 nur noch bei 75 Prozent gegenüber 81 Prozent im dritten Quartal 2021. Das durchschnittlich eingebrachte Eigenkapital liegt im dritten Quartal bei 166.000 Euro.

Entwicklung der deutschen Immobilienpreise seit 2012
Immobilienpreise inklusive Nebenkosten seit 2012 laut Interhyp. Quelle Interhyp


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3 Kommentare

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