Folgen Sie uns

Aktien

Impfstoffhoffnung: Die Vorbereitungen für die Impfwelle

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Nach Pfizer/BioNTech kam gestern Moderna mit einer Pressemeldung über eine positive Phase-3-Studie – und schürte damit erneut die Impfstoffhoffnung. Ungeachtet aller kritischer Stimmen über die Wirksamkeit, Verfügbarkeit und Anwendbarkeit des ersten Impfstoffes von BioNTech/Pfizer gibt es bereits konkrete Maßnahmen für die große Impfaktion. Die logistischen Vorbereitungen laufen an.

Impfstoffhoffnung: Deutsche Impfzentren sollen am 15. Dezember bereitstehen

So lautete eine Schlagzeile am gestrigen Tag. Es ist wohl eine einmalige Situation, die Corona-Pandemie des Jahres 2020. Wann wurden jemals so viele Impfstoffdosen bestellt, obwohl noch nicht einmal eine Zulassung gegeben ist oder wurden so viele logistische Vorbereitungen getroffen? Dabei hatte selbst der BioNTech-Gründer und Immunologe Professor Ugur Sahin, etwas zur Geduld gemahnt. In einem Interview mit dem „Spiegel“ sprach er davon, dass es zwar ab Anfang kommenden Jahres Impfungen geben werde, es bis zur Normalität aber noch bis zum Winter 2021 dauern könne. Man müsse sich noch auf einen harten Winter einstellen, weil die bald zur Verfügung stehenden Impfstoffe noch kaum Auswirkungen auf die jetzige Jahreszeit hätten.

Biontechs Ziel sei es jedoch, mehr als 300 Millionen Dosen bis April zu liefern.

Die Logistikbranche rüstet sich

Nichtsdestotrotz zeigt die Impfstoffhoffnung Wirkung im Unternehmenssektor Logistik. Denn die große Nachricht von BioNTech/Pfizer ist mit einem technischen Problem verbunden, nämlich dem Transportproblem eines Vakzins, welches auf einer Temperatur von 70 Grad minus gehalten werden muss. Spezialtransport nennt man so etwas – und dafür rüsten sich die Transportfirmen.

Allein Biontech und Pfizer erwarten in diesem Jahr noch weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen, 2021 sogar bis zu 1,3 Milliarden. Am gestrigen Tag kam dann die Meldung von Moderna, die von der erfolgreichen Testphase berichtete mit einer sogar noch höheren Wirksamkeit als beim Vakzin von BioNTech/Pfizer. Und vor allem mit einer viel einfacheren Transport- und Lagerfähigkeit im Bereich der normalen Pharmazeutika bei minus zwei bis minus acht Grad Celsius.

Dennoch stellt sich die Transportbranche bereits auf alle Eventualitäten ein, denn beim Transport der riesigen Impfstoffdosen winkt ein Geschäft von mehreren Hundert Millionen Dollar oder Euro.

Die Schweizer Großbank UBS hat schnell recherchiert, welche Transportfirmen überhaupt in der Lage wären die große Kühlaufgabe stemmen zu können. Da gibt es die Spezialisten wie die US-Firmen Carrier Global und Trane Technologies mit ihrer Tochter Thermo King. Denn der Transport von Kühlcontainern bedarf einer ganzen Kühlkette vom Spezial-Lkw, über entsprechend vorbereitete Schiffe und Flugzeuge. Bereits ein Transport verschlingt tausende Dollar an Transportkosten

Klar, dass auch die Platzhirsche von diesem Geschäft profitieren wollen: UPS, die Deutsche Post, Kühne&Nagel und die Containerschiffsreederei Maersk.

Das Drehkreuz Frankfurter Flughafen

Es ist zu erwarten, dass der Flughafen in Frankfurter eine wichtige Rolle im Transport des Impfstoffes spielen könnte, zumal die Firma BioNTech ihren Sitz um die Ecke in Mainz besitzt. Daher hat man speziell beim Flughafenbetreiber Fraport schon früh Pläne entwickelt, die bei einem Transport von temperaturempfindlichen Impfstoffen greifen sollen. In aller Herren Länder verteilt durch Flugzeuge der Lufthansa, die von der Impfstoffhoffnung als einer der großen Corona-Leitragenden in zweierlei Hinsicht profitieren könnte.

Fazit

Die Impfstoffhoffnung zieht immer weitere Kreise. Bei Börsianern, die einen Game Canger wittern, der Licht im Tunnel der Corona-Opfer verspricht und jetzt bei Logistikfirmen, die ein Geschäft mit den Abermillionen von aufwändig zu transportierenden Impfstoffdosen erwarten. Aber auch bei vielen Staaten, die großen Mengen bei verschiedenen Herstellern bestellt haben, in der Hoffnung beim richtigen Projekt zum Zuge zu kommen.

Es sind halt immer die Erwartungen, die das Handeln bestimmen, besonders an der Börse. Marktbewegungen werden durch das Delta zwischen früheren Erwartungen (oder Hoffnungen) und der Aktualität gebildet. In Sachen Impfstoff war es die Annahme, dass es noch lange dauern wird, bis ein Impfstoff kommt, oder dass es überhaupt keinen geben wird – weil wir in hundert Jahren noch keinen gegen… bekommen haben. Diese Erwartung wurde jeweils durch die Montagsmeldungen korrigiert, bei immer mehr Anlegern. Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie, an der Börse sogar noch mehr. Die Kursentwicklung ist nicht so sehr von der aktuellen Realität bestimmt, sondern durch die teilweise weit in die Ferne gerichteten Hoffnungen der Anleger. Diesmal eben die Impfstoffhoffnung. So war es in allen Börsenphasen, ob bei der Entwicklung des Automobils oder der Einführung des Internets, um die ganz großen Beispiele zu bemühen. Natürlich müssen sich Marktteilnehmer in ihren Annahmen irren, die Zukunft ist unsicher. Aber nicht in Summa und auf Dauer. Deshalb ist es unklug, sich an der Börse gegen neue Hoffnungen zu stellen, man wird zweiter Sieger – trotz häufiger Fehlurteile.

Wer den Markt antizipieren will, muss die Erwartungen der Marktteilnehmer verstehen. In Sachen Impfstoff setzt sich mehr und mehr die Hoffnung auf eine baldige Verfügbarkeit durch. Wer dies anzweifelt, dem geht auch die schon heftig feststellbare und kursrelevante Branchenrotation durch die Lappen.

Die Impfstoffhoffnung treibt die Aktienmärkte

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Koch

    17. November 2020 12:25 at 12:25

    Ich möchte mal ein wenig Wasser in den Euphoriewein der so plötzlich auftauchenden Coronaimpfstoffe giessen.Hoffentlich wird bei den millionenfachen Vorbestellungen der noch nicht vollständig durchgetesteten Seren nicht nach dem System Scheuer verfahren:Ich kauf mal was,wird schon richtig sein.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Riskante Euphorie

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Besprochen wird die derzeit riskante Euphorie an der Wall Street.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Tesla, Zoom, Salesforce

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Tech steht heute im Fokus der Börsianer, darunter, die Aktien von Tesla, Zoom, und Salesforce.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage