Folgen Sie uns

Aktien

Aktienmärkte: Branchenrotation von Hightech zu Growth unausweichlich?

Seit zwei Monaten war eine vorsichtige Branchenrotation der Aktienmärkte feststellbar. Jetzt hat sich durch das Ergebnis der US-Wahlen und die Impfstoffentwicklung die Bewegung beschleunigt

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Das Corona-Jahr 2020 ist extrem außergewöhnlich mit Entwicklungen der Aktienmärkte, die keiner auf dem Plan hatte. Insbesondere der gigantische Wertzuwachs von Aktien aus der Digitalbranche. Doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel, eine Branchenrotation der Aktienmärkte stünde schon auch ohne die Impfstoffhoffnungen an. Der Boom um die Jahrtausendwende spricht Bände.

Aktienmärkte: Der ewige Kampf Growth gegen Value

Ich habe am 31. August schon in einem Artikel „US-Aktienmärkte: Septembereinbruch oder Branchenrotation auf leisen Sohlen?“ sowie in dem Artikel vom 23.10. „Dominiert Growth Value auf Dauer?“ auf eine mögliche Verschiebung hingewiesen. Aber seit letzter Woche Montag mit dem Game Changer ist es sinnvoll, sich nochmals mit den Fakten zu beschäftigen.

Das Kurs/Gewinn-Verhältnis des MSCI World Growth ist fast doppelt so hoch wie das des MSCI World Value, eine extreme Divergenz, die es nur während der Internet-Bubble um die Jahrtausendwende gegeben hat.

Es gibt natürlich die Phasen, in denen neue Technologien ein unheimlich starkes Wachstum hinlegen, Euphorie entsteht wegen der Kurszuwächse, aber irgendwann war das Wachstum dann immer satt eingepreist. Glaubt man tatsächlich, dass der Nasdaq 100 nach seinem Anstieg von über 1000 Prozent binnen einer guten Dekade einfach so weiter wachsen wird? Obwohl das Kurs-Buch-Verhältnis auf über acht gestiegen ist und die Kurse den Unternehmensgewinnen allein im letzten Jahr um etwa 50 Prozent davon gelaufen sind? Die besseren Wachstumsaussichten der Hightech-Werte sind zum jetzigen Zeitpunkt schon in den Kursen enthalten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der FAANG-Aktien betrug Ende September 2020 etwa 61, somit fast das Dreifache des KGVs des Gesamtmarktes. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Firmen in Zukunft dreimal so gute Geschäftszahlen bringen müssen, als der Gesamtmarkt, um nur die Bewertung zu erhalten.

Langfristig, das zeigt der Blick in die Historie der Aktienmärkte – haben sich Growth und Value immer angenähert.

Vergleich Hightech versus US-Gesamtmarkt:

2015 bis 2020: 19,2 Prozent p.a. zu 8,5 Prozent p.a
1970 bis 2020: 6,8 Prozent p.a. zu 6,9 Prozent p.a.
Aufgeteilt in zwei Hälften:

1970 bis 1995: 4,8 Prozent p.a. zu 6,8 Prozent p.a.
1995 bis 2020: 8,9 Prozent p.a. zu 7,1 Prozent p.a.

Anzeichen der Branchenrotation unverkennbar

Am Montag wurde mit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer ein wahrer Erdrutsch ausgelöst. Rein in die zurückgeblieben „Coronaopfer“ und raus aus den „Stay-at-Home“-Aktien. Sicherlich ist die Digitalisierung ein Megatrend, ein Kontratjew-Zyklus und eine Microsoft wird so schell kein Ungemach erleiden. Aber was ist mit den speziellen Werten, die während der Corona-Phase richtig explodiert sind – auch bewertungstechnisch? Da gibt es den großen Profiteur von Videokonferenzen, Zoom, der seit Jahresbeginn ein plus von über 600 Prozent aufweist, aber auch ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 174 und weitere US-Werte aus der Digitalbranche. Datendienstleister wie Snowflake, oder Aktien wie Shopify und Peleton mit noch höheren KGVs?

Oder die deutschen Corona-Profiteure wie Zalando und Delivery Hero, alle gerieten nach der Impfstoffmeldung unter Abgabedruck.

Und wo floss das Geld hin? Natürlich in die großen Verliererbranchen, dem Banken- und Energiesektor, Fluggesellschaften, Freizeit und vor allem in den Industriesektor.

Hier das große Signal aus den USA mit der größten Bewegung von Growth zu Value seit den 1990-ern.

Die Aktienmärkte am letzten Montag mit der extremsten Bewegung von growth zu value

Die großen Hightech-Titel in der Ära Biden

Aber was machen die großen Titel im Nasdaq mit ihren monopolartigen Stellungen? Sind diese vor der Branchenrotation geschützt? Ein wenig, aber auch unter einem neuen Präsidenten Biden droht etwas Ungemach, sprich eine Underperformance.

Amazon dürfte am ehesten noch profitieren, denn dessen Chef Jeff Bezos war ein persönlicher Feind des Präsidenten Trump und dessen Cloud AWS wurde zu einem Spielball im Machtpoker. Das Problem des Internetkonzerns ist seine Monopolstellung, ein Dorn im Auge der Demokraten. Google leidet unter dem Verfahren des Marktmachtmissbrauchs, welches schon unter den Republikanern angestoßen wurde. Facebook steht noch stärker auf der Beobachtungsliste der neuen Regierung, zum einen wegen angeblicher Bevorteilung der Trumpˋschen Wahkampagne und zum anderen wegen der Forderungen der Demokraten nach einer Zerschlagung des Konzerns.

Apple hatte durch seinen CEO Tim Cook wohl den besten Draht zum US-Präsidenten und profitierte ganz besonders von der Steuerpolitik. Aber hier dürfte sich der Wind etwas drehen und der große Apple-Produktionsstandort China dürfte von der dortigen auf Patriotismus ausgerichteten Fünfjahresplanung auch jede Menge Gegenwind bekommen.

Fazit

Seit zwei Monaten war eine vorsichtige Branchenrotation der Aktienmärkte feststellbar, die es zunächst aus technischen Gründen gegeben hat, durch extreme Fahnenstangen-Charts und aus sentimenttechnischen Gründen. Jetzt hat sich durch das Ergebnis der US-Wahlen und der Impfstoffentwicklung ein Beschleuniger eines Wechsels ergeben, raus aus Hightech und rein in die Value-Werte. Eine Rotation der Aktienmärkte, die natürlich nicht kontinuierlich verläuft, sondern mit Rückschlägen.

Deshalb sollte man aber nicht gleich vom Ende der Branchenrotation sprechen, wenn es wieder ein paar Tage in die andere Richtung geht. Auch bei den aussichtsreichen Tech-Werten gab es schon immer Korrekturen und stets die „Rückkehr zum Mittelwert“ in der Kursentwicklung, historisch nachweisbar. Sollten die Zinsen nur leicht steigen, wird die Rotation dauerhafter, außerdem kommt immer die Zeit, wo Growth aufgrund der Größe zu Value wird. Sonst würde eine Firma wie Apple mit 157.000 Beschäftigten in ein paar Jahren zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Und dass die Highflyer des Jahres mit ihren dreistelligen KGVs extrem korrektanfällig sind, ist sowieso kaum verwunderlich.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Impfstoff- und Merger-Montag

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die vierte Woche in Folge gibt es pünktlich Montag Mittag eine Impfstoff-Meldung, diesmal von Moderna. Und IHS Markit soll von S&P Global gekauft werden. Markus Koch spricht von einer massiven Konsolidierung im Bereich der Finanzdaten.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Performance-Check: Das sind die härtesten Aktien der Welt – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

wir alle wissen, wenn der Aktienmarkt einmal ins Rutschen gerät, bleibt kein Auge trocken. Selbst die Aktien anerkannter Qualitätsunternehmen fallen dann unisono mit dem Gesamtmarkt. Man ist dann als Anleger schon zufrieden, wenn sich das eigene Depot der Korrekturbewegung zumindest teilweise entzieht.

Genauso wissen wir, wenn die Weltkonjunktur einmal lahmt, sinken die Unternehmensgewinne durch die Bank. So ist nun einmal die Börse.

Aber ich bohre tiefer. Gibt es wirklich keine Unternehmen, die sich einem negativen Markttrend entziehen? Gibt es wirklich keine Ausnahme, die die Regel bestätigt?

Doch, die gibt es! Tatsächlich existiert in den USA eine Aktiengattung, die sich bereits seit Jahrzehnten durch eine ganz ungewöhnliche Stabilität auszeichnet. Diese ausgesuchten Unternehmen erwirtschaften nicht selten sogar in der tiefsten Rezession, z.B. zuletzt 2008/9, beste Gewinne. Mehr noch: Sie erhöhen selbst in diesen Phasen, wo die „normalen“ Unternehmen versagen, regelmäßig die Dividenden.

Börsianer bezeichnen solche unverwüstlichen Unternehmen als „Dividendenaristokraten“. Diese Dauerbrenner zeichnen sich vor allem durch zwei Merkmale aus:

1)
Naturgemäß verfügen die Dividendenaristokraten über langjährig bewährte und unantastbare Geschäftsmodelle.

2)
Deshalb erhöhen diese Unternehmen die Dividende seit mindestens 25 Jahren, und zwar jährlich.

Und das Regelwerk für Dividendenaristokraten ist knallhart. Wenn ein Unternehmen, sagen wir, im 43. Jahr die Dividende einmal nicht mehr jährlich erhöht, dann wird ihm der Aristokraten-Titel sofort entzogen. Folglich verlässt das Unternehmen dann auch den entsprechenden Index und muss sich nun wieder aufs Neue beweisen. Mit anderen Worten: Hier ist wirklich kein Platz für Verlierer oder

Nicht nur mehr Stabilität, sondern einfach auch mehr Rendite

Wie bereits angedeutet schaffen nur eine Handvoll Unternehmen diese Kriterien. Gegenwärtig gelten rund 10 % der Unternehmen des marktbreiten S&P 500 als Dividendenaristokraten. Die anderen 90 % des S&P 500 sind eben ganz normale Unternehmen, deren Gewinne im Einklang mit der Konjunktur mal fallen und mal steigen.

Gegenwärtig finden Sie im Dividendenaristokraten-Index zahlreiche Unternehmen aus traditionellen Industriesparten. Namhaft sind hier etwa Caterpillar, 3M oder etwa der Maschinenbauer Illinois Tool Works. Natürlich bringt auch die nicht-zyklische Konsumgüter-Branche…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Aktien

4. Impfstoff-Montag in Folge: Moderna beantrag Zulassung, Aktie +11 Prozent

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Arzt mit Spritze

Die letzten drei Montage gab es immer Mittags zu deutscher Zeit von Pharmafirmen Erfolgsmeldungen zum jeweils eigenen Corona-Impfstoff. Jedes Mal gab es einen positiven Effekt auf die Aktienmärkte. Am 16. November war das US-Pharmaunternehmen Moderna an der Reihe mit eine positiven Meldung über den eigenen Wirkstoff. Heute zwei Wochen später hat Moderna vor wenigen Minuten eine weitere Meldung veröffentlicht, welche die Aktie vorbörslich in New York um 11 Prozent in die Gewinnzone befördert.

Man will eine Notfall-Zulassung bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Und noch wichtiger, als erstes Pharmaunternehmen will Moderna jetzt die Zulassung für einen Corona-Impfstoff in der EU beantragen. Der Moderna-Antrag auf eine „bedingte Zulassung“ solle noch heute bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur „EMA“ gestellt werden. Hier auch soeben veröffentlichte Detailaussagen von Moderna zum eigenen Corona-Impfstoff, im Wortlaut:

The Phase 3 study, known as the COVE study, enrolled more than 30,000 participants in the U.S. and is being conducted in collaboration with the National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), part of the National Institutes of Health (NIH), and the Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA), part of the Office of the Assistant Secretary for Preparedness and Response at the U.S. Department of Health and Human Services.

The primary endpoint of the Phase 3 COVE study is based on the analysis of COVID-19 cases confirmed and adjudicated starting two weeks following the second dose of vaccine. Vaccine efficacy has been demonstrated at the first interim analysis with a total of 95 cases based on the pre-specified success criterion on efficacy. Today’s primary analysis was based on 196 cases, of which 185 cases of COVID-19 were observed in the placebo group versus 11 cases observed in the mRNA-1273 group, resulting in a point estimate of vaccine efficacy of 94.1%. A secondary endpoint analyzed severe cases of COVID-19 and included 30 severe cases (as defined in the study protocol) in this analysis. All 30 cases occurred in the placebo group and none in the mRNA-1273 vaccinated group. There was one COVID-19-related death in the study to date, which occurred in the placebo group.

Efficacy was consistent across age, race and ethnicity, and gender demographics. The 196 COVID-19 cases included 33 older adults (ages 65+) and 42 participants identifying as being from diverse communities (including 29 Hispanic or LatinX, 6 Black or African Americans, 4 Asian Americans and 3 multiracial participants).

The safety profile of the Phase 3 study of mRNA-1273 was previously described on November 16. A continuous review of safety data is ongoing and no new serious safety concerns have been identified by the Company. Based on prior analysis, the most common solicited adverse reactions included injection site pain, fatigue, myalgia, arthralgia, headache, and erythema/redness at the injection site. Solicited adverse reactions increased in frequency and severity in the mRNA-1273 group after the second dose.

The Company will submit data from the Phase 3 COVE study to a peer-reviewed publication.

“This positive primary analysis confirms the ability of our vaccine to prevent COVID-19 disease with 94.1% efficacy and importantly, the ability to prevent severe COVID-19 disease. We believe that our vaccine will provide a new and powerful tool that may change the course of this pandemic and help prevent severe disease, hospitalizations and death,” said Stéphane Bancel, Chief Executive Officer of Moderna. “I want to thank the thousands of participants in our Phase 1, Phase 2 and Phase 3 studies, as well as the staff at clinical trial sites who have been on the front lines of the fight against the virus. I would again like to thank our partners at NIH, NIAID, BARDA and Operation Warp Speed who have helped us advance the clinical development of mRNA-1273. Finally, I want to thank the Moderna team and our suppliers and partners for their tireless work on the research, development and manufacturing of our vaccine. We will file today for an Emergency Use Authorization from the FDA and continue forging ahead with the rolling reviews that have already been initiated with several regulatory agencies around the globe.”

Chart zeigt Verlauf der Moderna-Aktie seit Ende 2019

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage