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Zur Abkehr von Kohle braucht es Speichertechnologien Indien vor massivem Ausbau bei Kohle – 56 Gigawatt in nur acht Jahren

Indien will in nur acht Jahren seine Produktion von Energie durch Kohle um 25 Prozent zu erhöhen. Versorgungssicherheit steht im Vordergrund.

Abbau von Kohle

Beim Thema Kohle schaue man aktuell mal nach Indien. Aber vorher noch kurz ein Blick auf Preise und die geopolitische Gemengelage. Durch den Ukraine-Krieg und die westlichen Sanktionen gegen Russland steht fest: Die Nachfrage nach alternativen Brennstoffen zu Gas hat stark zugenommen, und da ist Kohle ganz weit oben auf der Agenda. Und Entwicklungsländer mit ihren schnell wachsenden Bevölkerungszahlen brauchen mehr Energie. Der globale Konkurrenzkampf der Nachfrager treibt die Preise für Kohle nach oben. Die folgende Grafik zeigt den Terminmarktpreis für Kohle aus Newcastle (Australien) im Verlauf der letzten fünf Jahre. Dort befindet sich ein riesiges Abbaugebiet und Verladeterminals für die Lieferung von Kohle nach Übersee. Alleine in den letzten zwölf Monaten hat sich der Preis mehr als verdoppelt.

Preisverlauf von Newcastle-Kohle in den letzten fünf Jahren

Die Preisrally bei Kohle begann also lange vor dem Ukraine-Krieg. Je teurer Gas, und je weiter sich Öl verteuerte, desto stärker blickte man als Alternative auf Kohle. Und wer in Deutschland dachte, dass man nun von Gas dauerhaft auf Kohle umschwenkt zum Beispiel für den privaten Verbrauch, der sollte beispielsweise mal nach Indien schauen. Die immens wachsende Nachfrage könnte auf Jahre hinaus die Preise weiter in die Höhe treiben – weshalb man in Europa dann bald sagen könnte: Gas zu teuer, Kohle auch zu teuer, Brennholz im Baumarkt ausverkauft – was nun?

Indien vor gigantischem Ausbau seiner Kapazitäten bei Kohle

Indien plant seine Kapazität zur Verfeuerung von Kohle in den nächsten acht Jahren um etwa ein Viertel zu erweitern, da das Land weiterhin auf den Brennstoff setzt, um die steigende Nachfrage zu decken, bis die Kosten für die Energiespeicherung sinken – so berichtet es aktuell Bloomberg. Indien als weltweit drittgrößte Emittent von Treibhausgasen wird fast 56 Gigawatt an Kohlekraftwerkskapazität hinzufügen, wenn die Kosten für die Speicherung von Strom nicht erheblich sinken, sagte Energieminister Raj Kumar Singh diese Woche in einem Interview in Neu-Delhi. Indien plant auch große Investitionen in erneuerbare Energien, müsse aber der Bereitstellung einer zuverlässigen Stromversorgung Vorrang einräumen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Ausbau der Kohle-Kapazität in Indien

Der Plan unterstreicht laut Bloomberg, wie Energiesicherheitsbelange mit Klimazielen konkurrieren, während Länder Wege zur Energiewende entwerfen. Kohle erlebt in Europa einen Aufschwung, nachdem die russischen Gaslieferungen im Zuge der Invasion in der Ukraine zurückgegangen sind. In Indien, wo die Stromnachfrage in diesem Sommer aufgrund der Rekordtemperaturen stark angestiegen ist, wird die Schließung älterer Kohlekraftwerke ebenfalls hinausgezögert und die Fördermenge erhöht.

„Mein Fazit ist, dass ich keine Kompromisse bei meinem Wachstum eingehen werde“, sagte Singh und fügte hinzu, dass Indien nicht zögern werde Kohle zu importieren, um etwaige Engpässe bei der heimischen Versorgung auszugleichen. „Energie muss verfügbar bleiben.“ Er sagte auch sein Ministerium verfolge auch das im vergangenen Jahr von Premierminister Narendra Modi verkündete Ziel, bis 2030 eine Kapazität von 500 Gigawatt an sauberer Energie zu erreichen, da das Land bis 2070 eine Netto-Null-Stromerzeugung anstrebt. Insgesamt will Indien seine Stromerzeugungskapazität aus allen Quellen bis 2030 auf 820 Gigawatt fast verdoppeln, sagte er. Um erneuerbare Energien rund um die Uhr in sauberen Strom umzuwandeln, brauche Indien Zugang zu billigeren Energiespeicherlösungen, sagte Singh und fügte hinzu, sein Ministerium werde sich verstärkt um Investitionen bemühen, die Wind- und Solarenergie mit Speichern kombinieren.

Speicherkosten je Energieträger

Er warf den Industrieländern vor, nicht genug in Speichertechnologien und andere Lösungen zur Dekarbonisierung zu investieren, und sagte, dass China den Großteil der weltweiten Lithiumvorräte kontrolliere, sei ein Problem. „Das beunruhigt uns“, sagte Singh mit Blick auf Chinas Vorherrschaft über das wichtige Batteriemetall. „Aber der Silberstreif am Horizont ist, dass es andere Technologien gibt, die vielversprechend sind, insbesondere für die Speicherung im Netz. Wenn das geschieht, wird der Bedarf an fossilen Brennstoffen schneller verschwinden“.

FMW-Anmerkung: Liegt da nicht die große Chance für eine ganz neue Industrie, auch für Deutschland? Innovationen im Bereich Energiespeichertechnik wären das Sprungbrett weg von fossilen Energien, und endgültig hin zu Erneuerbaren. Gleichzeitig könnten in dieser Branche auch hierzulande zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Aber kurzfristig sieht es erstmal danach aus, dass Länder wie Indien und auch europäische Länder deutlich mehr Kohle verbrennen und damit viel CO2 in die Luft pusten werden. Will man die große globale Energiewende, muss man gerade Länder wie Indien mit preisgünstigen und innovativen Technologien (wie effektive Speichersysteme) von Erneuerbaren überzeugen, und nicht mit der Moral-Keule. Diese Keule würde wohl nicht funktionieren, erst recht nicht mit dem Blick auf die kolonialen Hintergründe zwischen Indien, China, afrikanischen Ländern und Europa.

FMW/Bloomberg



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7 Kommentare

  1. Noch mal ganz langsam für physikalische Analphabeten. Es gibt keine „erneuerbaren Energien“. „Energie“ ist das Einzige was man im Universum nicht „erneuern“ kann. Es gibt auch keine „Stromspeicher“. Auch ein Akku ist kein „Stromspeicher“, genau so wenig wie in einem „Speicherkraftwerk“ Strom „gespeichert“ wird.

    Was hier gemeint ist, ist der Versuch die Primärversorgung auf Basis der Sonneneinstrahlung (Wind ist auch nur die bereits einmal gewandelte Sonneneinstrahlung) zu versuchen. Das ist aber nicht möglich, da die Energiedichte (und die ist entscheidend) dafür schlicht zu niedrig ist. Egal wie viel Vodoo und magische Beschwörungen da veranstaltet werden. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik steht da genau so unverrückbar im Weg wie die „Lichtmauer“, die nur in Hollywood durchbrochen werden kann.

    Aber schon die alten Ägypter haben schließlich völlig sinnfrei riesige Steinhaufen aufgestapelt, weil sie Angst hatten das sonst die Welt untergeht. Aberglauben und religiöse Wahnvorstellungen haben seit dem nicht abgenommen, sondern lediglich ihre Gestalt gewechselt.

    Also werden auch die Gläubigen der Klimakirche weiterhin neue Tempel errichten, ihren Göttern Opfer darbringen und Beschwörungsformeln zu deren Besänftigung murmeln.
    Und der Klerus wird, wie zu allen Zeiten, seine mental derangierten Schäfchen ordentlich scherren und dabei exorbitante Gewinne einfahren. Schlicht immer dasselbe. Aber das hat man auch vor fast 3000 Jahren schon gewusst und in einem Buch mit sehr vielen klugen Erkenntnissen niedergeschrieben.

    „Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“ Prediger, 1,9

    1. @thinkSelf

      Das sind doch unproduktive und destruktive Haarspaltereien und reine Begriffsdefinitionen. Es gibt auch keine fossilen Energien, und dennoch verwenden wir sie als Synonym für umgewandelte und irgendwie gespeicherte Energieträger.

      Jeder ernstzunehmende Leser auf FMW wird sicher wissen, dass die menschliche Sprache und Kommunikation bestrebt und gezwungen ist, komplexere Sachverhalte auf Neologismen zu reduzieren, um die Effizienz zu erhöhen und Weiterentwicklung zu gewährleisten.
      Das kann sich in Wortneuschöpfungen oder Umdeutungen manifestieren.
      Wir könnten es auch „grüne Energien“ nennen, aber dann stehen sofort die schlauen Selbstdenker auf dem Plan, die uns als optische Analphabeten bezeichnen würden, weil Photonen und Wind keine Farbe haben.

      Wir sprechen von dem Phänomen, solare Strahlung per Photovoltaik in Strom und per Solarthermie in Wärme umzuwandeln. Oder Wind in Strom, Biomasse in Strom und Wärme. Geothermie ebenfalls in beides. Fließendes Wasser in Strom, potenzielle Energie in Wasserspeichern in kinetische Energie. Wir besitzen das Wissen und die Technologie, alles in den jeweils anderen energetischen Zustand zu versetzen.

      Wir diskutieren aufgeregt Tag für Tag über diese Themen und bündeln daher drei Zeilen und viele Nebensätze und beschreibende Attribute in einem Begriff, um uns, unsere Kommunikation und unser Wissen weiter zu entwickeln.
      Schlagen Sie doch einfach ein neues Wort vor, wenn Ihnen „regenerativ“ nicht behagt.

      Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik scheint seit ein paar Tagen bei Profi-Phyikern plötzlich in den Vordergrund zu rücken, um irgendwie zu beweisen, dass man aus Wind und Sonne nicht genügend Energie erzeugen kann, genauso wie ein Klimawandel nicht möglich sein kann.

      Die unteren zwei Drittel Ihres peinlichen Kommentars, der unverstandene physikalische Hauptsätze mit ägyptischem Aberglauben bis hin zur Klimakirche verbindet, bleibt lieber unkommentiert. Vor allem angesichts der Tatsache, dass Sie sich ebenfalls auf 3000 Jahre alten Aberglauben mit viel Vodoo und magischen Beschwörungen aus einem Buch berufen.

      1. Sie denken nicht, daß der Klima-Voodoo, die Klimareligion, hier in der überheblichen westlichen Welt als Wahrheit verkauft wird ? Denken andere Wissenschaften ebenso ? Ich würde sagen, weder die russische noch die chinesische Wissenschaft denkt so auch Indien hat eine andere Meinung. Aber die werden einfach ignoriert oder abgetan. Es gilt nur was der „goldene Westen“ sagt. Ja, durch immense Verschuldung ist er golden geworden. Getreu dem Sprichwort “ mit vollen Hosen ist gut stinken“
        Mit sauberer Energie, dem Wasserstoff, werden wir keine Blumentöpfe erringen, sondern uns die Wand ansehen vor der wir dann stehen werden. Der Welt größter Stahlproduzent Mittal wird sich dann aus Deutschland verabschieden und den Stahl aus anderen Werken nach Deutschland verkaufen – falls wir dann noch das Geld haben. Nicht anders die Aluwerke. Denn Rohstoffe haben wir keine. Die Welt wird sich freuen, wenn sich Europa und besonders Deutschland ausklinkt. Ein Konkurrent weniger.
        Geothermie wird in Deutschland nicht weiter gemacht, ebenso wenig lohnen sich Speicherseen, abgesehen von der fehlenden Geografie. Oder wo wollen sie 500 -700 Speicherseen hier unterbringen und die Menschen aus ihren Ortschaften verjagen ? Biomasse ist gestoppt wegen der Belastung der Böden, außerdem benötigen wir Ackerfläche für Nahrung. Wasserkraft ist in Deutschland nicht mehr ausbaubar. Und Ingenieure dafür haben andere Staaten auch. China hat seine Wasserkraft in den letzten dutzend Jahren massiv ausgebaut, 4-5x so viel wie Photovoltaik oder Wind. Und alles ohne uns ! Die können mit ihrer Baukunst nach Afrika gehen und werden dort freundlich empfangen, während man von den überheblichen Westlern immer weniger wissen will.

  2. So wird es auch in den afrikanischen Ländern sein. Denn die Menschen dort bekommen nun hautnah und in Echtzeit vorgeführt, was z. B. Strom in Deutschland kostet, wenn er schon etwa zur Hälfte aus Sonne und Wind erzeugt wird.
    Daher baut Indien zu seinen 22 AKW-Blöcken, auch noch 8 weitere dazu, und baut auch eine Menge Kohlekraftwerke.
    Was die Leute in Afrika und Indien wohl denken werden, wenn sie Deutschland im nächsten Frühjahr betrachten werden.
    Sie sollten doch von Deutschland lernen, wie die grüne Energiewende funktioniert.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Und was die Leute in Afrika und Indien wohl denken werden, wenn sie noch stärker von Dürren und Überschwemmungen heimgesucht werden? Wahrscheinlich, dass sie von einem bösen Gott bestraft werden…

  3. Atomkraft. Ja mei...

    Belgien schaltet marode und hochgefährliche Riss-Reaktoren endlich ab, während christliche Knallköpfe mit gefälliger TÜV-Unterstützung weiter gegen Windkraft wettern. Bei zwei der drei deutschen Reaktoren treten trotz TÜV-Plakette urplötzlich Schäden auf, die vor wenigen Wochen natürlich nicht absehbar waren.

    Ohne Zweifel besteht keinerlei Gefahr, wie immer. Doch wochenlange Reparaturen, die sich zu Monaten auswachsen können, lassen sich nicht verhindern. AKW sind wie leukämische Risikopatienten im Rollator: Heute noch in Bombenform, morgen kritisch hyperaktiv, übermorgen holen sie der Welt fruchtbarstes Kind.

  4. Naja, Erdöl , Kohle und Erdgas, sind ja auch nachwachsende Energieträger. Es dauert nur etwas länger, bis z. B, aus dem abgestorbenen Wald Kohle geworden ist. Ebenso bei Erdöl und Erdgas.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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