Europa

Italien: Schulden steigen, Risikoprämien fallen

Italiens Schulden steigen in 2014 rasant: sie belaufen sich auf 2,15 Billionen Euro (Stand Ende April), das ist ein satter Zuwachs von 5% gegenüber dem Vorjahresmonat, wie aus Zahlen der Zentralbank Banca d´Italia hervorgeht. Damit hat Italien absolut gesehen das Niveau des ungleich größeren Deutschland erreicht und wird wohl Ende 2014 das Land mit den absolut größten Schulden des Kontinents sein, laut Statistik von Eurostat. Alleine in den ersten vier Monaten des Jahres sind die Schulden um 77 Milliarden gewachsen – nur geringfügig weniger als der Schulden-Anstieg des gesamten Jahres 2013 (79,8 Milliarden). Ende 2014 dürften dann die Schulden Italiens auf 134% des BIP ansteigen.

Gleichwohl sind die Renditen (=Risikoprämien) für die 10-jährige Staatsanleihe Italiens weiter im Sinkflug – aktuell bei 2,73%. Damit verringert sich der Abstand zu den Renditen der 10-jährigen Staatsanleihe Deutschlands weiter (aktuell 1,247%) – obwohl Italien in 2014 wohl nur mit 0,3% BIP-Wachstum rechnen kann, während für Deutschland etwa das ifo Institut mit 2,0% Wachstum rechnet. Daraus wird ersichtlich, dass durch die Garantie der EZB – die faktisch Banken zum Kauf der Anleihen ermuntert und so den run auf italienische Staatsanleihen fördert – die normalen Marktmechanismen zunehmend außer Kraft gesetzt werden.

Noch profitiert Italien von dem vermeintlichen Neuaufbruch unter Ministerpräsident Renzi. Aber die geplanten Reformen versacken zunehmend im bürokratischen Dschungel des Landes. Sollte der Hoffnungsträger Renzi – wie alle seine Vorgänger – als Ministerpräsident schon nach kurzer Zeit scheitern, dürften sich selbst die vertrauensseligsten Investoren die Frage stellen, ob ein Investment in italienische Staatsanleihen bei einer derart geringen Rendite wirklich sinnvoll ist. Dann wird die heiße Luft aus dem italienischen Staatsanleihemarkt – der bezeichnenderweise der drittgrößte der Welt ist – mit einem heftigen Knall entweichen..



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