Anleihen

Junk Bonds und Trading auf Kredit – Amerikaner tanzen auf dem Vulkan

USA-Flaggen

Wer lange an der Börse unterwegs ist, der kennt es noch von der Dotcom-Blase und der Finanzkrise 2008. Es gibt Zyklen. Erst kommt die Euphorie, dann die völlige Gier, und dann der große Zusammenbruch. Danach kommt die Schlechte-Laune-Phase. Nach einer gewissen Ruhepause beginnt die Euphorie dann von vorne. Sind wir aktuell schon wieder in der totalen Gierphase angelangt, kurz vor dem Crash? Ob und wann genau die Aktienmärkte kräftig abstürzen, das kann natürlich niemand exakt vorhersagen oder garantieren. Aber es gibt bei einer Rückschau durchaus interessante Parallelen. Daher schauen wir hier mal auf die Junk Bonds und auf das umfangreiche Trading auf Kredit in den USA. So merkwürdig es klingen mag für den sparsamen, braven deutschen Michel. In der Coronakrise ist vor allem in den USA die Anzahl der Börsenkonten von Privatanlegern explodiert. Viele Amerikaner haben ihre staatlichen Rettungs-Schecks direkt an der Börse investiert, obwohl man davon eigentlich Essen kaufen und Miete zahlen sollte.

Die Amerikaner bestimmen den Markt. Nicht nur weil die US-Bevölkerung vier Mal so groß ist wie in Deutschland. Wichtiger ist, dass die USA den global führenden Kapitalmarkt haben. Hier spielt die Musik in allen Bereichen. Das sah man zum Beispiel auch an den Börsengängen von Curevac und BioNTech – deutsche Impfstoffhersteller, die lieber in New York an die Börse gehen als in Frankfurt – weil in New York das globale Kapital wartet. Wie man es auch dreht und wendet – was in den USA passiert, wirkt sich zwangsläufig auch auf uns aus. Von daher sollte man hierzulande schon mal genauer hinschauen, welche Übertreibungen sich auf dem US-Kapitalmarkt immer weiter aufbauen – bis die Blase platzt. Crashen die Aktienmärkte in den USA, geht es auch hierzulande bergab.

US-Privatanleger mit Trading brutal auf Kredit

Wie umfangreich die Anleger in den USA auf Kredit zocken, das schauen wir uns hier mal genauer an. Die erste Grafik der St. Louis Fed (regionale Notenbank innerhalb des Fed-Systems) reicht zwar nur bis Ende Dezember 2020. Dennoch ist sie aufschlussreich. Auf Margin Accounts (Wertpapierkonten zum Handeln auf Kredit) lagen Ende Dezember 482 Milliarden Dollar. Man sieht den Anstieg in der Coronakrise von vormals 337 Milliarden Dollar. Schaut man auf die Finanzkrise 2008 zurück (Rezessionen in der Grafik grau hinterlegt), so konnte das Volumen auch damals noch in der Krise auf 402 Milliarden Dollar ansteigen, um dann auf 134 Milliarden Dollar abzustürzen. Nach der Euphorie kam also der große Absturz. Werden Verluste zu groß, pulverisieren sich gerade die Margin-Konten, da gehebelte Positionen das Kontoguthaben sehr schnell auffressen, wenn man in der falschen Richtung investiert ist. Aktuell läuft die gehebelte Hausse wieder auf Hochtouren. Wann kommt der Absturz, der die Marginkonten erneut zerlegt?

Grafik zeigt Dollar-Volumen bei Margin Accounts

Laut Daten der Selbstregulierungsorganisation FINRA ist das Kreditvolumen in Wertpapier-Margin-Konten in den USA deutlich gestiegen. Im April 2021 waren es 847 Milliarden Dollar, im April 2020 waren es noch 525 Milliarden Dollar. Geht man mal zurück auf das Jahr 2010, so sah man damals Volumen von unter 300 Milliarden Dollar. Die Blase wächst, und je größer sie wird, desto größer kann der Knall werden.

Junk Bonds mit Rekordvolumen

Junk Bonds sind Anleihen mit einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit. Je schlechter ein Unternehmen wirtschaftlich da steht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es seine Schulden nicht zurückzahlt. Daher verlangen Investoren Risikoaufschläge dafür, dass sie diesen Unternehmen Geld leihen. Je höher der Zins beziehungsweise die Rendite für solche Anleihen, desto größer ist logischerweise die Ausfallwahrscheinlichkeit dieser Anleihen. Die riskantesten dieser Anleihen werden Junk Bonds genannt, also Schrottanleihen. Die Emittenten dieser Schuldpapiere müssen die allerhöchsten Zinsen zahlen um überhaupt an frisches Investorengeld zu kommen. Der folgende Chart der St. Louis Fed zeigt seit den 90er-Jahren den Verlauf der Renditen für Junk Bonds in den USA. Grau unterlegt sind die beiden Rezessionen während der Dotcom-Krise und der Finanzkrise.

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1 Kommentar

  1. Die Amis haben schon immer verstanden, das bei 10.000 $ Schulden der Schuldner ein Problem hat, bei 100.000.000 aber der Gläubiger. Hinzu kommt das im Deutschen das Wort „Schulden“ auch die Bedeutung „Schuld“ enthält. Dieses semantische Problem haben die Amerikaner noch nie gehabt.

    Das ganze Land hat seit 50 Jahren ein massives Außenhandelsdefizit, lässt sich das gute Leben also von den ganzen anderen Deppen auf der Welt bezahlen.

    Oder wie hat mir mal ein Amerikaner in entwaffnender Ehrlichkeit gesagt: „Natürlich habe ich gewusst, das ich mir das Haus nicht leisten kann. Aber so habe ich zehn Jahre in einer Hütte gelebt die ich sonst mein ganzes Leben nie von innen gesehen hätte.“ Kommt halt nur auf die richtige Perspektive an.

    Die rhetorische Frage, wer bei dem Spiel die Deppen sind, spare ich mir mal.

    P.S.: Das ist ja das schöne an 0% Zinsen. Die Schuldentragfähigkeit ist unendlich.

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