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Marc Friedrich und Matthias Weik: Sachwerte schlagen Geldwerte

Die Frage, die uns am häufigsten von Zuhörern, Lesern und Kunden gestellt wird, lautet: Wie schütze ich mein Vermögen? Diese Frage ist absolut verständlich und in unsicheren Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Viele Menschen, ob mit großem oder…

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Ein Gastkommentar der Bestsellerautoren Marc Friedrich und Matthias Weik

„Wer versagt sich vorzubereiten, bereitet sein Versagen vor.“
Benjamin Franklin

Die Frage, die uns am häufigsten von Zuhörern, Lesern und Kunden gestellt wird, lautet: Wie schütze ich mein Vermögen? Diese Frage ist absolut verständlich und in unsicheren Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Viele Menschen, ob mit großem oder kleinem Geldbeutel, sind verunsichert und haben berechtigterweise Angst um ihr Geld.

Diese Unsicherheit ist während der Krisen der letzten Jahre kontinuierlich gewachsen. Auf der anderen Seite ist das Vertrauen in die Politik und die Finanzbranche weitgehend erodiert: unzählige Krisengipfel, unkoordinierte Aktionen der Politik und der Zentralbanken, Vorgänge wie beispielweise die Enteignung von Sparern durch historisch niedrige Zinsen, dazu immer größere Euro- und Bankenrettungspakete, Dehnung der EU-Verträge bis zum Anschlag, eine wachsende Unsicherheit, wer denn nun tatsächlich am Ende für wessen Schulden oder Verluste geradestehen muss, immer wieder neu aufflammende Krisenherde, die mit immer neuen exorbitanten Geldpaketen in die Zukunft verschoben werden, schließlich zahllose Manipulationsskandale in der Finanzbranche – all das lässt die Menschen mehr und mehr um ihre Ersparnisse bangen. Die wirtschaftlichen Eckdaten zeigen deutlich auf, dass die erforderliche Erkenntnis und Bereitschaft in Politik und Finanzwirtschaft zu notwendigen und drastischen Reformen nicht vorhanden ist. Im Gegenteil.


Die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich.

Vermögensschutz ist wichtiger denn je ist

Jedem Anleger muss bewusst sein: Die Zeiten fetter Renditen sind endgültig vorbei. Und wenn wir ehrlich sind, dann war es auch weniger ein Zeitalter fetter Renditen und mehr ein Zeitalter luftiger Renditeversprechen. Richtig Kasse gemacht haben im Börsenboom nur Profis und ein paar ausgebuffte Halbprofis. Schon immer galt die Faustregel, dass hohe Renditeversprechen mit entsprechend erhöhten Risiken verbunden sind. Gegenwärtig sind wir aber so weit, dass selbst Renditen leicht oberhalb der aktuellen Marktzinsen mit erheblichen Risiken verbunden sein können. Und wo liegt das aktuelle Zinsniveau? Genau: bei null Prozent. Oder darunter.

Die globale Schuldenorgie

Seit 2008 hat sich die globale Verschuldung von 100 auf 300 Billionen Dollar verdreifacht. Aus diesem Grund führen die Notenbanken der Welt gegenwärtig unser gesamtes Finanzsystem ad absurdum. Sie fluten „die Märkte“ mit Geld zum Nulltarif. Der Irrglaube dahinter: Schulden ließen sich mit immer neuen Schulden bezahlen. Die Folge: Wenn Sie nicht gerade auf Dispo shoppen gehen, dann bekommen Sie Geld nahezu zinslos geliehen. Staaten und Großkonzerne zahlen für ihre Anleihen auf dem Papier Zinsen. Am Rentenmarkt jedoch müssen Sie derzeit de facto oft Geld bezahlen, wenn Sie ihr Geld verleihen wollen.

Die Länder Südeuropas konnten – und können – sich trotz Rekordarbeitslosigkeit, Rekordverschuldung und vergleichsweise schwacher Wirtschaftsleistung sensationell günstig verschulden. Dafür verdienen einige Staaten Nordeuropas sowie etliche Konzerne mit Schuldenmachen inzwischen Geld. Als Kleinsparer bekommen Sie von Ihrer Bank bestenfalls Minizinsen unterhalb der Inflationsrate. Wer größere Summen auf einem Bankkonto parkt, wird dagegen heute in vielen Fällen zur Kasse gebeten.

Die wahre Krise kommt erst noch

Dieses historisch einmalige Notenbankexperiment einer gigantischen Geldschwemme zum Nulltarif wird für Sparer, Anleger und Bürger verheerende Folgen haben. Seit zehn Jahren kommen Weltwirtschaft und Weltfinanzsystem nicht wirklich aus der Krise heraus. Schlimmer noch: Die nächste große Krise wird kommen. Im Vergleich mit ihr wird die „Finanzkrise“ des Jahres 2008 wie ein leichtes Sommergewitter wirken. Und wir alle werden für die Folgen der gigantischen Misswirtschaft bezahlen müssen. Die Frage ist nicht, ob Sie als Anleger verlieren. Die Frage ist nur wann – und wie viel.

Die beliebtesten Kapitalanlagen

Die meisten Bürger haben ihre Altersvorsorge und ihr Vermögen auf gerade mal zwei Standbeine verteilt. Das eine Standbein gilt traditionell als Muster der Solidität: die selbst genutzte Immobilie, sei es als Häuschen im Grünen oder als Wohnung in der Stadt. »My home is my castle« sagen die Engländer. Der Zahn der Zeit mag an der Immobilie nagen wie an allem Menschenwerk, aber wenn man sie in Schuss hält, dann gilt ihre Wertbeständigkeit als gesichert. Der Glaube an den Grundbesitz ist bei den meisten Menschen fast so stark wie der Glaube daran, dass auch morgen die Sonne wieder aufgehen wird. Leider übersehen viele dabei zwei gewaltige Risiken. Zum einen das Risiko, dass eine Immobilie häufig über Kredite finanziert ist – unser Schuldgeldsystem nagt also unter Umständen auch am Fundament ihrer steinernen Zuflucht. Zum anderen, das mussten viele Amerikaner und Spanier in den zurückliegenden Krisenjahren schmerzhaft lernen, ist auch die Immobilie vom Sachwert zum Geldwert mutieren kann.

Anders gesagt: Sie ist zum Spekulationsobjekt geworden, dessen Buchwert ebenso ins Wanken geraten kann wie der anderer Geldanlagen auch. Das andere Standbein der klassischen Vermögensaufteilung fußt auf Papier statt Beton: Kapitallebensversicherungen, private Rentenversicherungen, Riester- oder Rürup-Renten, vielleicht noch ein Bausparvertrag und ein paar »Bundesschätzchen«. Nicht wenige sind auch in Zeiten von Zinsen nahe der Nulllinie Omas Sparbuch treu geblieben. Und nur noch die ganz Mutigen – oder die relativ Wohlhabenden – halten zusätzlich Staats- oder Unternehmensanleihen und Aktien, beides gerne auch in Fonds. Die Pechvögel unter den Anlegern haben sich in den Jahren der großen Blase zudem windige Schuldverschreibungen und allerlei verschachtelte Finanz-Kartenhäuser andrehen lassen. An all dem haben viele prächtig verdient, nur die Besitzer solcher Papiere nicht. Denen blieben nur die Risiken, die zudem mit der Undurchschaubarkeit der Finanzprodukte exponentiell wuchsen. Ein schlechter Deal!

Wir Menschen stehen und gehen nun mal nur auf zwei Beinen. Doch es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, dieses Rezept auch für Ihre Vermögensaufteilung zu verwenden. Hier heißt das Zauberwort »Diversifikation«. Auf je mehr Beinen ihre finanziellen Rücklagen stehen, desto besser. Wir wissen sehr wohl, dass auch Ihr Bankberater immer »Diversifikation« gemurmelt hat, wenn er Ihnen wieder mit seinem neuesten Tipp nähertrat. Aber er meinte damit lediglich, dass Sie seiner Meinung nach die Papiere vom letzten Jahr in andere Papiere umtauschen sollten. Natürlich nicht, ohne ihm dafür eine schöne Provision, einen Ausgabeaufschlag und ein paar kleine Gebühren zukommen zu lassen.

Wir meinen etwas ganz anderes. Salopp gesagt: Geben Sie Ihr Geld (das heißt bedrucktes Papier) nicht für bedrucktes Papier aus. Tauschen Sie die Zahlenreihe auf Ihrem Giro- oder Sparkonto nicht gegen die Zahlen eines »Depots«, in dem nichts deponiert ist. Investieren Sie in Sachwerte! Sie werden staunen, was das alles bedeuten kann. Wenn Sie statt zwei sieben oder sogar zehn Standbeine haben, dann wird es immer noch wehtun, wenn eines der Beine bricht. Aber Sie stehen dann immer noch sicher. Und Sie können sich weiterhin bewegen. Und glauben Sie uns: Es werden in Zukunft einige Beine brechen und einige Finanzkrücken sich als total unbrauchbarer Schrott erweisen!

Was sind Sachwerte?

Das Handelsgesetzbuch verwendet an knapp 200 Stellen den Begriff des Vermögensgegenstandes. Definiert wird er ulkiger Weise nirgendwo. Nach herkömmlicher Rechtsauffassung jedoch sind Vermögensgegenstände

a) materielle Güter, also bewegliche und unbewegliche Sachen;
b) immaterielle Güter, hier vor allem Schuldforderungen aller Art und Rechtsgüter wie etwa Patente, Lizenzen, Warenzeichen oder Urheberrechte.

Entscheidend ist: Vermögensgegenstände müssen selbstständig, d .h. einzeln und unabhängig voneinander bewertbar und einzeln veräußerbar sein. Am besten geht beides bei Sachen.
Für deren wirtschaftliche Bewertung gibt es nämlich Gesetze und Verordnungen wie das Bewertungsgesetz (BewG) oder die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV). Es gibt das Bilanzrecht. Unterschiedlichste Bilanzierungsregeln. Oder es gibt Gutachter, Sachverständige und Zertifikate. Kurz gesagt: Sachwerte sind in der Regel recht objektiv ermittelbare Werte.
Sachen können gemäß § 90 BGB „nur körperliche Gegenstände“ sein. Also entweder eine Immobilie, d. h. eine unbewegliche Sache (ein Grundstück oder ein grundstücksgleiches Recht) oder eine bewegliche Sache. Letzteres wiederum kann alles sein: von der kompletten Fabrik über eine Maschine, ein Fahrzeug oder ein Schmuckstück – bis hin zu Kartoffeln.
Simpel gesagt: Wenn Sie es nicht anfassen – oder wenigstens ansehen – können, ist es keine Sache.
Nach unserem Verständnis ist es dann – wohlgemerkt: im Sinne einer Geldanlage – auch nichts wert.

Kurze Bemerkung über Kartoffeln

Wenn Sie pingelig sind, kaufen Sie beim Gemüsehändler Ihres Vertrauens immer nur Kartoffeln, die Sie sich vorher einzeln genau angeschaut haben. Wenn Sie es nicht ganz so genau nehmen, dann kaufen Sie ein Pfund Kartoffeln. Darum zählen Kartoffeln zu den so genannten „vertretbaren Sachen“. Laut § 91 BGB sind das jene beweglichen Sachen, „die im Verkehr nach Zahl, Maß oder Gewicht bestimmt zu werden pflegen“.

Auf Basis dieser Definition leuchtet es ein, warum nicht nur Kartoffeln, sondern auch Geld, Aktien oder Anleihen „vertretbare Sachen“ sind. Warum Sie also jeden beliebigen Zehner als Wechselgeld akzeptieren. Oder warum sie zwanzig Daimler-Aktien kaufen – die Sie zudem niemals in den Händen halten werden.
Der schwäbischen Hausfrau leuchtet eher folgende Regel ein: Augen auf beim Kartoffelkauf! Sie kauft Kartoffeln nicht im Sack, sondern durchwühlt mit kritischem Blick die Kiste. Wir sind bekennende Fans der schwäbischen Hausfrau. Wie sie haben wir daher ein eher gespanntes Verhältnis zu „vertretbaren Sachen“. Erst recht zu Optionen auf die Kartoffelernte 2018.

Sachwerte schützen Ihr Vermögen

Sachwerte haben sich seit Jahrhunderten bewährt. In Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrisen bieten sie den bestmöglichen Schutz für Vermögen jeder Größenordnung. Die Geschichte beweist: Sachwerte sind die einzig verlässlichen Wertspeicher. Ihr Geldwert – oder ihr Buchwert – mag schwanken. Aber völlig wertlos können Sachwerte niemals werden.

Folgende Sachwerte haben sich seit Generationen bewährt:
– Edelmetalle; insbesondere die Geldmetalle Gold und Silber
– Anlagediamanten; hier ausschließlich in lupenreine, GIA-zertifizierte Diamanten der höchsten Qualitätsstufe, die nach internationalen Regeln fair gehandelte wurden
– streng ausgewählte klassische Aktien von seriösen Unternehmen
– Land, also Wald, Äcker und Wiesen
– streng ausgewählte Gewerbe- und Wohnimmobilien; besteht hier der Verdacht, dass ein Markt überhitzt ist, raten wir davon ab.

Da auch Sachwerte selbstredend Werteschwankungen unterliegen, ist eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen zielführend. Schwankungen werden so gemindert und das Gesamtportfolio gleichzeitig stabilisiert. Kurzfristige Rückschläge sollten zur antizyklischen Nachkäufen genutzt werden.




Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. In ihrem zweites Buch Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2014. Im Jahr 2014 gelang ihnen mit „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“ ein weiterer Bestseller. Das Buch wurde im Jahresranking ebenfalls zum erfolgreichsten seiner Gattung. 2016 ist ihr dritter Bestseller „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ erschienen. Im April 2017 ist ihr viertes Buch „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ das sie gemeinsam mit Götz Werner (Gründer des Unternehmens dm-drogerie markt) geschrieben haben, erschienen. Das Buch schaffte es auf Anhieb auf die auf Platz 1 der manager magazin und Handelsblattbestsellerliste. Matthias Weik und Marc Friedrich sind Initiatoren von Deutschlands erstem offenem Sachwertfonds dem FRIEDRICH&WEIK WERTEFONDS.Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/ und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Britta

    14. September 2017 11:33 at 11:33

    Informativ – danke!

  2. Avatar

    Columbo

    14. September 2017 12:41 at 12:41

    „Richtig Kasse gemacht haben im Börsenboom nur Profis und ein paar ausgebuffte Halbprofis“
    und Crashbuchschreiber.
    Ein Sachwertefonds ist ja auch wieder nur ein Versprechen auf Papier. Wenns wirklich kracht möcht ich wissen, ob die beiden mir das Gold und die Diamanten nach Hause bringen.
    http://www.finanzen.net/fonds/friedrich_&_weik_wertefonds.
    Wenn ich das mit der Daxperformance vergleiche, naja…….

    • Avatar

      Ralf55

      14. September 2017 23:38 at 23:38

      Na, ja wenigstens haben sie was neues geschaffen, machen keine falschen Versprechen und die Werte sind physisch hinterlegt,

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    asyoulike

    14. September 2017 13:50 at 13:50

    Interessanter Artikel, vielen Dank fürs Einstellen.
    Mir scheint nur unklar, wieso eine Immobilie eine Sicherheit sein soll. Wenn der BRD Staat in finanzielle Probleme kommt, dann muss man sich doch fragen, an wen er sich wenden soll. Zu der Zielgruppe der Besitzenden gehören u.a. die Immobilieneigentümer. Wie sind Themen wie Zwangshypothek, Erhöhung der Grundsteuer etc. pp. zu bewerten? Das Basis-Problem der Immobilieneigentümer ist, dass eine Immobilie unbeweglich ist, also immobil. Hingegen können sie mit einem alten PKW (Oldtimer), Boot, Gemälde oder ähnlichen Sachwerten kurzfristig die geliebte BRD verlassen. Dänemark ist ums Eck.
    Fazit: Sachwerte ja, aber die Mobilität ist m.E. eine Grundvoraussetzung.

    • Avatar

      Emm wie Meikel

      15. September 2017 18:48 at 18:48

      Selbst die Märkte für Oldtimer und Kunst sind im Zuge der Geldschwemme der Notenbanken heiß gelaufen. Was Immobilien betrifft, so liegt das Hoheitsrecht über Grund und Boden bei der jeweiligen Regierung und nicht beim Eigentümer! Wenn sie will, kann sie sämtliche Immobilien enteignen. Polizei, Militär und Gerichte stehen auf ihrer Gehaltsliste und somit Gewehr bei Fuß, wenn es darum geht, ihre Forderungen (gewaltsam oder durch die Androhung von Gewalt) durchzusetzen.

      Die Regierenden wissen jedoch, wie unbeliebt so eine Maßnahme wäre. Selbst die abgemilderte Form mittels Zwangsanleihen dürfte massive Proteste von Seiten der Immobilieneigentümer nach sich ziehen, von denen auch einige in der Regierung sitzen. Außerdem würden solche Aktionen die Tyrannei von Oben offen zeigen und die schöne Illusion einer heilen Demokratiewelt in den Köpfen der Leute zerstören.

      Somit bleibt nur zu hoffen, daß der Geldfluss der Zentralbanken in Richtung Regierung niemals versiegt (die Sache läuft zum Großteil über Privatbanken als Mittelsmänner). Andernfalls steht der Laden kurz vorm Staatsbankrott, weil ohne Neuverschuldung die Altschulden nicht mehr bedient werden können. Zwangshypotheken oder Enteignungen wären ein letzter Verzweiflungsakt kurz vor der Pleite.

  4. Avatar

    Lutz Winter

    14. September 2017 15:19 at 15:19

    Wenn man vorbereitet ist auf einen Crash, dass sollte man jederzeit im Auge behalten, denn auch Märkte können überraschend fallen da alles zu vernetzt ist, sollte man schnell auf Shorts oder inverse Fonds zurückgreifen. Denn wer kann sich schon ein MFH oder Kunstgemälde oder gar Ackerland leisten. Gold/Silber ist immer gut und mobil. Als auch Fremdwährungen wie Franken oder Dollar. Und nicht zu vergessen eine Bargeldrücklage,
    denn erinnert sei nur an Zypern und Griechenland als die Banken dicht waren.

  5. Avatar

    Frank Sauer

    14. September 2017 15:28 at 15:28

    @asyoulike
    Richtig bemerkt, Marc Friedrich und Matthias Weik haben beim Immobiliengrundbesitz leider das dritte gewaltige Risiko unterschlagen:
    Wenn’s uns allen viel schlechter geht, wird das zwangsläufig auch für unseren Staat gelten. Und der wird sich zu seiner Sanierung gerade auch bei Immobilienbesitzern schadlos halten, wie die deutsche Vergangenheit schön beweist (Hypothekengewinnabgabe, Lastenausgleich, o.ä.).

  6. Avatar

    Gerd

    14. September 2017 16:03 at 16:03

    Die beiden haben aber nicht in den vorvorherigen Veröffentlichungen auch vorm Crash bei Aktien gewarnt? Ich meine nur, weil jetzt Aktiien von seriösen Unternehmen mit zu den Empfehlungen gehören.

    Wie viel Millionen Menschen wurden nach Kriegsende aus den Ostgebieten vertrieben? Hatten die ihre Immobilien, ihre Bauernhöfe hinten auf ihrem kleinen Bollerwagen mit drauf?

    Und vorgestern las ich, dass die besten Immobilien in den besten Lagen Floridas an Wert verlieren würden, weil diese Lagen jetzt leider nicht mehr als die Besten eingestuft würden.

  7. Avatar

    PK

    15. September 2017 19:41 at 19:41

    ich zitier mal von oben:
    „Wir meinen etwas ganz anderes. Salopp gesagt: Geben Sie Ihr Geld (das heißt bedrucktes Papier) nicht für bedrucktes Papier aus. Tauschen Sie die Zahlenreihe auf Ihrem Giro- oder Sparkonto nicht gegen die Zahlen eines »Depots«, in dem nichts deponiert ist.“

    interessant vor diesem Hintergrund, daß die beiden jetzt einen Fonds vertreiben, wie schon von Columbo oben angemerkt.
    Was ist denn nun richtig ?
    Wird hier erst Verunsicherung geschürt, um dann anschließend doch noch selber Kasse zu machen ?
    Wie legen denn Friedrich und Weik das durch Ausgabeaufschläge dort eingenommene Geld an ? Wir reden hier ja von einem satten Aufgabeaufschlag von 3% und zusätzlich 1.6% pro Jahr.
    Wenn die Zeiten der Rendite vorbei sind, so doch anscheinend nicht für die Emittenten solcher Fonds.

    Ich persönlich fand die 2 trotz meiner unterschiedlichen Meinung zu einigen Themen bislang wirklich gut und wichtig, aber daß die 2 jetzt wie Müller Mr. Dax und andere noch schnell von der eigenen Beliebtheit so profitieren wollen schmeckt mir gar nicht. Ich wette hiermit ausserdem, daß die Underperformance gegenüber einem MCSI World ETF die nächsten 3 Jahre weiter anhalten wird.

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Daniel Stelter: Buchauszug über konkrete Lösungsansätze zur Coronakrise

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Typisches Bild in der Coronakrise

Diese Woche hat sich die Bundesregierung dazu entschieden, dass man die betroffenen Betriebe des zweiten Lockdowns im November mit einer Umsatzausfallzahlung unterstützen wird, und nicht mit Krediten. Genau diese jetzt beschlossene Maßnahme hatte der Buchautor und anerkannte Wirtschaftsexperte Daniel Stelter (hier finden Sie seine Webseite) schon vor Monaten im Detail erläutert und vorgeschlagen. An dieser Stelle drucken wir mit freundlicher Genehmigung einen Auszug seines hochinteressanten Buches Coronomics: Nach dem Corona-Schock: Neustart aus der Krise ab, welcher im „Campus Verlag Frankfurt/New York“ erschienen ist. Absolut empfehlenswert, nehmen Sie sich die Zeit!

Künstliches Koma für die Wirtschaft

Es mangelt nicht an Programmen, die Notenbanken und Staaten weltweit ankündigen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie aufzufangen. Dabei kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verantwortlichen die gewaltigen Schäden zwar erahnen und entsprechend großzügig und kämpferisch agieren, zu- gleich aber nicht so richtig wissen, wo sie ansetzen sollen. Einen Vorwurf kann man ihnen daraus nicht machen, ist es doch eine für uns alle neue Situation. Zwar gibt es die Lehren aus der Finanzkrise, doch diese passen nicht. Heute genügt es nicht, die Bilanzen der Banken zu sanieren – durch Kapitalzuschuss, durch Manipulation der Vermögenspreise nach oben und durch Schönen der Bücher. Stattdessen muss man echte Einnahmen ersetzen. Das ist ungleich schwerer zu organisieren und vor allem ungleich teurer.

Die Politik setzt auf Liquiditätshilfen

Die Politik setzt nicht nur in Deutschland auf Liquiditätshilfen. Als ich diese Zeilen schrieb, war Folgendes angekündigt:1

• Ein Hilfspaket von 50 Milliarden Euro für Soloselbstständige und andere Kleinstfirmen. Selbstständige und Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten erhalten bis zu 9000 Euro, Selbstständige und Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten erhalten bis zu 15000 Euro. Außerdem erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung (Hartz IV), wobei die Vermögensprüfung für sechs Monate ausgesetzt wird.
•Anpassung der Kurzarbeiterregelung: Betroffene Unternehmen können Lohnkosten und Sozialabgaben von der Bundesagentur für Arbeit bezahlen lassen. Leiharbeitnehmer sind künftig einge- schlossen und es müssen nur zehn Prozent der Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen sein, damit die Regelungen greifen. Zugleich wird eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes diskutiert.
• Unbegrenztes »Milliarden-Schutzschild« für Betriebe und Unternehmen. Über ihre Hausbanken erhalten Unternehmen Zugang zu Krediten und Bürgschaften der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dazu gründet der Staat einen »Wirtschaftsstabilisierungsfonds«, der 400 Milliarden Euro für Bürgschaften und 100 Milliarden Euro für »Kapitalmaßnahmen«, also direkte staatliche Beteiligungen, umfasst.
•Steuerstundungen auf Antrag, wenn Unternehmen »unmittelbar vom Corona-Virus betroffen sind«. Bis Ende des Jahres 2020 wird auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge verzichtet. Auch die Voraussetzungen, um Vorauszahlungen von Steuerpflichtigen anzupassen, werden »erleichtert«.

Abgesehen von den Direkthilfen für Kleinunternehmen und Selbstständige handelt es sich um Liquiditätshilfen in Form von Krediten und Staatsbeteiligungen. Diese laufen über die Hausbanken der Unternehmen, die die Finanzlage am besten kennen. Die Banken müssen jedoch bei der Vergabe der Kredite, die sie von der KfW durchreichen, darauf achten, dass der Schuldner kreditwürdig ist. Dies auch, weil sie zehn Prozent der Summe aus eigenen Mitteln ausreichen müssen. Die Folge: Es häufen sich die Probleme mit der Kreditvergabe, weil die Sicherheiten und die Ertragskraft der Unternehmen nicht ausreichen. Die Banken forderten deshalb schon Anfang April 2020 eine völlige Freistellung von den Risiken.2 Dies zu Recht, haben wir doch bereits gesehen, dass das europäische Bankensystem – und auch die deutschen Banken – durch Finanzkrise und Nullzinspolitik nachhaltig geschwächt sind.

Doch was bedeutet es, wenn Banken keine Kredite vergeben wollen, obwohl sie nur zehn Prozent des Risikos tragen sollen? Es bedeutet, dass die Banken es für äußerst unwahrscheinlich halten, dass die Unternehmen in der Lage sind, die Kredite zu bedienen. Wenn nun der Staat die Risiken zu 100 Prozent übernimmt, ändert das nichts am eigentlichen Kernproblem der Maßnahmen. Diese laufen darauf hinaus, dass die betroffenen Unternehmen Schulden machen und im Extremfall den Staat als stillen Eigentümer bekommen. Nicht selten dürften die Schulden den Unternehmer überlasten. Und wer hat schon gern den Staat als Eigentümer? Deshalb ist die rationale Entscheidung jedes Unternehmens, diesen Punkt so weit wie möglich zu vermeiden. Dies bedeutet: Kosten senken, so schnell es geht, also Entlassungen und Auftragsstornierungen, was den Abschwung verstärkt. Anders als es die Schlagzeilen zu den großen Beträgen suggerieren mögen, wirkt das Programm nicht, wie es sollte.

Ein Systemwechsel als unvermeidliche Folge?

Hinzu kommt, dass die staatliche Rettung, wenn sie in dieser Form organisiert wird, unsere Wirtschaftsordnung massiv verändert. Wir beschreiten einen Weg zu einer immer stärker staatlich dominierten Wirtschaft, was nur umso wahrscheinlicher wird, je länger die Krise andauert und je tiefer der Einbruch der Wirtschaftstätigkeit ist. Nicht wenige Beobachter sehen darin einen guten Weg, weil es ja nur richtig sei, dass der Staat als Gegenleistung für seine Hilfe einen Anteil an Unternehmen bekommt. Dabei wird gern auf die Finanzkrise Bezug genommen und angemerkt, dass es nur so möglich sei, sicherzustellen, dass wir nicht wieder eine Situation haben, in der wir Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.

Diese Logik hinkt aber. Während die Unternehmen, die in der Finanzkrise in Schwierigkeiten gerieten, diese selbst zu verantworten hatten, ist es diesmal eine Krise, die alle unschuldig trifft, wenn auch unterschiedlich. Sollte hier nun der Staat zu einem wichtigen Akteur werden, so hat dies erhebliche negative Folgen:3

• Der Staat wird vor allem Großunternehmen helfen, einfach schon aus Effizienzgründen. Dabei ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft der Mittelstand. Diesem muss geholfen werden, und wenn dies über Kredite erfolgt, schwächt das die Unternehmen auf Jahre.
• Wettbewerbsverzerrungen sind ebenfalls zu erwarten. Unternehmen mit Staatsbeteiligung werden einen Vorteil gegenüber jenen haben, die mit eigenen Mitteln versuchen, über die Runden zu kommen. Damit werden diejenigen bestraft, die eigene Mittel in ihren Unternehmen einsetzen. So dürften die Finanzierungskosten der Unternehmen mit Staatsbeteiligung dauerhaft unter jenen der freien Wirtschaft liegen.
•Der Staat muss seine Beteiligungen kontrollieren und managen. Man darf skeptisch sein, ob es gelingt, ausreichend qualifizierte Beamte und Politiker für diese Aufgabe zu finden.
•Aus der Finanzkrise wissen wir – siehe Commerzbank –, dass es Jahrzehnte dauern kann, bis der Staat wieder aussteigt. Es droht ein Postenparadies für Politiker, was weder gut für die Unternehmen ist noch dafür spricht, dass sich der Staat schnell wieder zurückzieht.
• Auch droht der Erhalt von Unternehmen, die ohnehin keine Zukunft haben. Entweder weil sie schon vor der Corona-Krise nur dank Nullzinspolitik lebensfähig waren oder aber weil in der neuen Welt nach Corona ihre Dienstleistungen und Produkte nicht mehr wie zuvor nachgefragt werden. Ökonomen sprechen bei solchen Unternehmen von »Zombies« und der starke Anstieg des Anteils solcher Unternehmen wird als eine Ursache des Rückgangs der Produktivitätsfortschritte in den letzten Jahren gesehen.4 Eine weitere »Zombifizierung« würde das noch verstärken und so das künftige Wachstum hemmen.

Was droht, ist ein Systemwechsel durch die Hintertür. Die Öffentlichkeit steht – so zumindest das Stimmungsbild Anfang April 2020 –, hinter diesen Maßnahmen. Ohnehin zeigten Umfragen schon weit vor Corona, dass sich die Bürger eine größere Rolle des Staates wün- schen.5 Politiker träumten vom »demokratischen Sozialismus« und Enteignungen sowie Verstaatlichungen zur Verwirklichung einer »gerechten Gesellschaft«.6 Nun scheinen wir auf dem besten Weg in diese Richtung zu sein.

Hierin liegt eine enorme Gefahr, denn die Nebenwirkungen wären erheblich: zunehmende Konzentration und weniger Wettbewerb, Bevorzugung von Großunternehmen, staatliche Einflussnahme statt betriebswirtschaftlicher Effizienz. Kurzgefasst, ein Weg, der zwangs- läufig weniger Wachstum und damit Wohlstand bedeutet. Wir sollten einen anderen Weg gehen.

Ein künstliches Koma wäre die Lösung gewesen

Damit kommen wir zu der Frage, was denn zu tun wäre, um die Krise zu dämpfen und die Wiederholung der Großen Depression zu vermeiden. Die Maßnahmen müssen meiner Meinung nach am Existenzproblem der Unternehmen ansetzen, und zwar beginnend beim Einzelunternehmer und bis hin zum Weltkonzern. Das zeigt bereits, wie schwierig es für die Politik ist, sind doch Rettungsaktionen für große Unternehmen viel leichter zu organisieren als für viele kleine Unternehmer. Da kann es gut sein, dass die Hilfe zu spät kommt. Im März 2020 erklärte ich in verschiedenen Beiträgen, wie wir es machen könnten:7 Die Wirtschaft müsste in ein künstliches Koma versetzt werden. Aus der Medizin kennen wir das: »Ein künstliches Koma ist eine lange Vollnarkose, die über Tage – in seltenen Fällen über Wochen – eingesetzt wird. Mithilfe von Narkose- und Schmerzmitteln wird der Patient kontrolliert in einen Zustand versetzt, in dem Bewusstsein und Schmerz ausgeschaltet sind.«8 Bezogen auf die Wirtschaft würde das bedeuten, dass wir für eine bestimmte Zeit alles einstellen: Lohnzahlungen, Mieten, Zinszahlungen. Wir täten einfach so, als würde ein Quartal ökonomisch nicht stattfinden. Es gäbe keine Umsätze, aber es gäbe auch keine Verpflichtungen.

Beispiel Miete: Der Betreiber eines Kaffees kann die Miete nicht mehr bezahlen, weil er geschlossen hat. Der Vermieter verzichtet auf die Miete und im Gegenzug muss er keine Zinsen und keine Tilgung bezahlen und die Bank wiederum keine Löhne und keine Zinsen. Wir stellen alles ein und in drei Monaten – wenn wir annehmen, dass das Koma solange andauert – fangen wir dort an, wo wir aufgehört haben, und tun so, als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben.

In diese Richtung ist die Bundesregierung gegangen, aber eben nur ein bisschen. So darf Mietern nicht gekündigt werden, wenn sie, bedingt durch den Kampf gegen COVID-19, ihre Mieten zwischen dem 1. April und dem 30. Juni nicht bezahlen können. Die Miete wird bis zum Juni 2022 gestundet. Eine Stundung ist allerdings nichts anderes als eine Art Zwangskredit des Vermieters und damit auch keine völlige Entlastung des Mieters. Zudem fehlt eine korrespondierende Entlastung des Vermieters, der ja ebenfalls finanzielle Verpflichtungen hat, beispielsweise für Zins und Tilgung. Um die Banken zu schonen, wird hier einseitig die Last auf die Vermieter verlagert, die – entgegen der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung – nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) meist mit geringen Renditen von ein bis zwei Prozent arbeiten.9

Das künstliche Koma wie oben beschrieben geht offensichtlich nur in der Theorie. In der Praxis haben wir keinen kompletten Shutdown der Wirtschaft, wir haben echte Ausgaben – zum Beispiel für Nahrungsmittel – und viele Menschen haben unabhängig von der Wirtschaftslage ein Einkommen, so Rentner.

Deshalb müssen wir uns mit den Maßnahmen in der Praxis so nah wie möglich an den Zustand des künstlichen Komas annähern. Für Menschen, die aufgrund des Virus weniger oder keine Einnahmen haben, muss es einen Ausgleich geben, der wirtschaftlich dem Gedanken des künstlichen Komas am nächsten kommt. Dieser Ausgleich muss dafür sorgen, dass es nach der Komaphase keine Schmerzen mehr gibt. Also auch keine zusätzlichen Verpflichtungen, die vor dem Koma nicht bestanden haben. Ich wiederhole es nochmals: Es muss so sein, als hätte es diese Monate nicht gegeben. Wenn nun von der Politik Liquiditätshilfen in Form von Darlehen oder direkten Beteiligungen des Staates an Unternehmen an- geboten werden, ist diese Bedingung nicht erfüllt. Wenn die Betroffenen nämlich aus dem Koma erwachen, sehen sie sich mit finanziellen Lasten konfrontiert, die sie vorher nicht hatten und die sie oftmals nicht abtragen können. Gerade Restaurants, Hotels, Reiseveranstalter und Kinos – um ein paar Beispiele zu nennen – können den verlorenen Umsatz nicht wieder wettmachen. Ein Auto mag man ein paar Monate später kaufen, aber in das Restaurant geht man nicht doppelt oder dreimal so häufig, um frühere Mahlzeiten nachzuholen.

Staatliche Umsatzausfallzahlung

Wir müssen also als Gesellschaft den Umsatzausfall ersetzen. Die künftigen Umsätze kennen wir nicht, aber wir kennen die Steuerzahler Deutschlands. Getrost dürfen wir davon ausgehen, dass nur Steuerzahler von dem Einbruch der Wirtschaft getroffen sind.
Dabei haben wir die folgenden verschiedenen Gruppen von Steuerzahlern auf Einkommen:

•Bei Arbeitnehmern wird die Lohn- und Einkommensteuer direkt an der Quelle abgezogen. Tritt Arbeitslosigkeit ein, wird Einkommen durch Sozialleistungen aufgefangen. Weitere unternehmerische Verpflichtungen sollten hier nicht bestehen, nur eventuelle private finanzielle Verpflichtungen aus Krediten.10 Hier wäre es denkbar, dass wir pauschal die Arbeitslosengelder und die Kurzarbeiterzahlungen (bereits teilweise geschehen) deutlich erhöhen. Diese sollten ab Tag eins gezahlt werden.
• Im Fall von Selbstständigen und Unternehmen, die Einkommensteuer zahlen, sind die Einkünfte der vergangenen Jahre bekannt. Das Finanzamt kennt diese aus den Steuererklärungen der vergangenen Jahre. Hier sollte das Finanzamt in jedem Monat, den die Komaphase andauert, einen Betrag in Höhe von einem Zwölftel des Jahresumsatzes des letzten verfügbaren Jahres auf das Konto des Unternehmens überweisen.
•Bei Unternehmen, die Körperschaftsteuer zahlen, wird genauso vorgegangen. Auch sie bekommen den geschätzten entgangenen Umsatz gutgeschrieben.

Entscheidend ist, dass dies ohne Antrag und ohne Bedürftigkeitsprüfung erfolgt. Alle werden so gestellt, als wäre nichts passiert. Im kommenden Jahr müssen dann alle Bürger, die Zahlungen vom Staat erhalten haben, dem Fiskus ihren Geschäftsverlauf des Jahres 2020 erklären. Davon ausgehend würden sich die folgenden Zahlungsverpflichtungen der Empfänger ergeben:

•Entspricht der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen des Staates – dem Umsatz im Jahr 2019, so behält der Empfänger die Zahlung und versteuert den sich ergebenden Gewinn.
•Liegt der erzielte Umsatz – inklusive der erhaltenen Umsatzausfallzahlungen – über dem Niveau von 2019, so ist der Teil der Ausfallzahlungen zu erstatten, der nicht erforderlich war, um das Umsatzniveau 2019 zu halten.
•Wenn ein Unternehmen einen Teil oder den gesamten Umsatzausfallzuschuss des Staates behält, darf der Gewinn ebenso wie der Umsatz nur auf dem Niveau des Vergleichsjahres liegen. Er- zielt ein Unternehmen einen höheren Gewinn, so wird die Differenz zu 100 Prozent besteuert. Damit gibt es auch einen Anreiz, Mitarbeiter nicht zu entlassen.

So oder so ist in diesem Modell der Umsatz auf dem Niveau von 2019 garantiert. Unternehmer können die Erstattung der Umsatz- ausfallzahlung umgehend leisten, wenn sie nicht auf die Zahlungen angewiesen sind; spätestens bei Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2020 wären die unnötig zugeflossenen Gelder zurückzuzahlen. Die Politik könnte auch einen Anreiz geben, unnötige Umsatzausfallzahlungen sofort zurückzuzahlen, zum Beispiel, indem bei Rückzahlung innerhalb eines Monats ein Skonto gewährt wird. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise liegt auf der Hand: Sie wirkt wirtschaftlich wie das Koma, ist einfach umzusetzen und kann im Nachhinein, wenn die Krise überwunden ist, korrigiert werden, indem jene, die die Zahlung des Staates nicht benötigen, den entsprechenden Betrag nach Abgabe der Einkommensteuererklärung erstatten müssen.

Wäre das gerecht? Im Einzelfall vielleicht nicht, in der Summe schon. Natürlich mag es Unternehmen geben, die auch ohne Corona einen Umsatzrückgang erlebt hätten. Es wird auch Fälle geben, in denen das Geld verloren ist, weil die Empfänger die Zahlungen falsch verwenden. Die korrespondierenden Beträge dürften aber relativ zum Gesamtvolumen vernachlässigbar sein. Ebenso mag die Gefahr bestehen, dass einzelne Empfänger sich über die Zahlung freuen und gar kein Interesse daran haben, zu arbeiten. Dies dürften aber vor allem Solo-Unternehmer sein – und auch diese nur in begrenzten Umfang. Unternehmer mit Angestellten und Infrastruktur – Büroräume oder Ladengeschäft – werden ei- nem solchen Modell nicht folgen, weil sie andernfalls ihr Unternehmen nachhaltig gefährden würden. Außerdem wäre der Gewinn auf dem Niveau von 2019 gedeckelt. In der Summe also ein vernachlässigbarer Punkt.

Kritiker dieses Vorschlags bemängelten, es sei nicht gut, den Unternehmen auch noch den Gewinn zu garantieren. Dieser Einwand kam von Nicht-Unternehmern, die meist keine Vorstellung davon haben, wie gering die Margen und Gewinne der meisten Selbstständigen sind. Wir haben das Beispiel des Restaurants aus Berlin gesehen. Bei einem Umsatz von rund 500 000 Euro im Jahr und immer- hin 13 Mitarbeitern bleiben den zwei Eigentümern nach Steuern jeweils nur rund 25000 Euro in der Tasche. Das ist wahrlich kein hohes Gehalt, wenn man an die erheblichen persönlichen Risiken (Haftung für Miete etc.) und die langen Arbeitszeiten denkt. Hier zu helfen, ist aus meiner Sicht gerechtfertigt.

Der entscheidende Vorteil ist, dass jedes Unternehmen weiß, welchen Umsatz es inklusive der staatlichenÜberweisung erzielt. Niemand muss sich Sorgen machen, zu viele Schulden anzuhäufen, niemand damit rechnen, dass sein Eigentum auf den Staat übergehen könnte. Vor allem ist das Verfahren unbürokratisch und transparent. Die Mitarbeiter des Finanzamts müssten sich für die Dauer der Krise auf diese Aufgabe konzentrieren.

Wir reden von einem theoretischen Maximalbetrag von 25 Prozent des deutschen BIP des Jahres, wenn wir davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Aktivität drei Monate lang komplett brachliegt. Dem wird aber nicht so sein, weshalb wir eher mit einer Größenordnung von zehn Prozent des BIP rechnen sollten. Selbst bei 25 Prozent stiege die Verschuldung des deutschen Staates auf die Größenordnung von 90 Prozent des BIP. Dieser Satz liegt weit unter dem Niveau, das die meisten anderen EU-Staaten schon vor dem Corona-Schock zu verzeichnen hatten.

Ein »gedankliches Koma« ist effektiv und effizient

Wir haben verschiedene Probleme, die sich gegenseitig verschärfen und in der Summe zu einem sich verstärkenden Abschwung führen. Die Unternehmen wissen nicht, wie heftig und wie lange sie unter der Krise leiden werden. Sie wissen nicht, ob und wie die Hilfe des Staates wirkt, und sie fürchten die längerfristigen Konsequenzen. Wer künftig Schulden tilgen oder den Staat als Miteigentümer los- werden müsste, der setzt alles daran, erst gar nicht in diese Situation zu kommen, sondern sie zu verhindern. Also baut er Kosten um jeden Preis ab, und das verstärkt die Krise. Der Komaansatz ist im Vergleich damit besser.

Die kurzfristige Finanzierung der mit dem Komaansatzverbundenen Ausgaben ist im heutigen Nullzinsumfeld gar kein Problem. Die Bundesregierung dürfte die Gelder umsonst bekommen oder gar daran verdienen. Die langfristige Finanzierung sollten wir im Zusammenhang mit der Eurozone klären.

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Allgemein

Coronakrise: Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

Markus Fugmann

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Die Coronakrise geht durch den „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) in eine zweite Runde. Zwar erlebte die Wirtschaft nicht nur in Deutschland im 3.Quartal eine deutliche Erholung, aber mit den zunächst für November verfügten Maßnahmen kehrt die Coronakrise mit voller Wucht zurück. Das trifft bekanntlich die schon der ersten Welle betroffenen Branchen (Touristik, Veranstaltung, Gastronomie etc.) besonders hart – da werden auch Kompensationszahlungen der Bundesregierung nur wenig daran ändern.

Coronakrise – nach der vermeintlichen „V-Erholung“ der 2. Lockdown

Haben wir zuvor wirklich eine V-Erholung gesehen? Nicht wirklich, sagt etwa Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts – denn die V-Erholung in den Daten war wesentlich geprägt von der Hoffnung auf Besserung, also der Erwartungs-Komponente: Firmen werden befragt, ob es schlimmer, gleichbleibend oder besser wird. Wenn aber die Dinge schon extrem schlecht sind, sei es fast schon „mechanisch“, dass eine Besserung erwartet werde.

Was aber bedeutet nun der neue Lockdown? Fuest verweist auf die Studien, die zeigen, dass schnelle restriktive Maßnahmen zwar der Wirtschaft zunächst schaden, dann aber durch die bessere Beherrschung der Pandemie zu einer schnelleren und kräftigeren Erholung führt als in Ländern/Regionen, in denen solche Maßnahmen nicht ergriffen werden. Das gilt etwa cuh für Schweden: dort war in Gefolge der ersten Welle der Coronakrise die Wirtschaft trotz der weniger restriktiven Maßnahmen deutlich stärker eingebrochen als etwa in Norwegen, bei gleichzeitig sehr viel mehr Opfern in Schweden.

Clemens Fuest fasst in folgendem Vortrag die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise gleichsam kompakt und kompetent zusammen:

Die Coronakrise und die wirtschaftlichen Folgen des Lockdown

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Aktien

Experte Andre Stagge über die Tech-Zahlen, US-Wahl und EZB

Claudio Kummerfeld

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Der Tradingexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden Video mehrere aktuelle Börsenthemen. Vermutlich wird die EZB ab Dezember aktiver werden in Sachen Rettungsmaßnahmen. Gestern Abend haben die vier großen Tech-Konzerne Apple, Google, Amazon und Facebook ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Andre Stagge weist darauf hin, dass alle vier zwar die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen haben – und er geht auf die Gründe ein, warum die Aktien nachbörslich nicht entsprechend positiv reagierten. Auch wirft Andre Stagge einen Blick auf die große Wahrscheinlichkeit, dass Joe Biden die US-Wahl nächste Woche gewinnen könnte.

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