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Verstromung auf 6-Jahreshoch, 2023 wachsende Importe Kohle für Deutschland – Energiesicherheit siegt über Klimaziele

"Energiesicherheit siegt über Klimaziele". Aktuelle Daten zeigen, dass Deutschland noch mehr Kohle importieren wird. Hier die Details.

Wir kaufen kein Öl mehr aus Russland, fast kein Gas mehr aus Russland, und Atomkraft will man auch nicht mehr haben in Deutschland. Zwar laufen die letzten Meiler bis April, aber das ist nur eine Winter-Notlösung. Im Frühjahr 2023 ist dann aber endgültig Schluss mit in Deutschland erzeugtem Atomstrom. Dann muss es eben der extrem klimafreundliche (Satire) Brennstoff Kohle machen? Irgendwoher muss der Strom für Haushalte und Unternehmen ja kommen. Und so schnell, wie man es sich erträumt, werden die Windräder nicht aus dem Boden sprießen. Und bei Windflaute werden sie sich eher weniger stark drehen. Nicht nur jetzt kurzfristig, sondern auch nächstes Jahr sieht es danach aus, dass die Energiewende in Deutschland verstärkt in Richtung Kohle läuft.

„Energiesicherheit siegt über Klimaziele“, so titelt es Bloomberg in einer aktuellen Analyse zu Energiekrise in Deutschland. Im Kampf gegen die beispiellose Energiekrise wird Deutschland seine Abhängigkeit von der Kohle weiter erhöhen – auf Kosten seiner ehrgeizigen Klimaziele. Zur Stromerzeugung verbrennen die heimischen Versorger so viel Kohle wie seit mindestens sechs Jahren nicht mehr, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Und im nächsten Jahr wird die Bundesrepublik Deutschland eines der wenigen Länder sein, das seine Importe von Kohle erhöht.

Überall auf der Welt erlebt die hochgradig umweltschädliche — und relativ billige — Kohle ein Comeback angesichts des Bestrebens, vor dem Hintergrund galoppiernder Energiekosten einen wirtschaftlichen Kollaps zu verhindern. Europa ist in den Krisenmodus getaumelt, seit Russland in Folge seines Krieges in der Ukraine und der Sanktionen des Westens kaum noch Gas liefert. Deutschland versucht nun, die kurzfristige Priorität höherer Energiesicherheit mit dem längerfristigen Ziel von Netto-Null-Emissionen in Einklang zu bringen.

“Alle halten an ihren Klimazielen fest, aber wenn man vor dem Dilemma steht, ob man die Lichter anlassen oder die Kohlendioxidemissionen senken soll, dann lässt man die Lichter an”, erklärte Carlos Fernandez Alvarez, stellvertretender Leiter des Bereichs Gas, Kohle und Strom bei der Internationalen Energieagentur (IEA).

Deutschland will bis 2038 aus der Kohle aussteigen, die Ampelkoalition hat sich sogar zum Ziel gesetzt, den Ausstieg “idealerweise” schon bis 2030 umzusetzen. Doch um die aktuelle Krise zu überstehen, hat Deutschland eingemottete Kohlekraftwerke wieder in Betrieb genommen. In begrenztem Umfang fand das auch in anderen Ländern statt, doch die IEA konstatiert: “Eine Umkehr in signifikantem Ausmaß ist mit 10 Gigawatt nur in Deutschland zu beobachten.”

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird in Deutschland inzwischen mehr als ein Drittel des Stroms von Kohlekraftwerken erzeugt. Im dritten Quartal lag die Stromerzeugung im Segment 13% über dem Wert im Vorjahreszeitraum.

“Der Ausstieg aus der Kohle – im Idealfall bis 2030 – steht nicht in Frage”, erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Entscheidend sei, dass es vor dem Hintergrund der Krisensituation gelungen ist, 2022 deutlich weniger Energie zu verbrauchen – insbesondere weniger Erdgas. Die Strommarkteingriffe, die zu einem Anstieg der Emissionen geführt haben, seien zeitlich begrenzt. Indessen sei der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt worden, führte sie aus.

Die Ursprünge des Comebacks

Zur selben Zeit, in der Gas ein knappes und teures Gut geworden ist, steigt die Stromnachfrage in Frankreich, das wegen Wartungsarbeiten an Atomkraftwerken auf Importe angewiesen ist statt Strom ins Ausland zu verkaufen. Deutschland wird in diesem Jahr wahrscheinlich Nettoexporteur von Strom nach Frankreich sein. Laut den bis 1990 zurückreichenden Destatis-Daten wäre das eine Premiere.

Im Sommer waren die europäischen Gaspreise auf Rekordniveaus gestiegen. Inzwischen sind sie zwar gesunken, liegen aber noch immer bei etwa dem Doppelten des saisonalen Fünfjahresdurchschnitts. Versorger wie die Steag GmbH haben deshalb Kohlekraftwerke wieder angeworfen. Volkswagen legte das Ende der Verstromung von Kohle in seinem Werk in Wolfsburg vorerst zu den Akten.

“Kohle kehrt als Grundlastgenerator zurück”, sagte Guillaume Perret, Leiter der Energieberatungsfirma Perret Associates Ltd. “Dabei wird die Saisonabhängigkeit geringer werden – mit mehr Kohleverbrennung im Sommer, Frühling und Herbst – solange Kohle sich im Vergleich zu Gas lohnt und Gas knapp bleibt.”

Kohle Gewinnmarge

Es ist möglich, dass Deutschlands Reservekraftwerke bis Dezember 2024 am Netz bleiben. Dies wäre neun Monate nach dem von der Bundesregierung angepeilten Datum der Schließung, wie Perret anmerkt. Die Europäische Union und die Türkei seien weltweit die einzigen großen Energieverbraucher, die 2023 ihre Importe von Kohle im Jahresvergleich erhöhen dürften. In diesem Monat war der deutsche Strom zeitweise in puncto CO2-Emissionen so umweltschädlich wie in Südafrika und Indien erzeugte Elektrizität, wie Netzdaten der App Electricity Maps zeigen.

Ausblick

Es gibt einige Lichtblicke für Europa, die dazu beitragen könnten, die Verstromung von Kohle zu reduzieren. Die Gaspreise sind eingebrochen, da das zuvor milde Wetter den Beginn der Heizsaison verschoben hatte, und die Region verzeichnete in letzter Zeit Rekordniveaus bei Flüssigerdgasimporten. Die Gasvorräte liegen noch immer über dem saisonalen Durchschnitt.

Kohle-Verbrauch nach Land

Darüber hinaus kommt in den französischen Kernkraftwerken die Wartung zum Abschluss. Die Reaktorverfügbarkeit liegt inzwischen bei etwa 68%, nach etwa 50% Anfang November. Deutschland hält seine drei verbleibenden Kernkraftwerke im Streckbetrieb. Spätestens Mitte April 2023 sollen sie jedoch endgültig vom Netz.

Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energie stieg laut Destatis im dritten Quartal des Jahres auf Jahresbasis um 2,9%. “Die Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien ist der Dreh- und Angelpunkt sowohl für das Erreichen der Energiesouveränität Mitte dieses Jahrzehnts, als auch für unsere Klimaziele für 2030”, sagte Fabian Hein, Projektleiter für EU-Politik bei der Denkfabrik Agora Energiewende.

FMW/Bloomberg

Kohle-Halde in West Virginia
Kohle-Halde in West Virginia


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10 Kommentare

  1. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/windparks-ausbau-bundesnetzagentur-101.html

    „Den massiven Ausbau besonders der Windkraft hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt. Wie aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen, gibt es aber deutlich weniger Investoren für Windkraft-Projekte als erhofft.“

    Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt….Wir steigern das Bruttosozialprodukt…..

    1. Na dann spuckt mal in die Hände. 1,2 GW waren in der Ausschreibung. Das sind bei 3 MW Windräder insgesamt 400 Stück. Pro Jahr ?? Bei ca. 2000 Volllaststunden pro Jahr also eine Ausbeute von 2.400 Gwh pro Jahr = 6,6 Gwh/Tag. Wir verbrauchen aber im Schnitt täglich 1.500 Gwh !!! Also bei dem Tempo ist das Ziel in 200 Jahren erreicht (nur mit Wind). Für E-Autos reicht es aber dann trotzdem nicht.
      Und jetzt soll es sogar nur noch die Hälfte werden bei den Ausschreibungen !!
      Rechne ich oder lese ich falsch ?

  2. Ja, die sollen sich mal beeilen, denn in 10 bis 20 Jahren müssen z. B. Windräder auf See wieder abgerissen werden. Plus der 1.500 im Video gezeigten.
    Jetzt weiß ich auch, warum Ökostrom bei Stromanbietern teurer ist, und das Öko-Ticket bei der Bahn auch. Wenn alle konventionellen Kraftwerke noch 10 bis 20 Jahren abgerissen werden müssten, dann wäre deren Strom wohl auch so teuer.

    Schau dir „1.500 Windräder müssen abgebaut werden“ auf YouTube an
    https://youtu.be/a0oUt4zVwAQ

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Haben unsere „Experten“ denn mit einberechnet beim Neubau, daß diese Windräder wieder abgerissen werden müssen und durch neu ersetzt ? also im Neubau noch mal etliches obendrauf kommt ?
      Wenn ich mir jetzt die Ausbaupläne ansehe was realisiert werden soll und immer weniger machen mit, dann gibt es erhebliche Zweifel.

      1. Und wenn die Chinesen 1000 Windräder bauen, dann bauen wir Zehntausend bis zur deutschen Klimarettung!

        Wollt ihr die totale Energiewende!?

        (Wenn nicht, dann seit ihr nicht Teil von uns und Dumm)

  3. Hallo Ottonorma,
    da hilft nur noch ein fester Glaube an die Vorsehung. Zweifler landen in der Hölle.
    In vielen Jahren wird es ein lustiges Buch geben, dass das Buch “ die Bürger von Schilda“ noch toppen wird.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Das gab es schon einmal in Deutschland. Da haben sogar die Kinder ihre Eltern angezeigt, weil man sie mit einer Ideologie „geimpft“ hatte.

    Schau dir „Kita-Kinder lernen, ihre Eltern zu überwachen: Die ekelhafteste Polit-Propaganda seit dem DDR-Ende“ auf YouTube an

    https://youtu.be/22qDqJaUQcE

  5. Unsere heiligen an Selbstüberschätzung und Arroganz leidenden Energie und Klimaexperten sollten mal den Japanern erklären wie das eigentlich so richtig geht mit der Energiewende:

    https://www.dw.com/de/laufzeitverl%C3%A4ngerung-japan-setzt-auf-atomkraft/a-64184504

    Wir wissen es doch besser!

    Wer sich über die höhe seiner Energierechnung und über die Versorgungssicherheit wundert, dem sei gesagt. Dat war der böse Putin.

    Der ist jetzt für die dämlichste Energiewende der Welt verantwortlich. Dafür wird ihn der langhaarige Grüne jetzt vernichten.

  6. Heute war ich mal wieder pünktlich bei meiner klimaschädlichen Arbeit.

    Die Straßen waren ausnahmsweise schön frei.

    Hier ist noch ein Bild für meine Freundin Anna:

    https://www.reddit.com/r/600euro/comments/yohexd/_/

    1. Ist doch auch nur ein hässliches Kunstwerk, das mit Soße oder Sirup übergossen wurde.

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