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MMT – der Wahnsinn der Überschuldeten

MMT – Modern Monetary Theory – ist die neueste geldpolitische Antwort einer immer überschuldeteren Welt, die ihre Zahlungsversprechen immer weiter in die Zukunft verschiebt. Die Verfechter von MMT argumentieren: man kann doch einfach Geld drucken, solange dieses gedruckte Geld nicht zu verstärkter Inflation führt – und damit Konjunktur und Arbeitsmarkt ankurbeln! Mit anderen Worten: Schulden sind kein Problem, nur Inflation ist ein Problem aus Sicht der MMT-Gläubigen.

Eine noch stärkere Verschuldung des Staatshaushalts? Für die Vertreter von MMT kein Problem, denn ein Staat könne doch gar nicht pleite gehen, solange eine Notenbank in der eigenen Währung Geld drucken könne und die Schulden des Staates doch auf eben dieser jederzeit nachdruckbare Währung basierten.

Nur leider zeigt ein Blick in die Finanzgeschichte, dass auch Staaten, die in ihre eigene Währung drucken, sehr wohl pleite gehen könne – eben weil das Vertrauen in deren inflationierte Währung stetig erodiert (Beispiele sind Argentinien, Venezuela, Simbabwe etc.). Aber der Blick in die Finanzgeschichte zählt wohl eher nicht zu den Stärken der Verfechter von MMT..

Besonders beliebt ist die Modern Monetary Theory bei linken US-Demokraten wie Ocasio-Cortez oder auch Bernie Sanders – maßgebliche Ideengeberin der beiden ist die amerikanische Ökonomin Stephanie Kelton, die in einem Interview mit der „Zeit“ es als eine Art Erweckungserlebnis beschreibt, wie sie auf MMT gestoßen sei:

„(..) wir als Ökonomen waren die ganze Zeit auf dem Irrweg. Das war für mich eine Art kopernikanischer Moment. Kennen Sie den Film Matrix? Da gibt es diese berühmte Szene, in der Keanu Reeves die Wahl hat, eine blaue oder eine rote Pille zu nehmen. Wenn er die blaue Pille nimmt, bleibt alles, wie es ist. Nimmt er die rote, erkennt er, dass die Welt nur eine Fiktion ist, die von intelligenten Maschinen aufrechterhalten wird, um die Menschheit zu versklaven. Ich habe die rote Pille genommen.“

Nunja, was Pillen so alles bewirken können..

Kelton und andere MMT-Theoretiker glauben also, dass sich Jahrhunderte lang alle Ökonomen geirrt haben, dieser Irrweg aber nun durch revolutionäre Erkenntnis endlich durchbrochen ist. Ohne das gerade scheiternde Experiment der Notenbanken, die ernsthaft und gegen jede Evidenz glauben, durch Negativzinsen und Anleihekäufe fehlende Nachfrage in immer älteren und gleichzeitig immer verschuldeteren Gesellschaften komensieren zu können, wären solche Hinrgespinste wie MMT nicht möglich.

Unser Grundproblem ist doch: wir verschieben Zahlungsversprechen wie Pensionsansprüche, Kredite ect. immer weiter in die Zukunft (dafür stehen symbolisch Staatsanleihen mit 100 Jahren Laufzeit). Gleichzeitig aber verlieren wir stetig an Substanz, weil immer weniger arbeitende Menschen immer größere Zahlungsansprüche der immer zahlreicher werdenden Nicht-Arbeitenden finanzieren müssen. Diesen Grundwiderspruch aber kann man nicht (oder zumindest nicht dauerhaft) durch Gelddrucken zuschütten.

Wenn wir ehrlich mit uns selbst wären, müssten wir eigentlich schrumpfen – oder zeitnah neue revolutionäre Innovationen schaffen. Aber das geht natürlich nicht in Gesellschaften, deren Grundideologie auf ewig andauerndem Wachstum basiert und die ihre Zukunft bereits in der Gegenwart verkonsumiert.

Solange das Wachstum da war, war alles gut, weil die kapitalistische Demokratie das Wohlstandsversprechen für immer mehr Menschen tatsächlich auch eingelöst hat. Aber das ist nun vorbei – und weil unser Wirtschaftssystem das Wohlstandsversprechen für immer mehr Menschen eben nicht mehr einlöst, sehen wir den Aufstieg von „rechtspolulistischen“ Parteien. Diese wiederum aber sind selbst Verfechter von MMT – sie wollen also Schulden machen, um die Frustrierten zu beglücken. Irgendwie ein Teufelskreis..

Wir unterliegen einer Wohlstandsillusion durch Aufschiebung von Zahlungsversprechen – und wollen uns diese Illusion partout nicht nehmen lassen. Das ist sehr menschlich, aber leider nicht hilfreich. Denn die Widersprüche fallen uns so oder so auf die Füsse, und je länger wir der Illusion hinterherjagen, umso schmerzhafter ist dann der Aufprall mit der Realität..

MMT verspricht, alle Probleme zu lösen - wie durch Geisterhand



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3 Kommentare

  1. Man kann es MMT nennen, eigentlich ist es aber ein Schnellballsystem, unser Wirtschafts aber auch unsere Rentensysteme sind Ponzisysteme in Reinform.

    Alle diese doch recht erheblichen Systeme von welche wie mehr oder weniger heute oder dereinst Abhängig sind, sind nicht Funktionstüchtiger als Madoffs Fonds, der hat auch Super Funktioniert solange unten genügen neue nachkommen.

    Das aber unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist auf eine begrenzten Planten müsste eigentlich dem dümmsten klar sein. Solange keine Planetare Expansion möglich ist, sind wir begrenzt und unsere Systeme werden zwingend an Grenzen kommen, Ausnahmslos alle die direkt oder indirekt irgendwie von der Utopie von unbegrenztem Wachstum abhängig ist, also mehr oder minder alles.

    Ich habe die rote Pille genommen….eine bessere Erklärung ist Ihr nicht mehr eingefallen? Wahrscheinlich ist es wahr und Sie ist heute noch auf LSD

  2. …wahrscheinlich braucht die USA deshalb die über 1 Mrd. Chinesen, um das Schneeballsystem weiter betreiben zu können…

  3. Kelton: „Ich habe die rote Pille genommen.“Farbenblindheit?!

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