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Notenbanken: Erfüllungsgehilfen der Regierungen

Wolfgang Müller

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Die Notenbanken sind immer stärker getrieben von politischen Zwängen!

Heute Abend kommt es zum nächsten Schritt der US-Notenbank, der Federal Reserve, mit einer höchstwahrscheinlichen Zinssenkung – nebst der Umsetzung von weiteren Anleihekäufen am kurzen Ende. Einer Maßnahme, die als neues Quantitative Easing kommt, nach den bisherigen Entwicklungen am Geldmarkt sogar kommen muss, aber nicht so genannt werden darf. Es wurde diesseits und jenseits des Atlantiks viel Kritik an den Notenbanken geäußert, über die Politik des Gelddruckens. Aber zwingen nicht der gesetzliche Auftrag und das Handeln der gerade gewählten Regierungsvertreter die Notenbanken zu ihren Maßnahmen?

Hier ein paar Gedanken über ein politisches System, in dem die „unabhängigen“ Notenbanken mehr und mehr zu Erfüllungsgehilfen der Regierungen mutierten.

 

Vereinigte Staaten von Amerika

Betrachten wir zuerst nur die Politik der Fed in den letzten drei Jahren. Der Nachfolger von Janet Yellen, Jerome Powell, hatte versucht die Politik des Gelddruckens zurückzuführen, in dem er die Zinsen 2018 vier Mal angehoben hatte und die Bilanz der Notenbank durch Anleiheverkäufe reduzieren wollte.

Er hatte erkannt, welche unselige Wirkung die Wirkung der Steuerreform von Donald Trump ausgelöst hat. Am Ende eines langen Konjunkturzyklus einen solchen schuldenfinanzierten Zuckerrausch zu erzeugen, bei dem eine Inflationsspirale in Gang kommen muss. Dazu kam noch die Anzettelung des Handelskriegs durch den US-Präsidenten, mit den ständigen Eskalationen, der die Weltwirtschaft in einen Abschwung führt. Die Folge war ein veritabler Einbruch an den Aktienmärkten im Dezember 2018, mit großen Sorgen vor einer kommenden Rezession, eines Vermögensverlustes der US-Bürger und eines drohenden Kollapses der BBB-Unternehmen durch den Absturz in den Junkbond-Bereich.

Hat die Fed nicht den gesetzlichen Auftrag für die Stabilität des Geldes und der Konjunktur (Arbeitsmarkt) zu sorgen? Und wurde der Versuch von Powell zur Normalisierung der Geldpolitik nicht durch den eigenen Präsidenten torpediert, indem er ihn monatelang in den Medien als „Dummkopf“ bezeichnete, ihn absetzen wollte und andere „dovishe“ Mitglieder in den Offenmarktauschuss installieren wollte? Die Notenbank sei quasi zu „blöde“ zu erkennen, dass die USA billiges Geld benötigen, um zu wachsen.

Hatte im Dezember 2018 nicht ein ehemaliger Economic Council Director der Bush-Regierung es so formuliert: „Die US-Notenbank hat die letzten drei Rezessionen verursacht durch ihre Zinsanhebungen. Wenn sie weiter die Zinsen anhebt und einen vierten Wirtschaftsabschwung verursacht, dürfte sie unter diesem Präsidenten ihre Unabhängigkeit riskieren.“ Die Notenbank als Getriebene der fehlerhaften Wirtschaftspolitik und der Märkte!

 

Europa

Im Jahr 2012 hat Mario Draghi wahrscheinlich den Zusammenbruch des Euroraumes durch seine „Whatever it takes-Rede“ und den folgenden Maßnahmen verhindert.

Griechenland stand mit zweistelligen Zinsen vor der Staatspleite – ein Land, das nicht einmal verhindern konnte, dass Tausende bereits jahrelang verstorbene Rentner noch ihre Bezüge erhielten, die Regierung nicht einmal einen Überblick über den Immobilienbestand in Athen hatte und Abertausende Handwerker und Taxifahrer überhaupt keine Rechnungen ausstellten. Also ein Land, in dem es kein funktionierendes Staatswesen gab..

Oder Italien, wo es einfach keine Reformen im verkrusteten Arbeitsmarkt gegeben hat, die Bürger aber eine Salvini-Regierung wählten, die den Euro-Austritt versprach und die Verschuldung des Landes einfach weiter anheben wollte.

Oder Frankreich, bei dem die Gelbwesten nach Reformen auf die Straße gingen und Paris zu verwüsten begannen, wo bei Streiks Lkw-Fahrer einfach die Autobahnen blockieren und die Wirtschaft lahmlegen. Oder durch einen Präsidenten (Hollande), der aus wahltaktischen Gründen einfach das Renteneintrittsalter auf 60 Jahre in diesem demographischen Umfeld in Europa herabgesetzt hatte.

Das sind nur ein paar Beispiele von vielen, wo politische Entscheidungen Staatshaushalte in Schwierigkeiten brachten – und man dann immer nach der Notenbank rief, um mit billigem Geld schmerzhafte Reformen zu umgehen.

Insgesamt ein nahezu unmögliches Unterfangen, in einer Eurozone der unterschiedlichen Geschwindigkeiten eine adäquate Notenbankpolitik zu betreiben, ohne für eine Auflösung derselben zu sorgen.

Das Ganze mündet dann in solchen Maßnahmen wie in der Türkei, wo ein Präsident die Notenbank bei zweistelligen Inflationsraten auffordert, die Zinsen zu senken, weil dann die Teuerungsraten zurückkämen. Bei Nichtbefolgung kann man dann mal schnell den Notenbankchef auswechseln.

Politiker aller Staaten fürchten nichts mehr als eine Rezession und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit, weil das dann den Verlust ihres Regierungsjobs bedeuten würde. Deshalb wird die Zinspolitik der Notenbank missbraucht, um schmerzhafte Reformen zu vermeiden. Eine unübersehbare Entwicklung in vielen Ländern.

 

Fazit: Notenbanken unter politischem Druck

Das alles sind Überlegungen, warum es zu einer solchen Zinspolitik der Notenbanken kommen musste, die ihrerseits zweifellos ihre Fehler gemacht haben, aber schlussendlich in den politischen Systemen gar keine andere Chance haben, als die Geldpolitik der Vorgänger fortzusetzen.

Aber hatten viele der Notenbanken in der letzten Dekade überhaupt eine andere Wahl? Als die US-Regierungen – schon unter Bill Clinton beginnend – jedem US-Haushalt ein eigenes Eigenheim versprochen hatten, alle Regeln wirtschaftlicher Vernunft außer Kraft setzend und eine Finanzkrise (zudem eine Bankenkrise durch die entstandene Immobilienblase) irdischen Ausmaßes initiierten, die Beseitigung der Folgen aber auch der Notenbankpolitik überließen? Schlussendlich ist ein Notenbankpräsident wie Jerome Powell ein Getriebener des Systems und eigentlich sogar etwas zu bedauern. Wenn er nur das Wort Rezession in den Mund nähme, bekäme er diese „subito“, weil die Märkte diese mit einem Abverkauf verursachen würden.

Die Notenbanken haben derzeit in einer schuldengefluteten Welt nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Kritik an ihnen lässt sich von außen leicht üben. Wohin das alles führen muss, wurde in vielen Beiträgen (Dr. Krall und v.a.) schon skizziert.

 

Die Notenbanken geraten immer mehr in das Korsett der Politik

Foto: EZB

CC BY-NC-ND 2.0

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Aktien: Flash Mob – jetzt wird es gefährlich! Marktgeflüster (Video)

Ein Flash Mob, der sich auf social media-Kanälen verabredet, kauft Aktien über Call-Optionen. Warum das für die Märkte gefährlich ist!

Markus Fugmann

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Die Dinge werden immer extremer: ein Flash Mob, der sich auf social media-Kanälen wie Reddit verabredet, kauft Aktien über weit aus dem Geld liegende Call-Optionen – und bringt damit sowohl Short-Seller (wie heute Citron im Falle der Aktie Gamestop) unter Druck. Aber auch die Broker, die diese Call-Optionen verkaufen, denn diese müssen sich dann häufig durch den (physischen) Kauf der jeweiligen Aktie absichern: gelingt das nicht, bringt das immense Risiken mit sich, die zum „Aus“ des Brokers (und des Short-Sellers) führen können. War es ein Zufall, dass heute in den USA fast alle Neo-Broker Probleme hatten und phasenweise offline waren? Wohl nicht. Für die Märkte bringen solche Flash Mobs Instabilität und unkalkulierbare Risiken mit sich..

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Rüdiger Born: Charttechnik bei Nasdaq und Gold

Rüdiger Born

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Dax: Der deutsche Leitindex und die deutsche Wirtschaft

Wie kann es sein, dass der deutsche Leitindex Dax auf Rekordständen notiert, obwohl es einem Teil der Wirtschaft doch so schlecht geht?

Wolfgang Müller

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Derzeit wird viel darüber gerätselt, warum es sein kann, dass der deutsche Leitindex Dax auf Rekordständen notiert, obwohl es einem Teil der Wirtschaft doch so schlecht geht? Im Bereich der Gastronomie und in vielen Dienstleistungsbranchen herrscht große Not und viele Firmen können sich nur knapp über Wasser halten. Woher also diese Divergenz, spielen die Börse komplett verrückt?

Der Dax und Deutschlands geschrumpfte Wirtschaft

Vor Kurzem wurde die erste Berechnung für das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands des Jahres 2020 veröffentlicht. Es ist um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen, von 3,44 auf 3,329 Billionen Euro, macht pro Bürger 40.033 Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Das Verarbeitende Gewerbe war besonders durch den Totaleinbruch im zweiten Quartal 2020 um 10,4 Prozent gefallen. Der Dienstleistungsbereich mit Handel, Verkehr und Gastgewerbe um 6,4 Prozent, allerdings nur deshalb vergleichsweise wenig, weil der Onlinehandel einen gewaltigen Boom erlebt hat. Die Bauausgaben hingegen nahmen gegenüber dem Vorjahr sogar um 1,4 Prozent zu.

Die Konsumausgaben der Bürger erlebten mit minus 6 Prozent den größten Rückgang seit Jahrzehnten, allerdings wirkten die Ausgaben des Staates mit plus 3,4 Prozent dagegen stabilisierend.

Der Außenhandel mit seinen Exporten und Importen von Waren und Dienstleistungen ging im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders stark natürlich der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

„Die staatlichen Haushalte beendeten das Jahr 2020 nach vorläufigen Berechnungen mit einem Finanzierungsdefizit von 158,2 Milliarden Euro. Das war das erste Defizit seit 2011 und das zweithöchste Defizit seit der deutschen Vereinigung, nur übertroffen vom Rekorddefizit des Jahres 1995, in dem die Treuhandschulden in den Staatshaushalt übernommen wurden.“ So das Statistische Bundesamt.

Wieso steht der deutsche Leitindex nun knapp über seinem Stand vom Februar 2020, dem Beginn der Corona-Krise?

Die Besonderheit des Dax

Warum also steht der deutsche Leitindex Dax höher als vor der Krise, trotz der schlechten Wirtschaftsdaten? Dafür dürfte es mehrere Ursachen geben.

Zum einen blickt der Index bereits weit in das Jahr 2021, also auf die Zeit, in der man glaubt das Virus eingedämmt zu haben und zum anderen ist er kein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft mit seinen vielen exportorientierten Titeln. Dies wird allein schon aus seiner Marktkapitalisierung ersichtlich. Diese beträgt aktuell 1,265 Billionen Euro, im Vergleich zum deutschen Bruttoinlandsprodukt von 3,329 Billionen Euro. Ganz anders die USA, wo allein der S&P 500 mit seiner 40-Billionen-Marktkapitalisierung fast schon das Doppelte der US-Wirtschaftsleistung ausmacht (20,8 Billionen Dollar).

Viele der Branchen, die das deutsche BIP ausmachen, sind gar nicht im Dax repräsentiert, oder gar nicht börsennotiert. Etwa der Mittelstand, oder die derzeit so gebeutelten Dienstleistungsbranchen, wie das Gastgewerbe, oder auch Tourismus und Kultur. Betrachtet man die vielen Pleiten und schmerzhaften Einschnitte in diesen Bereichen, so wird erkennbar, dass diese (zunächst) nicht den deutschen Leitindex tangieren. Beispielsweise Karstadt, Kaufhof, Douglas, Adler, Klier, Arko, Eiles u.v.m.

Die Unternehmen im Dax legen zum Teil schon wieder starke Unternehmensergebnisse vor. Sei es die deutsche Post, die die große Paketflut kaum bewältigen kann, der Spezialchemiekonzern Covestro, oder jüngst der größte Chemiekonzern Europas, BASF. Besonders bedeutsam, weil dieser weltweite Lieferant von Grundprodukten so etwas wie ein Frühindikator der Weltwirtschaft gilt. Die Ludwigshafener sind in nicht weniger als 90 Ländern dieser Erde präsent. Abertausende von Firmeninsidern haben dafür gesorgt, dass der Aktienkurs seit dem Coronatief bereits wieder um 75 Prozent gestiegen ist.

Was wird erst demnächst Infineon für Zahlen liefern, angesichts der großen Nachfrage nach Chips (Automobilbau)?

Unsere Automobilindustrie zeigt deutlich, wo die Corona-Krise bereits überwunden ist, in Fernost. BMW, Daimler und Volkswagen haben sehr von der Erholung der chinesischen Wirtschaft profitiert. Diese Firmen verkaufen bereits 30 bis 40 Prozent ihrer Fahrzeuge in China. Dort gibt es nach Jahren der Schrumpfung wieder einen richtigen Boom im Automobilsektor. Nicht zu vergessen der US-Markt, wo es zumindest 2021 einen schuldenfinanzierten Aufschwung geben sollte. Über die Pläne der neuen US-Administration wurde schon ausführlich berichtet.

So bleibt festzustellen: Die Kurs/Gewinn-Verhältnisse der Unternehmen des Dax liegen bei 20 von 30 Unternehmen für das Jahr 2021 gleich oder besser als der 10-Jahresdurchschnitt.

Fazit

Laut der deutschen Börse ergibt sich für den Dax in den vergangenen 30 Jahren ein durchschnittliches Kurs/Gewinn-Verhältnis von 19, längerfristig von 15. Das aktuelle KGV für das Jahr 2021 wird mit 19 angegeben, sollte es mit der deutschen Wirtschaftserholung tatsächlich so klappen, wie erwartet. Die ersten Ergebnisse der Unternehmen deuten daraufhin, dass es tatsächlich der Fall sein könnte, wenn Volkswagen selbst im Corona-Jahr noch einen Gewinn von 10 Milliarden Euro ausgewiesen hat. Der deutsche Leitindex ist zweifelsohne hoch bewertet, aber seine Kennziffern zeigen kein völliges Auseinanderdriften zur Wirtschaft, wie es zum Beispiel in den USA bei vielen Werten der Fall ist. Aber hier liegen auch die Probleme des deutschen „Performance-Index“. Er ist abhängig von der Entwicklung der großen Volkswirtschaften von China und den USA und von der Wall Street. Wenn dort die Kurse einbrechen, tun es unsere auch, zumal sich der Dax auch noch in Summa in den Händen ausländischer Investoren befindet, zumeist angelsächsischen (Beispiel BlackRock). Aber eines ist er gewiss nicht: Ein Abbild der deutschen Volkswirtschaft.

Spiegelt der Dax die deutsche Wirtschaft wider?

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