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Märkte

Ölpreis mit kräftigem Absturz – hier die drei Gründe

Claudio Kummerfeld

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am

Was bisher geschah… wegen zunehmender Angst vor einer Ausweitung des Handelskriegs und einem deswegen rückläufigem Welthandel fiel der Ölpreis schon seit Tagen. Zuletzt drohte China mit der Beschränkung der Lieferung von Seltenen Erden, was die Ängste nochmal verschärfte. Und jüngst konnte der Ölpreis einen kleinen Boden bei 57,50 Dollar ausbilden. Und gestern ging es darum, ob der Markt dieses Niveau würde halten können.

Öl-Lager als Trigger für kräftig fallenden Ölpreis

Dann folgten gestern die offiziellen Öl-Lagerbestände aus den USA. Wo kurz zuvor von den privaten API-Daten fallende Lagerbestände in Höhe von 5 Millionen Barrels avisiert wurden, waren es dann letztlich offiziell nur -0,3 Millionen Barrels. Also keine wirklich fallenden Lager, was somit den Bullen die notwendigen Argumente für eine Trendumkehr im Ölpreis entzog.

Von da an begann gestern ab 17 Uhr deutscher Zeit der weitere Absturz im Ölpreis. Es ging abwärts von 58,80 Dollar (WTI-Öl), in vier einzelnen Schüben mit jeweils folgenden kurzen Verschnaufpausen. Und so notiert der Markt aktuell bei 55,41 Dollar, also mehr als 3 Dollar tiefer als gestern Nachmittag. Die Lagerbestände boten den Trigger (Auslöser) für den Abverkauf. Aber verstärkend zu den Lagerdaten wirkte als zweiter Grund um 17 Uhr auch die Info, dass die Öl-Förderung in den USA im Wochenvergleich um weitere 100.000 Barrels pro Tag angestiegen ist auf 12,3 Millionen Barrels pro Tag.

Donald Trump sorgt für Folge-Schübe

Und nach diesen harten Fakten kam dann noch Donald Trump dazu. Er bringt weiter richtig Action in den Handelskrieg mit China, und auch mit dem Rest der Welt. Neue Zölle gibt es gegen chinesische und auch europäische Firmen. Und mal eben so werden auch auf alle mexikanischen Importe neue Zölle eingeführt. Dieser ganze Zoll-Wahnsinn treibt natürlich weltweit Produktionskosten in die Höhe, und der Welthandel wird dadurch vermutlich spürbar abnehmen. Daher wirkt ein sich ständig ausweitender Handelskrieg bremsend auf den Welthandel, was vom Terminmarkt folglich als wahrscheinlich sinkender Nachfragedruck für Öl wahrgenommen wird.

Und so sackte der Ölpreis seit gestern Nachmittag stufenweise kräftig in den Keller. Die Unterstützung bei 57,50 Dollar ist tot. Nun schauen wir auf tiefere Marken. Im folgenden Chart schauen wir zunächst mal, wie sich WTI-Öl seit Anfang dieser Woche entwickelt hat. Zunächst konnte er sich gerade noch halten, brach dann aber seit gestern kräftig nach unten durch.

WTI Ölpreis seit Anfang dieser Woche

Chartmarken im Blick

Im folgenden Chart sieht man das größere Bild seit Dezember 2018. Die 57,50er-Marke ist Geschichte, und jetzt hängen wir ganz kurz vor dem Level von 55 Dollar (mittlere Linie). Danach folgt das Niveau von 52,50 Dollar. Man sollte diese Marken im Auge behalten. Aber noch wichtiger für den Ölpreis scheint momentan die Nachrichtenlage rund um Donald Trump zu sein. Die Lagermengen seit Monaten, und von der OPEC hört man aktuell nichts Neues. Also sollte man heute und nächste Woche noch mehr denn je auf das Twitter-Konto von Donald Trump achten.

Ölpreis WTI seit Dezember 2018

Öl-Bohrinsel - fallender Ölpreis
Öl-Bohrinsel. Foto: Andyminicooper CC BY-SA 3.0

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    31. Mai 2019 14:26 at 14:26

    Ganz einfach, der Ölmarkt ist unberechenbar, aber wen man hinschaut , kann man sehen , dass er parallel zum Aktienmarkt läuft. Ich glaube @ Gixxer hat das kürzlich erwähnt.
    Anfang Mai hätte man US- Indices shorten können anstelle von Öl, ohne Risiko eines starken Rallys bei Iran
    Konflikt – Verschärfung. Danke für den Tipp. Bitte weiter so, mein Konto könnte noch einige todsichere Tipps ertragen.

    • Avatar

      Gixxer

      1. Juni 2019 19:54 at 19:54

      Ich hatte schon das ein oder andere Mal zu Öl was geschrieben, aber meines Wissens nie konkrete Ein- oder Ausstiegspunkte. Ich hatte lediglich auf die wackligen (mit Überschneidungen) Aufwärtsmoves hingewiesen, die nach Born weitere Abwärtsschübe erwarten ließen.

  2. Avatar

    Shong09

    31. Mai 2019 16:13 at 16:13

    Der Hinweis kam von mir ;) weil jemand anders sich nicht getraut hatte, so wie ich auch, Öl zu shorten

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Anleihen

Goldpreis vs Anleiherenditen: Eindeutiger Langfristvergleich

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Gold-Barren

Der Goldpreis wird von vielen Faktoren beeinflusst. Da wäre zum Beispiel der US-Dollar, und natürlich das allgemeine Risk On/Risk Off-Szenario. Sind die Anleger bereit aufgrund diverser Faktoren mehr Risiko einzugehen, verkaufen sie Gold und kaufen Aktien, und umgekehrt. Je mehr die Notenbanken Geld drucken und je mehr die Staaten sich verschulden, desto wichtiger erscheint vielen Anlegern auf lange Sicht auch Gold als sicherer Fluchthafen vor Inflation, und der Goldpreis steigt.

Aber vor allem werden auch die Anleiherenditen als wichtiger Beeinflussungsfaktor für den Goldpreis herangezogen. Je mehr Rendite man für Staatsanleihen erhält, desto weniger attraktiv ist das zinslose Gold bei Anlegern. Schauen wir daher mal auf den folgenden Chart, ob man langfristig eine echte Verbindung zwischen Gold und Anleiherenditen erkennen kann. Hier sehen wir seit Anfang 2016 in blau den steigenden Goldpreis, der seitdem 69 Prozent zulegen konnte. Die in orange verlaufende Anleiherendite (für zehnjährige US-Staatsanleihen) ist seitdem um 46 Prozent gesunken (langfristig gesunkenes Zinsniveau). Man sieht eine klare negative Korrelation. Je tiefer die Anleiherenditen, desto besser für den Goldpreis. Das jüngste Ansteigen in der Rendite hat dem Goldpreis einige Schwierigkeiten bereitet, und seinen weiteren Anstieg erst einmal ausgebremst.

Chart zeigt Goldpreis gegen Anleiherenditen seit dem Jahr 2016

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