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Ölpreis fällt deutlich – negative Gemengelage – Experten erklären

Der Ölpreis fällt deutlich. Die Gemengelage verdüstert sich für die Öl-Bullen. Und die Möglichkeit für saudische Reaktionen erhöht sich.

Öl-Pumpen
Öl-Pumpen. Photographer: Angus Mordant/Bloomberg

Der Ölpreis fällt deutlich. Seitdem einige Mitglieder der OPEC am 30. November verkündeten, im ersten Quartal 2024 ca 1 Million Barrel Öl pro Tag weniger fördern zu wollen, ist WTI-Öl bis jetzt um satte 11 Dollar abgestürzt – eigentlich wäre früher ein Preisanstieg normal gewesen! Den Markt überzeugt diese „Vorstellung“ des Kartells nicht. Denn Nachfrageschwäche nach Öl und eine Schwemme aus den USA sorgen für ein Szenario des Überangebots auf dem Weltmarkt in den nächsten Monaten. Die aktuelle Nachrichtenlage macht die Lage für die Öl-Bullen jetzt noch schlechter. Hier erstmal kurz der Blick auf das große Bild: Dieser TradingView Chart reicht zurück bis April. Man erkennt gut, wie der WTI-Ölpreis jetzt sogar tiefer notiert als im Juli – damals verkündete Saudi-Arabien seine Fördermengenkürzung von 1 Million Barrel pro Tag.

Grafik zeigt Kursverlauf im Ölpreis seit April

Ölpreis fällt deutlich – Experten erläutern

Die Experten der Saxo Bank schreiben aktuell: Der Ölpreis fiel am Dienstag um fast vier Dollar auf den niedrigsten Stand seit fünf Monaten, da die verstärkten Zuflüsse aus Russland Zweifel an der Einhaltung der OPEC-Vorgaben weckten. Eine Erhöhung der US-Produktion und steigende US-Rohölbestände in Cushing (US-Bundesstaat Oklahoma) belasteten ebenfalls. Die OPEC, die kürzlich fälschlicherweise ein massives Angebotsdefizit vorausgesagt hatte, wird im Laufe des Tages ihren Monatsbericht veröffentlichen.

Der Ölpreis setzte seine Talfahrt über Nacht fort, da steigende russische Fördermengen und eine höhere US-Produktion die Befürchtung verstärkten, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt, so sagt es Bloomberg aktuell. Weiter schreibt man: Die globale Referenzsorte Brent wurde unter 73 Dollar pro Barrel gehandelt, nachdem sie am Dienstag um fast 4 % gefallen war, während West Texas Intermediate bei 68 Dollar notiert. Der Wochendurchschnitt der russischen Rohölexporte auf dem Seeweg stieg auf den höchsten Stand seit Anfang Juli, während die USA ihre Schätzung für die Produktion in diesem Jahr anhoben.

Seit Ende September ist der Ölpreis (Rohöl) um etwa ein Viertel gesunken, und auch der jüngste Plan der OPEC+, die Fördermengen zu kürzen, konnte die Talfahrt nicht aufhalten, da die Mitglieder der Gruppe skeptisch sind, ob sie sich an die freiwilligen Kürzungen halten werden. Zu den schlechten Aussichten kommt noch hinzu, dass sich das Wachstum des chinesischen Rohölverbrauchs im nächsten Jahr verlangsamen dürfte, und dass die USA möglicherweise in eine Rezession geraten werden.

Der Ölmarkt sieht sich mit einem von den USA verursachten Anstieg des Nicht-OPEC-Angebots und Zweifeln an der Einhaltung der OPEC-Vorgaben konfrontiert, die mit den Aussichten auf eine nachlassende Nachfrage kollidieren“, so Vishnu Varathan, Asien-Chef für Wirtschaft und Strategie bei der Mizuho Bank in Singapur.

Die US-Rohölproduktion wird für 2023 auf 12,93 Millionen Barrel pro Tag prognostiziert, ein Anstieg um 300.000 Barrel pro Tag gegenüber der vorherigen Schätzung, so die Energy Information Administration in ihrem monatlichen Ausblick. Unabhängig davon meldete das American Petroleum Institute gestern Abend einen Anstieg der Ölvorräte am Umschlagplatz Cushing, Oklahoma, um 1,4 Millionen Barrel, wie mit den Zahlen vertraute Personen berichteten.

Wichtig für den Ölmarkt: Die OPEC veröffentlicht ihren monatlichen Marktbericht im Laufe des Tages, während die US-Notenbank ihre letzte Zinsentscheidung in diesem Jahr treffen wird heute Abend um 20 Uhr. Am Donnerstag wird die Internationale Energieagentur mit Sitz in Paris ihren monatlichen Ausblick veröffentlichen.

Kommentar

FMW: Wie in den letzten Tagen auch, bleibe ich bei meinem möglichen Szenario, ohne jegliche Gewissheit, ob es wirklich so kommen wird. Wie in der Vergangenheit, könnte Saudi-Arabien auch diesmal zu drastischen Maßnahmen greifen, um den Ölpreis wieder zum Ansteigen zu bringen. Das Land könnte in Eigenregie die Fördermengen plötzlich ausweiten, und damit einen noch kräftigeren Absturz im Ölpreis auslösen. Und erst dann, wenn die anderen OPEC-Mitglieder sehen, wie sehr sie unter einem viel zu geringen Preis leiden, könnten sie gezwungen sein zusammen mit Saudi-Arabien endlich in großem Umfang und konsequent Fördermengen zu kürzen. Die zweite und einfachere Variante wäre: Saudi-Arabien könnte verkünden, dass man die eigene Fördermengenkürzung von -1 Million Barrel pro Tag beispielsweise auf -2 Million Barrel pro Tag ausweitet. Das könnte den Ölpreis plötzlich hochspringen lassen? Möglich, aber in diesem hochspannenden Markt ist nichts sicher!

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Vor einiger Zeit trafen sich OPEC+-Mitgliedsland Russische Föderation-Staatspräsident Dr. Wladimir Putin und OPEC+-Mitgliedsland Königreich Saudi-Arabien-Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud. Was hierbei zunächst bei beiden zu kritisieren ist, ist die Tatsache, daß sie bilaterale Gespräche über das Arabische Liga-Mitgliedsland Arabische Republik Syrien führten. Auch wenn in der hochspannenden Ölindustrie nichts sicher ist: Hätte Präsident Putin nicht am Rande des genannten Meetings mit Kronprinz bin Salman das Thema Öl-Allianz OPEC+-Ölfördermenge erörtern, abstimmen können? Es sieht jedenfalls nicht danach aus, daß bei Putin der diesbezügliche energie- und rohstoffpolitische Wille vorhanden war. Möglicherweise gilt hierbei nachfolgendes auch für Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud: Staatspräsident Dr. Wladimir Putin lässt sich täglich über den Ölpreis informieren.

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