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Blick nach China bleibt wichtig Ölpreis mit Wende? Der Tag nach den „Fake News“ über die OPEC

Ente oder Fake News? Egal, der WSJ-Bericht über mehr Öl von der OPEC+ wurde dementiert. Der Ölpreis steigt. Aber man muss nach China blicken.

Öl-Pumpe

Gestern Nachmittag war der Ölpreis schnell und deutlich gefallen. WTI-Öl fiel von 79 Dollar auf 75,40 Dollar im Tief. Aber Abends ging es dann schnell wieder bergauf. Und heute sehen wir Kurse von 80,67 Dollar. Aufgeschreckt hatte den Markt gestern ein Bericht des Wall Street Journal, wonach die OPEC+ erwäge die Öl-Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Aber das war wohl eine Ente. Im Chart, der bis zum 11. November zurückreicht, erkennt man gut den gestrigen Absacker und die rasche Erholung.

Experten über „Fake News“, Reaktionen und Bewegungen im Ölpreis

Nach der Dementierung von Seiten der Saudis konnte der Ölpreis wie gesagt auf höhere Niveaus als vor der Meldung steigen. Die Experten der Commerzbank (CoBa) sprechen bezüglich dieser gestrigen Meldung sogar von „Fake News“. Laut WSJ hätte die US-Regierung entsprechend auf Saudi-Arabien eingewirkt. Als Quelle wurden nicht namentlich bekannte Vertreter der OPEC angeführt. Die Commerzbank-Experten schreiben weiter, dass die Preise die Verluste später wieder wett machten, nachdem Saudi-Arabien diesen Bericht dementierte und sogar die Möglichkeit einer weiteren Produktionskürzung erwähnte.

Eine Produktionserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wäre laut CoBa eine 180-Grad-Kehrtwende von der bisherigen Politik gewesen, die auf eine Stabilisierung des Ölmarktes und einen möglichst auskömmlichen Ölpreis abzielt. Erst vor kurzem hatte Saudi-Arabiens Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman bekräftigt, dass man angesichts der zahlreichen Risiken vorsichtig vorgehen wolle. Die gestrige Reaktion im Ölpreis dürfte die Saudis laut der CoBa in dieser Position bestärkt haben. Zudem würde man mit einer Produktionserhöhung die Kooperation mit Russland gefährden. Denn einen Tag nach der besagten OPEC+-Sitzung tritt das EU-Ölembargo gegen Russland in Kraft.

Corona-Restriktionen in China wichtig für Ölnachfrage

Stattdessen dominieren laut CoBa im Moment die Nachfragesorgen wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen in China. Diese haben fast das Rekordniveau von April erreicht, als Shanghai in einen mehrwöchigen Lockdown geschickt wurde. Hoffnungen auf eine Lockerung der Beschränkungen oder gar auf eine baldige Beendigung der Zero-Covid-Politik haben dadurch einen herben Dämpfer erlitten. Im Moment werden eher die Maßnahmen wieder verschärft, wenn auch noch vergleichsweise geringfügig. Die Nachricht, dass China im Dezember deutlich weniger Öl aus Saudi-Arabien einführen will als vereinbart, hat die Sorgen vor einer schwächeren Nachfrage zusätzlich verstärkt. Sollte die Ölnachfrage in China tatsächlich schwächer ausfallen als erwartet, würde das zumindest kurzfristig für einen überversorgten Markt sprechen.

FMW: „Überversorgter Markt“, das hört sich an nach einem tendenziell eher weiter fallenden Ölpreis, und einer weiterhin restriktiven OPEC+, die eher an weitere Fördermengenkürzungen statt Erhöhungen denkt. Man blickt wohl weiter auf China. Dort will man offenkundig weiter an seiner äußerst restriktiven Corona-Politik festhalten, was Wirtschaft und Konsum bremst, und damit auch die Öl-Nachfrage dämpft.

Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit dem 11. November Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit dem 11. November.



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1 Kommentar

  1. Nun ja, der WSJ-Bericht sprach ja von Gerüchten. Das OPEC+-Mitgliedsland Russische Föderation wird wohl mittels Logistik im Seeverkehr weiterhin Öl verkaufen.

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