Märkte

Hin und her gerissener Ölmarkt Ölpreis fällt – OPEC-Kürzungen vs Rezession und China-Diesel

Der Ölpreis fällt seit gestern spürbar. Als Argumente stehen den OPEC-Kürzungen nun die Rezession und Diesel-Exporte aus China gegenüber.

Der Ölmarkt wird immer wieder mal hin und her gerissen von Argumenten, die für steigende und dann auf einmal fallende Preise sprechen. Erst letzte Woche Mittwoch hatte die OPEC+ entschieden die Fördermenge für Rohöl im November um 2,0 Millionen Barrels pro Tag zu senken. Seitdem konnte der WTI-Ölpreis spürbar zulegen von 86 Dollar bis auf 93,60 Dollar gestern Mittag in der Spitze. Seitdem geht es (mal wieder) bergab auf aktuell 89,25 Dollar (Chart zeigt Kursverlauf seit Mai). Jetzt stehen auf einmal nicht mehr die Verknappungsängste im Fokus der Börsianer, welche durch die OPEC+ erzeugt wurden.

Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Mai

Ölpreis fällt – Blick auf heraufziehende Rezession

In den letzten 24 Stunden scheint die Angst vor der in vielen Ländern heraufziehenden Rezession Überhand zu nehmen, und die Fördermengenkürzung der OPEC+ als Argument für den Anstieg im Ölpreis zu verdrängen. Dies kann in wenigen Tagen aber schon wieder ganz anders aussehen! Aber für jetzt gilt: Rezession bedeutet weniger Öl-Nachfrage, und davor haben wir Angst. Also kann der Ölpreis fallen.

Heute sehen wir zum Beispiel von der deutschen Staatsbank KfW die Aussage, dass der deutsche Mittelstand bereits in der Rezession angekommen ist. Und so könnte man derzeit jede Menge weitere Beispiele für eine Verdüsterung der Konjunktur liefern. Bloomberg formuliert es aktuell so: Der Ölpreis fällt, da Sorgen über eine weltweite Konjunkturabschwächung und eine schwächere Nachfrage mit einer Verknappung des Angebots nach der Produktionskürzung der OPEC+ konkurrierten.

Man schreibt weiter: JP Morgan CEO Jamie Dimon sagt, dass US- und die Weltwirtschaft im nächsten Jahr wahrscheinlich in eine Rezession abrutschen werden, während der Internationale Währungsfonds und die Weltbank steigende Risiken für eine Verlangsamung sehen. Der Ölpreis fiel im vergangenen Monat auf den niedrigsten Stand seit Januar, als die Befürchtungen einer Konjunkturabschwächung zunahmen, um sich dann wieder zu erholen, nachdem die OPEC und ihre Verbündeten mit einer Verringerung der Fördermenge reagiert hatten. Die Anleger beurteilen die Auswirkungen höherer Zinssätze, da die Zentralbanken, einschließlich der Federal Reserve, die Inflation bekämpfen, sowie die durch den Krieg in der Ukraine verursachten Störungen und die Aussichten für das weltweite Angebot auf dem Weg in den Winter der nördlichen Hemisphäre.

„Rohöl wird aufgrund erneuter Nachfragesorgen niedriger gehandelt“, sagte Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank. „Der OPEC-bedingte Preissprung der letzten Woche hat sich über Nacht weiter abgeschwächt, da sich die Risikostimmung an den Märkten erneut verschlechtert hat, weil die Weltwirtschaft, einschließlich der USA, im Jahr 2023 vor großen Herausforderungen steht.“

In China, dem größten Rohölimporteur der Welt, signalisieren die Behörden, dass die „Covid Zero“-Politik des Landes unvermindert fortgesetzt wird, was die Energienachfrage bremsen könnte. Der Ansatz ist nachhaltig und das Land muss daran festhalten, da er der Schlüssel zur Stabilisierung der Wirtschaft und zum Schutz von Menschenleben ist, so das Flaggschiff der Kommunistischen Partei in Peking einem heutigen Kommentar.

China-Diesel kommt wohl verstärkt auf den Weltmarkt

Was Diesel-Reserven aus China zu tun haben mit einer möglichen weiteren Entlastung für den Ölpreis in Europa oder Nordamerika? Wenn China zu hohe Reserven an Diesel hat, oder wenn die dortigen Raffinerien wegen geringerem inländischen Verbrauch und hohen Margen mehr Mengen exportieren können, verkauft man vermehrt Diesel auf den Weltmarkt. Landet davon ein Teil beispielsweise in Europa, müssen die dortigen Großabnehmer weniger Diesel in europäischen Raffinerien bestellen – und die wiederum bestellen dann weniger Rohöl, weil weniger Mengen in Diesel destilliert werden müssen. Vor diesem für den Ölpreis entlastenden Szenario stehen wir derzeit. Wie Bloomberg berichtet, könnte eine Flut von Kraftstoffexporten aus China die angespannte Lage auf dem globalen Dieselmarkt etwas entspannen, bevor die Sanktionen gegen Russland das Angebot noch weiter verknappen dürften.

China hat den Raffinerien vor kurzem das größte Kontingent für die Ausfuhr von Kraftstoffen in diesem Jahr zugeteilt, und Händler gehen davon aus, dass der Dieselproduktion Vorrang eingeräumt wird, da sie für die Hersteller im Vergleich zu anderen Produkten wie Benzin rentabler ist. Europa hat seine Dieselimporte aus dem Nahen Osten und Asien bereits erhöht, da man versucht seine Lagerbestände vor dem Winter und den russischen Sanktionen aufzufüllen.

Die EU wird Anfang nächsten Jahres fast alle Lieferungen von Dieselkraftstoff und anderen raffinierten Erdölerzeugnissen auf dem Seeweg aus Russland, ihrem größten externen Lieferanten, stoppen. Das Branchenberatungsunternehmen FGE schätzt, dass die Lagerbestände an Diesel und Kerosin an fünf globalen Handelsplätzen den niedrigsten Stand seit 2005 erreicht haben, was die chinesischen Lieferungen für die Verbraucher noch attraktiver macht.

„Solange die chinesische Wirtschaft schwach bleibt und die Produktbestände hoch sind, gibt es für die Raffinerien Anreize, ihre Lagerbestände abzubauen und zu exportieren“, so Michal Meidan, Direktor des China Energy Research Programme am Oxford Institute for Energy Studies in Großbritannien.

Peking ist bestrebt, mehr Kraftstoffe zu exportieren, um seine Wirtschaft wieder anzukurbeln, die durch die Schließung von Covid und einen Immobilienabschwung beeinträchtigt wurde. Nach Angaben des Branchenberaters JLC erhielten Raffinerien und Händler neue Quoten in Höhe von 15 Millionen Tonnen, die auf das erste Quartal des nächsten Jahres übertragen werden könnten.

Die Gewinne bei der Herstellung von Dieselkraftstoff sind derzeit die höchsten unter den Verkehrskraftstoffen in Asien, mit Gewinnspannen von rund 44 $ pro Barrel. Bei Düsentreibstoff liegen sie bei 36 Dollar, während die Raffinerien bei Benzin kaum noch Gewinne erzielen können. Auch in den USA sind die Margen für Diesel gestiegen, nachdem mehrere Raffinerien wegen saisonaler Wartungsarbeiten geschlossen wurden.

Laut FGE werden die gesamten Treibstoffexporte aus China bis zum Jahresende voraussichtlich um 500.000 Barrel pro Tag auf fast 1,2 Millionen Barrel steigen. Dies dürfte dazu beitragen, dass Europa sein Dieseldefizit ausgleichen kann. Laut Richard Gorry, Leiter der Produktentwicklung bei Energy Aspects Ltd. in Singapur, dürfte Europa im vierten Quartal eine Versorgungslücke von 1,19 Millionen Barrel pro Tag aufweisen.

Die gestiegenen Exporte Chinas werden zwar für eine gewisse Entlastung sorgen, doch ist es unwahrscheinlich, dass sie die europäische Versorgungslücke in diesem Jahr vollständig schließen können, so Mukesh Sahdev, Leiter des Bereichs Downstream und Ölhandel bei Rystad Energy. Auch die Raffinerien könnten Schwierigkeiten haben ihren Betrieb ausreichend anzukurbeln, um die 15-Millionen-Tonnen-Quote bis Jahresende zu erfüllen, fügte er hinzu. „Das Land müsste sein Raffineriesystem 2,5 bis 3 Mal höher betreiben“, sagte Sahdev und schätzte, dass es derzeit fast 600.000 Barrel pro Tag weniger Kraftstoffe exportiert als vor der Pandemie.

FMW/Bloomberg/Chart von TradingView

Ein Öl-Tanker auf hoher See
Ein Öl-Tanker auf hoher See. Photographer: Ali Mohammadi/Bloomberg


Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

4 Kommentare

  1. Sinkender Ölpreis, mehr Dieselimport aus Asien, aber an der Tankstelle wird der Sprit immer teurer. Da greift uns aber jemand mal so richtig in die Taschen.

    1. was sinkt denn da ? mein Heizölpreis den ich jeden Tag verfolge sinkt nicht.

  2. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert keine Rezession, er prognostiziert eine Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft. Mit dem Ölpreis „kann“ es in wenigen Tagen schon wieder ganz anders aussehen.

  3. Ok, un wer erklärt jetzt warum Diesel hier bei JET (günstigsten hier) 2,10 kostet und vor einem Jahr bei ca. Gleiche Ölpreis 1,20 oder so etwa?
    Wer verdient jetzt unversucht viel? JET ? Shell? Der Staat? Die OPEC?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage